Medaillenziele: Sieg vor Gericht

Veröffentlicht in investigativ-intern,Sportförderung von Christina Elmer am 02.08.2012 um 12:09 Uhr

Die Förderung des deutschen Spitzensports richtet sich nach bislang geheimen Medaillenzielen. Jetzt bestätigt ein Gerichtsurteil: Die Vorgaben gehören an die Öffentlichkeit – und zwar umgehend.

Ein Sieg für die Pressefreiheit, endlich, nach monatelangen, oft frustrierenden Recherchen. "Da haben wir uns erstmal hemmungslos gefreut", sagt Niklas Schenck nach dem gestrigen Urteil. Das Verwaltungsgericht Berlin hat ihm und Daniel Drepper Recht gegeben. Und das Bundesinnenministerium aufgefordert, die Medaillenvorgaben offenzulegen, die der Vergabe von jährlich rund 130 Millionen Euro für die Förderung des deutschen Spitzensports zugrunde liegen. Bislang war völlig unklar, wie die Verteilung dieser Fördergelder konkret zustande kommt.

Das Verwaltungsgericht Berlin betont in seinem Urteil das berechtigte Interesse der Öffentlichkeit an den Medaillennvorgaben – damit letztlich auch bewertet werden könne, wie gut die staatliche Förderung des Spitzensports funktioniere:

Der Antragsteller hat hier nachvollziehbar ein besonderes Interesse der Öffentlichkeit an den erstrebten Informationen zu den in Rede stehenden Zielvereinbarungen dargelegt. [...] Die Zielvereinbarungen bilden eine Grundlage für die staatliche Förderung des deutschen olympischen Spitzensports. Vor diesem Hintergrund ist von einem breiten öffentlichen Interesse an Informationen darüber, wie viele Gold- und sonstige Medaillen [...] die einzelnen Bundessportfachverbände bei den erwähnten Olympischen Spielen jeweils anstrebten bzw. anstreben, auszugehen, zumal besagte Informationen für eine Bewertung der Effektivität der staatlichen Förderung des deutschen olympischen Spitzensports, mithin der Verwendung der für diesen Zweck eingesetzten öffentlichen Mittel, relevant sein können."

Besonders spannend ist, dass die Ziele nicht irgendwann veröffentlicht werden sollen – sondern "jetzt":

Da es dem Antragsteller hier darum geht, vor dem Hintergrund eines aktuelle Ereignisses, nämlich der gegenwärtig stattfinden Olympischen (Sommer)Spiele zu berichten, benötigt er die begehrten Auskünfte jetzt und nicht zu einem ungewissen Zeitpunkt in der Zukunft."

Im WAZ Rechercheblog können Sie das Gerichtsurteil in voller Länge lesen.

Sobald die Medaillenvorgaben veröffentlicht sind, halten wir Sie hier auf dem Laufenden.

Bislang bei uns im Blog erschienen:
Die Zielvereinbarung der Leichtathleten: Einmal acht Medaillen, bitte!
Datenjournalismus: Sportförderung in Zahlen
Recherche-Bericht: "Wir fühlten uns belogen."

von Christina Elmer

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2 Kommentare für 'Medaillenziele: Sieg vor Gericht'

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  1. Innenministerium blockiert mit alle meinte am 09.08.2012 um 14:55

    [...] die schon Christian Wulff gegen die Presse vertreten hatte.Konkret wehrt sich das BMI gegen ein Urteil des Berliner Verwaltungsgerichts. Das hatte vergangene Woche den Journalisten Daniel Drepper und Niklas Schenck Recht gegeben – [...]

  2. [...] Nur vor Gericht bewegt sich der DOSB jetzt wieder. Obwohl er in dem Verfahren nur beigeladen war, hat jetzt eine eigene Beschwerde eingereicht. Sein Argument gleicht dem des Innenministeriums: Alle Sportverbände hätten einzeln vom Gericht befragt werden müssen, ob die mit ihnen verhandelten Medaillenvorgaben öffentlich werden dürfen. Das könnte solche Gerichtsverfahren – und ähnliche Informationsansprüche in der Zukunft – so in die Länge ziehen, dass sie wirkungslos sind. Das hatte übrigens auch das Gericht klargestellt. [...]

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