<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Der Jetlagger</title>
	<atom:link href="http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger</link>
	<description>Von einem der auszog, Erfolg und Spaß zu haben</description>
	<lastBuildDate>Wed, 16 Jun 2010 11:02:53 +0000</lastBuildDate>
	<generator>http://wordpress.org/?v=2.9.2</generator>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
			<item>
		<title>Bizarr!</title>
		<link>http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/bizarr/</link>
		<comments>http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/bizarr/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 16 Jun 2010 09:54:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Chris Helmbrecht</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lifestyle & Reise]]></category>
		<category><![CDATA[Arina]]></category>
		<category><![CDATA[Champagner]]></category>
		<category><![CDATA[Katsche]]></category>
		<category><![CDATA[Moskau]]></category>
		<category><![CDATA[Pacha]]></category>
		<category><![CDATA[Popo]]></category>
		<category><![CDATA[Raj]]></category>
		<category><![CDATA[Sex]]></category>
		<category><![CDATA[Solyanka]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/?p=204</guid>
		<description><![CDATA[Der Abend beginnt beim spanischen Konsul. Unser Freund Raj feiert in dessen Wohnung Geburtstag. Wir stehen gerade erst 10 Minuten in der Küche, als ein glatzköpfiger Stiernacken zu uns stößt und sich ein Glas Wein einschenkt. Kurz danach ext er das Glas und genehmigt sich noch einen Wodka hinterher. Ein Kliesche Russe, denke ich kurz, komme aber zum Schluss, das ihm wahrscheinlich genauso langweilig ist wie mir und er sich locker machen muss, denn die Diplomaten und deren Freunde um uns herum sind nicht gerade Partytiger.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Abend beginnt beim spanischen Konsul. Unser Freund Raj feiert in dessen Wohnung Geburtstag. Wir stehen gerade erst 10 Minuten in der Küche, als ein glatzköpfiger Stiernacken zu uns stößt und sich ein Glas Wein einschenkt. Kurz danach ext er das Glas und genehmigt sich noch einen Wodka hinterher. Ein Kliesche Russe, denke ich kurz, komme aber zum Schluss, das ihm wahrscheinlich genauso langweilig ist wie mir und er sich locker machen muss, denn die Diplomaten und deren Freunde um uns herum sind nicht gerade Partytiger.</strong></p>
<p><strong></strong>In der Küche treffe ich auch Arina. Die sieht aus wie Liz Hurley, nur dass sie zwanzig Jahre jünger ist. Sie ist in Begleitung eines Nerds, was sie aber nicht davon abhält, wie ein Weltmeister mit mir zu flirten. Arina ist das einzige coole Mädchen hier und ich frage mich, was sie mit dem Nerd macht? Egal, ich habe eh nur noch wenig Zeit. Es ist fast Mitternacht und um halb Eins muss ich im Pacha Klub sein, um ein amerikanisches Fernsehteam herumzuführen.  Als ich mich verabschiede, hat sie diesen Blick. Willst du mich nicht nach meiner Nummer fragen? Nein, will ich nicht. Arina ist Freundinnen Material und im Moment mache ich eine 180 Grad Wendung und laufe davon, wenn ich Freundinnen Material treffe. Ich will allein sein. Ich will frei sein. Die Nacht hat sicher noch viel zu bieten. Wie so viele andere Nächte. Eine Freundin stört im Moment nur.</p>
<p>Am Pacha angekommen drücke ich mich an einer Schlange von Reichen und Schönen vorbei und begrüße die Türsteher. Der Klub ist voll und genau die richtige Kulisse für mein amerikanisches Fernseh-Team. Sie filmen für&#8217;s Frühstücksfernsehen von ABC. Gestern haben sie in St.Petersburg Präsident Medvedev interviewt und heute wollen sie noch ein paar Eindrücke vom Moskauer Nachtleben einfangen. Außerdem hat sich Viktor angekündigt. Der ist der Freund meines Mitbewohners Katsche. Ein junger aufstrebender Geschäftsmann und ein potenzieller Sponsor des Klubs. Seit sechs Wochen arbeite ich nun als Berater des Klubs. Ich soll mich um Marketing und PR kümmern, aber nebenher auch am neuen Konzept des Klubs feilen. Es ist ein schöner und willkommener Nebenjob. Werbung und Marketing einmal anders angewendet.</p>
<p>Gegen Vier bin ich endlich fertig und gönne mir am Tisch von Viktor einen Longdrink. Kurz darauf muss ich einen Wodka mit ihm und seinen Bekannten kippen. Dann flüchte ich vor der nächsten Runde, laufe aber geradewegs in die Arme von Roman und Andreas, welche mich auf einen Tequila nötigen. Danach ziehe ich meine letzte Runde durch den Klub und mach mich mit Katsche und unserem neuen Mitbewohner Patrick auf den Weg ins Solyanka.  Der Laden war früher mein Wohnzimmer, aber heute schaffe ich es nur noch selten hier her.</p>
<p><strong><a href="../files/6//2010/06/IMAG0072.jpg"><img class="alignleft" title="Stiefel" src="../files/6//2010/06/IMAG0072-179x300.jpg" alt="Hmmmm...Stiefel." width="179" height="300" /></a></strong>Im Solyanka treffe ich einen alten Bekannten, ich nenne ihn «Sergay», mit seinen schwulen Freunden. Es gibt kaum einen einfacheren Weg in die Unterwäsche eines Mädels, als mit einer Horde verrückter Schwuler abzuhängen. Prompt bin ich im Gespräch mit Nastya und Jana, zwei Endzwanzigern, die vom Style so gar nicht in Moskaus coolsten Klub passen. Sie wären wohl im Pacha oder einem anderen Nobelklub besser aufgehoben. Designerkleid, viel zu kurz und dazu die obligatorischen High-Heel-Fick-Mich-Stiefel. Viel zu vulgär für&#8217;s Solyanka, aber ganz der Style einer Frau für eine Nacht und mir gerade sehr willkommen.</p>
<p>Ich schmeiß noch eine Runde Drinks. Langsam wird es auch im Solyanka leer. Gehen wir zur Afterparty zu mir nach Hause oder hören wir noch ein bisschen Minimal im Paparazzi?, frage ich die Mädels. Zu dir nach Hause, sagt Jana mit einem Grinsen und imponiert mir schon jetzt. Katsche organisiert uns ein Taxi. Zuhause angekommen will der Fahrer plötzlich das 3-Fache des verhandelten Preises, was die Mädels ziemlich wütend macht. Es kommt zu einem lautstarken Streit vor meinem Haus und die Mädels werden mit dem Fahrer handgreiflich. Wir Deutschen stehen nur fassungslos daneben. Der Fahrer geht zurück zum Wagen und kramt in der Tür. Ich weiß, dass das kein gutes Zeichen ist und ich bitte Katsche die Mädels ins Haus zu bringen. Kurz darauf kommt der Fahrer mit einer langen Stabtaschenlampe wieder. Gut, damit werde ich fertig, denke ich, als sich die Tür hinter mir abermals öffnet und Jana auf den Fahrer losgeht. Ich drücke sie zurück ins Haus, als ich es hinter mir zischen höre. Verdammt. Die Stabtaschenlampe ist ein Taser und aus dem hinteren Ende der Lampe züngeln elektrische Blitze. Der Fahrer greift nach meinem Arm, doch ich gebe ihm einen Schlag gegen den Brustkorb, als er versucht mich mit dem Taser zu berühren. Danach komme ich frei und flüchte ins Haus. Ich schaffe es gerade noch die Tür zuzuziehen und im Spalt sehe ich die Blitze des Tasers. Hände weg von der Metalltüre, denke ich und bin heilfroh, dass wir jetzt endlich zum angenehmen Teil des Abends übergehen können.</p>
<p>Die Mädels trinken  wie Männer. Nach und nach vernichten sie eine Flasche Wein, eine Flasche Champagner und eine halbe Flasche Rum. Irgendwann fragt Jana nach Geld.  Wie viel brauchst du, frage ich? Zweitausend, antwortet sie bestimmt. Es ist in Russland üblich, den Mädels das Taxi nach Hause zu zahlen. Zweitausend sind ein bisschen viel, umgerechnet 70 EUR, aber OK. Wir haben Spaß und wir wollen noch mehr haben. Hast du mal Tausend, frage ich Katsche? Der geht in sein Zimmer und bringt einen Schein mit. Danach schiebe ich den Mädels 2000 Rubel hinüber, doch die sehen uns nur fassungslos an. Nach einer Minute Schweigen, sagt Jana: Dollar! Wenn ihr mit uns schlafen wollt, dann kostet das 1000 Dollar. Pro Person, schiebt sie hinterher. Nein, sicher nicht, entgegne ich. Ich bin doch kein fetter versoffener Russen Millionär. Wenn hier jemand zahlen muss, dann ihr. Katsche hat genug und zieht sich in sein Zimmer zurück. Ich trinke weiter mit den Mädels. Vielleicht klopfe ich sie noch weich. Lust haben sie sicher, das merke ich.</p>
<p>Knapp eine halbe Stunde später sind wir fast soweit. Jana knutscht mit mir, während Nastya breitbeinig auf der Couch gegenüber sitzt und mir ihr Höschen zeigt. Ich denke schon an einen flotten Dreier, als Katsche plötzlich wieder in der Tür steht. Er ist aus irgendeinem Grund sauer und hat zwei große Messer in den Händen. Los!, befiehlt er. Schmeiß die Nutten raus. Die wollen uns nur beklauen. Nein, schlimmer noch, die wollen unsere Nieren! Die Sache mit den Nieren ist im Moment Tagesgespräch in Moskau. Man hört  die Geschichte oft und immer ist ein Freund eines Freundes nach einer durchzechten Nacht mit einer Niere weniger aufgewacht. Schmeiß sie raus!, schreit Katsche und die Mädels sind sichtbar verstört. Ich steh auf und nehme Katsche die Messer weg. Danach setze ich ihn auf die Couch neben Nastya und versuche ihn zu beruhigen. Es ist alles OK, sage ich. Keiner will deine Nieren. Die Mädels wollen mittlerweile nicht mal mehr Geld. Katsche grinst zufrieden und schenkt sich einen Drink ein, während ich die Messer zurück in die Küche bringe.</p>
<p>Es dauert noch mal eine halbe Stunde, bis Jana in mein Zimmer geht und sich auf mein Bett legt. Sie ist blond, hat lange Beine, einen Traumpopo und Silikonlippen.  Doch irgendwie ist es nicht mein Tag, denn plötzlich beginnt Jana zu weinen wie ein Schlosshund. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als sie in den Arm zu nehmen und zu trösten. Draußen ist es schon lange hell und ich frage mich, wann ich endlich zum Schlafen komme. Für Sex bin ich nun eh viel zu müde. Es ist schon 11 Uhr Vormittags, mein letztes Red Bull hatte ich vor fünf Stunden und sonst nehme ich keine aufputschenden Drogen. Jana beruhigt sich wieder und ihre Stimmung schlägt um. Nun will sie Sex! Na ja, warum nicht. Ok, dann probieren wir&#8217;s halt mal.</p>
<p>Es ist gegen 14 Uhr, als ich auf&#8217;s Klo gehe. Katsche liegt nackig im Wohnzimmer neben Nastya auf der Couch. Daneben ein paar benutzte Kondome. Ich schau kurz nach seinen Nieren und lege mich zurück zu Jana ins Bett. Endlich schlafen, denke ich, als Jana plötzlich aufspringt, sich anzieht und ihre Sachen packt. Ich folge ihr schlaftrunken ins Wohnzimmer und mache mir noch einen Drink, während sie darauf wartet dass Nastya sich anzieht. 400 Euro!, fordert Jana plötzlich. Was? Ich will 400 Euro für den Fick und Nastya bekommt auch noch mal 400 von deinem Freund. Hm, das meinst du jetzt nicht im Ernst, oder? Doch todernst, antwortet sie nüchtern. Soviel habe ich nicht zuhause, meine ich und es kommt zum Streit. Nastya sitzt auf der Couch und schaut ungläubig. Ich versuche herauszufinden, ob sie Jana nicht versteht, oder mich.</p>
<p>Als Jana sich meinen Laptop schnappt und meint, das wäre nun ihrer, eskaliert die Geschichte und ich beschließe die Mädels vor die Türe zu setzen. Jana flucht und droht mir mit Geheimdienst und Polizei Kontakten. Mach nur, antworte ich ruhig. Ich habe dort bessere Kontakte, als du und um mein Argument zu bekräftigen, lege ich noch den Namen des Polizeichefs hinterher und meine, dass wir befreundet sind. Ich kenne den Mann nicht, habe aber kürzlich seinen Namen von einem Bekannten gehört und sollte ihn treffen. Der Bluff scheint aufzugehen. Plötzlich ist Jana zahm wie ein Lamm. Sie hätte das alles nicht ernst gemeint und Spaß gemacht. Ja ja, na klar, sage ich, drücke ihnen die 70 EUR für&#8217;s Taxi in die Hand und bitte sie höflich zu gehen. Gegen 15 Uhr falle ich endlich todmüde ins Bett. Was für eine Nacht. Bizarrer Großstadtjungel.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/bizarr/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>112</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Der Spot</title>
		<link>http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/der_spot/</link>
		<comments>http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/der_spot/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 26 Jan 2010 08:02:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Chris Helmbrecht</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/2010/01/26/der_spot/</guid>
		<description><![CDATA[
Du merkst es, wenn du ihn findest, deinen Lieblingsort. Den Platz an welchen du dich zur&#252;ckziehen kannst. Wo man Ruhe findet und nachdenken kann. Egal warum, das muss schon mal sein. Manchmal ist es der Stress im Job, dann hast du &#196;rger mit der Freundin oder du hast einfach wieder zu viel vom Leben. Kurz [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><b>
<p>Du merkst es, wenn du ihn findest, deinen Lieblingsort. Den Platz an welchen du dich zur&#252;ckziehen kannst. Wo man Ruhe findet und nachdenken kann. Egal warum, das muss schon mal sein. Manchmal ist es der Stress im Job, dann hast du &#196;rger mit der Freundin oder du hast einfach wieder zu viel vom Leben. Kurz eine Auszeit nehmen. Abstand nehmen und die Angelegenheit von fern betrachten. Deswegen m&#252;ssen meine Lieblingsorte auch immer eine gute Aussicht haben.</p>
<p></b>
<p /><span id="more-144"></span>
<p><img border="0" hspace="0" align="baseline" src="http://photos-a.ak.fbcdn.net/photos-ak-sf2p/v171/249/13/507720186/n507720186_2125445_1910.jpg" width="480" height="339" /></p>
<p>Mein Secret Spot. Photo by Alex Schelbert
<p>Ich hatte schon viele dieser Pl&#228;tze. fr&#252;her war es die Friesener Warte bei Bamberg. Von dort konnte man runter ins Tal schauen und in der Nacht war man meistens allein. Dann habe ich einen Schlafsack und einen Gaskocher eingepackt. Noch ein paar Snacks und Wasser mitgenommen. Manchmal auch ein paar Bier. Die Sonne geht im Westen unter und im Hintergrund liegt Bamberg mit der Altenburg und seinen vielen Kirchen. Unten tobt noch das Leben, doch hier oben ist es schon still. Unten im Tal gehen die Lichter an. Irgendwann kommt der erste Stern, dann mehr und mehr. Ich lass meine Gedanken schweifen. Langsam verschwinden die Gedanken, man h&#246;rt nur noch den Wind und schl&#228;ft ein. Am Morgen liegt Nebel in den T&#228;lern und ich w&#228;rme mich an einer hei&#223;en Tasse Kaffee, bevor ich wieder ins hektische Tal zur&#252;ck laufe.</p>
