Yellow Submarine (75.)
Veröffentlicht in Abenteuer,Geheimnis,Seepferdchen von Andreas Wrede am 12.06.2011 um 14:22 Uhr

Oder: Eine Unterwasser-Reise ist lautlos schön und schön lautlos.

Worum es geht: Ein Beschluss wird gefasst, ein Gefährt wird gesucht, eine Liste wird gemacht, ein Koffer wird gepackt, einige Kuscheltiere müssen zuhause die Stellung halten, ein geheimnisvoller Eingang und eine Geschichte will dann ihren Lauf nehmen.

Alexander, Marie und der getrennte Papi liegen zusammen auf dem Sofa und sie erzählen sich Geschichten, die auf dem Lande, in der Luft und auch auf dem Wasser spielen. Und wie sie sich so Geschichten erzählen, fassen sie einen wahrhaft phantastischen Beschluss: Sie wollen zu Dritt eine abenteuerliche Reise unternehmen. Aber in was für einem Gefährt? Vielleicht in einem Heiß-Luftballon wie es ihn in “80 Tagen um die Welt” von Jules Vernes gibt, “aber das kann manchmal ziemlich kalt werden da hoch oben,” meint Alexander und der getrennte Papi und Marie stimmen ihm einmütig zu.

“Vielleicht schnappen wir uns ein Segelflugzeug,” meint der getrennte Papi, aber die Kinder finden das, dies wäre zu Dritt vielleicht doch ein wenig zu eng. Marie sagt: “Wir sind noch noch nie unter Wasser gereist, es muss für diese Reise ein U-Boot sein!” Da sagen wir alle begeistert “Ja, ein U-Boot und knallgelb ist es für uns.” Und wer malt es auf? Natürlich Marie, denn sie kann von den Dreien am besten malen. Es wird einen Steuerraum geben, das U-Boot muss ja manövriert werden; einen gemeinsamen Schlafraum mit einer großen Hängemappe, in die wir zu Dritt bequem hineinpassen. Selbstverständlich ein kleines Bad zum Saubersein und Zähneputzen; ein Vorratsraum darf nicht vergessen werden für Lebensmittel und  - okay – einige Süssigkeiten für die Reise, Gummibärchen, Kekse und Schokolade.

Und vorne und hinten und an den Seiten werden Bullaugen eingezeichnet, damit Alexander, Marie und der getrennte Papi immer nach draußen schauen können und stets einen guten Blick haben. Wer weiß denn schon, was und wer ihnen unterwegs begegnen wird? Vielleicht singende und sprechende Seepferdchen, wilde Unterwaserungeheuer und lustige Meeresgestalten, die noch nie Menschen zu Gesicht bekommen haben. Also, das steht mal fest: Das wird jetzt eine verdammt spannende Reise, bleibt nur noch, eine Liste zu schreiben, was wir alles mitnehmen wollen. Es muss halt in einen Koffer passen, in einem U-Boot ist nicht viel Platz. Einige Kuscheltiere können nicht mit auf die Reise, aber zuhause muss ja auch jemand nach dem Rechten schauen. Zum heutigen Schluss ist dann noch die Frage zu klären, wo das U-Boot an der Hamburger Elbe zu Wasser gelassen werden kann, damit unsere Geschichte ihren Lauf nehmen kann. Alexander weiss um einen geheimnisvollen Eingang in der Nähe der “Strandperle” am Strand. Dazu dann mehr morgen vom getrennten Papi in der Fortsetzung…

23 Ziffern (36.)
Veröffentlicht in Engel,Geheimnis,Herz von Andreas Wrede am 19.11.2010 um 23:20 Uhr

Oder: Eins ist mal ganz und gar sicher – There Is Nothing Like This.

Worum es heute geht: Eine sehr spezielle Nummer, illusionäre Wünsche, gewünschte Illusionen, kleine Geschenke, große Geschenke, keine Geschenke, gedachte Engel, die echten Engel, die moderne Klassik und der Beuto.

Sentimentalität ist eine Gemütsverfassung, die durch Rührung gekennzeichnet ist – liest der getrennte Papi auf Wikipedia und findet, das ist eine sehr treffende Charkterisierung seines derzeitigen Gemütszustandes. Es hat, so glaubt er, mit der sich unweigerlich ankündigenden Weihnachtszeit (der getrennte Papi erliegt ihr jedes Jahr aufs Neue) zu tun. Und mithin lieben selbstverständlich Alexander und Marie den 24. Dezember. Und selbstverständlich alle Tage zuvor, wenn die von der Mama handgefertigten Weihnachtskalender-Säckchen Tag für Tag und Säckchen für Säckchen mit aufgeregten Händchen aufgefingert werden. Fabelhaft, großartig, herrlich, könnte nicht besser sein, die Zeit vor der Bescherung halbwegs unaufgeregt zu überbrücken.

Aber die immer/immer/immer brennendste Frage von Marie und Alexander, die mit allen Tricks und Schlichen und auf jedem erdenklichen Umweg gestellt wird, ist die Frage der Fragen der Fragen an den getrennten Papi: “Wie ist die Telephonnummer des Weihnachtsmannes?” Denn, so müssen Sie nun wissen: Der getrennte Papi hat die Nummer des Weihnachtsmannes. Da staunen Sie, ich weiß, nun werden Sie unverzüglich versuchen, diese Nummer aus ihm per Facebook, Mail, Kommentar, SMS oder eben per Telephon raus zu kitzeln. Vergessen Sie’s einfach, Sie haben nicht den Hauch einer winzigen Chance.

