Arche Noah (78.)
Veröffentlicht in Alexander,Allgemein,Arche,Fragen von Andreas Wrede am 02.09.2011 um 12:34 Uhr

Oder: Ist das Leben nun ein dickes Schiff oder eine zarte Nussschale?

Worum es diesmal geht: Grundsätzliche Fragen von kleinen Kindern, die große Antworten wollen, viele Tiere, zwei Menschen, ein Maserati, Streicheln über die ganze Stirn und am linken Ohr, bitte schön.

Es gibt so Fragen, die können anscheinend nur Kinder stellen und sie stellen sie dann immer völlig unvermutet. Zum Beispiel, wenn wir – Alexander, Marie und der getrennte Papi – eine unserer Lieblings-Sendungen, Phineas & Ferb, die coolsten Erfinder aller Zeiten, gerade gucken, Pizza essen und Eistee trinken. Alexander sagt, als ich ihm eine Serviette auf den Schoss legen will: “Ich bin doch kein Baby mehr ich kann mir die Serviette selbst nehmen.” Marie stellt dann fest: “Aber Du bist doch noch ein Kind und dann kann Dir Papi doch helfen.” Als wolle er dies nun nachdrücklich widerlegen, fragt mein Sohn mich: “Wie viele Tiere waren eigentlich auf diesem dicken Schiff?” “Du meinst die Arche Noah?”, fragt der getrennte Papi zurück. “Ja, auf der Arche Noah.” “Oh, um ehrlich zu sein, keine Ahnung…”. Darauf Alexander: “Aber ich weiß es ganz genau, Papi.”

Dann fängt er an, jene Schleichtiere aufzustellen, in Reih’ und Glied, die beim getrennten Papi in einem Korb liegen oder die immer in einer kleinen Ecke stehen, wie etwa die Zebras. “Also, Papi, es waren genaus so viele…”. Nämlich zwei kleine Elephanten und zwei große, drei kleine Giraffen und drei große, zwölf große Zebras und zehn kleine, ein großer weißer Tiger und zwei kleine, eine Baby-Schildkröte und dessen Mutter, ein Delphin, ein Walroß, ein großer und ein kleiner Tümmler, zwei Kinder-Robben, ein ausgewachsenes Nilpferd, ein Kamel, ein Orang-Utan und sein Baby, ein Panda-Bären-Pärchen, ein Schimpanse, drei Igel, drei kleine Füchse, ein Grizzly, groß und klein und schließlich noch ein Koala-Bär und eine Tiger-Mutter mit ihrem Tiger-Baby. “Die waren alle auf der Arche Noah, Papi,” sagt Alexander, überzeugt und stolz.

Das wären also 63 Tiere gewesen – “und natürlich noch zwei Menschen, die auf die Tiere aufpassen und sie füttern,” meint Alexander. Und dann stellt er zu den Tieren noch den gelben Maserati. Marie lacht: “Aber ein Auto war wohl nicht auf der Arche Noah…”. Alexander lacht zurück: “Nö, aber es sieht doch irgendwie cool aus.” Stimmt und die 63 Schleichtiere und das Spielzeugauto und zwei kleine Menschen-Figuren passen in eine kleine Holzkiste, die sich auf den Ozeanen ausnimmt wie eine Nussschale – etwas verloren, aber auch doch trotzig und mit besonderem Widerstands-Willen ausgestattet. “Und wie ist das jetzt mit der Schwangerschaft und so?” Will Alexander wissen, wieder so eine Frage von links um die Ecke durch’s Auge ohne Wenn und Aber. Als der getrennte Papi gerade mit einem Erklärungsversuch anhebt, etwas umständlich, zugegeben, geht eine zweite Folge von Phineas & Ferb los und die Sache mit der Schwangerschaft kann vertagt werden. Sie ist dann auch vergessen als der getrennte Papi seine Marie – wie immer vor dem Einschlafen – über die ganze Stirn streichelt und seinen Alexander  am linken Ohr, “bitte genau da, wie immer!”. Alsbald dann wieder mehr vom getrennten Papi…

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Boy, Girl (35.)
Veröffentlicht in Bilder,Herzkammern von Andreas Wrede am 14.11.2010 um 15:12 Uhr

Oder: Die Bilder der Bilder sind Bilder für die Ewigkeit der Erinnerung.

Worum es diesmal geht: Paris (retrospektiv), 144 Stunden, ein Eifelturm, ein Platz dafür, Photos, eine seltene Ruhe, eine ruhige Seltenheit, die Bilder von den Bildern, die Eltern des getrennten Papi, nochmals Bilder und ein Songtext.

