Fette Sonne (101.)
Oder: Das Schöne ist, die Gedanken können auf Reisen gehen.
Worum es heute geht: Runde eintausendsiebenhundert Kilometer weit weg, aber dann doch auch wieder ganz nah, Sonne am Himmel, Sonne im Herzen, Sonne im Sinn, Plastikeimer, Plastikschaufeln, Plastikharken und – total neben der Spur: Late Night Tales.
Was macht der getrennte Papi, wenn seine Kinder in den wohlverdienten Herbstferien sind? Er freut sich natürlich für sie und ihre Mami, dass sie vor dem langen deutschen Winter nochmal fette Sonne tanken können. Immer noch einer der schönsten Urlaube ist für mich: Einfach am Strand rumliegen, die Sonne ballert von oben, lachend, auf die kleinen Menschlein da unten, der Wind wischt den salzigen Geruch des Meeres herüber, zaust in Deinen Haaren, streichelt über Deine Haut. So geht’s. Und wenn der getrennte Papi nicht dabei ist, denkt er sich die Sonne halt in sein Herz und fertig.
Denn das Schöne ist, ja, eben: Unsere Gedanken können (fast) immer auf Reisen gehen zu unseren Lieben, ob größer oder kleiner – und, schwupps, sind wir da, haben Distanzen einfach mal mit sonnigem Sinn überflogen und sind bei Ihnen. Dabei denkt der getrennte Papi, logo, des Öfteren an die ersten Jahre von Alexander und Marie. Wenn es früher zum Strand ging, mussten, nach Möglichkeit massenweise, Plastikeimer, Plastikschaufeln so wie Plastikharken in diversen Farben, Größen und Zuständen mitgenommen werden. Zustände meint: Am allerliebsten wurde jene Plastikstrand-Utensilien mitgenommen, die garantiert am allerallerallerältesten waren, dagegen war Vintage wie neu.
Und wehe, der (ganz früher) giftgrüne Plastikeimer, die (längst nicht mehr) rote Plastikschaufel oder die (mittlerweile fast zahnlose) gelbliche Plastikschaufel waren nicht zu finden. Melodramen spielten sich ab, Marie ohne ihr heiß geliebtes Eimerchen? Alexander ohne seine Schaufel, der sich schon zahlreiche tiefe Gräben um fabelhafte Sandburgen verdankten? “Auf-keinen-Fall-fahren-wir-zum-Strand-ohne-dieses-Strandzeug!” Damit das mal klar ist, also, okay, okay, es wird in den letzten Winkeln gesucht bis aber wirkliche Alles wieder, kompromisslos, beisammen ist. Ach ja, der Käscher fehlt noch und die Förmchen in nun undefinierbaren Farben. Alles verstaut, ab zum Strand, die Welt ist so was von in Ordnung, jetzt können die Kinder es am Strand und im Wasser und überhaupt krachen lassen.
Der abschließende Musik-Tipp (mal wieder einer, nach längerer Pause, nicht wahr) hat mit dem Papi-Blog nur insofern etwas zu tun als er sie beim Schreiben hörte. Nach einigen eher mediokren Alben ist wieder eines in der Late Night Tales-Compilationsreihe erschienen, das oberlässig ist. Weil es wunderbar neben der Spur, irgendwo zwischen Alternative, Jazz, Post Rock, Rap, Weltmusik schwebt’s dahin, zusammengestellt von Four Tet aka Kieran Hebden, bravissimo. Alsbald dann wieder mehr vom getrennten Papi…

Hallo getrennter Papi,
ja, im Kopf kann man schnell und problemlos überall hingelangen. Urlaub mit Kindern an der See ist etwas Schönes. Man kann richtig relaxen, wenn man daran gedacht hat, alle notwendigen Zutaten mitzunehmen, die ein Kinderherz so begehrt. Für die Kinder haben diese Zutaten ihre besondere Wichtigkeit. Wir Erwachsenen haben gelernt, uns Gegebenheiten anzupassen.
Deine Musikempfehlung ist – für mich – eher wie das derzeitige Wetter, etwas gewöhnungsbedürftig.
Schönen Feiertag.
Annegret