Es gibt illusionäre Wünsche, die bleiben notwendiger Weise illusionär, liebe Leserinnen und Leser des getrennten Papi  - und auch liebster Alexander und liebste Marie. Diese Telephonnumer ist und bleibt das Geheimnis des getrennten Papi, er weiß um das Privileg, jenen direkten Draht zum Weihnachtsmann zu haben. Die Nummer hat, das sei verraten, hat 23 Ziffern, vielleicht symbolisch für jeden der 23 Tage vor dem Weihnachtsabend? Es bleibt Ihnen vorbehalten, sich darauf einen adventlichen Reim zu schneidern, Sie können ja mal Ihre Beziehungen zum Nikolaus, falls Sie überhaupt welche unterhalten, checken. Aber nicht mal der hat die Nummer, ich weiß das.

Halten Sie sich doch lieber an gewünschte Illusionen wie Alexander und Marie, die schon langsam anfangen, Gedanken über Form, Länge und Gestaltung ihres Wunschzettels anzustellen. Als der getrennte Papi in ihrem Alter war (zur Erinnerung: sie sind fünf und acht Jahre jung), geriet der Wunschzettel stets lang und länger. Mal wurden Wünsche hinzugefügt, mal wurden sie durchgestrichen, aber so, dass sie noch zu lesen waren, nur für den Fall der Fälle. Und jetzt versteht der getrennte Papi endlich/endlich den seinerzeitgen Satz seines geliebten Papas: “Ich ruf’ den Weihnachtsmann an, Andi.” Es war der liebevollste, gefürchtetste, wundervollste Satz, den ich mir damals vorzustellen vermochte. Mein Vater hatte die Telephonnummer des Weihnachtsmannes! Wie lässig war das denn, bitte schön, wie oberlässig.

Und – genau so, nicht anders war es, ich schwör es, ohne Ableitung, Tatsache – eines schönen Weihnachtstages war eben diese 23-ziffrige Nummer das tollste aller Geschenke, das mir mein Vater unter vier Augen gab, nein, anvertraute, nein unter geradezu konspirativen Umständen (die ich an dieser Stelle nicht näher schildern kann, weil sie eben derart höchst konspirativ gerieten) an mein Herz legte. Allerdings unter einer Bedingung: Wenn ich denn mal Kinder haben sollte, so möge ich dem oder der Jüngsten die 23 Ziffern in sein oder ihr Herz versenken. Und das wird der getrennte Papi tun, also wird Alexander dereinst der Geheimnisträger in dritter Generation sein, keine Frage, so kommt es, dieser Verantwortung wird er sich stellen müssen und er wird ihr gewachsen sein. Da bin ich mir sicher, er kriegt das hin, mein Alexander.

Wenn dann die Klein,- Groß- und Hauptgeschenke unter dem Tannenbaum liegen, noch belassen, eingepackt, unberührt, dann wissen Alle: Der eine oder andere Anruf wurde getätigt, in aller Diskretion, Stille, Zurückgezogenheit, Anrufe, die kurz waren, denn der Weihnachtsmann hat vor dem 24. Dezember wirklich alle Hände voll zu tun. In Wahrheit erklärt sich dieses Wortspiel übrigens und nämlich im wahrsten Sinne aus der hektischen Vor-Weihnachtszeit des Weihnachtsmannes. Gut, da wären Sie jetzt bestimmt selbst drauf gekommen. Genauso wie Sie bestimmt wissen, dass es eben bestimmte Geschenke aus bestimmten Gründen an bestimmten Weihnachten einfach nicht geben kann. Nö, nicht weil sie die Kinder nicht verdient hätten, Quatsch. Sondern weil’s der Weihnachtsmann einfach nicht geschafft hat, sie zu bringen, ist doch auch nur der Weihnachtsmann, mein Gott.

Als der getrennte Papi noch richtig klein war, hat er gleichfalls an Engel geglaubt, die waren lieb, rauschend, vergeblich. Man konnte sie nur ahnen, sie rochen nach weißem Gefieder, zartem Lavendel und irisierender Unschuld. Sie wurden niemals laut, sie wisperten nur in meine kleinen Ohren, hinterliessen darin eine behutsame Berührung – wie von einem grünen Zweig , der uns im Frühling über die Wange streift, oder so ähnlich stellte ich es mir vor. Die echten Engel sind natürlich unsere Kinder und natürlich sind sie nicht immer unsere Engel, wo kommen sie und wir dahin, geht doch nie und nimmer, echte Engel dürfen sich auch mal verfliegen, keine Frage. Und egal, ob wir sie nun mal gerade – klammheimlich – nur ganz kurz zum Mond und zurück wünschen, unsere Engel sind uns die liebsten, nur sie lösen diese Kribbeln um unser Herz herum, das sich anfühlt wie wogende Wellen im warmen karibischen Wasser. Oder so in der Art.

Weil der getrennte Papi nun noch kurz in eine neue CD hinein hören will  (Aaron Copland, Symphony No. 3, Billy the Kid (Suite), die zum festen Inventar moderner, nordamerikanischer Klassik zählt wie etwa die Kriminalromane von Raymond Chandler, kommt er mal zum Schluss für heute. Er zitiert einen anderen Klassiker, diesmal der Pop-Moderne: “There Is Nothing Like This” von Omar. Das gilt übrigens auch für die unschlagbare, auf KiKa laufende Serie “Beutolomäus sucht den Weihnachtsmann”, noch ein Klassiker, im TeVau. Und eigentlich sind wir doch alle Beuto. Aber dazu alsbald mehr vom getrennten Papi…