Deutsche Firmen auf Schmusekurs mit Teheran
Iran steht wegen seines Atomprogramms weltweit am Pranger. Israel droht mit Krieg. Deutsche Firmen schreckt das wenig. Sie tummeln sich auf der wichtigsten Öl-Messe in Teheran. Ich habe nachgefragt.
Die Weltgemeinschaft will dem Iran mit aller Kraft den Geldhahn zudrehen. Über 60 Prozent des Staatshaushaltes speisen sich aus dem Export von Öl und Erdgas. Geld, mit denen die Mullahs ihre Atomanlagen bauen. Geld, das sie in die Lage versetzt, innerhalb weniger Monate genügend hoch angereichertes Material für eine Bombe herzustellen - sobald die politische Entscheidung hierzu gefallen ist (der stern berichtete bereits 2009). Geld, mit denen der Iran unter Hochdruck an Zünd- und Trägersystemen tüftelt. Geld also, das die Region immer weiter in Richtung Krieg puscht.
Kontrolliert werden die hoch rentablen Ölprojekte im Iran meist von Firmen, die zum Wirtschaftsimperium der Revolutionsgarden gehören – eine Organisation, die auf der EU-Sanktionsliste steht und in den USA gar als Terrororganisation gilt.
Bereits im Jahr 2010 hat Brüssel ein striktes Embargo gegen Irans Erdöl- und Erdgasindustrie verhängt. Im vergangenen Monat wurden die Exportbeschränkungen auf die petrochemische Industrie ausgedehnt. Die Ausfuhr zahlreicher Güter für diese Industriezweige ist europäischen Firmen somit strikt untersagt.
Im Iran will man sich die Laune davon nicht verderben lassen. Noch bis Freitag findet in Teheran die viertägige, pompös inszenierte „Iran Oil Show“ statt. Diese Messe wird wesentlich vom iranischen Ölministerium organisiert. Die Standgebühr müssen die Aussteller auf ein Konto der „Bank Mellat“ überweisen. In den EU-Sanktionen von Oktober 2010 heißt es zu dieser Bank: „Bank Mellat unterstützt und fördert durch ihr Verhalten das Nuklearprogramm Irans und das Programm Irans für ballistische Raketen.“ (EU Verordnung Nr. 961/2010)
Zahlreiche deutsche Firmen haben sich davon nicht abschrecken lassen. Sie haben sich trotz allem entschlossen, ihre Produkte (auch) dieses Jahr auf der „Iran Oil Show“ zu präsentieren. Der „Managing Director“ der mächtigen staatlichen Ölgesellschaft „NPC“, Abdolhousian Bayat, frohlockte am Rande des ersten Messetages, dass die hohe Zahl ausländischer Aussteller ein klares Zeichen für das „Scheitern der Sanktionen“ gegen sein Land sei. Von den 1255 teilnehmenden Firmen stammen laut offiziellen iranischen Angaben 315 aus Ländern, die aktuell Sanktionen gegen Irans Öl-Industrie verhängt haben.
Auf der Messe-Website findet sich ein Raumplan, auf dem die Namen von einem knappen Dutzend deutscher Unternehmen notiert sind. Den betroffenen Firmen ist die Angelegenheit höchst unangenehm – sie schweigen, sie relativieren oder sie dementieren.
Die Pressereferentin von „Pepperl + Fuchs“ (Sensoren) bügelt mich ab: „Zu dieser Sache möchte sich unser CEO nicht äußern.“
Eine Mitarbeiterin von „Helmke Orbis“ (Elektrische Maschinen und Antriebe) sagt mir am Telefon: „Oh mein Gott, über dieses Thema darf ich keine Auskunft geben. Die Geschäftsführung ist nicht verfügbar.“
Auch bei „Bornemann“ (Pumpen) hat niemand Zeit für eine Auskunft, man bereite derzeit ein Firmenfest vor.
Bei „Mankenberg“ (Ventile) ist ebenfalls niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.
