Boy, Girl (35.)
Veröffentlicht in Bilder,Herzkammern von Andreas Wrede am 14.11.2010 um 15:12 Uhr

Oder: Die Bilder der Bilder sind Bilder für die Ewigkeit der Erinnerung.

Worum es diesmal geht: Paris (retrospektiv), 144 Stunden, ein Eifelturm, ein Platz dafür, Photos, eine seltene Ruhe, eine ruhige Seltenheit, die Bilder von den Bildern, die Eltern des getrennten Papi, nochmals Bilder und ein Songtext.

Es ist jetzt erst einige Tage her, dass der getrennte Papi und seine Kinder in Paris waren und doch scheint es schon länger zurück zu liegen, die Erinnerung schlägt uns manchmal freche Haken in unserer individuellen Erinnerung. Mal sind sie schmerzhaft, mal sind sie verloren, mal sind sie für ewig, so oder so. Nur 144 Stunden später liegt Paris zwar schon wieder etwas weiter weg, gleichwohl sind die Alexander und Marie noch immer beseelt von den ureignen Selbstwahrnehmungen und Spurensicherungen und Sichtverschiebungen. Unsere Eltern sagten doch immer: “Das ist etwas für’s Leben” und der getrennte Papi hat dies damals zu selten angenommen und verinnerlicht. Froh ist der getrennte Papi, dass seine Kinder unbewusst viel bewusster mit ihrer Erinnerung und damit doch auch mit jener ihres Vaters umgehen.

Marie hat dem getrennten Papi nachträglich noch einen Mini-Eifelturm geschenkt, den wollte sie eigentlich ihrer besten Freundin schenken. “Aber ich habe ihr etwas anderes gegeben und Du bekommst den Turm, damit Du Paris mit uns nicht vergisst”. Und das spitzige, kleine, blitzende  Getümchen mit einer Anhängerkette hat nun einen Platz auf der Kommode im Wohnzimmer, direkt neben den zierlichen Holznachbildungen New Yorker Landmarks  von Muji. Davor stehen dann auf dem Boden ein Plastik-Krokodli aus Parisl, einige Schleich-Giraffen und ein Schleich-Kroko, korrespondierend zur Sammlung der Zebras in der Ecke, hinten links. Okay, das geht etwas ins Detail, das mag der getrennte Papi bekanntlich aber und freilich ziemlich, wie Sie wissen, das Abschweifen ist im Blog glücklicherweise erlaubt, er empfindet es als Privileg und weiss es zu schätzen: Thanxxx-a-lot, Blog!

Vor kurzem waren der getrennte Papi und seine Kinder gemeinsam gebucht für ein Photo-Shooting und da kam es ebenfalls zu diesen privilegierten Momenten, die der getrennte Papi nicht vergessen darf. Beim Photographieren hat es bisweilen diese ruhige, magische, lange Zehntelsekunde zwischen der Aufnahme, deren Prozessierung und deren Vollendung – die Zeit rührt sich dann gerade mal gar nicht, die Luft steht still und hört auf zu atmen, die Sinne sind ganz auf sich selbst reduziert – man erstarrt, gespannt, wünscht sich schon das Bild der Beiden vor seinem vergeistigten Auge bevor es getan ist.

In diese seltene Ruhe war der getrennte Papi versetzt  als Marie und Alexander, sehr entspannt und spassig, vor der Kamera standen und er genoss die ruhige Seltenheit, die Kinder von Entfernung und doch so nah zu sehen und sich ihnen noch näher zu fühlen. Da entstehen im Kopf die Bilder von den Bildern und diese Bilder werden dann Erinnerungen für die Ewigkeit, kein Löschen, kein Rewind, kein Vergessen ist mehr möglich, sie werden präsent sein, komme was da kommen wolle. Eine ruhige Seltenheit für beide Herzkammern und die eine Seele, die nichts & niemand einem nehmen kann. Und der getrennte Papi kennt genau die Winkel, wo dies oder das Bild sich verstecken möchte.

Und wenn ich in die Vergangenheit abdrifte, tauchen auch Bilder von Bildern meiner Eltern auf, sie schweben durch die pulsierenden Adern, durch das verkopfte Hirn und den verhirnten Kopf, weichen ihn mal auf und machen ihn durchlässig und ein warmer Griff streicht mir auf einmal durchs Haar, sind es die Hände meiner Mutter/meines Vaters? Oder ist es nur der Wunsch, imaginiert, die Eltern mögen Beide wieder einfach da sein? Kennen Sie auch diesen ziehenden Schmerz über die Abwesenheit geliebter Menschen, der keineswegs aufhören will, sondern sich immer tiefer in die Schluchten unseres Inneren bohrt, über die Jahre immer tiefer, verdammt noch mal. Und manchmal bleiben nur Schatten in den zerklüfteten Schluchten, ungefähr und verwischt und vorübergehend und es bedarf unserer ganzen Energie/Kraft/ Willensanstrengung, sie wieder in Bilder und Gedanken und Geräusche umzuwandeln.

Und nun hört der getrennte Papi einen seiner favorite songs, der passt, perfekto: Breakable, von Ingrid Michaelson und den hören seine Kinder und er sehr gerne sehr laut und sehr oft, versuchen’s Sie’s. “Have you ever thought about what protects our hearts/Just a cage of rib bones and other various parts/So it’s fairly simple to cut right trough the mess/And to stop the muscle that makes us confess/And we are so fragile and our cracking bones make noise/ And we are just breakable breakable breakable girls and boys/You fasten my seat belt because it is the law/In your 2 ton death trap, I finally saw/A piece of love in your face that bathed me in regret/Then you drove me to places I’ll never forget/And we are so fragile and our cracking bones make noise/And we are are just breakable breakable breakable girls and boys/And we are so fragile and our cracking bones make noise/And we are just breakable breakable breakable girls/breakable breakable breakable girls/ breakable breakable breakable girls and boys”. Dazu alsbald mehr vom getrennten Papi…