Von Giraffen (94.)
Veröffentlicht in Happy Ende,Studentenfutter,Tiger von Andreas Wrede am 19.05.2012 um 12:39 Uhr

Oder: Ein schöner Familien-Tag, verbunden mit einem wahrhaftigen Traum.

Worum es heute geht: Ein Wunsch der Kinder, ein wunderbarer Film über Menschen und Tiere, ganz viel Popcorn und Studentenfutter, Händchenhalten im Dunkeln und hinterher ein überraschender Gast zum Abend.

Zum Vater-Tag hatten sich Alexander und Marie gewünscht, dass wir zu Viert etwas unternehmen. Der getrennte Papi hatte von dem Film “Wir kaufen einen Zoo” gehört, Karten besorgt und traf dann seine Kinder und die Mama am Kino. Sozusagen eine Familienzusammenführung als Geschenk zum Vatertag, wie schön. Der Film, den wir uns anschauen, ist eine wahre Geschichte. Ein Journalist, der seine Frau durch Krankheit verloren hat, beschließt einen Neuanfang für seine kleine Tochter und den größeren Sohn. Er sucht ein Haus und landet im Nowhere außerhalb von San Diego.

Das verwunschene Haus hat nur einen Haken – wer es erwirbt, muss auch die Tiere des Zoos, auf dem Gelände einst beheimatet war, und einige Mitarbeiter  übernehmen. Und unser moderner Held wagt diesen Schritt, zieht mit seinen Kindern auf’s Land und versucht, den Zoo in einer gemeinsamer Anstrengung wieder in Schuss zu bringen. Nun bestimmen etwa ein Bär, Löwen, Tiger, Pfauen oder Schlangen das Leben der kleinen, aber verschworenen Gemeinschaft. Natürlich hat es auch Konflikte – wie jener zwischen Vater und Sohn, aber über die Herkules-Aufgabe mit vielen komischen und tragisch-komischen Momenten  werden sie ausgelebt und angegangen. Und der Papa kann mit dem Trauma des Verlustes seiner Lebensliebe Schluss machen – indem er es offen anvisiert.

Mit Popcorn und Studentenfutter haben wir zu Viert einen tollen Kinonachmittag, an dem auch die eine oder andere Träne anteilnehmendes Mitgefühls fließt und des öfteren drückt  Alexander meine Hand. Ich dachte vorher, vielleicht sei “Wir kaufen einen Zoo” etwas zu elegisch für ihn? Weit gefehlt, er ist wie wir anderen Drei schwer beeindruckt von dieser Geschichte, die von der Wirklichkeit geschrieben wurde und bis heute gut weitergeht. Der Zoo wurde schließlich wieder eröffnet  und über einen Satz im Abspann freuen sich alle Zuschauer im Kino, die gar nicht aufstehen mögen: Die Zoo-Macher überlegen, ihren Tier-Bestand um Giraffen zu erweitern. Ach, es geht doch nix über ein Happy End!

Hinterher fragt Alexander, ob er – quasi außerplanmäßig – die Nacht über zum getrennten Papi mitkommen kann. Klar kann er und so wollen wir uns noch einen bunten Jungs-Abend machen, der nächste Tag ist ja ein freier. Aber als wir so auf dem Sofa lümmeln und kuscheln, werden wir ganz schön schnell ganz schön müde und gehen früh ins Bett. Zwei Tobe-Runden werden noch eingelegt und der Super-Vater-Tag findet ein eher frühes Schlaf-Ende. Alsbald wieder mehr vom getrennten Papi…

 

Tagged with: , ,
Yippie Hippie (81.)
Veröffentlicht in Hippie,Yippie von Andreas Wrede am 25.09.2011 um 18:26 Uhr

Oder: Ein gänzlich ungeplanter Männernachmittag ist eine prima feine Sache.

Worum es heute geht: Ein lustiger Kinofilm mit sprechenden Tieren, zwei Jungs unter sich, zwei Kinderschokoladen, zwei Schnittchen, zwei Bettseiten, zwei Ohrenkraulsessions, zwei Halsketten.

