Oder: Die andere Zeitrechnung – wie oft muss ich noch schlafen?
Worum es heute geht: Wohin geht die Reise, eigentlich, weiss der liebe Gott alles, eigentlich, wissen Erwachsene mehr als Kinder, eigentlich, wieso bleibt es am Ende des Tages ein langer Abschied, eigentlich?
Schön, wenn den getrennten Papi doch immer wieder ermutigende Zeilen erreichen, fühlt er sich dadurch doch, soweit das geht, ein wenig verstanden. “Soweit das geht” will nur sagen, dass bei jeder Trennung von zwei Menschen, die gemeinsame Kinder haben, die Umstände verschieden sind. Mal mehr, mal weniger kompliziert; mal mehr, mal weniger verletzend; mal mehr, mal weniger lehrreich; mal mehr, mal weniger gefühlig; mal mehr, mal weniger gewagt; mal mehr, mal weniger befreiend; mal mehr, mal weniger vergebens; mal mehr, mal weniger fatal, mal mehr, mal weniger offen; mal mehr, mal weniger vergänglich; mal mehr, mal weniger verdammt; mal mehr, mal weniger verdeckt, mal mehr, mal weniger komisch.
Aber immer bleibt die Frage danach: Wohin geht nun die Reise? Für die Kinder? Für die Eltern? Für die kleinen und großen Seelen, überhaupt? Neulich fragte Alexander: “Sag’ mal, Papi, sieht der liebe Gott alles und weiß er auch alles?” Ehe ich zu antworten vermochte, tat das seine Schwester Marie: “Ja, der liebe Gott weiss alles, er sieht alles, aber wir Menschen wissen nicht alles uns können auch nicht alles sehen.” Daraufhin erwiderte Alexander: “Ist doch klar, der hat von oben ja eine viel bessere Aussicht!” Da ist was dran. Wenn es uns Erwachsenen öfter gelänge, über den Dingen, Emotionen und/oder Widrigkeiten zu stehen, würde wir uns das Leben weniger schwer machen als es uns vielleicht allzu oft erscheint. Ein Kind hingegen schwebt oft easy an den vermeintlichen Realitäten vorbei.
Dadurch sehen sie einfach durch gar vieles hindurch, um das wir Erwachsene wissen. Und wir wissen wahnsinnig viel, eigentlich, denken wir uns immer wieder, aber das macht uns mitnichten glücklicher. Wir Erwachsene wissen mehr, weil wir meinen, wir müssten jeden Stein umdrehen, um dann bisweilen festzustellen, dass wir doch gar nicht immer wissen wollen, was sich darunter verbirgt. So wissen wir also zwar mehr, aber klüger als Kinder sind wir deswegen noch lange nicht. Nö, leider. Und weil das so ist, bleibt eine jede Trennung ein langer Abschied, der manchmal gar nicht aufhört, obwohl es doch schon längst zu Ende ist. Denn da sind noch die Kinder und deren Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. “Papi, träumst Du eigentlich viel?” Fragt mich Marie, ich sage darauf: “So viel wie noch nie in meinem Leben.” Sie wieder:”Das ist aber schön.” “Ja, das ist es.” Alexander wollte dann erfahren, wann wir uns wieder sähen und ich meinte, “noch vier Male schlafen”. Und ich dachte mir, wenigstens diese andere Zeitrechnung bleibt dieselbe, ob nun vor oder nach dem Auseinandergehen. Alsbald dann wieder mehr vom getrennten Papi…
