Liebeskummer bei Apple-Angestellten

Veröffentlicht in Informationen gesucht von Dirk Liedtke am 12.11.2012 um 17:32 Uhr

Am vergangenen Freitag um 20 Uhr war ich in einer deutschen Millionenstadt mit drei Apple-Mitarbeitern verabredet. Sie wollten über Arbeitsbedingungen in den Apple-Stores auspacken. Aber nur einer kam.

Die beiden Anderen hatten einen Rückzieher gemacht. Aus Sicherheitsgründen verlegte ich den Treffpunkt von dem reservierten Hinterzimmer in einem italienischen Restaurant in eine zufällig ausgewählte Pizzeria. Denn mein Informant hielt es für möglich, dass der ursprünglich gewählte Treffpunkt ausgeplaudert wurde und beobachtet werden könnte.

Das klingt paranoid, ist aber bezeichnend für das miese Klima in den zehn Apple-eigenen Stores in Deutschland. Der Spiegel berichtet aktuell über schlechte Luft, überfüllte, laute Läden und strenge Überwachung der auf Stundenbasis eher dürftig bezahlten Angestellten.

Der erste frustrierte Apple-Mitarbeiter hatte sich im September bei uns gemeldet, anonym per E-Mail. Aus Frust über die schlechten Arbeitsbedingungen. Der junge Mann von Mitte zwanzig mit abgeschlossener Berufsausbildung schien zunächst eingeschüchtert von Apple. Erst nach einem mehrstündigen Gespräch taute der „Specialist“ genannte Apple-Verkäufer auf und überreichte mir seine Apple-Store-Visitenkarte, auf der sein Name steht.

Es tut sich ein ernüchternder Blick auf hinter die blank polierte Glasfassade der Apple-Geschäfte. Die begehrten, Hunderte von Euro teuren digitalen Spiel- und Werkzeuge werden offenbar von Mitarbeitern verkauft, die sich oft behandelt fühlen wie bei einem Discounter, nämlich unter Wert. Enttäuschte Liebe scheint ein Motiv für das Dampfablassen gegenüber Medien zu sein. Denn Einstellungsvoraussetzung in einem Apple-Store ist neben einem meist jugendlichen Alter und einem extrovertierten Wesen ein hohes Maß von Verknalltheit in Apple-Produkte. Die starken Gefühle für die einst rebellische angehauchte Marke zeigen sich auch in der Anhänglichkeit der Whistleblower: Obwohl sich die Apple-Store-Mitarbeiter, die mir gegenüber auspackten, frustriert und erschöpft sind, wollen sie nicht etwa kündigen. Sondern sie wollen weiter alles von Apple verkaufen, reparieren und in Kursen erklären dürfen.

Diese Zuneigung erwidert die Apple Retail Germany GmbH nur zögerlich. Erst als sich in München, dem ältesten deutschen Apple-Store, der erste Betriebsrat gegen starke Widerstände konstituieren konnte, erhielten zahlreiche Mitarbeiter über Nacht kräftige Lohnerhöhungen. Das berichten Mitarbeiter und die Gewerkschaft Verdi übereinstimmend. Etwas Vergleichbares passierte auch in den USA, als die New York Times die aufreibenden Arbeitsbedingungen in Apple-Läden ausführlich recherchierte. Als sich dies herumsprach, wurden viele Mitarbeiter besser bezahlt.

An dem Thema bleibe ich dran: Für Apple-Store-Mitarbeiter mit Liebeskummer habe ich weiterhin ein offenes Ohr.

von Dirk Liedtke

Foto: Sebastian Widmann/dapd

4 Kommentare für 'Liebeskummer bei Apple-Angestellten'

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  1. Michael meinte am 13.11.2012 um 09:05

    Liebeskummer im Apple Store – ich weiss nicht
    Die Arroganz die einem teilweise entgegen springt lässt einen glauben, dass manche Apple store Mitarbeiter etwas Besonderes sind.
    Zumindest glauben sie, dass sie wichtig sind – aber wie so oft – der Fisch stinkt vom Kopf.
    Die Führung der Shops ist wohl nicht das Gelbe vom Ei.

  2. abstracto meinte am 13.11.2012 um 11:53

    Und wieder kommt Hintergrundwissen ans Tageslicht, das die großen Konzerne verbergen wollen. Hauptsache sie machen Gewinn.
    Wirklich schade so etwas. Aber wenigstens haben sie dann die Löhne erhöht.

  3. Samsung meinte am 14.11.2012 um 11:07

    @Michael:
    Bei aller Liebe, aber ich wurde als Kunde noch nie besser und freundlicher behandelt, als in einem Applestore.

  4. Bob meinte am 24.01.2013 um 16:29

    Ich war bei einem Assessment Center von Apple und kann das Geschriebene an sich nur bestätigen. Identifikation mit Apple wird gefordert, ständig wird geklatscht, alles hip, alles cool, alle reden sich mit Vornamen an, eine flache Struktur wird vermittelt. Aber als es dann zum Thema Bezahlung kam, war die ganze Sache nicht mehr so toll.^^ Stress hoch 10 (gerade in der Weihnachtszeit oder bei Releases), aber für einen Hungerlohn mit der Begründung: “Es ist eine Ehre, für Apple arbeiten zu dürfen. Und ausserdem bekommt man 2x im Jahr Apple-Produkte zum rabattierten Preis.” Naja, davon wird man zwar nicht satt, aber egal, die Ehre macht ja alles wett. Ich hab bei zwei anderen Einzelhändlern gearbeitet, die jeweils Marktführer in Ihrem Segment waren und habe bei vergleichbarer Arbeit und Position fast das Doppelte verdient, nur um mal eine Vorstellung zu bieten.

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