Falsches Format – Warum es zu Antibiotika in der Tiermast keine Statistik gibt
In der oft hitzigen Debatte um Antibiotika im Stall findet sich immerhin ein Konsens: Antibiotika nur dann, wenn es zu therapeutischen Zwecken unbedingt notwendig ist. Dass die Realität heute anders aussieht, legen Studien aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen nahe. Demnach werden die meisten Hühner, Schweine und Puten in der Mast mit Antibiotika behandelt, zum Teil mit zehn und mehr Wirkstoffen. Einige Hühner bekommen bis zu 26 Tage ihres kurzen, oft nicht mehr als 32 Tage umfassenden Daseins Antibiotika verabreicht. So werden Infektionen im Stall unterdrückt, aber auch Resistenzen hervorgerufen, die lebensgefährlich sein können. Wir sollten dringend etwas tun, aber was genau?
Um das System umzukrempeln, wären ein paar grundlegende Daten hilfreich: Wo werden besonders viele Antibiotika eingesetzt, in welchen Haltungsformen und in welchen Regionen? Das wüsste man alles gerne, insbesondere als Datenjournalist. Insgesamt 900 Tonnen Antibiotika wurden im vergangenen Jahr an Tiere verabreicht, mehr als 90 Prozent davon an Nutztiere. Das gab Anfang 2012 der Bundesverband für Tiergesundheit bekannt. So viel weiß man also immerhin. Aber hinter dieser Summe für alle Tiere in ganz Deutschland klafft eine große Lücke.
Dabei wird die Abgabe von Antibiotika durchaus dokumentiert, allerdings im falschen Format. Auf Zetteln. Einen Zettel führt der Landwirt, einen der Veterinärmediziner. Darauf steht detailliert, welche Tiere aus welchem Grund behandelt werden und wie lange welche Mittel sie bekommen. Dazu sind Tierhalter und Tierarzt verpflichtet. Gelegentlich werden diese Formulare von den Überwachungsbehörden angefordert, aber nicht standardmäßig erfasst. Man würde sich dafür eine Datenbank wünschen, in der alle Behandlungen eingetragen sind. Nicht nur als Datenjournalist – Kontrollen könnten damit automatisiert werden, sogar ein Vorwarnsystem wäre denkbar, etwa für Betriebe, die zunehmend Antibiotika verbrauchen.
Ein wenig mehr Transparenz soll Mitte 2012 in die Sache kommen. Dann will das Bundesministerium für Landwirtschaft regionalisierte Daten über die „in Verkehr gebrachten Tierarzneimittel-Mengen“ veröffentlichen. Dann wird immerhin sichtbar, wieviele Antibiotika die Tierärzte in einem bestimmten Postleitzahlenbereich geordert haben. Was sie damit gemacht haben, bleibt allerdings weiter im Dunkeln.
Bis in die Tierställe hinein wird eine Studie schauen, die das Bundesinstitut für Risikobewertung in Auftrag gegeben hat. Die repräsentative VetCAb-Untersuchung soll erstmals Anfang 2013 Daten darüber liefern, welche Antibiotika in Nutztierbeständen wie häufig verabreicht werden. Elektronische Daten. Teilnehmen sollen Landwirte und Veterinäre aus acht Landkreisen, deren landwirtschaftliche Struktur exemplarisch für eine ganze Region steht. Damit sich genügend Tierhalter freiwillig in den Stall schauen lassen, lockt am Ende der Erhebung eine individuelle Datenauswertung für jeden Landwirt. Und die Daten werden anonymisiert gespeichert. Es besteht also Hoffnung für Datenjournalisten. Eine Stichproben-Analyse ist immer noch besser als gar keine Statistik.
von Christina Elmer
Lesen Sie dazu auf stern.de: Eine Riesensauerei – Gefährliche Bakterien im Schweinefleisch


Zunächst vielen Dank, dass Sie dieses Thema überhaupt aufgegriffen haben.
Ich würde aber gern eine andere Schlussfolgerung nahe legen.
Anstatt immer mehr Daten zu sammeln und immer mehr Kontrollen zu fordern, könnte man doch einfach aufhören tierische Produkte zu essen bzw. zu nutzen. Eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema “Wo kommt mein Essen her?” hat mich persönlich schließlich zu dem Entschluss gebracht, Veganer zu werden.
Ich glaube daran, dass die einzige und effektivste Möglichkeit, das Angebot zu regulieren, die Nachfrage ist.
Und jeder der keine Lust auf diesen unzumutbaren Umgang mit Tieren hat, sollte ernsthaft über den Veganismus nachdenken. Das einzige auf das Veganer verzichten müssen, ist die Schuld an den oben beschriebenen Praktiken.