Oder: Ein Weekend, diesmal nur mit dem Papi und seiner süssen Tochter.
Worum es heute geht: ein Diktat, ganz echt viele Kuscheltiere, zwei Teetassen, zwei Wärmflaschen, ziemlich viele Knackbonbons, Heidi und Klara und ein New York-Buch.
An diesem Wochenende hat der getrennte Papi seine süsse Tochter Marie mal alleine; Alexander ist mit seiner Mama zum Skifahren gedüst. Und diesmal hat Marie besonders viele Kuscheltiere zum getrennten Papi mitgenommen, genau genommen eine Reisetasche voll, exakt 16 Stücker. Ihre Namen: Jama (Golden Retriever, ein Welpe), Xavier (ein Mischling), Bello (noch ein Mischling), Bali (ein Baby-Gorilla), Purzelchen (ja, ein Mischling), Hanni und Nanni (Labradore), Blacky (Baby-Collie), Puschel (Mischling), Kiki (Cockerspaniel), Carrie (wie aus “Sex and the City”, noch ein Labrador), Timi (Basset), Floh (Golden Doodle), Pauli (Golden Doodle, groß), Tobi (Terrier) und Lulu (noch ein Golden Doodle).
Gerade liegen sie allesamt auf dem Sofa und haben das Diktat verfolgt, dass der getrennte Papi mit seiner Tochter übt, einige Seiten aus dem Buch “Käpt’n Lotta und der vieräugige Hermann” – ein dolle Piratengeschichte. Marie ist etwas ungeduldig, denn sie muss unbedingt “Heidi” gucken, die Folge, in der Heidi in Frankfurt so ein Heimweh bekommt, dass sie schlafwandelt und von den Bergen träumt. Passend dazu gibt es zwei große Tee-Tassen (mal Rotbusch mit Orange), schön heiß. Dabei korrigieren wir das Diktat, Marie hat es ziemlich gut geschrieben, einige total unnötige Flüchtigkeitsfehler hat es. Okay, wir wiederholen die Worte jeweils einige Male und lesen sie dabei laut. Das klappt eigentlich immer gut und dann hat’s Marie auch für heute geschafft und sich und ihrem getrennten Papi zwei Wärmflaschen verdient.
Das lieben wir: Mit Wärmflaschen auf dem Sofa zusammenliegen und quatschen, zwischendurch “Phineas & Ferb” (sooo cool) gucken, eben Tee schlürfen und auch mal ein Knackbonbon wegschnaseln. Allerdings nicht zu viele, denn gleich gibt’s eine Brotzeit (Leberwurst- und Schinkenbrote, Möhrchen und hinterher Vanille-Quark). Dabei werden wir uns einen Bildband anschauen, “Spaziergänge durch das alte New York” mit schönen Bildern, Gemälden und Zeichnungen wie u.a das historische Manhattan ausgesehen hat, Central Park, Columbus Circle, Flatiron Building oder die Statue of Liberty. Wir 2 träumen uns also mal kurz über den Atlantik, hin und zurück. Morgen gehen wir dann auf der zugefrorenen Alster spazieren, das wird bestimmt grandios. Alsbald dann wieder mehr vom getrennten Papi…
Oder: Es ist so wunderbar, Kinder zu haben, es ist so wunderbar.
Worum es heute geht: Streicheln, Streicheln, Streicheln, die Stirn mit der Narbe, die hohe Stirn, die Stirn des getrennten Papi, ein Diktat mit nur einem Fehler, morgen bitte früher wecken und eine verdammte Lüge mit fünf Buchstaben, die den Kindern nicht zu erklären ist.
Der getrennte Papi hat heute zuerst Alexander ins Bett gebracht, weil Marie noch mit meiner Schwester gelesen und geschrieben hat. Ganz ungewohnt, sonst schlafen die Beiden bei mir immer zusammen ein. Und Alexander hat sich schön eingemummelt, seinen Pauli-Kuschelhund in den Armen, zu sehen ist nur sein Kopf mit den braunen, glatten Haaren. Und die Stirn mit der Narbe, die er sich bei einem Sturz im vergangenen Jahr geholt hat. Der getrennte Papi will ihm noch eine Geschichte erzählen, aber Alexanders Augen sind ganz entspannt: geschlossen.
“Papi, heute bitte noch länger streicheln als gestern,” sagt der kleine Mann, bald schon halb im süssen Traumland, dabei sieht er so ernst aus als liege eine unsichtbare Last auf seinem kleinen Körper. Aber Alexander sieht im Schlaf immer reichlich wichtig aus, jeder wie er mag. Dann lässt er sich streicheln, streicheln, streicheln und ist mit drei, vier Wimpernschlägen bereits hinüber und eingeschlafen. Der getrennte Papi mag freilich gar nicht aufhören und er schaut seinen Sohn dauernd an und versucht sich zu erinnern, ob er sich ganz früher auch so gerne hat streicheln lassen.
Ja, hat er, von seiner Mama und es war damals so schön wie es heute schön ist für Alexander. Dann kommt Marie hoch, die Schwester ist zwei Stockwerke tiefer im Haus einquartiert, und ist ganz stolz: “Ich habe nur einen Fehler gemacht, Papi!” Ja, der getrennte Papi war früher stolz, wenn er im Diktat eher fehlerfrei blieb, allerdings war die Reaktion der Mutter dann reserviert, es galt als ziemlich selbstverständlich, wenn ich gute Noten nach Hause brachte und es bedurfte keines Lobes. Das fand der kleine getrennte Papi eigentlich sehr schade, aber es war kaum zu ändern. Die Zeiten waren andere, jedenfalls lobt der getrennte Papi seine Kinder umso mehr.
Marie ist noch ganz erfüllt von ihrem Diktat (“Eine Geschichte von Bibi & Tina”…), sorgfältig werden die diversen Stoffhunde um sie herum drapiert, wie von Zauberhand schmiegen sie sich an das Mädchen. Und es raunt, dabei gibt sie ihm einen Kuss auf seine Stirn:” Papi, bitte weck’ mich morgen früher, dann kann ich vor der Schule noch mit der Tierarztpraxis von Playmobil spielen.” Mit der ihr bisweilen eigenen Engelsgeduld hat sie wohl über zwei Stunden lang die Tierarztpraxis aufgebaut, in der linken Ecke des Wohnzimmers. Keine Ahnung wie viele Hunderte von Teilen sie da zusammengefummelt hat – der getrennte Papi bewundert sie für ihre liebevolle Akkuratesse, er hat früher in einem kleine Kabuff sich auch eigene Welten aufgebaut, okay, Ritter-Burgen und Western-Landschaften, Jungs-Welten, sie waren aber ebenfalls verwunschen und zauberhaft.
Und unsere Welt? Was antwortet ein getrennter Papi, wenn die Kinder fragen,was eine Kernschmelze sei? Was antwortet er, wenn die Kinder fragen, was denn Tepco sei? Diese grosse japanische Lüge, die nur fünf Buchstaben braucht. Und wie erklärt man Kindern, dass eine Firma ganz offenbar das eigene Volk, die eigene Regierung und den Rest der Welt sowieso belügt, hilflos belügt? Das der eine oder andere Lehrer am Wochenende bei der grossen Demonstration dabei war, findet der getrennte Papi in Ordnung. Früher bekamen Lehrer dafür Berufsverbot, heute nicht mehr. Die Zeiten haben sich geändert. dazu alsbald mehr vom getrennten Papi…