Wenn Tiere sprechen, finden das Erwachsene wie Kinder meistens amüsant und wenn Löwen, eine Giraffe, ein Orang-Utan, Bären und ein Äffchen einem Zoowärter Verliebt-Sein-Tipps geben, dann scheint dies noch amüsanter. Nicht, dass dies nun ein guter Film wäre – weder für Erwachsene noch für ein jedes Kind. Aber die Moral’ von der Geschicht’ ist schön: Oft ist es nicht die offenbare Liebe, die zählt. Und eine solche Moral verstehen Marie und Alexander sofort und außerdem ist der Zoo, in dem der Film spielt, ein irgendwie magischer Ort. Logo, deswegen könne die Tiere ja auch sprechen, logo.

“Papi, können wir in diese schöne Stadt mal fliegen?” Fragt Alexander und meint Boston, da spielt der “Zoowärter”. Und fügt hinzu: “Zuerst gehen wir dann in den Zoo und können dann all’ die Tiere, die sprechen, sehen. Cool, oder?” Ja, das ist sogar sehr cool, findet auch die große Schwester, die natürlich genau weiss, dass Tiere überhaupt nicht sprechen, aber wir lassen mal dem kleinen Bruder seine süssen Illusionen. Nach dem Kino fahren wir kurz zu Mami, weil Marie eine andere Hose braucht – so langsam wird sie doch ein wenig wählerischer. Und es hat sich ergeben, dass die beiden Mädels etwas unternehmen und dann sind die Jungs unversehens für sich. Alexander findet das oaky: “Dann machen wir uns einen echten, prima Männernachmittag”.

Den kann man zum Beispiel auf dem Spielplatz und dessen Riesenrutsche verbringen, man kann Kinderschokolade essen, man kann mit Spielzeug zu Wicki und die starken Männer von McDonald’s spielen (zugegeben, wir haben dort gegessen, aber – Hand auf’s Herz – wir waren an diesem zweifelhaften Örtchen zum letzten Mal vor ungefähr drei Monaten; ich fürchte allerdings, dass wir in diesem Jahr noch einmal zu McDo gehen müssen – wenn der Tim & Struppi-Streifen anläuft, wir sind nämlich die definitiv allergrößten Fans dieser beiden wahren Helden), man kann zusammen Schnittchen und Birne ohne Schale essen, man kann mit quietschegelben Spielzeugautos durch die Wohnung fahren und dabei einen Power Ranger-Anzug anhaben (nur Alexander) und dabei Yippie rufen (nur der der getrennte Papi). Und wenn der Nachmittag vorbei ist, darf Alexander auf der Seite im Bett sein, auf der sonst Marie schläft und Papi krault dann an beiden Ohren vom Sohnemann etwas länger als sonst vor dem Einschlafen. Die beiden neuen Holzhalsketten von H&M, die sich Alexander selbst ausgesucht hat, behält er zum Schlafen bestimmt an. “Das ist doch ein bisschen hippiemäßig, oder?” “Das ist sogar total hippiemäßig, Du Süsser.” Alsbald dann wieder mehr vom getrennten Papi…

Tagged with: , ,
Boy, Girl (35.)
Veröffentlicht in Bilder,Herzkammern von Andreas Wrede am 14.11.2010 um 15:12 Uhr

Oder: Die Bilder der Bilder sind Bilder für die Ewigkeit der Erinnerung.

Worum es diesmal geht: Paris (retrospektiv), 144 Stunden, ein Eifelturm, ein Platz dafür, Photos, eine seltene Ruhe, eine ruhige Seltenheit, die Bilder von den Bildern, die Eltern des getrennten Papi, nochmals Bilder und ein Songtext.

Es ist jetzt erst einige Tage her, dass der getrennte Papi und seine Kinder in Paris waren und doch scheint es schon länger zurück zu liegen, die Erinnerung schlägt uns manchmal freche Haken in unserer individuellen Erinnerung. Mal sind sie schmerzhaft, mal sind sie verloren, mal sind sie für ewig, so oder so. Nur 144 Stunden später liegt Paris zwar schon wieder etwas weiter weg, gleichwohl sind die Alexander und Marie noch immer beseelt von den ureignen Selbstwahrnehmungen und Spurensicherungen und Sichtverschiebungen. Unsere Eltern sagten doch immer: “Das ist etwas für’s Leben” und der getrennte Papi hat dies damals zu selten angenommen und verinnerlicht. Froh ist der getrennte Papi, dass seine Kinder unbewusst viel bewusster mit ihrer Erinnerung und damit doch auch mit jener ihres Vaters umgehen.