<p>Ein paar Jahre sp&#228;ter, war es der Samerberg. Unten im Tal liegt Rosenheim. Ein bisschen weiter hinten ist M&#252;nchen und rechts der Chiemsee. Hinter dir beginnen die bayrischen Alpen. Es ist relativ bequem am Samerberg. Man kann mit dem Auto hinfahren, man hat eine Bank, ein segnendes Jesuskreuz und eine klasse Aussicht, aber deswegen ist man meistens auch nicht alleine. Der Samerberg ist kein Platz zum &#220;bernachten im Schlafsack. Auch nach ein paar Gl&#228;sern Rotwein schl&#228;ft man nicht gut, wenn auf dem Parkplatz hinter einem heftigst gest&#246;hnt wird. Trotzdem war er w&#228;hrend meiner Rosenheimer Zeit immer ein spezieller Ort. Ich bin sogar noch Jahre sp&#228;ter von M&#252;nchen aus zum Samerberg gefahren, um abzuschalten.</p>
<p>In New York war es dann schon schwieriger einen passenden Ort zu finden. Ich brauche Weitsicht und die ist in Manhattan bekanntlich Mangelware. Am Anfang war es das Dach unseres B&#252;rohauses an der 26. Stra&#223;e. Man darf eigentlich nie auf die D&#228;cher New Yorks, aber irgendwer hatte die Alarmanlage au&#223;er Kraft gesetzt und jetzt war es der Sammelpunkt f&#252;r die Kiffer im Haus. Manchmal war ich alleine dort oben. Dann traf ich Ricardo, einem mexikanischem Schauspieler, der feuriger Zapatist ist. Ein anderes mal traf ich Dimitri von der Gruppe Dee-Lite oder Vanessa, eine bekannte Performance K&#252;nstlerin, die ein Ding f&#252;r nackte 14-j&#228;hrige M&#228;dels hat. </p>
<p><img border="0" hspace="0" alt="Auf einem Dach in Manhattan" align="baseline" src="http://photos-e.ak.fbcdn.net/photos-ak-sf2p/v166/249/13/507720186/n507720186_2133445_2629.jpg" width="480" height="339" /></p>
<p>Wolken &#252;ber Manhattan. Photo: Francois Portmann
<p>Doch dieses Dach wurde mir auf die Dauer zu stressig. Ich wollte ja eigentlich einen Platz zum Alleinsein. Finde erst mal einen in Manhattan. Ich habe noch das ein oder andere Dach erkundet und immer wieder neue Leute kennengelernt, aber so richtig alleine war ich nie. Bis auf das eine Mal. Da habe ich auf die Katzen einer Freundin aufgepasst. Die hat eine Dachterrasse und weil es im Mai schon so sch&#246;n warm ist, hatte ich beschlossen die Nacht im Schlafsack auf dem Dach zu verbringen. Ich legte mich auf einen Vorsprung und von dort aus konnte ich ganz Lower Manhattan vor mir sehen. Inklusive der beiden World Trade Center T&#252;rme. Im Radio fand ich per Zufall Franky Boy und bei der Musik des Rat Packs, gemischt mit dem Sirenengeheul, der NYPD oder NYFD, strahlte die Stadt in ihrem ganz eigenen Charme. Nur schlafen kann man bei dem L&#228;rm von M&#252;llautos und hupenden Taxis kaum.</p>
<p><img border="0" hspace="0" alt="Teneriffa" align="baseline" src="http://photos-d.ak.fbcdn.net/photos-ak-sf2p/v171/249/13/507720186/n507720186_2125442_1129.jpg" width="480" height="339" /></p>
<p>Nein, das ist nicht der Secret Spot, aber sch&#246;n ist dieser auch. Photo: Daniel Grund
<p>Auf Teneriffa war es dann einfacher. Ich hatte gleich mehrere dieser besonderen Orte. Einer war am Meer. Man sa&#223; auf einer Klippe, w&#228;hrend unten die Brandung anrollte und drau&#223;en die Sonne ins Meer plumpste. Ja ja, ich wei&#223;. Das ist kitschig &#8230; und doch so sch&#246;n. Meinen ganz absoluten Lieblingsort Ort habe ich zuf&#228;llig bei einem Ausflug mit dem Auto entdeckt. Seit ich ihn kenne, mache ich regelm&#228;&#223;ig Reisen zur&#252;ck nach Teneriffa, nur um meinen &quot;Spot&quot; zu besuchen. Er liegt gleich neben einer selten befahrenen Passtrasse auf 2200m H&#246;he. Man sitzt auf einem Lavafeld und sieht ins Tal. Vor einem liegen Gomera und rechts die Insel La Palma. Die Sonne f&#228;llt dazwischen ins Meer. Das Rot im Himmel wird dunkler und dunkler, geht langsam in ein dunkles Blau &#252;ber. Hinter mir zieht langsam der Sternenhimmel auf. Es ist still. So still, dass man ein Pfeifen in den Ohren h&#246;rt. Ich trinke ein Glas Wein. Dann lasse ich mich zur&#252;ck auf meinen Schlafsack fallen und warte auf Sternschnuppen. Ich w&#252;nschte, ich k&#246;nnte f&#252;r immer dort oben sein und die Ruhe genie&#223;en. Das ist bis jetzt der Beste.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/der_spot/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>21</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Fremdgehen</title>
		<link>http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/fremdgehen/</link>
		<comments>http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/fremdgehen/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 24 Jan 2010 13:25:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Chris Helmbrecht</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/2010/01/24/fremdgehen/</guid>
		<description><![CDATA[Facebook ist eine wunderbare Sache. drau&#223;en scheint die Sonne und ich sollte den Tag genie&#223;en, doch es ist bitterkalt. Also bleib ich lieber zuhause. Ich zieh mir die Bettdecke bis zum Hals und st&#246;bere durch meine weiblichen Facebook Kontakte. Ich sehe mir ihre Fotos an. Ah, h&#252;bsche Beine. Dort ein zu enges Kleid und pralle [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><b>Facebook ist eine wunderbare Sache. drau&#223;en scheint die Sonne und ich sollte den Tag genie&#223;en, doch es ist bitterkalt. Also bleib ich lieber zuhause. Ich zieh mir die Bettdecke bis zum Hals und st&#246;bere durch meine weiblichen Facebook Kontakte. Ich sehe mir ihre Fotos an. Ah, h&#252;bsche Beine. Dort ein zu enges Kleid und pralle Br&#252;ste. Die eine zeigt sich von ihrer sportlichen Seite. Die andere macht einen auf Elegant. Dann gibt&#8217;s auch noch die Flittchen. Doch es sind die Unscheinbaren, die Unauff&#228;lligen, die mich immer wieder &#252;berraschen und mit welchen ich die ganz besonders sch&#246;nen Geschichten erlebe.</b><span id="more-143"></span>
<p>Da ist die kleine Spanierin, die eigentlich ganz anst&#228;ndig aussieht. Sie will Diplomatin werden und kommt sicher aus einer guten Familie. Ich hab sie im Klub getroffen. Sie war mit einem Freund dort. Schon nach drei Minuten war mir klar, dass sie mich will. Sie wei&#223;, dass ich nicht der Mann f&#252;r&#8217;s Leben bin. Ein Kindskopf, der nicht erwachsen werden will. Ich bin nicht der zuk&#252;nftige Freund. Der Mann der sich um sie k&#252;mmert und der ihre regelm&#228;&#223;igen weiblichen Dramaanf&#228;lle ertragen muss. Nein, es ist klar, dass ich nur ein Abenteur bin. Wir sehen uns in die Augen und haben sofort eine ganz andere Beziehung. Eine die viel ehrlicher ist. Eine klare und einfache Beziehung ohne Bullshit.</p>
<p>Nein, sie ist keine Granate im Bett. Das sind die meisten dieser Unscheinbaren nicht. Wahrscheinlich haben sie einfach zu wenig Erfahrung. Denn sie machen das nicht andauernd. Daf&#252;r sind sie sanft, einf&#252;hlsam und sensibel. Sie sind nicht der schnelle Fick, sondern die paar Stunden der Gem&#252;tlichkeit, der Z&#228;rtlichkeit und des Schmusens. Es ist das, was man nicht hat, wenn man alleine ist und so vor sich hinlebt. Ich genie&#223;e ihre N&#228;he. Ihre sanfte Haut und ihren Geruch. Ich kann nicht anders, als sie zu mir her&#252;ber zu ziehen. Ich will ihren K&#246;rper sp&#252;ren. Sie halten. Ich rieche an ihrem Haar und kann nicht genug bekommen. Oh Mann! Ich liebe Frauen.</p>
<p>Meistens haben sie Freunde. Manche sogar M&#228;nner. Was soll man auch erwarten. Die Guten sind immer vergeben. Sie sind gelangweilt, gehen aus und treffen mich. Einen einsamen Wolf. Ein streunender L&#246;we. Ein Abenteuer. Es ist von vorne herein klar, dass sie ihren Freund nicht verlassen werden. Die Sicherheit der Beziehung, des Zusammenlebens und das Gef&#252;hl, den anderen zu kennen. Die guten und die schlechten Zeiten. Man hat sich zusammengerauft und lebt den Kompromiss. Sie brauchen diese Sicherheit. Das Sichgeborgenf&#252;hlen. Das Besch&#252;tztsein.</p>
<p>Nein, sie wollen keinen schnellen und dreckigen Sex. Sie wollen Gef&#252;hl. Z&#228;rtlichkeit. Sie suchen das Sinnliche. Sie wollen einen Lover. Einen, der das macht, was ihre M&#228;nner noch vor f&#252;nf Jahren gemacht haben. Einen der sie liebt und es ihnen genau das zeigt. Einen der ihnen tief in die Augen schaut, w&#228;hrend sie Sex mit ihm haben. Einen der sich um sie k&#252;mmert und dem es nicht nur darum geht, dass er Spa&#223; hat und irgendwann kommt. W&#228;hrend er vielleicht noch an seine Kollegin, die mit dem kurzen Rock und den Highheels, denkt. Sie vermissen dieses Gef&#252;hl, die Aufmerksamkeit des Anderen. Wo ist sie geblieben, die Leidenschaft? Irgendwann haben die Schmetterlinge beschlossen davon zu fliegen und sie haben sie mitgenommen, die Leidenschaft. Sie ist verflogen. verloren gegangen zwischen dem gemeinsamen Morgenkaffee und dem Film vor&#8217;m Schlafengehen.</p>
<p>Ich glaube nicht, dass sie sich f&#252;r den Abend fertig macht und denkt, dass sie heute einen Typen abschleppt. Der Freund ist unterwegs. Endlich hat sie mal Zeit alleine auszugehen. Heute l&#228;sst sie es krachen. Morgen wird sie lange im Bett liegen. Sp&#228;ter nimmt sie ein Bad und liest ein Buch. Es ist Freitags und sie steht an einer Bar. Sie redet mit Freunden und Fremden. Auf einmal steht sie vor einem, der anders schaut. Sein L&#228;cheln ist irgendwie besonders. Dann kommt ihr der Gedanke, dass sie heute Nacht alleine ist. Aber, ihre Freunde sind dabei. Was sollen die von ihr denken. Sie ist in einer Beziehung. Sie ist eine der Guten. Kein Luder. Erst noch einen Drink nehmen und den Gedanken verwerfen. </p>
<p>Was dann passiert, verstehe ich bis heute nicht. Ich wei&#223; nur, wie es endet. Man f&#228;hrt zusammen in einen anderen Klub. Tanzt und verliert sich. Langsam wandern die H&#228;nde am K&#246;per des Anderen und erforschen dessen Rundungen, w&#228;hrend sie Z&#228;rtlichkeit geben. Dann ist der Abend zu Ende. Man steigt zusammen in ein Taxi. Oft kommt es gar nicht mehr zur Frage, zu dir oder zu mir? Sie gibt dem Fahrer gleich bestimmend ihre Adresse, bevor sie sich ersch&#246;pft in die R&#252;ckbank und auf meine Schulter gleiten l&#228;sst. Ich ziehe sie noch mehr an mich heran. Sie schaut mir in die Augen und wir k&#252;ssen uns. Kurz kommt mir der Gedanke, dass sie einem anderem geh&#246;rt, aber ich habe keine Lust jetzt &#252;ber Moral und Anstand nachzudenken. Ja, ich wei&#223;, es ist egoistisch. Wo ist der Respekt. Das Mann zu Mann Ding. Sorry, ich kann einfach nicht anders. Sie ist so sch&#246;n. Hat so eine s&#252;&#223;e Stimme und riecht so gut. Heute ist sie meine. Nur f&#252;r eine Nacht, dann kannst du sie wieder haben. Irgendwie ist es auch deine Schuld. Du bist nachl&#228;ssig geworden. Hast sie vernachl&#228;ssigt. Ich mach jetzt nur deinen Job. W&#228;rst du aufmerksamer und nicht so oberfl&#228;chlich, dann w&#252;rde das erst gar nicht passieren. Ja ja, ich wei&#223;, dass es nach so vielen Jahren zusammen schwer geworden ist, diese Gef&#252;hle aufrecht zu erhalten.</p>
<p>Am n&#228;chsten Tag wachen wir nebeneinander auf. Erst hatten wir eine leidenschaftliche Nacht, dann haben wir noch einen geraucht und geredet. Nun ist alles gesagt. Die Fronten sind gekl&#228;rt. Wir wissen beide wo wir stehen. Es ist befreiend. Ein besondere Art der Ehrlichkeit. Wir sind wie Bonnie &amp; Clyde. Haben etwas Verbotenes gemacht und das werden wir nie vergessen. Das ist eine ganz andere Basis. Wer wei&#223;, ob wir uns jemals wieder sehen. Vielleicht werde ich ihr Lover. Vielleicht gehen wir uns in Zukunft aus dem Weg. Aber wir sind ehrlich zueinander. Wir m&#252;ssen uns nicht gegenseitig anl&#252;gen, nur damit wir die Beziehung am Leben erhalten. Wir m&#252;ssen uns nicht um uns k&#252;mmern. </p>
<p>Sie liegt auf meiner Schulter und ich halte sie ganz fest. Sie mag diese Geborgenheit. In den Armen eines starken Mannes zu liegen. Ersch&#246;pft von der letzten Nacht mit Musik, dem Tanzen, dem vielen Alkohol. Ach ja, den Sex d&#252;rfen wir auch nicht vergessen. Kurz denke ich dar&#252;ber nach, wie es w&#228;re, wenn wir zusammen finden. Was, wenn sie ihn nun verl&#228;sst und f&#252;r immer zu mir k&#228;me. Ich f&#252;hle sie. Ich mag sie. Liebe ich sie? Ich k&#246;nnte sie lieben. Ich habe dieses Gef&#252;hl im Herzen, aber ich unterdr&#252;cke es, denn es darf nicht sein. Doch, wie w&#228;re es, wenn wir beide zusammen k&#228;men. Eine ehrliche und freie Beziehung? Sie k&#246;nnte frei leben und auch gerne den ein oder anderen Lover nebenher haben, wenn sie mir die gleichen Freiheiten gibt. W&#228;re es nicht sch&#246;n ehrlich zueinander zu sein? Nicht nur auf dieser Ebene?</p>
<p>Vielleicht halte ich gerade meine Frau f&#252;r&#8217;s Leben in den Armen. Vielleicht sollte ich um sie k&#228;mpfen. Sie dem anderen wegnehmen und sie dazu bringen bei mir zu bleiben. Doch ich wei&#223;, dass es gerade so nicht l&#228;uft. Am Ende verfangen wir uns gegenseitig im Netz der Beziehung. Wir werden es genauso machen wie immer und wir werden Probleme miteinander bekommen. Nicht die gleichen wie beim letzten Mal. Andere. &#196;hnliche. Dann werden wir den Kompromiss finden. Die Leidenschaft werden wir ohnehin schon lange verloren und es nicht mal gemerkt haben. </p>
<p>Nein, ich muss den Moment genie&#223;en. Das Hier und Jetzt. Es voll auskosten. Die Uhr tickt und irgendwann muss ich nach Hause gehen. Wenn ich Gl&#252;ck habe, am n&#228;chsten Tag. Manchmal auch erst am Sonntag Abend. Wenn es schlecht l&#228;uft, dann bleibt weniger Zeit.</p>
