Der Gorilla (73a.)
Veröffentlicht in Faden,Toben,Wochenende von Andreas Wrede am 15.05.2011 um 17:04 Uhr

Oder: Ein Wochenende auf das sich alle Drei wieder freuen.

Worum es heute geht: Um eine eigenwillige Badehose, einen rasanten Löwenzahn, einen Kiosk, der für kleines Geld grosses Glück spendet, kaputte Kuscheltiere, jede Menge Wellen, Pommes rotweiß und toben, toben, toben.

Am Wochenende haben der getrennte Papi und Alexander und Marie eine besonders coole Badehose für Alexander gekauft. “Papi und ich fanden sie komisch”, sagt Marie, “weil sie so merkwürdige Farben hat, schwarz und gelb und grün und blau.” Eine wilde Mischung. Aber Alexander sagte:”Mir gefällt diese Badehose sehr gut. Und ich ziehe sie ja an, nicht ihr.” Marie hat an der Kasse noch einige Armbänder entdeckt und alles zusammen hat den getrennten Papi das weniger als zehn Euro gekostet bei H&M.

Was haben wir Drei noch gemacht? “Wir sind in einen Photoladen gegangen, weil wir neue Passphotos brauchen. Komisch war aber, dass Alexander und ich nicht lachen durften. Der nette Mann in dem Laden hat gemeint: Bei solchen Bildern dürft Ihr nicht lachen, das ist verboten.” Verstanden haben das die Kinder nicht richtig, aber sie haben eben ernst in die Kamera geguckt wie bei einem Mugshot. Hinterher sind wir einen Milchschaum trinken gegangen bei Balzac und sassen alle in riesigen pinkfarbenen Sesseln. “Und Papi”, witzelt Marie, “war der König und ich die Prinzessin und Alexander, logisch, der Prinz.”

Nachmittags waren wir dann im Kino, wir wollten gerne “Löwenzahn, der Kinofilm” gucken. Es war nicht viel los im Kino, es war früher Nachmittag. Alexander sagt: “Wir hatten ganz viel Platz und der Film war ziemlich aufregend. Fritz Fuchs musste drei Hunde retten, einen früherer Freund von ihm, der ihn mal im Stich gelassen hatte, wollte einen Schatz klauen. Es gab ein schönes Kuddelmuddel auf einer Burg, in einer Höhle und auf einer Art Seilbahn. Also, es war echt was los und zum Schluss ist es gut ausgegangen für Fritz Fuchs und seine Freund.” Puh, es geht nix über ein Happy End.

“Abends gingen wir noch in unseren Lieblings-Kiosk,” erinnert sich Marie, “da bekommt man für einen Euro die tollsten Süssigkeiten.” Zum Beispiel weiße Mäuse, Gummikirschen, Salinos, süsse Schlangen, Lollis, Maoam-Bonbons oder Schaum-Erdbeeren. Ein Paradies, ein wahres Sweetie-Paradies. Das alles kommt in eine Papier-Tüte und die Kids nehmen sie mit nach Hause. Für den getrennten Papi gibt es ein Salino und einen Gummi-Schnuller, lecker. So kann man für kleines Geld ein großes Glück hinkriegen, das die Familie vor dem Zähneputzen gemütlich und zusammen wegputzt. “Okay, der Zahnärztin sagen wir das mal besser nicht,” sagt Marie. Wo sie Recht hat, hat sie Recht, denkt sich der getrennte Papi.

Als die Kinder später im Bett sind, muss der getrennte Papi einige kaputte Kuscheltiere nähen, die durch heftigen Spielgebrauchein ein wenig gelitten haben. Und wie im wahren Leben braucht er eine Weile bis er den grau-dezenten Faden durch das Nadelöhr gewunden hat, unter leisen Flüchen. Aber was tut man nicht für die Kuscheltiere der Kinder. Die Operationen ziehen sich etwas und dauern doch so an die dreissig Minuten. Der getrennte Papi kann allerdings ganz gut nähen – wer mehr als ein Dutzend Jahre in Männer-WG’s gewohnt hat, muss Derlei beherrschen.

Am nächsten Tag sind Alexander, Marie und ich auf vielfachen Wunsch ins Wellenbad gegangen. “Das war immer ein Gequietsche und Gekreische und Geschwimme auf den Wellenbrettern und Gummimatten, super,” fand Marie. “Wir waren über eine Stunde am Stück im Wasser, das war dann auch genug”, bescheidet Alexander, “unsere Haut war schon schrumpelig, nach dem Duschen haben wir Pommes mit Ketchup und Mayonaise geteilt, das war vielleicht lecker!” Hinterher wurde zuhause beim getrennten Papi reichlich getobt, am meisten wurde ticken gespielt. Vor dem Einschlafen haben wir laut gelacht als Alexander meinte, das Sternzeichen von seiner Schwester sei “Gorilla, echt”. Alexander hat einen trockenen Humor. Es war ein wirklichwirklichwirklich schönes Wochenende, fanden wir alle Drei. Und wir freuen uns schon auf das nächste. Dazu alsbald mehr vom getrennten Papi…