Wo sind die 109 untergetauchten Rechtsextremisten?

Veröffentlicht in Rechtsextrem von Dirk Liedtke am 06.05.2012 um 18:12 Uhr

Beim letzten Nachzählen waren noch 110 mit Haftbefehl gesuchte deutsche Rechtsextremisten untergetaucht. Wie ich an diesem Wochenende erfahren habe, können die Fahnder wohl einen Namen von der Liste streichen.

In Portugal soll Gerd Ittner (Jahrgang 1958), ein notorischer Holocaust-Leugner und fanatischer Hitler-Verehrer, festgenommen worden sein. Diese Nachricht habe ich zumindest in einem Neonaziforum gefunden. Demnach wurde der seit 2005 gesuchte Neonazi bereits am 11. April festgenommen. Er soll im portugiesischen Beja in Untersuchungshaft sitzen. Deutsche Behörden können die Festnahme allerdings noch nicht bestätigen.   (siehe Update am Ende dieses Blogeintrags) Sollte sich die Information bestätigen, laufen immer noch erschreckend viele untergetauchte Neonazis frei herum.

Ittner war am 29. März 2005 von der Bildfläche verschwunden. Ihm drohte eine lange Gefängnisstrafe. In Abwesenheit wurde er eine Woche später, am 6. April 2005, vom Landgericht Nürnberg-Fürth wegen Volksverhetzung, Verunglimpfung des Staates und Beleidigung zu einer Freiheitsstrafe von 33 Monaten verurteilt.

NSU-Kontakte

Für die Ermittler ist Ittner noch aus einem ganz anderen Grund interessant: Er hatte einst Kontakt zu dem Terror-Trio Nationalsozialistischer Untergrund (NSU), Uwe Böhnhardt , Uwe Mundlos und Beate Zschäpe.

Im Herbst 2003 trat Ittner bei Neonazi-Demonstration in Erfurt mit dem damaligen NPD-Landesvorstand Ralf Wohlleben auf. Der sitzt inzwischen als mutmaßlicher Unterstützer der NSU-Mordserie in Untersuchungshaft.

Angebliche Iran-Kontakte

Zum Jahresbeginn 2006 hatte sich Ittner letztmals öffentlichkeitswirksam im Internet zu Wort gemeldet: Den „Kameradinnen, Kameraden und Reichsbürgern" teilte Ittner mit, dass er „im politischen Exil im Iran“ sei. Dort werde er, so eine interne Mail des „Nationalen Widerstands Nürnberg“, bis zu seiner „Rückkehr ins Reich den Kampf mit unserer Unterstützung weiterführen“.

Wir bleiben dran und zählen weiter ab, wie viele der gesuchten Rechtsextremisten noch frei herumlaufen und wie viele hinter Gittern sind.

Update 8.5.2012: Einen Tag nach meinem Blogeintrag hat die Staatsanwaltschaft Nürnberg die Festnahme Ittners in Montemor-o-Novo in Portugal bestätigt. Er befinde sich zurzeit in Auslieferungshaft. Über eine Auslieferung müssen jetzt die örtlichen Gerichte entscheiden.

von: Dirk Liedtke

 

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5 Kommentare für 'Wo sind die 109 untergetauchten Rechtsextremisten?'

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  1. senta rieger meinte am 08.05.2012 um 11:39

    Mich würde mal interessieren, wieviel alte Nazis unsere Seniorenheime bevölkern, die eigentlich
    noch einem Richter vorgeführt werden müssten. Wer forscht da eigentlich mal nach?

  2. nirgendwo meinte am 08.05.2012 um 14:00

    dies duerften wohl einige sein. Aber, nach 67 Jahren (Kriegsende) sind deren Verbrechen mit Sicherheit verjaehrt. Viel gefaehrlicher sind die “NEOS”. Denen sollte man viel massiver gegenwirken……………….

  3. Hubertus Wiendl meinte am 15.05.2012 um 11:07

    Ich denke das auch die Strategie der Medien, dem braunen Terror kein Forum zu geben, also lieber wegschauen bei dieser gewalttätigen Jungmänner Sekte, das diese Strategie angefangen bei der Bundesanwaltschaft bis hinunter zum Dorfpolizisten zu einer derart katastrophalen Fehleinschätzung des Gefahrenpotenzials geführt hat. Wegschauen legitimiert die Täter. Der Hilferuf der Bundesanwaltschaft, auf Zeitungslektüre angewiesen zu sein, um vom Evokationrecht gebrauch machen zu können spricht Bände.

  4. Wo sind die 118 untergetauchten Rec meinte am 20.09.2012 um 10:00

    [...] Mai haben wir das letzte Mal nachgezählt, wie viele Rechte mit Haftbefehl gesucht werden. Damals waren es 109. Jetzt liegen neue Zahlen [...]

  5. Wie viele Rechte sind untergetaucht meinte am 21.11.2012 um 10:46

    [...] Straftaten durch eine falsche Zuordnung in der Kriminalstatistik. Spektakuläre Einzelfälle wie die Festnahme des notorischen Holocaust-Leugners Gerd Ittner im Mai erlaubten ein manuelles Abstreichen von der [...]

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