<p>Sch&#246;n war es mir dir, sagt sie. Ich habe das vermisst. Ich auch, antworte ich. Ich f&#252;hle das genauso. Sie will es wieder machen. Ganz klar. Egal, ob es ein Risiko ist, oder nicht. Ich will nicht wissen, was sie damit auf&#8217;s Spiel setzt. Na klar machen wir das wieder, sage ich. Ruf mich an, wenn du Zeit hast. Dann dr&#252;cke ich sie noch einmal ganz fest. Gebe ihr einen Kuss auf die Wange. Dabei stoppe ich f&#252;r einen Moment und atme noch mal tief ein. Mein Gott, sie riecht so verdammt gut. Drau&#223;en auf der Stra&#223;e lasse ich alles noch einmal Revue passieren. Die besten Momente und Eindr&#252;cke. Doch es ist nur ein Film. Trotzdem grinse ich zufrieden und die Leute die mir entgegen kommen, m&#252;ssen meinen, ich habe gerade einen Joint geraucht.</p>
<p>Es gab viele dieser Frauen. Manchmal war es mir egal. Manchmal hatte ich ein Problem mit der Sache. Immer hatte ich ganz besondere Gef&#252;hle f&#252;r sie. Immer waren es die unerwarteten Abende. Die, die eigentlich von vorneherein langweilig sein sollten und am Ende doch die Besten des Lebens werden. </p>
<p>Oft wurde es auch gef&#228;hrlich. Es gab einen Vater, der von unserer Liebschaft wusste und es nicht billigte. Es gab einen Ehemann, der ein gro&#223;er Drogendealer war. Irgendwann treibe ich tot in einem Fluss. Ein T&#252;rsteher meinte neulich, dass es ein Wunder ist, dass ich noch keine Kugel in den Kopf bekommen habe. Er muss es wissen. Er kennt die G&#228;ste und die Frauen mit welchen ich nach Hause gehe. Ja, es ist gef&#228;hrlich, moralisch nicht einwandfrei, aber es ist es Wert. Jede Minute und jede Sekunde. Denn das sind die Momente, die das Leben lebenswert machen und die daf&#252;r verantwortlich sind, dass ich irgendwann mit einem Grinsen im Gesicht sterbe. Nat&#252;rlich gibt es noch andere Momente. Einen Sonnenauf- oder Untergang auf dem Gipfel eines Berges. Eine frische Briese ins Gesicht, direkt am Meer, wenn man das Salz in der Luft schmeckt und die W&#228;rme der Sonne auf der Haut sp&#252;rt. Es gibt noch viele mehr und gar nicht genug Zeit und Papier, um sie alle aufzuschreiben. Doch die Frauen sind mir das Liebste. Sie sind oft so kompliziert, aber ich liebe sie trotzdem und vielleicht gerade deswegen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/fremdgehen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>19</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Olga, Natascha und das Wasser</title>
		<link>http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/olga_natascha_und_das_wasser/</link>
		<comments>http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/olga_natascha_und_das_wasser/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 20 Jan 2010 15:53:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Chris Helmbrecht</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/2010/01/20/olga_natascha_und_das_wasser/</guid>
		<description><![CDATA[Das ist Olga, meint meine Bekannte Mascha und sie hat dieses spezielle Grinsen. Seit ich vor ein paar Monaten mit meiner Freundin Schluss gemacht habe, werden mir st&#228;ndig irgendwelche M&#228;dels vorgestellt. Olga ist schlank, hat ein modisches Kleid an und ist eigentlich ganz h&#252;bsch. Ich bin noch ein bisschen sch&#252;chtern. Sorry, ich komme sp&#228;ter wieder. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><b>Das ist Olga, meint meine Bekannte Mascha und sie hat dieses spezielle Grinsen. Seit ich vor ein paar Monaten mit meiner Freundin Schluss gemacht habe, werden mir st&#228;ndig irgendwelche M&#228;dels vorgestellt. Olga ist schlank, hat ein modisches Kleid an und ist eigentlich ganz h&#252;bsch. Ich bin noch ein bisschen sch&#252;chtern. Sorry, ich komme sp&#228;ter wieder. Ich bin jetzt mit meinem DJ Set dran, meine ich und gehe. Olga und Mascha schauen mir hinterher.</b><br /><span id="more-142"></span>
<p>
Eine Stunde sp&#228;ter ist die Tanzfl&#228;che voll. Zwischen den Leuten sehe ich Olga und Mascha. Beide tanzen betont cool. Olga flirtet mit ihren Augen und Mascha grinst immer noch so komisch. Mein Mix h&#228;lt mich auf Trab und die zwei Long Island Ice Teas, auf n&#252;chternen Magen, machen es nicht einfacher mit dem Mixen. Die Tanzfl&#228;che kocht, ich bin selbst gut drauf und h&#252;pfe hinter den Plattenspielern.</p>
<p>Nach meinem Set stehe ich neben dem DJ Pult und rede mit ein paar Leuten. Dann kommen Mascha und Olga her&#252;ber.  Maschas Freund ist auch dabei. Mascha meint: Wei&#223;t du, Olga hat keinen Freund. Ach ja? Interessant! Dann sehen wir mal wie es l&#228;uft. Es ist laut und Olga kann uns nicht h&#246;ren. Sie tanzt neben uns. Trotzdem dreht sie sich im richtigen Augenblick zu uns und grinst. Kurz danach rede ich mit Maschas Freund. Gef&#228;llt dir Olga, fragt er? Ja, ist ganz nett die Kleine, meine ich. Die hat aber einen Freund, warnt er. Maschas Ex, f&#252;gt er noch hinzu. Aha, stelle ich verwundert fest. Ich wei&#223; nicht, ob die zwei  Long Islands mich jetzt verwirren, oder das Mascha-Freund-Olga-Dreier-Gespann.</p>
<p>Ich muss los in die Wall Street Bar. Dort habe ich heute Abend auch noch eine Party. Kommt ihr mit?, frage ich. Na klar, meint Mascha euphorisch und zehn Minuten sp&#228;ter sitzen wir im Auto. Ich sitze mit Olga auf dem R&#252;cksitz. Ich war gerade im Urlaub in Asien, erz&#228;hlt sie. Das war aber nicht so gut. Ich hatte ziemlichen &#196;rger mit meinem Freund und wir haben uns danach getrennt. Ah, OK. Jetzt kapier ich&#8217;s. Noch vor der Wall Street Bar entz&#252;ndet sich ein Streit zwischen Mascha und ihrem Freund und pl&#246;tzlich stehen Olga und ich alleine vor dem Eingang. Egal, um so besser, denke ich. </p>
<p>Wir schieben uns an den Leuten und dem T&#252;rsteher vorbei. In der Bar brodelt es. Ich denke das ist im Moment eine der besten Partys in Moskau. Nat&#252;rlich denkst du das, sagt mein Lieblingsgast S&#233;bastien. Es ist ja auch deine Party. Ich grinse. Aber du hast schon recht, f&#252;gt S&#233;bastien hinzu. Nach dem Smalltalk gehe ich zu meinen DJs und check die Lage. Mann, ich habe heute einen guten Abend, sage ich zu Pascha, einem der DJs. Wir wohnen nach meiner Trennung zusammen. Ja ja, das kann ich sehen. Du hast auch eine klasse Frau dabei. Wer ist das?, fragt er. Ich grinse und bin zufrieden. Olga steht neben der Bar und wartet auf mich. Ich tanze sie an. Sie  l&#228;sst sich sofort in meine Arme fallen und wir schmusen ein bisschen. Klasse, das l&#228;uft gut, denke ich. </p>
<p>Nach einer Stunde f&#252;hle ich mich sicher und denke an den R&#252;ckzug nach Hause. Mit Olga nat&#252;rlich. Allerdings muss ich noch eine Weile in der Wall Street Bar bleiben, um mit dem Manager die Abrechnung f&#252;r die DJs zu machen. Also tanze und schmuse ich noch ein bisschen mit Olga. Vielleicht liegt es an den weiteren zwei Wodka Red Bulls, aber die Frau gef&#228;llt mir immer besser. Eigentlich wollte ich keine Beziehung mehr zu einem russischen M&#228;dchen, aber bei Olga k&#246;nnte ich eine Ausnahme machen.</p>
<p>Diesen Gedanken habe ich noch nicht ganz zu Ende gedacht, als mir ein Typ auf die Schulter klopft. Er stellt sich h&#246;flich vor und f&#252;gt nach einer kurzen Pause ein, ich bin Olgas Freund, hinzu. Hm, Exfreund korrigiere ich ihn. Nein, Maschas Exfreund und Olgas Freund, erkl&#228;rt er mir. Das ist jetzt alles recht seltsam. Ich bin verwirrt. Habe ich zu viel getrunken? Warum schmust sie mit mir? Oder wei&#223; er noch nicht, dass er ihr Exfreund ist? Auf jeden Fall bedeutet das &#196;rger und ich beschlie&#223;e mich zur&#252;ck zu ziehen. Sollen die Beiden das erst mal unter sich kl&#228;ren. Olga wei&#223; ja nun, wo sie mich Freitags finden kann.</p>
<p>Es ist F&#252;nf in der Fr&#252;h, als ich mit meinen DJs ins Taxi steige und wir zu unserem Stammschuppen, dem Solyanka, fahren. Wie immer werden wir von den T&#252;rstehern freundlich begr&#252;&#223;t. Wir sind dort eine gro&#223;e Familie und kennen uns alle. Schon auf dem Flur kommt mir Natascha entgegen und grinst. Sie arbeitet manchmal f&#252;r uns und wir hatten auch schon das eine oder andere Abenteuer. Sie sieht das Alles auch nicht so eng. Klasse. Die kann mich &#252;ber Olgas Verlust tr&#246;sten, denke ich mir. </p>
<p>Eine Stunde sp&#228;ter macht das Solyanka zu und wir fahren weiter in unseren Lieblings-Afterhour-Klub, das Paparazzi. Auch dort werden wir mit Umarmung begr&#252;&#223;t. Man kennt sich im Moskauer Nightlife. Dima, der dortige Promoter, gibt uns gleich eine Runde Wodka Red Bulls aus. Wir tanzen, haben Spa&#223;. Immer wieder kommen nette M&#228;dels zu mir und flirten mich an. Ich sehe sie schon bei mir im Bett, aber Natascha vertreibt sie alle.</p>
<p> Irgendwie verliere ich die Lust an Natascha, aber sie gibt nicht auf. Eine Stunde sp&#228;ter sind meine Freunde ohnehin schon nach Hause und die meisten M&#228;dels halten wegen Natasha Abstand. Also&#8230;, meine ich zu ihr, &#8230; dann gehen wir halt nach Hause. Sie nickt. Wir holen unsere Sachen, gehen die Treppe hinauf und oben erwartet uns erst mal grellstes Sonnenlicht. Ich setze meine Sonnenbrille auf und besorge uns ein Taxi. Unter meinen F&#252;&#223;en knirscht der trockene Schnee. Heute Nacht hatte es &#8211;20 C. Das ist der Moskauer Winter.</p>
<p>Natascha sitzt schon im Taxi, als sie eine Freundin sieht und wieder hinaus springt. Ich denke erst, sie will sich kurz verabschieden, aber dann ruft sie mir zu, dass ich alleine fahren soll. Was? Wie? Erst vermiest du mir die Tour und jetzt soll ich alleine fahren, schimpfe ich. Sie grinst und schl&#228;gt wortlos die T&#252;r zu. Was ist jetzt?, brummt der Taxifahrer. Ich denke kurz nach. Soll ich wieder zur&#252;ck ins Paparazzi? M&#228;dels g&#228;be es ja noch genug. Dann schau ich auf die Uhr und sehe, dass es schon Zehn Uhr in der Fr&#252;h ist. Au&#223;erdem bin ich ganz sch&#246;n verstrahlt vom ganzen Alkohol. OK, also ab nach Hause.</p>
<p>Daheim finde ich unsere typische WG-Afterparty, wie jedes Wochenende. Einer meiner DJs liegt schon fertig auf der Couch und pennt. Die anderen trinken und h&#246;ren fiesen Techno. Wo warst du?, fragt Pascha. Wo ist Natascha? Noch im Klub, murre ich. Hat mir erst alle Chancen auf einen Bettw&#228;rmer versaut und mich dann sitzen lassen. Die anderen lachen und schieben mir einen Joint r&#252;ber. Ich ziehe ein paar Male, aber jetzt wird mir schwindelig und gut drauf bin ich ohnehin nicht. Sorry Jungs, ich muss ins Bett. Dann wanke ich den Korridor entlang zu meinem Zimmer. Dort falle ich m&#252;de in mein Bett und schlafe trotz der vielen Wodka Red Bulls sofort ein.</p>
<p>Als ich aufwache liegt ein M&#228;dchen neben mir im Bett. Sie schiebt gerade ihre Hand unter meine Shorts. Erst denke ich, dass ich tr&#228;ume, doch dann kommt langsam Klarheit. Mit ihr kommen f&#252;rchterliche Kopfschmerzen. Die Long Island Iceteas, denke ich, als Nataschas Gesicht unter der Bettdecke hervorkommt. Was? Wie? Bin ich auf einem Trip? Die hatte mich doch sitzen lassen. Ich bin kurz verwirrt, doch dann kommt die Wut zur&#252;ck. Es ist also kein Traum. Los!, befehle ich. Zieh dich an und verschwinde! Ich habe keine Lust auf dich. Sie meckert, aber ich drehe mich nur auf die andere Seite und versuche wieder einzuschlafen.</p>
<p>Es ist gegen Vier, als ich aufwache. Mein Bett ist leer. Gut. Vielleicht habe ich das Alles nur getr&#228;umt. Ich habe wahnsinnigen Durst und mein Sch&#228;del brummt immer noch kr&#228;ftig. Jede Bewegung schmerzt. Warum, habe ich es mir gestern schon wieder so gegeben? Ich wollte doch fr&#252;her nach Hause. Ach ja, da war die Geschichte mit Olga. Und danach war ich hei&#223; gelaufen und wollte mir einen Ersatz suchen. Na ja, jetzt erst mal einen Schluck Wasser. Ich greife nach meiner Wasserflasche, doch ich greife ins Leere. Agggh. Da war doch gestern noch mein Sprudel. Verdammt! Ich fluche und raffe mich auf. </p>
<p>In der K&#252;che treffe ich meinen italienischen Mitbewohner Lucca und dort steht auch meine Flasche Wasser. Sie ist leer. Die K&#252;che sieht &#252;bel aus. Sag mal, frage ich. War Natascha hier? Ja, sagt er. Die hat mich angerufen und kam dann zur Afterparty zu uns nach Hause. Wann?, frage ich. Es muss wohl Zw&#246;lf gewesen sein. Mann Oh Mann, die zwanzigj&#228;hrigen M&#228;dels&#8230; </p>
<p>Sie ist doch zu Dir ins Zimmer, meint Lucca. Aber dann kam sie eine Viertelstunde sp&#228;ter wieder. Sie hat gegrinst und hatte eine Wasserflasche in der Hand. Dann hat sie jedem Wasser angeboten. Ja, das war meine. Das hat sie mit Absicht gemacht, sage ich, w&#228;hrend ich mir einen Tee mache. Sie wusste, dass ich heute Nachmittag mit einem fiesen Hangover aufwache und Wasser brauche. Sie wollte mich bestrafen, weil ich sie rausgeschmissen habe. Lucca sch&#252;ttelt, den Kopf. Na ja, passt schon, entgegne ich. Glaube, ich hab mich auch nicht ganz korrekt verhalten. Vielleicht habe ich es verdient.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/olga_natascha_und_das_wasser/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>3</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Die Moskwa</title>
		<link>http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/diemoskva/</link>
		<comments>http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/diemoskva/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 03 Dec 2009 09:57:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Chris Helmbrecht</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/2009/12/03/diemoskva/</guid>
		<description><![CDATA[Ich habe jetzt einen Freund, sagt Natascha. Ach ja? Wirklich? Schade
eigentlich. Wir sitzen am Tisch in einer dunklen Ecke. Natascha
arbeitet manchmal hier, in einem der &#228;ltesten Klubs Moskaus. Wir hatten
im Sommer ein kleines T&#234;te-&#224;-t&#234;te und uns dann aus den Augen verloren.