Eine Mitarbeiterin des Unternehmens „Hova“ (Ersatzteile für Kompressoren, Pumpen und Dichtungen) bestätigt hingegen: Der Geschäftsführer persönlich sei in Teheran vor Ort. Er sei aber nicht als Aussteller dort, sondern lediglich um „Kontakte zu knüpfen“ und „den Markt zu sondieren“.
Auch die Firma „Herrenknecht“ (Tunnel-Bohrmaschinen) räumt ein, an der „Iran Oil Show 2012“ mit einem „15-qm-Stand“ teilzunehmen. Man habe schließlich keine Informationen darüber, „dass die Teilnahme an dieser Messe gegen irgendwelche gesetzlichen Bestimmungen verstößt“. Bei den Geschäftsbeziehungen in den Iran halte man sich an alle Vorschriften und handele „in einem verantwortbaren Rahmen“. Überdies führe man nur Güter mit „eindeutig nachvollziehbaren zivilen Hintergrund“ in das Land aus.
Ein Sprecher der Firma „Steuler-KCH“ (Korrosionsschutz) sagt, dass man auf der „Oil Show“ jahrelang gemeinsam mit einem iranischen Kooperationspartner vertreten war. Aufgrund der „politischen Lage“ habe man sich aber entschlossen, dieses Mal keine deutschen Mitarbeiter nach Teheran zu schicken. Der iranische Partner biete die Produkte des rheinland-pfälzischen Unternehmens deshalb im Alleingang feil.
Der Geschäftsführer der Burbacher „Eltherm“ (Begleitheizungssysteme), Frank von der Heydn, bestreitet, dass seine Firma dieses Jahr auf der „Oil Show“ vertreten ist. Weder stelle man dort aus, noch habe man Kenntnis davon, dass dort jemand anderes unter dem Namen der Firma aktiv ist. Das Ausstellerverzeichnis weist jedoch einen Stand des Unternehmens in Halle 38 aus, betrieben gemeinsam mit der Firma „Tavan Control“.
Von „Bopp & Reuther“ (Messtechnik) sind derzeit zwei Vertriebsmitarbeiter in Teheran, heißt es in der Zentrale in Speyer. Von einem der beiden erhalte ich die Handy-Nummer, aber man bremst die Erwartungen: Die beiden seien derzeit „sehr im Stress“, hätten auf der Messe „allerhand zu tun“. Am anderen Ende in Teheran nimmt keiner ab.
Von Johannes Gunst
So, und was jetzt ? Sanktionen bestrafen nur das Volk; bei der Industrie, wie auch beim Waffenhandel (sogar Israel) ist mittels Strohmaennern und ueber Zwischenmaerkte alles im Lot und da bleibt nur noch wieder mal Krieg ? Oder wie ? Was schlagen wir denn nun vor nachdem wir Sanktionen verhaengen die nichts bringen ?
Und wie in diesem Falle schadet man nicht nur der iranischen Bevoelkerung sondern der eigenen Industrie. Denn, irgendwer liefert immer…und dann eben Chinesen, Russen, Koreaner und wer sonst noch. Dann wieder auf einen Markt zu draengen ist schwer.
Sanktionen = du, du Boeser du. !!!
Ich vermisse die Empörung darüber, dass mit Indien auch weiter Handel getrieben wird. Die HABEN die Atombombe und können damit inzwischen sogar Europa angreifen. Wo bleiben die Sanktionen? Ach nee. Die haben es sich ja noch nicht mit Israel verscherzt…
“Stern investigativ”
Hat der Stern jetzt tatsächlich herausgefunden das deutsche Firmen im und mit dem Iran Geschäfte macht? Soll das wirklich die einzige Aussage in diesem Artikel sein?
Es dürfte, mitAusnahme von Norkorea vielleicht, kein Land auf der Welt geben in dem deutsche Firmen nicht in der ein, oder anderen Art und Weise investieren.
ach nein, senfi, ich koennte dir einige namen nennen, die auch mit nordkorea “big business” taetigen………………..
