Oder: Das Glück ist manchmal sperrig, vor allem nachts.
Worum es heute geht: Drachenträume, Schlafwandler, Fruchtzwerge, Brotrinden, beste Freunde, Hühnerfrikasse, Sternenhimmel, Müdigkeiten, Streicheleinheiten, Geschwisterliebe und so genannte Freunde.
“Ich habe heute von einem Drachen geträumt”, sagte Alexander heute morgen, “aber das war ein lieber Drachen. Ich war ein Ritter und bin auf ihm geritten.” Die Rüstung war ein bisschen schwer, aber sonst war’s ein guter Ritt, meinte er. Tja, da kann ein Tag doch gut anfangen nach einem solchen Traum. Marie träumt gerade wenig, dafür steht sie plötzlich ab und zu nachts mit grossen Augen im Türrahmen zum Schlafzimmer und fragt den getrennten Papi: “Wo bist Du?”. Der bringt sie wieder ins Bett und am nächsten Morgen weiss sie von nichts.
Um so besser kann sich Alexander erinnern, dass er sich unbedingt einen Fruchtzwerg in die Brotdose wünscht und das Brot, bitte, ohne Rinde, “ganz ohne Rinde, Papi.” Okay, auch solche Sonderwünsche werden morgens gerne entgegengenommen. Zumal die Kinder nach dem Aufstehen wirklich Zucker sind und dem getrennten Papi die morgendlichen Mechaniken flott von der Hand gehen. Marie freut sich, dass nach der Schule ihre beste Freundin mit zum getrennten Papi kommt. Und schon wird im Geiste der Nachmittag im wahrsten Sinne des Wortes durchgespielt, alle Playmobil-Figuren werden hier und dorthin geschoben, “ich freu’ mich so, Papi.” Gefreut wird sich auch schon morgens auf das schwer beliebte Hühnerfrikasse der Schwester des getrennten Papi abends. Wie wunderbar, dass die einfachen Dinge des Lebens einfach Freude machen.
Auch am Abend ist das ähnlich: Endlich sehen wir wieder Sterne, der Himmel ist wolkenlos, “wie schön sie funkeln, ” findet Marie mit leuchtenden Augen. Alexander ist da praktischer: “Ich möchte meine neue Wasserspritzpistole mit ins Bett nehmen, darf ich?” Logo, darf er, aber vor dem Einschlafen wird sie denn doch vorsorglich vors Bett gelegt, “die ist nicht so richtig bequem zum Schlafen,” stellt der Sohn des getrennten Papi sachlich fest. Bisweilen ist das Glück eben ein sperriges. Die Müdigkeiten erobern jetzt die Kinder und es soll wieder gestreichelt werden, “zuerst Marie, ” Alexander ist grosszügig, das nennt man Geschwisterliebe. Als der getrennte Papi dann hinaus geht, wird noch ein bisschen gequasselt und gequasselt und gequasselt und dann ist eine nächtliche Ruhe.
Apropos: Als der getrennte Papi heute seine Kids vom Kindergarten und der Schule abholt, sieht er manche frühere Freunde, aus der alten Zeit als die Familie noch eins war. Aber wie freundlich sie früher waren, so teilnahmslos sind sie heute. Es ist doch auch nichts anderes zu erwarten, nach der Trennung war ja nicht einmal ein Anruf drin. Einsamer Gipfel war eine SMS von guten alten Freunden: Wenn es dem getrennten Papi mal nicht gut ginge, dann könne er sich schon mal melden… In den zwei kurzen Sätzen waren fünf Fehler, wirklich liebevolle Freunde hatte der getrennte Papi. Was soll’s, Schnee von gestern. Die Kinder schlummern selig, noch ein Pfefferminztee mit frischem Ingwer und der getrennte Papi wird sich zwischen seine Süssen mit einem Blick nach vorn legen. Dazu alsbald mehr vom getrennten Papi…
Oder: Wann ist das Leben so eine Achterbahn, das die Achterbahn ein Leben ist?
Worum es heute geht: Busfahren, Schnittchen, Möhren, Sigur Rós, Marie hat Geburtstag, gespaltene Gefühle, gefühlte Gespaltenheit, Alexander lässt einen Drachen steigen, Christo und Jeanne-Claude, Sam Shephard/Bruce Weber und ein Schlusswort von Charles Bukowski.