Letzte Woche habe ich sie unter dem Vorwand einer Projektbesprechung
gebeten mich zu treffen.

Natascha holt mir [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><b>Ich habe jetzt einen Freund, sagt Natascha. Ach ja? Wirklich? Schade<br />
eigentlich. Wir sitzen am Tisch in einer dunklen Ecke. Natascha<br />
arbeitet manchmal hier, in einem der &#228;ltesten Klubs Moskaus. Wir hatten<br />
im Sommer ein kleines T&#234;te-&#224;-t&#234;te und uns dann aus den Augen verloren.<br />
Letzte Woche habe ich sie unter dem Vorwand einer Projektbesprechung<br />
gebeten mich zu treffen.</b><span id="more-141"></span>
<p><img src="http://www.stern.de/plog_resserver.php?blogId=35&amp;resource=IMAG0099.jpg" alt="Bruecke an der Christus Erloeser Kirche. Blick auf die Moskva und den Kremel." style="5px" /></p>
<p>Natascha holt mir noch ein Bier und bestellt sich einen warmen Kuchen.<br />
Sie grinst mich an und flirtet. Davon, dass sie nun einen Freund hat,<br />
merke ich nicht viel. Aber eines ist sicher, ich werde heute Abend nicht mit ihr im Bett landen. Es war eine dieser Situationen.<br />
Sie wollte mehr und ich nur Spa&#223;. Ich war ehrlich zu ihr.<br />
Irgendwann hat sie die Lust verloren und ist weiter gezogen. Ich kann<br />
es ihr nicht ver&#252;beln.</p>
<p>Nach einer halben Stunde muss Natascha wieder zur Arbeit und ich mache mich auf<br />
den Weg nach Hause. Drau&#223;en ist es windig und f&#252;r die Jahreszeit viel<br />
zu warm. Es ist kurz nach Mitternacht und ich beschlie&#223;e zu Fu&#223; nach<br />
Hause zu laufen. Diese Woche ist seltsam. Irgendwie klappt es mit den<br />
Frauen gar nicht. Ich grinse trotzdem. Vor vier Wochen habe ich meine<br />
Freundin verlassen und nun f&#252;hle ich mich so frei, wie schon lange<br />
nicht mehr.</p>
<p>Der B&#252;rgersteig ist von kleinen Pf&#252;tzen bedeckt. Die Russen werden es<br />
nie gebacken bekommen mal anst&#228;ndige Stra&#223;en und Gehwege anzulegen.<br />
Nach dem Regen steht tagelang das Wasser in Schlagl&#246;chern und Pf&#252;tzen.<br />
Man muss dann aufpassen und drum herum laufen, was tags&#252;ber nicht so<br />
einfach ist, weil einem st&#228;ndig jemand entgegen kommt. Auch wenn es<br />
trocken ist, gibt es nicht genug Platz auf dem B&#252;rgersteig. Es gibt<br />
eigentlich nie genug Platz in dieser Stadt.</p>
<p>Gestern blies mir noch ein bitterkalter Polarwind aus dem Norden ins<br />
Gesicht, aber heute kommt der Wind aus dem S&#252;den und er bringt neben<br />
jeder Menge rotem Staub, auch warme Luft aus dem Kaukasus. Die Stadt<br />
ist dreckig. Eigentlich m&#252;sste schon Schnee liegen und die Temperaturen<br />
sollten tief unter Null sein, doch dieses Jahr l&#228;sst sich General<br />
Winter, wie ihn die Russen nach dem Sieg &#252;ber Napoleon und sp&#228;ter die<br />
Deutschen nennen, eine Menge Zeit. Global Warming?</p>
<p>Ich laufe die Stra&#223;e hinauf, sehe mir die L&#228;den an. Langsam ziehen auch<br />
hier die Weihnachtsdekorationen ein, obwohl die Russen erst viel sp&#228;ter<br />
feiern. Bin ich nun in Moskau zuhause?, frage ich mich. Hm, eigentlich<br />
ist Moskau doch eine Schei&#223;stadt und trotzdem lebe ich schon so lange<br />
hier. Na klar!, ruft sie mir entgegen. Du bist hier zuhause. Akzeptiere<br />
es einfach. Es ist die Stadt, die sich zu Wort meldet. Anscheinend hat<br />
sie genug von meiner ewigen L&#228;sterei. Als n&#228;chstes erwarte ich ein:<br />
Wenn es dir hier nicht gef&#228;llt, dann pack doch deine Sachen und geh<br />
woanders hin!, doch sie schweigt. Sie will mich nicht verlieren.</p>
<p>Moskau ist die Geschichte meines Lebens. Ich hatte immer ein Ding f&#252;r<br />
Nicht-Perfekte-Frauen. Die mit der dicken Nase, oder den zu kurzen<br />
Beinen. Irgendwie war es (nat&#252;rlich) immer leichter, eine dieser Frauen aufzurei&#223;en.<br />
Im Vergleich zu Models, reichen G&#246;ren oder einer Schauspielerin, sind<br />
die Nichtperfekten eigentlich immer viel mehr Spa&#223;. Anscheinend geht es<br />
mir genauso mit St&#228;dten. Erst New York, welches &#252;berhaupt nicht<br />
perfekt, ja schon fast h&#228;sslich, ist (aber unglaublich sexy!). Dann<br />
meine heimliche Affaire mit Berlin. Und nun schon seit 6 Jahren Moskau.</p>
<p>Ich bin gar nicht so h&#228;sslich. Wenn du genau hinsiehst, dann kannst du<br />
meine Sch&#246;nheit erkennen, meint sie. Es sind doch die Menschen, die du<br />
nicht magst und die dir die Lust an mir verderben. Es sind auch die<br />
Menschen, die mir zu schaffen machen. Ich bin die gr&#246;&#223;te Stadt Europas<br />
und schau dir nur mal an, was sie aus mir machen. Dieser Irre, Stalin,<br />
zum Beispiel. Das war eine ganz schlechte Beziehung. Er konnte mich<br />
nicht so nehmen, wie ich bin und wollte immer an mir herumwerkeln. Gut,<br />
er hatte auch manchmal Erfolg, aber im Gro&#223;en und Ganzen, hat er mich<br />
versaut und mich h&#228;sslich gemacht. Es sind die Menschen, sage ich dir.<br />
Manchmal w&#252;nschte ich mir, ich w&#228;re woanders geboren. Vielleicht in<br />
Frankreich, Italien oder Spanien. Ach ja, das w&#228;re etwas. Dann w&#228;re ich<br />
so sch&#246;n. </p>
<p>Mach dir keine Sorgen, fl&#252;stere ich ihr zu. Ich mag dich, so wie du<br />
bist. Ich habe eben ein Ding f&#252;r nicht perfekte Frauen und du hast<br />
mich schon vor Jahren in den Bann gezogen. Es stimmt, oft bist du<br />
h&#228;sslich. Deine Plattenbauten, die Schlagl&#246;cher, die Staus, die<br />
Menschenmassen und die ganzen Neonlichter. Trotzdem mag ich dich und du<br />
hast auch deine sch&#246;nen Seiten. Gerade im Winter, wenn es schneit, alles so sauber und m&#228;rchenhaft wirkt. Ich mag deinen Rhythmus und deine<br />
Energie. Du kannst auch ganz sch&#246;n sexy sein, wei&#223;t du<br />
das? Sie schnurrt zufrieden, wie eine Katze.</p>
<p>Aber, nicht dass wir uns falsch verstehen, f&#252;ge ich n&#252;chtern hinzu. Ich<br />
liebe dich nicht. Es wird keine Beziehung zwischen uns geben. Ich werde<br />
nicht f&#252;r ewig bei dir bleiben. Das hier ist nur Spa&#223;. Ich leben den<br />
Moment. Das Jetzt und Hier. Irgendwann muss ich weiter ziehen. Das<br />
musst du verstehen. Diese Beziehung ist nur nebenher und nicht auf<br />
ewig. Sie schweigt bedrohlich.</p>
<p>Zwei dunkle Kaukasus Jungs versperren mir den Gehweg. Sie mustern mich<br />
pr&#252;fend. Ein Ausl&#228;nder allein, denken sie. Der hat sicher eine Menge<br />
Geld, ein teures Telefon, vielleicht sogar noch einen iPod dabei.<br />
Vielleicht ist er betrunken, das macht es noch einfacher ihn<br />
auszurauben. Ich laufe zielstrebig auf sie zu, schau beiden abwechselnd<br />
tief in die Augen und steuere auf die Mitte zwischen ihnen. Don&#8217;t fuck<br />
with me!, denke ich. Im letzten Moment drehen sich die beiden zur<br />
Seite. Ich ber&#252;hre noch die Schulter des einen. Nein, ich drehe mich<br />
nicht um, zeige keine Angst und gehe weiter. </p>
<p>C&#8217;mon Baby, du musst jetzt nicht eingeschnappt sein, fl&#252;stere ich<br />
leise. Ich mag dich doch, aber das zwischen uns ist eben keine Liebe.<br />
Es ist Sex. Unglaublicher Spa&#223;. Lass es uns doch dabei<br />
belassen. Freunde und Lover sein. Warum willst du mehr? Wozu m&#252;ssen wir<br />
&#252;berhaupt dar&#252;ber reden. Lass uns den Moment geniessen. Der warme Wind streicht mir sanft durch die Haare. Die Nebenstra&#223;e zu<br />
mir nach Hause ist leer und die Moskwa zeigt sich von ihrer sch&#246;nsten<br />
Seite. Sie scheint es vorerst zu akzeptieren. Vorerst. So sind sie<br />
halt, die Frauen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/diemoskva/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>6</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Die blaue Grotte</title>
		<link>http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/blaue_grotte/</link>
		<comments>http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/blaue_grotte/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 02 Sep 2009 15:29:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Chris Helmbrecht</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/2009/09/02/blaue_grotte/</guid>
		<description><![CDATA[Sommer, Sonne, Mittelmeer. Unterwegs zur blauen Grotte auf einem Canotto. Mit dabei: Mary Claire (meine Ex), Raffaele (ihr Ex) und zwei persische Prinzessinnen aus Long Island.Morgen fahren wir raus zu den Inseln, sagt Mary Claire. Aber morgen ist doch mein Geburtstag, werfe ich ein. Ich hab nun wirklich keine Lust Fr&#252;h aufzustehen. Dann die d&#228;mlichen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><b>Sommer, Sonne, Mittelmeer. Unterwegs zur blauen Grotte auf einem Canotto. Mit dabei: Mary Claire (meine Ex), Raffaele (ihr Ex) und zwei persische Prinzessinnen aus Long Island.</b><span id="more-140"></span>Morgen fahren wir raus zu den Inseln, sagt Mary Claire. Aber morgen ist doch mein Geburtstag, werfe ich ein. Ich hab nun wirklich keine Lust Fr&#252;h aufzustehen. Dann die d&#228;mlichen Touristen auf der F&#228;hre. Ich w&#252;rde viel lieber faul am Strand liegen, einen Joint rauchen und ein paar k&#252;hle Biere trinken. Dann gibt sie mir diesen Blick. Eigentlich geh&#246;rt der erhobene Zeigefinger dazu, aber sie wei&#223;, dass ich darauf allergisch reagiere. Als ich Luft hole, um zu protestieren, schiebt sie ein &#8222;Zito&#8220;, untermalt mit ihrem besten L&#228;cheln, hinterher. So sind sie halt, die italienischen Frauen. Unwiderstehlich und doch so temperamentvoll. </p>
<p>Am n&#228;chsten Morgen ist der Himmel tr&#252;be. Na vielleicht gehen wir doch an den Strand, meint Mary Claire. Bei dem Wetter macht es keinen Spa&#223; dort drau&#223;en auf dem Meer. Cool, murmel ich, dreh mich um und d&#246;se wieder weg. Als ich gegen neun aufwache, ist der Himmel strahlend blau. Mary Claire ist schon leicht angefressen. Die F&#228;hre zu den Inseln haben wir sowieso schon lange verpasst. Aber hey, ich bin doch im Urlaub.</p>
<p>Auf dem Weg zum Strand muss sie dann noch einen Stop am Laden machen, um Zigaretten zu kaufen. Die Schei&#223;-Raucherei geht mir ohnehin schon lange auf die Nerven. Nun bin ich anges&#228;uert. Ich bleibe im Mietwagen und spiele mit dem Radio. Zehn Minuten sp&#228;ter ist Mary Claire immer noch nicht da. Wie lange dauert es, verdammt noch mal, sich eine Schachtel Zigaretten rauszulassen. Ich will mich gerade aufraffen, um nach dem Rechten zu sehen, als Mary Claire wieder aus dem Laden kommt.</p>
<p>Du, ich habe einen alten Schulkameraden getroffen, meint sie. Der hilft gerade seinen Eltern mit der Vermietung ihrer Villa und k&#252;mmert sich um die reichen G&#228;ste aus den USA. Er kauft Proviant, denn die fahren jetzt mit seinem Boot zu den Inseln. Und? Was ist das f&#252;r ein Typ? Hattest Du mal was mit dem, frage ich eifers&#252;chtig. Immerhin hat sie mich geschlagene 15 Minuten im Auto sitzenlassen. Sie antwortet nicht, grinst nur. Wir fahren mit!, bestimmt sie. Was? Nun doch zu den Inseln? Mit seinem Motorboot? Ist das denn sicher? Wer ist noch dabei. Und hattest du nun was mit dem Typen, oder nicht?</p>
<p>F&#252;nfzehn Minuten sp&#228;ter sitze ich in einem kleinen Motorboot und wir fahren die K&#252;ste entlang zum Anlegeplatz der Villa von Raffaeles Eltern. Raffaele ist eigentlich ein ganz Netter, aber eben auch ein typischer Italiener. Er flirtet schon arg mit Mary Claire. Die hatten sicher mal was. Beide reden Italienisch und ich verstehe fast gar nichts. Egal, ich mach mir erst mal ein k&#252;hles Bier auf. Die Sonne scheint und wir springen mit dem Boot von Welle zu Welle. Es macht eigentlich Spa&#223;. Mal sehen, was der Tag noch bringt. </p>