Mir gefaellt’s immer wenn man sich “empoert’ , aber dann keine Vorschlaege unterbreitet die Aussicht auf Erfolg haetten. Es ist ja so einfach dagegen zu sein. Erinnert mich immer irgendwie an noergeln.
Wie auch beim Iraq mit den vermeintlichen “Massenvernichtungswaffen” die den Weltfrieden bedrohten, fehlen auch hier klare Beweise, dass der Iran an Atombomben bastelt. Man muss natuerlich Zugestaendnisse machen wenn man davon ausgeht, dass Amadhinejad eigentlich in eine geschlossene Anstalt gehoert.
Nun, und wir basteln uns hier unsere eigenen kleinen Wahrheiten weil wir nur 10% von dem wissen was sich wirklich abspielt….wir sind das dumme Volk das jeder Staat braucht um zu funktionieren.
@Sepp
volle zustimmung
Iran is not a State which you have to like but you have be honest and fair and can not ignore facts or put them under the table because it would not allow to squeeze Iran to get it to Western (Israel and USA) control: >Israel has as everybody know the nuclear power to have and produce atomic warheads or bombs on request at any time >Israel had under Shah an incredible influence in Iran and a lot of judische Iraner still citizens of Iran > Israel is whining non stop to keep up their preferred status as beaten up nation and to get away with murder >The USA as old Shah friend like to get rid of the Moslem Iran to keep the middle east in their grip economical and as largest supplier for weapons, which slips away in an alarming rate >USA is spying on Iran using modern warfare without having the UN allowance as you would you >USA and Russia have the largest atomic bomb arsenal of the world and not controlled by the UN as you should expect. > Israel to come clean should open their country’s facilities to UN inspectors and the locations identified by the USA to the UN.
Ist die „politischen Lage“ von Deutschland unabhängig zu der ëconomische Lage in dieses thema?
Man stelle sich vor, Israel greift den Iran an. Die Auswirkungen eines solchen Angriffes wuerden sich verheerend auf die gesamte Region uebertragen und nicht nur darauf.
Im “Westen” muesste man sich zudem auf “Vergeltungsschlaege” (erhoehte terroristische Aktivitaeten) vorbereiten.
-und da Germany soooviele Bodenschätze besitzt….. nich wahr? sollten sich doch lieber die deutschen Geschäftsleute und Firmen raushalten!!!! Unsere deutschen Produke sind super-verkaufen wir sie doch. Auf welchem Stern befindet sich der Herr Gunst?
Wer hat die Beweise, dass der Iran atomare Waffen besitzt? Sepp schrieb es ja bereits, ein Krieg im Irak wurde angezettelt und HUNDERTTAUSENDE unschuldiger Menschen starben für NICHTS. Ein einst blühendes Land wurde in Schutt und Asche zerlegt und hinterlassen, weil man der WELT Kritzeleien zeigte,die uns beweisen sollten, dass die wir alle vor einem ATOM-PILZ zittern sollten. und-auch wir , haben diesen Krieg mitgetragen.
Na das ist ja wirklich eine Sensation. Deutsche Firmen besuchen eine Messe im Iran, um unter Beachtung aller Gesetze und Sanktionen ihren Geschäften nachzugehen. Wirklich investigativ.
Herr Gunst sollte sich mal mit der Merkwürdigkeit beschäftigen, daß mittlerweile die versammelten Experten der 15 amerikanischen Geheimdienste, der ehemaligen Chef des Mossad, Dagan und der israelische Armeechef Gantz zum Ergebnis kommen, daß der Iran nicht an einer Atombombe baut und warum Deutsche Firmen noch immer sanktioniert werden.
http://www.dihkev.de/de/news/2669-Israels-Armeechef-glaubt-nicht-an-iranische-Atombombe
http://www.dihkev.de/de/news/2411-Keine-Beweise-fuer-Atomwaffen-in-Iran