Oder: Von Abenteuern, Drachen, Prinzessinnen und Zitronenkuchen mit Streuseln.
Worum es heute geht: Einige Tage, die schnell vorbei rauschen, jede Minute wird genossen, von morgens bis abends und in die Nacht hinein und eine gemütliche Zugfahrt hat es noch.
Es ist wie früher als der getrennte Papi selbst noch ein Kindergarten-Knirps oder ein Schüler war: Die Herbstferien-Tage mit Alexander und Marie sind so fix dahingegangen als seien sie nur ein langer, schöner Tag und eine doch zu kurze Nacht gewesen. Wieder einmal waren wir bei der Schwester des getrennten Papi und wieder einmal sagen die Kinder: “Hier erleben wir immer nur echt tolle Tage.” Wohl wahr, und egal bei welchem Wetter, es ist hier immer wie in einem zweiten Zuhause, das gemütlicher nicht sein könnte.
Immer gibt es Lieblingsessen wie Hühnerfrikassee oder Schnitzel oder Quarkspeise oder selbst gemachten Zitronenkuchen mit den buntesten Streuseln aller Zeiten, logo. Marie erfindet wieder einmal neue Spiele, die länger dauern als das längste Mensch ärgere Dich nicht-Getümel und Alexander erklärt dem Papi zum wiederholten Male und mit ungewohnt großer Geduld seinerseits die neuen Star Wars-Sammelkarten. Was den getrennten Papi daran erinnert, dass er zu seiner Kinder-Zeit Figuren wie Prinz Eisenherz oder Sigurd als Helden bewunderte. Und ich habe die wilde Drachenkämpfe, Rettungen hübschester Prinzessinnen oder verwegensten Duelle mit Pfeil und Bogen im Geiste noch einmal und bestimmt nicht zum letzten Male durchgeträumt.
Mein Gott, waren das herrliche Abenteuer-Spiele – allein oder mit Freunden und nach Jahrzehnten sind sie eben noch präsent. Zwischen durch gehen wir noch in den Wald, sehen eine geheimnisvollen, weißen Hirsch – wo er jetzt wohl gerade stolz daher schreitet? – mit einem gewaltigen Geweih und einer Ahnung, was archaisch bedeutet. Wenn es ein solches Tier sieht, weiß mithin ein Kind wie beeindruckend die Natur sein kann und der getrennte Papi schleppt dann gern Kastanien, um sie an Wildschweine zu verfüttern…die sie gar nicht haben mögen, nun denn.Kurz vorm gemeinsamen Einschlafen, links Marie, rechts Alexander, in der eher engen Mitte der getrennte Papi, gewärmt von seinen Kindern, werden dann die rasenden Tage nochmals rekapituliert. Ganz schnell ging es dann zurück nach Hamburg, im Zug, Alexander machte ein Schläfchen in meinem Schoß, während Marie noch Hausaufgaben erledigt. Tja, der getrennte Papi hat viel Glück: Er hat die coolsten Reise-Kinder und die süssesten Kinder – für ihn- sowieso. Alsbald dann wieder mehr vom getrennten Papi…
Oder: Wenn Engel reisen, wird die Nacht zum Tag und der Tag zur Nacht.
Worum es heute geht: Zwei Kinder, zwei Koffer, zwei Portionen Pommes, je zwei Kuscheltiere, zwei Zuckungen, zwei Wünsche.
An diesem Wochenende hat der getrennte Papi in Paris zu tun und hat seine beiden Kinder einfach mal mitgenommen. Sie haben sich ganz doll gefreut und im Kindergarten und in der Schule hat jeder, aber auch jeder erfahren, dass sie nach Paris fliegen. Schon Tage vorher sind sie aufgeregt und überlegen, was sie wohl mitnehmen. Der getrennte Papi hat ihnen natürlich erlaubt, Kuscheltiere mitzunehmen. Wenn’s geht, nicht zu viele. Außerdem kann auch nicht ein Jedes eingepackt werden, denn einige haben tatsächlich Flugangst, wie doof.
Und ihre Mami und Marie und Alexander kriegen es tatsächlich hin, nur zwei kleine Koffer zu bestücken. Dagegen kenne ich andere liebe Menschen, die nehmen etwa für einige Tage vier Taschen, sieben Paar Schuhe, ungefähr zehn Kleider und noch Winterschals und Handschuhe mit, könnte ja sein, dass es bald schneit, oder so ähnlich. Sie wundern sich dann ganz ernsthaft, warum sie jede Menge Gepäck zu transportieren haben und dass das echt nervt. Verbunden ist diese Reizhaltung mit dem Schwur, nie mehr derart mit Über-Gewicht auf Reisen zu gehen. Das ist umso komischer als dieses Phänomen als jenes des Über-Gepäcks allgemein bekannt ist in der weiblichen Welt. Das Über-Gepäck allerdings ist denn doch zu wenig: genau das achte Paar Schuhe mit den roten Sohlen fehlt und genau die fünfte Tasche, die sonst nur in irgendeiner Ecke vor sich hin staubt, ist vergessen worden, verdammt. Dieses Wochenende ist gelaufen, schade eigentlich.
In Paris jedenfalls, ohne jegliche Aufgeregheit (die Kinder des getrennten Papi sind tolle Reisekinder, sie fliegen so gerne, genauso wie der getrennte Papi), ist es ganz warm und viele Menschen sitzen abends draußen, hören laut Musik, sind ausgelassen und fröhlich und laut. Der getrennte Papi und seine Kinder gehen kurz ins Hotel zum Einchecken, schauen sich ihr Zimmer im 8. Arrondisement an, befinden es für gemütlich und gehen dann Pommes essen. Denn wir haben alle Hunger und finden, dass wir in Paris Pommes probieren müssen. Das war ein guter Entschluss, denn die schmecken wirklich gut mit Ketchup und Mayo.
Wir sind also wirklich in Paris und wir finden die breiten Boulevards und die alten Häuser und die schmalen Bürgersteigen in den Nebenstrassen wunderbar. Außerdem brauchen wir keine Mäntel anziehen, herrlich. Und dann schlendern wir zurück ins Hotel und schmeissen uns auf das breite Bett und Pauli und Bärchen und Lulu und Äffchen Coco sind mittendrin und eigentlich wollen wir noch tobe. Aber dann schlafen Marie und Alexander fast gleichzeitig ein. Und Alexander zuckt im Frühschlaf noch zweimal bis er regungslos neben dem getrennten Papi einschläft, der ihm seinen Rücken gestreichelt hat. Marie wollte noch lesen wie fast jeden Abend, sie hat “Liliane Susewind – Mit Elefanten spricht man nicht” mitgenommen, allein: sie schläft auch darüber ein, ohne Zuckungen und der getrennte Papi deckt sie zu.
Vorher hatten wir noch kurz über Wünsche für den Sonnabend gesprochen. “Auf jeden Fall gehen wir auf den Eifelturm”, haben sie gesagt, gegen Abend, wenn in Paris Millionen von Lichtern angehen, “das muss toll aussehen.” Und wir wollen zu Fuss durch die Stadt gehen und das warme Wetter genießen. Und morgen dürfen Marie und Alexander extra lang aufblieben, dieses Wochenende ist ja so eine Art Kurzurlaub und da dürfen sie mal die Nacht zum Tag machen. Aber dazu alsbald mehr vom getrennten Papi…