<p>Am Anlegesteg steigen zwei superh&#252;bsche M&#228;dels zu. Es sind die T&#246;chter eines reichen Exil Iraners, welcher jetzt in Long Island wohnt. Diesen Sommer macht die Familie Urlaub in Italien. In Circeo, s&#252;dlich von Rom. Ich hatte schon immer ein Ding f&#252;r Perserinnen. Diese beiden sind Mitte zwanzig und sehen klasse aus. Kommen eure Eltern noch, fragt Raffaele? Nein, die bleiben hier, meint Tara. Cool denke ich, der Tag wird immer besser. Wir verlassen die K&#252;ste und fahren raus aufs Meer. Lily, Taras kleine Schwester, macht eine Metalldose auf und f&#228;ngt an einen Joint zu rollen. Rauchst du, fragt sie? Ich grinse und nicke zustimmend.</p>
<p>Ich frage mich, wie Raffaele den Kurs halten kann. Um uns herum ist nur Meer. Wir k&#246;nnen die K&#252;ste schon lange nicht mehr sehen. Heute haben wir kleine Wellen. Das Boot knallt auf die Wellen und hin und wieder springen ein paar fliegende Fische aus der Gischt. Ich schaue aufs Meer und denke, dass jetzt eigentlich nur noch ein paar Delfine fehlen. Doch von diesen ist weit und breit nichts zu sehen. Statt dessen nur Meer. Tiefes blaues Meer. Unser Boot ist eigentlich gar nicht so gro&#223; und irgendwie sind wir nun schon verdammt weit drau&#223;en. Kannst du mal das Steuer halten, fragt Raffaele. Schlie&#223;lich bist du der einzige Mann au&#223;er mir, meint er und grinst. Mary Claire rollt die Augen. Wenn du meinst. Ich habe das noch nie gemacht, entgegne ich. Hier ist der Kompass. Du musst nur den Kurs halten. OK. Ich halte den Kurs und er setzt sich nach hinten zu den M&#228;dels und raucht einen Joint. So viel blindes Vertrauen macht mir schon Angst.</p>
<p>Drei&#223;ig Minuten sp&#228;ter stehe ich immer noch am Steuer. Ich dachte das ist ein 5-Minuten-Gig, aber Raffaele hat einen Bl&#246;den gefunden. Er am&#252;siert sich mit den drei M&#228;dels, w&#228;hrend ich krampfhaft versuche den Kurs zu halten. Eigentlich bin ich mir sicher, dass wir schon lange in irgendeine Richtung abgedriftet sind und die Inseln nie finden werden. Keine 2 Minuten danach erscheint am Horizont eine kleine Insel. Eine sehr kleine Insel. Ich frage mich, wie wir diese Stecknadel im unendlich gro&#223;en Meer gefunden haben. Anscheinend war ich doch nicht so schlecht im Kurshalten. Raffaele &#252;bernimmt wieder und bringt uns nah an die Felsen der Insel. Wir ankern, springen ins Wasser und schnorcheln. Immer wieder finden wir tiefblaue Grotten und erkunden diese.</p>
<p>So tuckern wir eine Weile um die Insel, ankern neben einer englischen Superyacht und schauen der Familie beim Brunchen auf dem Deck zu. Sie schaun zu uns herab, w&#228;hren wir uns demonstrativ einen Joint anstecken und ein k&#252;hles Dosenbier aufmachen. Zisch! Ich liebe dieses Ger&#228;usch und den ersten k&#252;hlen Schluck aus der Dose. Langsam bin ich schon ein bisschen angeh&#228;mmert. Es muss wohl das dritte oder vierte Bier gewesen sein. Ab jetzt trinke ich erst mal Wasser und Red Bull. Der Tag geht schnell vorbei und ich bereue &#252;berhaupt nicht, dass wir den Bootstrip gemacht haben. Ich frage mich, wie viel Uhr es ist. Na ja, egal. Ach ja, ich habe ja heute Geburtstag. H&#228;tte ich fast vergessen.</p>
<p>Es wird Zeit nachhause zu fahren. Die Insel verschwindet am Horizont hinter uns, w&#228;hrend die Sonne immer tiefer f&#228;llt. Raffaele steht souver&#228;n am Steuer. Ich muss an Kapit&#228;n Blaubart denken. Frag mich nicht warum. Wir reden nun nicht mehr viel. Irgendwie sind wir alle fertig. Die Sonne, das Schnorcheln und das viele Bier machen sich bemerkbar. Au&#223;erdem ist es die, f&#252;r mich heilige, Zeit des Sonnenuntergangs. Ich rede dann nicht viel. Schaue nur auf den Horizont und denke viel nach. Neben unserem Boot springen wieder fliegende Fische, w&#228;hrend die Sonne langsam rot an den Horizont r&#252;ckt. Hm, wo sind die Delfine?, denke ich. Das w&#252;rde diesen Tag perfekt machen. Noch ein paar Delfine neben dem Boot im Sonnenuntergang. Ha ha, wie kitschig. Fast unreal. Toll w&#228;re es aber trotzdem. Ein Geburtstagsgeschenk Gottes, aber man kann eben nicht alles haben. Kurz danach erscheint neben dem Boot eine R&#252;ckenflosse.</p>
<p>Delfine!, rufe ich erregt. Wo? Ich habe keine gesehen, meint Raffaele. Die anderen suchen das Meer ab und sch&#252;tteln auch die K&#246;pfe. Ich fange an &#252;ber meinen Alkohol und Drogenkonsum nachzudenken, als wieder ein T&#252;mmler neben unserem Boot aus dem Meer springt. Und noch einer und dann pl&#246;tzlich ganz viele. Es schwimmen um die f&#252;nfzig Tiere um uns herum. Raffaele h&#228;lt das Boot an und wir schauen dem wilden Treiben zu. Die Delfine schwimmen ganz nah neben uns. Man kann die Narben der Schiffsschrauben-Verletzungen auf ihren R&#252;cken sehen. Sie sind so nah, dass die M&#228;dels versuchen mit den H&#228;nden nach ihnen zu greifen. Am Himmel f&#228;rbt sich die Sonne blutrot und droht ins Meer zu plumpsen.</p>
<p>Hast du deine Maske bereit?, fragt Raffaele. Ich fahre uns ein bisschen n&#228;her ran. Dann springen wir ins Wasser und schwimmen mit ihnen. Gesagt getan. Er springt. Ich z&#246;gere einen Moment, denn ich habe ein wenig Angst. Das Wasser hier ist verdammt tief. Wer steuert das Boot, w&#228;hrend wir beide im Wasser sind? Na ja, Raffaele ist von hier, er wird schon wissen, was er tut. Ich lasse mich ins tiefe Blau fallen. Es ist warm und angenehm. Links und rechts sehe ich nur Blau. Nach unten wird das Blau dunkler und ich frage mich, wie weit man unter Wasser sehen kann. Ob es hier auch Haie gibt? Ich sehe keine Delfine mehr, aber dann kann ich sie h&#246;ren. Kurz darauf ziehen links und rechts dunkle Schatten an uns vorbei, aber das ist es dann auch schon. Wir sind zu weit weg, um mehr erkennen zu k&#246;nnen. Anscheinend haben die Meeress&#228;uger beschlossen Abstand zu halten und weiter zu ziehen. Nach zehn Minuten steigen wir wieder ins Boot. Raffaele dreht ein. Wir fahren den Delfinen noch eine Weile hinterher und sehen ihnen beim Jagen zu. Anscheinend verfolgen sie einen Schwarm Fische. Am Horizont f&#228;llt die Sonne ins Wasser. Ich sehe der Schule Delfine hinterher und freue mich &#252;ber diesen einmaligen Tag und den kr&#246;nenden Abschluss. Zisch! Raffaele macht eines der letzten Biere auf und reicht es mir her&#252;ber.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/blaue_grotte/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>18</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Sex &#252;ber den Wolken?</title>
		<link>http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/sex_uber_den_wolken/</link>
		<comments>http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/sex_uber_den_wolken/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 20 Apr 2009 13:29:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Chris Helmbrecht</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/2009/04/20/sex_uber_den_wolken/</guid>
		<description><![CDATA[Donnerstag Abend in Moskau. Ein tanzender Jamaicaner, eine hei&#223;e Bankerin und Gangbang &#252;ber den Wolken&#8230;



Donnerstag Abend, im Solyanka, einem der coolsten Clubs Moscow. Ich stehe an der Wand und beobachte die Tanzfl&#228;che. Es ist noch recht leer, denn fr&#252;h. Auf der Tanzfl&#228;che sind ein paar langbeinige russische M&#228;dels und dazwischen tanzt Chet, ein Banker aus [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><b>Donnerstag Abend in Moskau. Ein tanzender Jamaicaner, eine hei&#223;e Bankerin und Gangbang &#252;ber den Wolken&#8230;</b></p>
<p><b></b>
<p /><span id="more-139"></span>
<p>
Donnerstag Abend, im Solyanka, einem der coolsten Clubs Moscow. Ich stehe an der Wand und beobachte die Tanzfl&#228;che. Es ist noch recht leer, denn fr&#252;h. Auf der Tanzfl&#228;che sind ein paar langbeinige russische M&#228;dels und dazwischen tanzt Chet, ein Banker aus der Karibik. Chet kommt aus der Arbeit und tr&#228;gt noch seinen Anzug. Die Krawatte h&#228;ngt locker und er tanzt, als w&#228;re es Wochenende auf den Islands. </p>
<p>Nein, ich bin keiner dieser Typen, die die ganze Nacht an der Wand stehen und den M&#228;dels hinterhergaffen. Heute ist mein Tag im Solyanka. Ich bringe einmal im Monat meine DJs und organisiere eine Club-Party hier.  Dann lade ich Freunde und Freunde von Freunden ein und wir machen gemeinsam einen drauf. Mal sehen, ob das heute ein guter Abend wird. Ich ziehe von Raum zu Raum und unterhalte mich mit den G&#228;sten. Hallo, ich bin Elena, meint eine blonde Vollbusige. Sie ist neu. Ich kenne sie noch nicht. Du siehst aus wie ein Freund aus New York. Aha, antworte ich, dort habe ich auch schon gelebt. Du bist Deutsch?, fragt sie. Nein, ich bin Bayer!. Ach Bayer, ja, das war mein Freund in New York auch. Der war echt gut gebaut. Unten rum meine ich. Wir hatte viel Spa&#223;. Im Bett.  Sie grinst und zieht ihr Dekollet&#233; etwas herunter.  Ich schmunzel verlegen zur&#252;ck.</p>
<p>Leider muss ich bei diesen Club Partys immer bis zu letzt bleiben und am Ende eine Besprechung mit dem Besitzer oder dem Nacht-Manager machen. Danach genehmige ich mir einen Drink, aber die M&#228;dels sind dann meistens schon im Bett. Alleine oder mit jemandem anders. Im Justo war das besser. Das ist ein anderer Club, aber der ist jetzt wegen der Krise geschlossen. Dort gab es &#252;ber den Club eine Wohnung mit Schlafzimmer. Man konnte sich zur&#252;ckziehen und sp&#228;ter wieder kommen. So wie damals, als eine Asiatin mir schon bei der Begr&#252;&#223;ung in den Schritt griff und nicht bis zum Ende warten wollte. </p>
<p>Ich stehe wieder neben der Tanzfl&#228;che und tr&#228;ume von den guten Justo Zeiten. Dann steht Matt neben mir. Der ist Amerikaner und war fr&#252;her mal Buschpilot in Alaska und Island Hopper in der Karibik. Jetzt fliegt er die reichsten Russlands in ihren Privatjets durch die Gegend. Mann O Mann, meint Matt. Gestern haben wir einen Oligarchen aus &#196;gypten zur&#252;ckgeflogen. Der war schon sternhagelvoll als wir ihn eingeladen haben. Im Flug hat er sich dann komplett abgeschossen. Hat immer nur davon geredet, dass seine Freundin ihn verlassen hat. Irgendwann ist er dann eingepennt. Als wir in Moskau angekommen sind, hatten wir Probleme ihn wach zu bekommen. Er wusste nicht mehr, wo und wer er ist. Stell Dir das vor. Der zahlt 45 000 EUR f&#252;r den Flug und kann sich an nichts erinnern. Wir mussten ihn dann an den Zoll &#252;bergeben, bei uns im Flieger konnte er ja nicht bleiben und abgeholt hat ihn auch niemand. Ich sch&#252;ttle den Kopf.</p>
<p>Sag mal, meint Matty. Wie bist du denn so drauf. Sexuell meine ich? Wie? Was?, frage ich.  Also schwul bin ich nicht! Nein, bist du offen? Kommt darauf an, in welcher Beziehung? Wir haben oft leere Fl&#252;ge, wenn wir jemanden abholen m&#252;ssen oder zur&#252;ck nach Moskau fliegen. Meistens packen wir dann ein paar M&#228;dels ein. Und? Die gehen dann da oben immer ziemlich ab. Ich wei&#223; auch nicht, was es ist. Der Champagner, der Privatjet, der Luxus. Kaum sind wir in der Luft dann werden sie wild. Unsere Flugbegleiterinnen sind in der Beziehung auch recht offen und schauen weg oder machen sogar mit. Echt? Und was passiert dann? Einer von uns geht nach hinten und schiebt eine Nummer. Der andere fliegt und erledigt die 2. Schicht. Matt grinst. Magst du mal mitkommen? Ha ha, du verarscht mich, meine ich. Das ist also so etwas wie Mile High Club Deluxe?  Matt l&#228;chelt und schiebt ein &quot;Fucking Russia&quot; hinterher. OK, ruf an, wenn du wieder einen Platz frei hast und ich spring auf. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ganz ehrlich, ich sitze auch gerne die ganze Zeit im Cockpit und lerne von euch noch was in Sachen Fliegen.</p>