Es ist jetzt erst einige Tage her, dass der getrennte Papi und seine Kinder in Paris waren und doch scheint es schon länger zurück zu liegen, die Erinnerung schlägt uns manchmal freche Haken in unserer individuellen Erinnerung. Mal sind sie schmerzhaft, mal sind sie verloren, mal sind sie für ewig, so oder so. Nur 144 Stunden später liegt Paris zwar schon wieder etwas weiter weg, gleichwohl sind die Alexander und Marie noch immer beseelt von den ureignen Selbstwahrnehmungen und Spurensicherungen und Sichtverschiebungen. Unsere Eltern sagten doch immer: “Das ist etwas für’s Leben” und der getrennte Papi hat dies damals zu selten angenommen und verinnerlicht. Froh ist der getrennte Papi, dass seine Kinder unbewusst viel bewusster mit ihrer Erinnerung und damit doch auch mit jener ihres Vaters umgehen.

Marie hat dem getrennten Papi nachträglich noch einen Mini-Eifelturm geschenkt, den wollte sie eigentlich ihrer besten Freundin schenken. “Aber ich habe ihr etwas anderes gegeben und Du bekommst den Turm, damit Du Paris mit uns nicht vergisst”. Und das spitzige, kleine, blitzende  Getümchen mit einer Anhängerkette hat nun einen Platz auf der Kommode im Wohnzimmer, direkt neben den zierlichen Holznachbildungen New Yorker Landmarks  von Muji. Davor stehen dann auf dem Boden ein Plastik-Krokodli aus Parisl, einige Schleich-Giraffen und ein Schleich-Kroko, korrespondierend zur Sammlung der Zebras in der Ecke, hinten links. Okay, das geht etwas ins Detail, das mag der getrennte Papi bekanntlich aber und freilich ziemlich, wie Sie wissen, das Abschweifen ist im Blog glücklicherweise erlaubt, er empfindet es als Privileg und weiss es zu schätzen: Thanxxx-a-lot, Blog!

Vor kurzem waren der getrennte Papi und seine Kinder gemeinsam gebucht für ein Photo-Shooting und da kam es ebenfalls zu diesen privilegierten Momenten, die der getrennte Papi nicht vergessen darf. Beim Photographieren hat es bisweilen diese ruhige, magische, lange Zehntelsekunde zwischen der Aufnahme, deren Prozessierung und deren Vollendung – die Zeit rührt sich dann gerade mal gar nicht, die Luft steht still und hört auf zu atmen, die Sinne sind ganz auf sich selbst reduziert – man erstarrt, gespannt, wünscht sich schon das Bild der Beiden vor seinem vergeistigten Auge bevor es getan ist.

In diese seltene Ruhe war der getrennte Papi versetzt  als Marie und Alexander, sehr entspannt und spassig, vor der Kamera standen und er genoss die ruhige Seltenheit, die Kinder von Entfernung und doch so nah zu sehen und sich ihnen noch näher zu fühlen. Da entstehen im Kopf die Bilder von den Bildern und diese Bilder werden dann Erinnerungen für die Ewigkeit, kein Löschen, kein Rewind, kein Vergessen ist mehr möglich, sie werden präsent sein, komme was da kommen wolle. Eine ruhige Seltenheit für beide Herzkammern und die eine Seele, die nichts & niemand einem nehmen kann. Und der getrennte Papi kennt genau die Winkel, wo dies oder das Bild sich verstecken möchte.

Und wenn ich in die Vergangenheit abdrifte, tauchen auch Bilder von Bildern meiner Eltern auf, sie schweben durch die pulsierenden Adern, durch das verkopfte Hirn und den verhirnten Kopf, weichen ihn mal auf und machen ihn durchlässig und ein warmer Griff streicht mir auf einmal durchs Haar, sind es die Hände meiner Mutter/meines Vaters? Oder ist es nur der Wunsch, imaginiert, die Eltern mögen Beide wieder einfach da sein? Kennen Sie auch diesen ziehenden Schmerz über die Abwesenheit geliebter Menschen, der keineswegs aufhören will, sondern sich immer tiefer in die Schluchten unseres Inneren bohrt, über die Jahre immer tiefer, verdammt noch mal. Und manchmal bleiben nur Schatten in den zerklüfteten Schluchten, ungefähr und verwischt und vorübergehend und es bedarf unserer ganzen Energie/Kraft/ Willensanstrengung, sie wieder in Bilder und Gedanken und Geräusche umzuwandeln.

Und nun hört der getrennte Papi einen seiner favorite songs, der passt, perfekto: Breakable, von Ingrid Michaelson und den hören seine Kinder und er sehr gerne sehr laut und sehr oft, versuchen’s Sie’s. “Have you ever thought about what protects our hearts/Just a cage of rib bones and other various parts/So it’s fairly simple to cut right trough the mess/And to stop the muscle that makes us confess/And we are so fragile and our cracking bones make noise/ And we are just breakable breakable breakable girls and boys/You fasten my seat belt because it is the law/In your 2 ton death trap, I finally saw/A piece of love in your face that bathed me in regret/Then you drove me to places I’ll never forget/And we are so fragile and our cracking bones make noise/And we are are just breakable breakable breakable girls and boys/And we are so fragile and our cracking bones make noise/And we are just breakable breakable breakable girls/breakable breakable breakable girls/ breakable breakable breakable girls and boys”. Dazu alsbald mehr vom getrennten Papi…