Marie hat dem getrennten Papi nachträglich noch einen Mini-Eifelturm geschenkt, den wollte sie eigentlich ihrer besten Freundin schenken. “Aber ich habe ihr etwas anderes gegeben und Du bekommst den Turm, damit Du Paris mit uns nicht vergisst”. Und das spitzige, kleine, blitzende  Getümchen mit einer Anhängerkette hat nun einen Platz auf der Kommode im Wohnzimmer, direkt neben den zierlichen Holznachbildungen New Yorker Landmarks  von Muji. Davor stehen dann auf dem Boden ein Plastik-Krokodli aus Parisl, einige Schleich-Giraffen und ein Schleich-Kroko, korrespondierend zur Sammlung der Zebras in der Ecke, hinten links. Okay, das geht etwas ins Detail, das mag der getrennte Papi bekanntlich aber und freilich ziemlich, wie Sie wissen, das Abschweifen ist im Blog glücklicherweise erlaubt, er empfindet es als Privileg und weiss es zu schätzen: Thanxxx-a-lot, Blog!

Vor kurzem waren der getrennte Papi und seine Kinder gemeinsam gebucht für ein Photo-Shooting und da kam es ebenfalls zu diesen privilegierten Momenten, die der getrennte Papi nicht vergessen darf. Beim Photographieren hat es bisweilen diese ruhige, magische, lange Zehntelsekunde zwischen der Aufnahme, deren Prozessierung und deren Vollendung – die Zeit rührt sich dann gerade mal gar nicht, die Luft steht still und hört auf zu atmen, die Sinne sind ganz auf sich selbst reduziert – man erstarrt, gespannt, wünscht sich schon das Bild der Beiden vor seinem vergeistigten Auge bevor es getan ist.

In diese seltene Ruhe war der getrennte Papi versetzt  als Marie und Alexander, sehr entspannt und spassig, vor der Kamera standen und er genoss die ruhige Seltenheit, die Kinder von Entfernung und doch so nah zu sehen und sich ihnen noch näher zu fühlen. Da entstehen im Kopf die Bilder von den Bildern und diese Bilder werden dann Erinnerungen für die Ewigkeit, kein Löschen, kein Rewind, kein Vergessen ist mehr möglich, sie werden präsent sein, komme was da kommen wolle. Eine ruhige Seltenheit für beide Herzkammern und die eine Seele, die nichts & niemand einem nehmen kann. Und der getrennte Papi kennt genau die Winkel, wo dies oder das Bild sich verstecken möchte.

Und wenn ich in die Vergangenheit abdrifte, tauchen auch Bilder von Bildern meiner Eltern auf, sie schweben durch die pulsierenden Adern, durch das verkopfte Hirn und den verhirnten Kopf, weichen ihn mal auf und machen ihn durchlässig und ein warmer Griff streicht mir auf einmal durchs Haar, sind es die Hände meiner Mutter/meines Vaters? Oder ist es nur der Wunsch, imaginiert, die Eltern mögen Beide wieder einfach da sein? Kennen Sie auch diesen ziehenden Schmerz über die Abwesenheit geliebter Menschen, der keineswegs aufhören will, sondern sich immer tiefer in die Schluchten unseres Inneren bohrt, über die Jahre immer tiefer, verdammt noch mal. Und manchmal bleiben nur Schatten in den zerklüfteten Schluchten, ungefähr und verwischt und vorübergehend und es bedarf unserer ganzen Energie/Kraft/ Willensanstrengung, sie wieder in Bilder und Gedanken und Geräusche umzuwandeln.

Und nun hört der getrennte Papi einen seiner favorite songs, der passt, perfekto: Breakable, von Ingrid Michaelson und den hören seine Kinder und er sehr gerne sehr laut und sehr oft, versuchen’s Sie’s. “Have you ever thought about what protects our hearts/Just a cage of rib bones and other various parts/So it’s fairly simple to cut right trough the mess/And to stop the muscle that makes us confess/And we are so fragile and our cracking bones make noise/ And we are just breakable breakable breakable girls and boys/You fasten my seat belt because it is the law/In your 2 ton death trap, I finally saw/A piece of love in your face that bathed me in regret/Then you drove me to places I’ll never forget/And we are so fragile and our cracking bones make noise/And we are are just breakable breakable breakable girls and boys/And we are so fragile and our cracking bones make noise/And we are just breakable breakable breakable girls/breakable breakable breakable girls/ breakable breakable breakable girls and boys”. Dazu alsbald mehr vom getrennten Papi…