<p>Ich dachte, ich habe schon viel gesehen und erlebt. Ja, eigentlich dachte ich sogar, ich h&#228;tte schon die meisten meiner Fantasien abgehakt, aber man lernt immer noch etwas dazu. Der Barkeeper macht noch schnell zwei Drinks. Ich will Matt einen ausgeben. Mann wei&#223; ja nie, doch der sch&#252;ttelt den Kopf und bestellt sich ein Wasser. Bin seit Jahren trocken, meint er. Sympathisch, sage ich. Dann schnappe ich mir die zwei Drinks und suche nach Elena.  Die labert gerade mit einem anderen Typen, aber als sie mich sieht kommt sie gleich auf mich zu. Sie schiebt ihren K&#246;rper an mich und dr&#252;ckt mich mit ihren &#252;bergro&#223;en Br&#252;sten nach hinten. Ist der f&#252;r mich?, fl&#252;stert sie mir ins Ohr. Ja Baby, der ist f&#252;r dich. F&#252;r einen kurzen Moment wei&#223; ich nicht, was sie meint, denn sie schiebt gerade ihr Bein zwischen meine. Ich gebe ihr den Drink und grinse. Uff, ich muss noch Stunden hier bleiben und daheim wartet ohnehin meine Freundin. Bleib cool, denke ich und versuche entspannenden Small Talk zu machen. Elena scheint das nicht zu bremsen. Sie streichelt langsam mein Bein hoch, h&#246;rt aber genau dort auf, wo es interessant wird. Immer wieder. Ich versuche mich zu kontrollieren, an etwas anderes zu denken, um eine ausgebeulte Hose zu vermeiden. Wo wohnst du?, fragt sie. Diese Frage kenne ich. Das hei&#223;t so viel wie: Ich will nach Hause und endlich mit dir schlafen. Wei&#223;t du, ich habe eine Freundin, antworte ich und rechne damit, da&#223; sie nun aufgibt. Elena grinst. Erst jetzt bemerke ich die aufgespritzten Lippen.  Ah, eine Freundin. Kann ich die kennen lernen? Vielleicht k&#246;nnen wir Freunde werden? </p>
<p>Oh Mann, das w&#228;re Klasse, aber meine Freundin macht niemals bei so etwas mit. Schade eigentlich. Was ist das wieder f&#252;r ein Tag? Langsam f&#252;hlt es sich wie Folter an. Es kommt mir vor, als w&#228;re ich an einen Stuhl gefesselt und um mich herum jede Menge sexy Frauen, die versuchen mich hei&#223; zu machen. Nein, das wird heute wohl nichts, aber gebe mir doch deine Telefonnummer, dann k&#246;nnen wir das irgendwann mal nachholen, wenn du magst, sage ich k&#252;hl zu Elena. Sie scheint kaum entt&#228;uscht und gibt mir ihre Nummer. Danach geht sie zur&#252;ck zu ihrem Gespr&#228;chspartner von vorhin. Ich habe die Gelegenheit sie noch mal zu betrachten. Lange Beine, schwarze High Heel Stiefel, schwarzes Kleid mit Schlitz an der Seite. Halterlose Str&#252;mpfe. Das wei&#223; ich, weil meine Hand vorhin kurz in den Schlitz gefahren ist. Nein, sie ist keine Nutte. Sie hat einen guten Job bei einer gro&#223;en europ&#228;ischen Bank. Elena will spielen, wie so viele hier.</p>
<p>Als ich nach Hause komme, sitze ich wie immer auf der Couch. Ich z&#252;nde mir einen Doubie an und lasse den Abend noch einmal Revue passieren. Wie war das mit den  fliegenden Gangbang Piloten? Und die hei&#223;e Bankerin? Klasse Abend. Langsam d&#246;se ich weg. Es ist sp&#228;t genug und ich muss Freitag wie alle anderen arbeiten. </p>
<p>Samstag Abend. Ich bin auf einer Geburtstagsparty, als mein Telefon klingelt. Matt ist dran. Wie sieht es aus? Wir fliegen morgen Mittag leer nach Alicante. Lust mitzukommen? Hm, ich muss mal die R&#252;ckfl&#252;ge checken, sage ich. Bis wann kann ich dich zur&#252;ckrufen &#8230;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/sex_uber_den_wolken/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>35</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Vollmond &#252;ber der Gro&#223;stadt</title>
		<link>http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/vollmond_uber_der_grostadt/</link>
		<comments>http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/vollmond_uber_der_grostadt/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 11 Apr 2009 14:54:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Chris Helmbrecht</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/2009/04/11/vollmond_uber_der_grostadt/</guid>
		<description><![CDATA[Samstagmorgen. Ein M&#228;dchen wacht auf und findet sich im Krankenhaus
wieder. Ein anderes sitzt weinend auf der Couch. Ihr Verlobter hat
einen dicken Kopf, kann sich noch wage erinnern, dass er Mist gebaut
hat, und f&#252;hlt sich schlecht. Zwei Eltern machen sich Sorgen, weil ihre
Tochter diesen Morgen nicht nachhause gekommen ist. Kurz danach
klingelt die Polizei an der T&#252;re. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><b>Samstagmorgen. Ein M&#228;dchen wacht auf und findet sich im Krankenhaus<br />
wieder. Ein anderes sitzt weinend auf der Couch. Ihr Verlobter hat<br />
einen dicken Kopf, kann sich noch wage erinnern, dass er Mist gebaut<br />
hat, und f&#252;hlt sich schlecht. Zwei Eltern machen sich Sorgen, weil ihre<br />
Tochter diesen Morgen nicht nachhause gekommen ist. Kurz danach<br />
klingelt die Polizei an der T&#252;re. Sie hat schlechte Nachrichten.</b><span id="more-138"></span>
<p>Es wird langsam hell. Mein Taxifahrer f&#228;hrt gem&#252;tlich und scheint es nicht eilig zu haben. Die DigitalUhr in der Mitte des Wagens zeigt 5:57 an. Moskaus Stra&#223;en sind leer. Ich habe ihn gebeten das Radio auszumachen, denn ich brauche ein bisschen Ruhe. Ich will den Abend noch einmal Revue passieren lassen. Wie jeden Freitag war ich um neun Uhr in der Wall Street Bar. Der Besitzer und ich sprechen noch die letzten Details f&#252;r den Abend durch. Ich begr&#252;&#223;e die Angestellten. Meine DJs beginnen den Warm-up. Dem Anschein nach wird es ein ganz normaler Abend. </p>
<p>Zwei Stunden sp&#228;ter bekomme ich einen Anruf. Eine Bekannte steht vor der T&#252;r und kommt nicht rein. Ich schiebe mich an den G&#228;sten und den T&#252;rstehern vorbei. Drau&#223;en steht das M&#228;dchen. Wir kennen uns erst ein paar Wochen. Sie kommt regelm&#228;&#223;ig auf meine Partys und ich mag sie. Wir haben hin und wieder im Internet gechattet und auch schon einen Kaffee zusammen getrunken. Heute ist sie ein wenig betrunken und die T&#252;rsteher wollen sie nicht reinlassen. Ich versuche sie reinzuholen, aber bl&#246;derweise ist an diesem Abend auch der Besitzer des Ladens, ein schwerreicher Russe, in der Bar. Die T&#252;rsteher winken ab. </p>
<p>Da kann ich nichts machen, sag ich ihr. Sie ist entt&#228;uscht, bittet mich sie reinzulassen. Ihr Make-up ist heute ein wenig seltsam. Nach einer Weile kullert ihr eine Tr&#228;ne aus den Augen. Es tut mir leid, aber du bist eben nicht in einem guten Zustand. Mir d&#228;mmert, dass sie vielleicht auch Drogen genommen hat. Die T&#252;rsteher haben leider Recht. Komm, am besten du gehst nachhause, meine ich. Ich besorg dir ein Taxi und zahl es auch. Sie ist widerwillig, aber dann steigt sie ein und f&#228;hrt. Ich stehe im T-Shirt in der K&#228;lte und sehe ihrem Taxi nach. Seltsame Nacht, denke ich und schiebe mich an den Anstehenden vorbei zur&#252;ck in die Bar.</p>
<p>Drinnen tobt der B&#228;r wie jeden Freitag. Meine DJs heizen den Leuten kr&#228;ftig ein. Ein M&#228;dchen steigt auf einen der Lautsprecher und tanzt. Dabei wackeln ihre Br&#252;ste fast aus dem tiefen Ausschnitt. Der Besitzer sitzt an seinem Tisch und winkt zufrieden her&#252;ber. Kurz danach gehe ich in den VIP-Bereich. Dort gibt es eine Toilette, an der man nicht anstehen muss. Wo kommst du her, meinen drei Jungs, die am Waschbecken stehen. Deutschland antworte ich und sie brechen in Jubel aus. Wir sind Russen, leben aber in Stuttgart. Ich habe mir gerade eine E-Klasse gekauft, meint einer von ihnen. Toll antworte ich. Porsche finde ich besser. Die drei Jungs sind Mitte zwanzig. Hm, vielleicht ein Cayenne. Ich habe schon Familie und Kinder, meint einer. Ich nicke. Die Jungs erz&#228;hlen mir, dass sie den Geburtstag ihres Freundes feiern. Ich komme mit an ihren Tisch und kippe einen Wodka auf sein Wohl. Sie haben eine gute Zeit, das ist das Wichtigste. Wenigstens sind das nicht die fetten Alten, die alleine mit drei bis vier Playboy Bunnys am Tisch sitzen. Das hier sind coole Jungs. Eine neue Generation Russen. Solche Leute mag ich, denke ich, als ich weiter ziehe.</p>
<p>Mein Handy klingelt. Kommt wieder jemand nicht rein? Es ist das M&#228;dchen von vorhin. Ich bin nun zuhause, sagt sie. Ich wollte nur Tsch&#252;ss sagen. Ich habe mir gerade 18 Schlaftabletten eingeworfen und werde hoffentlich nie wieder aufwachen. Bist du wahnsinnig, schreie ich ins Telefon. M&#228;dchen, steck dir den Finger in den Mund und kotz. Sie legt auf. Ich wei&#223; nicht mal, wo sie wohnt. </p>
<p>F&#252;nf Minuten sp&#228;ter klingelt mein Telefon wieder. Sie ist dran. Ich geh raus vor die T&#252;r. Es ist kalt, ich stehe im T-Shirt auf der Stra&#223;e, rede erst mit Engelszungen auf sie ein, dann mach ich Druck. Es n&#252;tzt nichts. W&#228;hrend ich mit ihr rede, sehe ich durch die Scheiben, die Leute drinnen tanzen. Vor der T&#252;r ist immer noch eine Schlange. Zwei supergestylte langbeinige Russinnen schauen mich vorwurfsvoll an. Sie stehen an, wollen rein und Spa&#223; haben. Ich laufe nerv&#246;s auf und ab und scheine keine gute Zeit zu haben.  </p>
<p>Achtzehn Schlaftabletten, frage ich mich, reicht das um sich umzubringen? Wer wei&#223;, was sie vorher noch eingeworfen hat. Oft sind diese Drohungen auch nur ein Hilferuf. Macht sie ernst oder blufft sie? Kann ich helfen? Will ich helfen? Will ich mir das antun? Ich kenne das M&#228;dchen doch gar nicht. Es ist nicht das erste Mal, dass ich diese Situation erlebe. Ich bitte sie zu kotzen, sich dann schlafen zu legen und sage, dass wir morgen &#252;ber alles in Ruhe reden werden. Sie weint und meint, dass es kein Morgen mehr f&#252;r sie geben wird.</p>
<p>Der Laden ist voll und der Besitzer grinst mich an. Einer meiner DJs steht neben mir. Ich kann nicht zur&#252;ckgrinsen. Was mach ich jetzt? Meint sie es ernst? Ich erz&#228;hle die Geschichte meinem DJ, aber der versteht nur die H&#228;lfte und &#252;berhaupt ist das alles recht wirr. Also suche ich P. Sie hat vorhin von P. am Telefon gesprochen. Als ich ihn finde und ihm vom Telefonat erz&#228;hle verfinstert sich seine Mine. Ich muss dort hin, ihr helfen. P. kennt das M&#228;del so lange wie ich, scheint aber mehr Zeit mit ihr verbracht zu haben. Du bist doch nicht verantwortlich, sage ich zu ihm. Ich denke, sie blufft nur.  Das Risiko kann ich nicht eingehen, antwortet er und macht sich auf den Weg. Andreas f&#228;hrt mit ihm. </p>
<p>Es ist Zeit f&#252;r einen Drink. Ich brauche einen Wodka-Shot. Danach drehe ich meine Runde. Rede belangloses Zeug und mach Smalltalk mit meinen G&#228;sten. Im VIP Raum finde ich zwei der drei Stuttgarter Russen an der Bar. Ihre Gesichter sind finster. Was ist los?, frage ich. Ach, es geht um unseren Freund. Das Geburtstagskind. Seine Verlobte hat ihn gerade beim Sex mit einer anderen auf der Toilette erwischt. Wir haben alles mit angesehen, wussten es. Sie kam zu uns und hat nach ihm gesucht. Als sie auf die Toilette wollte, haben wir ihr davon abgeraten. Sie ging trotzdem. </p>
<p>Und jetzt? Sie zeigen auf den Tisch, an dem vorhin noch das Leben tobte. Jetzt ist der Tisch geteilt. An einem Ende sitzt ein sehr h&#252;bsches weinendes M&#228;dchen mit verlaufenem Make-up. Um sie herum stehen andere M&#228;dels und tr&#246;sten sie. Am Ende des Tisches sitzt der &#220;belt&#228;ter. Alleine. Er starrt apathisch vor sich hin.  Seine Freunde sitzen mit mir an der Bar. Drei Wodka Shots bitte, geht auf meine Rechnung, meine ich zum Barkeeper. Danach rate ich den Jungs, sich um ihren Freund zu k&#252;mmern. Am Party Tisch herrscht Eiszeit.</p>
<p>Langsam leert sich die Bar. Der Besitzer steht neben mir. Er ist zufrieden. Ich bestelle eine Runde Drinks. Es geht gegen Ende und nun darf ich mich auch abschie&#223;en. Das war ein seltsamer Abend, sage ich, spare ihm aber die Details. Wir trinken noch einen. Kurz danach kommen P. und Andreas durch die T&#252;r. Und? Wie ist es gelaufen?, frage ich.  War es ernst? Wie haben einen Krankenwagen gerufen und man hat ihr den Magen ausgepumpt. Jetzt ist sie im Krankenhaus. Mann O Mann. Wir stehen wortlos an der Bar. Ich wei&#223; nicht, was ich sagen soll.</p>
<p>Ich bringe eine Freundin nachhause. Sie will, dass ich bei ihr bleibe. Ich kann aber nicht, denn meine Freundin wartet auf mich. Mein Taxi f&#228;hrt weiter. Es ist Viertel vor Sechs in der Fr&#252;h, als der Fahrer das Radio ausmacht. Wir fahren ganz langsam an einem Unfall vorbei. Man kann nicht mehr erkennen, was f&#252;r ein Auto es war. Ich denke ein Sportwagen. Gr&#252;n-Metallic gl&#228;nzt hier und da noch durch, aber viel sieht man vom Lack nicht mehr. Auf dem B&#252;rgersteig liegen drei total zerpfl&#252;ckte Kn&#246;llchen Metall. Hier und da ragt ein Reifen heraus. An einer Stelle das Lenkrad. Das kann keiner &#252;berlebt haben. So etwas habe ich noch nie gesehen.  Schon gar nicht in der Stadt. Ich frage mich, wie schnell man gegen eine Mauer oder ein Hindernis fahren muss, um sein Auto so zu zerst&#246;ren und in drei Teile zu reissen. </p>
<p>Wir fahren durch den Morgen. Es wird langsam hell. Es war eine Vollmondnacht. Wahrscheinlich gar keine besondere Nacht. Es ist immer so in Moskau und jeder anderen Gro&#223;stadt auf der Welt. Man sieht es nur nicht. Ganz ehrlich, ich will es auch nicht sehen.  </p>
<p>Als wir &#252;ber den Fluss fahren, gehen die Stra&#223;enlaternen aus. Es wird ein sch&#246;ner Fr&#252;hlingstag werden. Mit Sonne und W&#228;rme. Nicht f&#252;r jeden. Das M&#228;dchen wird im Krankenhaus aufwachen. Sie wird sich wahrscheinlich fragen, was letzte Nacht passiert ist und sich vielleicht ein bisschen sch&#228;men. Die zwei Verlobten werden getrennt aufwachen. Er trank zu viel und hat sich vom Zauber der Nacht und dieser Stadt mitrei&#223;en lassen. Jetzt ist es zu sp&#228;t. Die Beziehung ist zerbrochen. Sie wird bei ihrer Freundin auf der Couch aufwachen und nicht mehr wissen, wo sie im Leben steht, was sie nun tun soll. Sie wird traurig sein, aber auch Wut im Bauch haben.Immer wieder stellt sie sich die eine Frage. Wie kann er all die Jahre einfach so wegwerfen? F&#252;r eine schnelle Nummer auf der Toilette einer Bar, mit einem Flittchen, das er gerade erst kennengelernt hat.</p>
<p>Anderswo wird es an der T&#252;re klingeln. Davor stehen zwei Polizisten. Sie werden den Eltern sagen, dass ihre Tochter zu einem betrunkenem Million&#228;r ins Auto stieg und sie nun tot ist. Die Mutter wird heulen. Sie war doch gerade erst achtzehn und so h&#252;bsch. Sie hatte das ganze Leben noch vor sich und nun ist es vorbei.</p>
<p>Ich bin gleich zuhause. Ich werde einen Joint rauchen und dann zu meiner Freundin ins Bett kriechen. Mir werden die Augen zufallen, und wenn ich Mittags aufwache, dann wird alles unreal sein. Als w&#228;re es ein schlechter Traum gewesen. Auch ich werde einen schweren Kopf haben. Es ist nicht der Wodka. Auch nicht der Joint. Es ist die Realit&#228;t, die mir so zu schaffen macht. </p>
<p> </p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/vollmond_uber_der_grostadt/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>7</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Die L&#252;gnerin</title>
		<link>http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/die_lugnerin/</link>
		<comments>http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/die_lugnerin/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 05 Apr 2009 18:10:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Chris Helmbrecht</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/2009/04/05/die_lugnerin/</guid>
		<description><![CDATA[Ich sitze zuhause am Rechner, als Anika mich auf Skype anfunkt. Du,
sagt sie begeistert, deine Freunde sind echt Klasse. Ich glaube ich
habe mich verliebt!


Irgendwie bin ich entt&#228;uscht. Ich schreibe belanglose Antworten und denke &#252;ber mich selbst nach. Ist es verletzte Eitelkeit? Hatte ich Gef&#252;hle entwickelt oder ging es mir nur um&#8217;s Geld? Warum sonst w&#228;re [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><b>Ich sitze zuhause am Rechner, als Anika mich auf Skype anfunkt. Du,<br />
sagt sie begeistert, deine Freunde sind echt Klasse. Ich glaube ich<br />
habe mich verliebt!</b></p>
<p><b></b>
<p /><span id="more-137"></span>
<p>Irgendwie bin ich entt&#228;uscht. Ich schreibe belanglose Antworten und denke &#252;ber mich selbst nach. Ist es verletzte Eitelkeit? Hatte ich Gef&#252;hle entwickelt oder ging es mir nur um&#8217;s Geld? Warum sonst w&#228;re ich jetzt entt&#228;uscht. Es ist einer dieser Momente, in welchen man sich selbst nicht mehr mag. Am Ende bin ich noch mehr entt&#228;uscht und versuche Anika loszuwerden, doch die redet munter weiter. Irgendwann sage ich, dass ich m&#252;de bin und ins Bett muss. Ich lege auf und denke weiter &#252;ber mich selbst nach, bis ich einschlafe.</p>
<p>Die n&#228;chsten Tage h&#246;re ich immer wieder von Anika. Manchmal ist sie im Krankenhaus und skypt in ihrer Pause, dann ist sie wieder zuhause. Sie schreibt mir Details von den Treffen mit meinem Freund und fragt mich aus. Ich nenne besser keine Namen und schreibe jetzt nur noch von &quot;meinem Freund&quot;. Sie meint, dass es da nun einen zweiten Typen gibt und sie sich nicht entscheiden kann. Nein, es ist mein Freund, der sich nicht entscheiden kann. Sie h&#228;tte ihn schon gerne, aber er kommt eben nicht in die G&#228;nge. Sie redet, als ginge es um den Mann des Lebens. Den Traummann. Den Soulmate. Denjenigen, welchen sie heiratet. Und anscheinend hat sie es eilig. Willst Du denn Familie und Kinder?, frage ich. Ja, ganz sicher, antwortet sie bestimmt. </p>
<p>Zwei Wochen sp&#228;ter erz&#228;hlt mir Micha, dass auch einer seiner Freunde &#8222;sehr angetan&#8220; von Anika ist und dieser sie in die Oper eingeladen hat. Hm, in der Oper war sie doch auch gerade mit meinem Freund. Die Frau geht aber gerne in die Oper. Irgendetwas an ihr st&#246;rt mich, aber ich lege diese Gedanken schnell wieder zur Seite, denn ich glaube es geht um meine verletzte Eitelkeit.</p>
<p>Dezember. Meine Russisch-Lehrerin Natascha kam gerade und wir gehen die Hausaufgaben durch, als das Telefon klingelt. Micha ist am anderen Ende. Er meint es w&#228;re wichtig, also bitte ich Natascha um eine Pause. Sie sitz neben mir und h&#246;rt zu. Ich brauche deinen Rat, meint Micha. Irgendetwas stimmt nicht mit Anika. Was meinst Du?, frage ich. Ihre Geschichten passen oft nicht zusammen und es gibt Widerspr&#252;che. </p>
<p>Sie ist gerade in New York. Und? Was ist daran ungew&#246;hnlich?, frage ich. Sie emailt uns fast t&#228;glich. Will wissen was sie uns mitbringen soll. Sie dr&#228;ngt, obwohl wir gar nichts wollen. Und?, frage ich. Ist doch nett. Am Ende haben wir sie gebeten etwas mitzubringen und jetzt meldet sie sich nicht mehr. Sie hat uns das ja f&#246;rmlich aufgeschw&#228;tzt. Micha meint, er h&#228;tte dann die IP-Adresse ihrer Mails gecheckt. Und? Die IP Adresse ist in Kassel, sagt Micha. Sie ist also nicht in New York! Anika hatte letztens Besuch von einem &#228;lteren Ehepaar aus Kassel. Das waren ganz ordentliche Leute. Ganz Solide. Er ist Dekan. Angeblich sind das Freunde ihrer Familie. Die Miete wurde letzten Monat auch zum Teil aus Kassel &#252;berwiesen. Mir ist es ja egal, wo sie ist und es geht mich auch nichts an, ob sie wirklich nach New York fliegt oder nicht. Sie kann doch hinfahren, wohin sie will, regt Micha sich auf. Warum redet sie dann st&#228;ndig davon, dass sie mir etwas mitbringen will. Da ist was faul, sag ich dir. Wir reden noch ein paar Minuten und gleichen unsere Anika Geschichten ab. Vieles passt nicht zusammen. Mist, denke ich. Ich muss meinen Freund warnen. Natascha h&#246;rt aufgeregt zu. Es muss sich wie ein Krimi anh&#246;ren.</p>
<p>Nach meiner Russisch-Stunde rufe ich meinen Freund an. Ich erz&#228;hle ihm alles und er ist schockiert. Anika hat ihn wegen einer Familienangelegenheit mit ins Krankenhaus begleitet und sich dort als &#196;rztin der Charit&#233; ausgegeben. Meinst du, dass das auch nicht stimmt?, fragt er verunsichert. Mein Freund ist hin und hergerissen. Anika hat wohl in der Zwischenzeit ein sehr tiefes Vertrauensverh&#228;ltnis zu ihm und seiner Familie aufgebaut. Dieses ist nun in tausend St&#252;cke zerbrochen. Jetzt steht er vor dem Scherbenhaufen und kann das einfach nicht wahrhaben. Es tut mir leid, sage ich leise. Es war das erste Mal, aber ich werde es noch &#246;fter sagen. </p>
<p>Was tut dir leid, fragt er? Dass ich sie dir vorgestellt habe, sage ich schuldvoll. Und nun? Ich f&#252;hle mich verantwortlich. Anika hat mittlerweile auch seinen Freundeskreis eingenommen und sogar versucht Gesch&#228;fte mit einigen seiner Freunde anzubahnen. Was f&#252;r Gesch&#228;fte?, frage ich. Aus den Gesch&#228;ften wurde nichts, meint er, weil sie sich einfach unvermittelt aus dem Staub gemacht hat. Schaden hat sie aber trotzdem verursacht, weil meine Freunde zwischenzeitlich anderen Interessenten abgesagt hatten. </p>
<p>Noch am Abend rufe ich ein paar Kontakte an. Versuche etwas von meinen serbischen und kroatischen Bekannten heraus zu bekommen. Doch da kennt man sie nicht. Dann rufe ich einen alten Kollegen bei der Polizei an. Doch der darf mir auch nichts sagen. Ich glaube die Frau hat Dreck am Stecken, sage ich. Jemand der so auf den Putz haut und dann in einer WG wohnt. Das passt nicht. Vielleicht ist sie zur Fahndung ausgeschrieben. Vielleicht zur Aufenthaltsermittlung. Sich als Arzt auszugeben ist Titelmissbrauch. Au&#223;erdem k&#246;nnten Betrugsdelikte vorliegen. Der wage Verdacht alleine reicht aber anscheinend nicht aus, um eine Antwort zu bekommen. Mein Ex-Kollege z&#246;gert und ich lasse ihn in Ruhe. Na ja, wahrscheinlich ist ihr Name ohnehin nicht richtig. Ich habe Vor- und Nachnamen gegoogelt und Anika erscheint erst ab Oktober 2008 im Internet. Fast h&#228;tte ich sie in die Elite Communities Small World und Schwarze Karte eingeladen. Ich bin froh, dass ich es nicht gemacht habe, denn dann h&#228;tte sie noch mehr meiner Bekannten ansprechen und ausnutzen k&#246;nnen.</p>
<p>Einen Monat sp&#228;ter bin ich in Berlin. Anika ist ausgezogen. Sie hatte die Miete wieder nicht bezahlt und die letzten Wochen hat sogar ihr Bruder bei ihr gewohnt. Das war dann zu viel und ihre Mitbewohner haben sie vor die T&#252;r gesetzt. Vorher hat sie noch brav die Miete des letzten Monats gezahlt, weil man ihr mit der Polizei gedroht hat. So viel Gl&#252;ck hatte mein anderer Freund nicht. Anika hat sich dort, und auch bei anderen, Geld geliehen und ist nun untergetaucht. </p>
<p>Es ist Mittag und wir haben Lunch beim Thai. Ich sitze meinem Freund gegen&#252;ber. Wir reden &#252;ber Anika. Er schaut mich fast vorwurfsvoll an. Hast du wenigstens mit ihr geschlafen, frage ich? Mein Freund ist ein Gentleman. Er grinst und schweigt. Es tut mir leid. Ehrlich. In Zukunft werde ich vorsichtiger sein, wenn ich Leute zusammenbringe. Auf der anderen Seite kannst du mir nicht wirklich einen Vorwurf machen. Ich habe dich lediglich gefragt, ob du sie einen Abend mit ins Cookies nehmen kannst. Ich konnte doch nicht wissen, dass ihr euch so Nahe kommt. Ausserden bin ich genauso auf sie hereingefallen und w&#228;re ich nicht nach Moskau zur&#252;ckgeflogen, dann w&#228;re sonst was passiert. Mann, es tut mir wirklich leid. Lass uns das bitte bei Seite legen. Er nickt schweigend. F&#252;r mich ist die Sache damit erledigt, f&#252;ge ich hinzu. Wir zahlen und trennen uns. Gott Sei Dank als Freunde.</p>
<p>Ein paar Tage sp&#228;ter klingelt das Telefon. Die Anika Geschichte verfolgt mich immer noch. Micha ist am Apparat. Es kam ein Brief vom Staatsanwalt f&#252;r Anika, meint er. Und was steht drinnen, frage ich? So etwas mache ich doch nicht auf. Der geht postwendend zur&#252;ck. Gut, damit ist die Sache f&#252;r mich erledigt, erkl&#228;re ich nun auch Micha. Ich will nichts mehr von oder &#252;ber Anika h&#246;ren!</p>
<p>Nein, nicht ganz. Ich muss Anika noch aus meinen Facebook Kontakten l&#246;schen. Das war&#8217;s dann. Wir werden wohl nie herausbekommen, wer Anika wirklich ist. Vielleicht eine Hochstaplerin? Krank? Schizophren? Fr&#252;her war ich offener. Es gab die Zeit vor Anika, in der habe ich immer versucht gute Leute zusammenzubringen. Ich gebe zu, oft auch ein bisschen leichtfertig. Heute bin ich vorsichtiger. Man m&#252;sste jeden neuen Bekannten durchleuchten, doch dazu braucht man viel zu viel Zeit. Zumindest werde ich in Zukunft seinen Namen Googeln, und wenn ich nichts finde, dann bin ich vorsichtig. Komisch, in was f&#252;r einer Zeit leben wir eigentlich? Vor 10 Jahren w&#228;re ich nie auf den Gedanken gekommen, den Namen eines neuen Bekannten in eine Suchmaschine einzugeben.</p>
<p></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/die_lugnerin/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>13</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Eine Frau mit Klasse</title>
		<link>http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/eine_frau_mit_klasse/</link>
		<comments>http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/eine_frau_mit_klasse/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 12 Feb 2009 07:54:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Chris Helmbrecht</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/2009/02/12/eine_frau_mit_klasse/</guid>
		<description><![CDATA[Berlin im Herbst 2008. Ich komme gerade aus Moskau. Mein Freund Micha holt mich vom Flughafen ab. Die n&#228;chsten Tage schlafe ich bei ihm in der Yuppie WG. Na, Herr Helmbrecht? Willkommen in Berlin!, begr&#252;sst er mich. Es ist sch&#246;n, &#252;berall Freunde zu haben und nicht im Hotel schlafen zu m&#252;ssen. Was gibt&#8216;s Neues?, frage [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><b>Berlin im Herbst 2008. Ich komme gerade aus Moskau. Mein Freund Micha holt mich vom Flughafen ab. Die n&#228;chsten Tage schlafe ich bei ihm in der Yuppie WG. Na, Herr Helmbrecht? Willkommen in Berlin!, begr&#252;sst er mich. Es ist sch&#246;n, &#252;berall Freunde zu haben und nicht im Hotel schlafen zu m&#252;ssen. Was gibt&#8216;s Neues?, frage ich.  Wir haben eine neue Mitbewohnerin in unserer WG, sagt Micha begeistert. Die wird dir gefallen. Meinst du? Ja, die ist voll dein Fall. Ein Frau mit Klasse.</b><span id="more-136"></span>
<p>
Na ja, mal sehen. Ich erinnere mich an ein Gesch&#228;ftstreffen in Moskau die Woche vor meiner Abreise. Dominik holt mich von der Rezeption ab und bringt mich in den Konferenzraum. Du triffst heute Frau Helmbrecht, meint er beil&#228;ufig. Supersch&#246;n, Model und so. Voll dein Fall! 5 Minuten sp&#228;ter treffe ich meine Gespr&#228;chspartnerin und es ist &#8230; na sagen wir mal nicht Frau Helmbrecht. Die ersten 10 Minuten warte ich noch darauf, dass die T&#252;r aufgeht und meine Traumfrau hereinkommt. Dann versteh ich endlich, dass Dominik sich einen Scherz erlaubt hat. Er sitzt mir gegen&#252;ber und kann sich das Grinsen nicht verkneifen.</p>
<p>Und was ist das f&#252;r eine, eure neue Mitbewohnerin? Sie ist Kroatin. &#196;rztin an der Charite. Wohnt seit einer Woche bei uns. Wir sind sehr froh, sie gefunden zu haben. Na mal sehen. Sp&#228;ter, bei Micha zuhause, lerne ich sie dann kennen. Anika heisst das M&#228;del. Sie ist ganz nett, aber auf den ersten Blick nicht so mein Fall. Anika kocht Pasta und ich packe die mitgebrachte Flasche Wodka aus. Wie immer sitzen wir im Wohnzimmer zusammen und reden. Nach ein paar Wodkas wird die Runde fr&#246;hlicher. Anika sitzt nun bei uns. Wir reden &#252;ber Gott und die Welt. Sehr oft &#252;ber Gott, denn Anika ist katholisch und sehr gl&#228;ubig. Sie erz&#228;hlt uns von ihren Reisen und wie sie den Jakobsweg genommen hat. Sp&#228;ter kommen wir auf das Thema fliegen. Anika sagt, sie hat einen Pilotenschein und &#252;ber 500 Stunden Flugerfahrung. Bla Bla, denke ich und stelle Detailfragen, aber sie kann diese ohne Probleme beantworten und ich bin schnell in der Defensiven.</p>
<p>Ach Du spielst Golf?, fragt Anika. Ich habe ein Handicap von 2. Wow, ich habe seit Jahren nur 54 und komme mit 3-4 mal Spielen im Jahr auch nicht weiter runter. &#220;berhaupt kann die Frau alles besser als ich. Wir wechseln von einem Thema ins andere und immer hat Anika etwas dazu zu sagen. Die Frau scheint tatenkr&#228;ftig zu sein und superintelligent dazu. Macht dir das Angst?, fragt sie. Nein, ich habe kein Problem damit, dass andere Leute besser und intelligenter sind als ich. Und dass ich eine Frau bin? Warum soll das ein Problem sein? Im Gegenteil, das macht dich interessant. Gut, meint sie und grinst &#252;ber beide Ohren. Flirtet sie nun mit mir? Die meisten M&#228;nner haben ein Problem damit, dass ich stark und intelligent bin, meint sie.</p>
<p>Sp&#228;ter kommt Michas andere Mitbewohnerin dazu. Wir sitzen zusammen, trinken Wein und Wodka, reden bis tief in die Nacht. Es ist interessant, Anika zuzuh&#246;ren. Die Woche darauf plant die WG ein Thanksgiving-Dinner. Ich habe noch ein paar Sachen f&#252;r das Thanksgiving-Dinner bestellt, meint Anika. Das ist doch OK, oder? Was denn?, fragen die beiden Mitbewohner. Ein paar Servietten. Dann war ich noch im Stilwerk und habe neues Besteck gekauft. Aha, Micha staunt und denkt: Wer soll das bezahlen? Sie antwortet, als k&#246;nnte sie seine Gedanken lesen. Keine Angst, ich bezahle das und die anderen Sachen auch. Was f&#252;r andere Sachen? Einen gr&#246;&#223;eren Tisch, neue St&#252;hle, einen neuen K&#252;hlschrank, &#8230; Die Liste wird lang, die Gesichter der beiden WG-Bewohner auch. Am Ende ist es still. Ich breche das Schweigen und frage, wie viel sie denn nun ausgegeben hat. 75 000 EUR antwortet Anika wie selbstverst&#228;ndlich. Wird alles n&#228;chste Woche geliefert. Die anderen beiden am Tisch sind immer noch sprachlos.</p>
<p>Wer bist du? Wie kommst du zu so viel Geld, frage ich. Meine Familie ist wohlhabend, ich arbeite nur zum Spass, deswegen bin ich auch &#196;rztin geworden und in die Krebsforschung gegangen. Ich will Gutes tun. Die Frau wird mir immer sympathischer und langsam gehe ich auf ihr flirten ein. Es ist nicht das Geld. Sie hat mir vorher schon imponiert, aber um ehrlich zu sein, ist das sicher noch ein Plus. Sie ist nett, fliegt, ist superintelligent und hat auch noch Geld. Irgendwie erinnert mich das alles an Katie, meine 40-Millionen-Dollar Frau. Die habe ich damals ziehen lassen. In der Zwischenzeit habe ich das schon oft bereut. Ich dachte ich bleibe mir und meinen Werten treu. Ein Leben als Million&#228;r, so ganz ohne finanzielle Sorgen und Arbeit zum Spa&#223;, w&#228;re im Nachhinein betrachtet, nun doch gar nicht so schlecht. Au&#223;erdem war Katie im Bett eine Granate. Na ja, egal. Sie hat zwischenzeitlich einen anderen geheiratet und sogar gerade ein Kind bekommen.</p>
<p>&#220;berhaupt heiraten im Moment alle um mich herum. Meine &#8222;grosse Liebe&#8220;, zumindet bilde ich mir das ein, hat mich letzte Woche auf Facebook kontaktiert. Das Leben ohne sie war gut. Mein Herz hat lange geblutet, nachdem sie mich verlassen hat. Langsam, ganz langsam bin ich &#252;ber sie hinweggekommen. Glaubte ich. Es war die Eine. Die w&#228;re es gewesen, denke ich heute immer noch sehr oft. Dann war sie pl&#246;tzlich komplett aus meinem Leben verschwunden. Keine Emails und kein Lebenszeichen. 5 Jahre sp&#228;ter bekomme ich eine Nachricht auf Facebook und schon f&#228;ngt mein Gehirn wieder an zu ticken. Zwei Klicks weiter finde ich heraus, dass sie nun ein Kind hat und irgendwie bin ich entt&#228;uscht. Anscheinend habe ich bis heute die Hoffnung nicht aufgegeben, sie doch noch zu bekommen. Dabei ist das alles nur Fantasie. Sie ist und war nicht das, was ich in ihr sehe. Komisch, wie man sich oft selbst betr&#252;gt.</p>
<p>Nun sitzt mir dieses Goldm&#228;dchen gegen&#252;ber und langsam gef&#228;llt sie mir. Sie setzt die richtigen Signale und imponiert mir jede Minute mehr. Irgendwann redet sie vom Skifahren. Ich habe ein Haus in Frankreich, meint sie. Wo denn?, frage ich. In La Grave. Volltreffer! Ich war fr&#252;her oft in La Grave. Es ist f&#252;r mich einer der sch&#246;nsten Flecken in den Alpen, aber auch einer der Extremsten. Nichts f&#252;r Anf&#228;nger. Dort trifft sich die Elite der Extremsportler, vom Skifahrer, zum Snowboarder, zum Eiskletterer und Basejumper. Alle sind dort. Manche f&#252;r Tage und Wochen, andere die ganze Saison. Ich wollte schon immer ein Haus in La Grave kaufen. Und nun sitzt mir Anika gegen&#252;ber und meint, sie hat dort ein Haus. Wir sollten mal zusammen nach La Grave fahren, sagt sie grinsend.</p>
<p>Den Tag darauf habe ich einen dicken Kopf. Ich sitze ich im Flieger nach K&#246;ln und bin nach nur 3 Stunden Schlaf immer noch ziemlich betrunken. Das kann ja ein Meeting werden. Als ich im Bus zum Terminal stehe, klingelt das Telefon. Micha ist drann. Hat sie gestern wirklich gesagt, dass sie Sachen f&#252;r 65 000 EUR gekauft hat?, fragt er. Nein, f&#252;r 75 000, antworte ich. Irre! Wusstest du, dass sie so reich ist? Nein, ich hatte keine Ahnung, bis gestern. Aber was macht so eine Frau in einer WG? In einem 10-qm-Zimmer. Wir verstehen es beide nicht, aber wir finden sie nett. Beim Bewerbungsgespr&#228;ch hat sie die richtigen Signale gesetzt. Es passt sonst alles und sie wird schon ihre Gr&#252;nde haben.</p>
<p>Ich verbringe den folgenden Abend in Berlin mit Anika alleine. Wir haben wieder eine sehr gute Unterhaltung. Dieses Mal stellt sie mir sehr pers&#246;nliche Fragen und ich beginne, &#252;ber mich selbst nachzudenken. Wo stehe ich? Wo will ich hin? Hab ich immer noch konkrete Ziele? Am Ende fragt sie mich, was ich machen w&#252;rde, wenn ich viel Geld h&#228;tte. Ich kann die Frage nicht beantworten und irgendwie ist sie mir peinlich. Es klang fast wie ein Angebot. Am n&#228;chsten Tag muss ich zur&#252;ck nach Moskau. Es ist Donnerstag und am Abend gehen meine Freunde ins Cookies. Ich hatte Anika davon erz&#228;hlt und ihr gesagt, wie gerne ich noch einen Tag l&#228;nger geblieben w&#228;re. Sie w&#228;re auch gerne dabei gewesen, also rufe ich meine Freunde an und frage, ob sie sie mitnehmen k&#246;nnen. Dabei erz&#228;hle ich nat&#252;rlich davon, wie die Frau mir imponiert und von der 75 000 Euro Einkaufstour erz&#228;hle ich auch.</p>
<p>Freitag bin ich zur&#252;ck in Moskau. Ich sitze im B&#252;ro am Rechner, als sich mein Freund meldet. Auch er ist von Anika begeistert. Kurz funkt mich Anika auf Skype an. Auch sie findet meinen Freund klasse und will von mir mehr &#252;ber ihn wissen. Ich bin ein klein wenig entt&#228;uscht. Na ja, so ist das eben. Ich habe den K&#252;rzeren gezogen, aber wenn wenigstens mein Freund gl&#252;cklich ist, dann ist das OK. Wahrscheinlich bin ich nicht gut genug gewesen. Dann verwerfe ich den Gedanken wieder. Au&#223;erdem hatte ich mich selbst gebremst und Anika nie wirklich Interesse gezeigt.</p>
<p>Die Geschichte geht weiter &#8230; Keine Angst, es wird sicher nicht langweilig. Ganz im Gegenteil. Der zweite Teil folgt in K&#252;rze und hat es in sich, fast so wie Anika.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stern.de/blogs/der_jetlagger/eine_frau_mit_klasse/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>21</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

