Eine Verlosung. Eine Einrichtung eines Aquariums. Ein PR-Manager, der wieder einmal “einfach etwas ausprobieren” möchte. Das ergibt: eine Foto-(Love)-Aquarium-Story ohne nennenswerten Mehrwert für den Leser. Oder?
Seit kurzem haben wir ein Aquarium in unserem Büro stehen. Nicht irgendeins. Es handelt sich um ein Lifestyle-Aquarium, dass uns unser Kunde samt Pflanzenset zugeschickt hat. Wir haben uns überlegt, die Einrichtung mit der Fotokamera festzuhalten und die Bilder unserem Kunden als Dankeschön zukommen zu lassen. Außerdem verlosen wir unter all‘ unseren Facebook-Fans ein solches Lifestyle-Aquarium, weil es schlichtweg ein geniales Deko-Stück ist. (Wer möchte, kann hier mitmachen!)
Da die Geschichte – zufälliger Weise – auf der Couch beginnt, passt sie auch ganz gut in meinen Blog. Außerdem gebe ich hiermit einen kleinen Einblick in mein Arbeitsumfeld. Aber nicht, dass jemand jetzt auf den Gedanken kommt, ich hätte nichts anderes zu tun als amateurhafte Foto-(Love)-Aquarium-Stories zu basteln…
Wie immer versuche ich mich kurz zu fassen:
Dingdong. Es klingelt an der Tür. Der Postbote ist da. Wie an jedem Vormittag. Nur dieses Mal packt der Mann in Gelb etwas Besonderes aus seinem Kastenwagen: ein 30-Liter Aquarium inklusive Pflanzen, Dekoration und technischem Zubehör. Der Adressat (das bin ich) hat nur leider keine Zeit, sich um das verspätete Weihnachtsgeschenk zu kümmern und deponiert es zunächst in seinem Büro. Die folgenden Stunden vergehen wie im Flug. Eigentlich möchte ich das Aquarium ja selbst gestalten und einrichten. Aber es hilft nichts, zu viel Arbeit liegt auf dem Tisch, die erledigt werden muss. Was nun? Die Pflanzen können nicht ewig eingepackt bleiben. Das Aquarium muss heute noch eingerichtet werden. Dann muss es halt jemand anderes machen…
Da fällt mir auch der passende Mitarbeiter zu ein. Sascha! „Ich habe mich noch nie mit dem Thema Aquaristik beschäftigt“, sagte er mir noch vor ein paar Tagen. Das bringt mich auf eine Idee. Heute ist eine gute Gelegenheit, um auszuprobieren, ob sogar absolute Laien in nur sieben Schritten innerhalb etwa einer Stunde das Aquarium einrichten können, wie es der Hersteller (in diesem Fall unser Kunde) verspricht. Also mache ich mich auf den Weg und suche Sascha. Ich finde ihn in unserem Gemeinschaftsraum…
Hier versucht jemand wohl früher Feierabend zu machen als gewohnt? Das geht natürlich nicht…
An dieser Stelle sollte ich vielleicht noch einmal betonen, dass es sich um eine zum Teil frei erfundene Geschichte handelt. Ein solch „scharfer“ Ton (Komm, mach‘ Dich nützlich!) macht die Geschichte einfach interessanter. Den Hang zur Übertreibung und zur reißerischen Dokumentation habe ich mir von einem großen deutschen Boulevardblatt abgeschaut. Angesichts der vorherrschenden Diskussion um einen unserer Bundesminister verzichte ich hier bewusst auf das Wort „kopiert“.
In der Realität sind wir im Büro alle auf Schmusekurs. Tatsächlich habe ich Sascha sehr sanft geweckt und gefragt: „Mein hoch geschätzter Kollege. Ich entschuldige mich sehr dafür, dass ich dich aus deinem wohl verdienten Schlaf reißen muss. Aber wir haben einen Notfall, für den wir nur den besten Mann einsetzen können. Könntest du dich dazu herablassen, deinen nichtsnutzigen Vorgesetzten einen Gefallen zu tun? Wir wären dir sehr dankbar!“ Schlaftrunken widmet mir Sascha seine (volle) Aufmerksamkeit…
Es dauerte eine Weile, bis Sascha merkte, dass er KEIN Märchenprinz war und er sich auch NICHTS gewünscht hatte. Zumindest steht das Einrichten eines Aquariums auf seiner Wunschliste gleich hinter „Fußpilz einfangen“ und „Dortmunds Meisterschaft“ (Sascha ist Bayern-Fan)…
Aber es hilft nichts. Zähneknirschend bringt er seinen Kreislauf wieder in Ordnung und schleppt das Material in den Konferenzraum, wo das Aquarium zunächst aufgestellt werden soll…
Es ist 18 Uhr und Sascha sieht sich noch bis Mitternacht im Büro stehen und an einer „faszinierenden Unterwasserwelt“ (so habe ich ihm das Thema besonders schmackhaft machen wollen) basteln. Doch dann keimt ein Schimmer Hoffnung in ihm auf. Denn er tut etwas, was Männer für gewöhnlich eher NICHT machen. Er liest die Bedienungsanleitung…
In der Anleitung steht überdies, er sei binnen ca. einer Stunde fertig mit der Einrichtung. Nun hat ihn der Ehrgeiz gepackt! Poseidons Magie hat Sascha in seinen Bann gezogen. Nun gut, wir wollen mal nicht übertreiben. Er macht sich also ans eigentliche Werk…
Der junge Student der Betriebswirtschaftslehre und Informatik hat zwei Kiessorten zur Auswahl. Weiß und Schwarz. Er entscheidet sich für weißen Kies und sieht das edle Stück schon geistig vor seinem Auge stehen, umringt von allen Kolleginnen und Kollegen, die in höchsten Tönen vom Schöpfer der „faszinierenden Unterwasserwelt“ schwärmen.
Doch da hat er die Rechnung ohne Mirco, dem Designer-Gott des Unternehmens, gemacht. Misstrauisch lugt er durch die offen stehende Tür des Konferenzraumes und sieht den vor sich hin träumenden Sascha arbeiten. Für den Creative Director ein ohnehin seltenes Bild, aber offensichtlich geht hier etwas Seltsames vor. Mirco erkundigt sich bei dem Studenten nach dem Sinn der Aktion und fährt aus der Haut…
Die nun eigentlich folgenden Bilder erspare ich dem Leser. Es sei nur so viel gesagt: Es folgte ein kleiner Disput über die Farbumgebung des Raumes und der Harmonisierung sämtlicher Gegenstände, die sich in unmittelbarer Nähe befinden. Es wäre müßig, diese Diskussion im Detail zu beschreiben. Mirco kann zumindest seinen Standpunkt sehr einleuchtend und logisch erklären.
Seither geht das Gerücht im Büro um, Sascha habe jeden einzelnen weißen Kieselstein mit seinem Mund aussortieren und gegen den schwarzen Kies austauschen müssen. Bisher wurde dieses Gerücht noch von keiner Seite aus widerlegt. .. Eine unwiderlegbare Tatsache ist aber, dass Sascha mit der Handhabung der Rückwandfolie (dient der „Veredlung“ des Aquariums) massive Probleme hat. „Dann doch lieber Fußpilz kriegen“, sagt er und denkt an seine imaginäre Wunschliste.
Doch dann kommt der Moment, wo der Elefant das Wasser lässt. Moment, falscher Text. Wo natürlich Sascha das Wasser lässt! Damit das Wasser nicht die fein voneinander getrennte Kies- und Nährstofflandschaft durcheinander und somit zunichte wirbelt, legt er einen flachen Teller auf den Bodengrund, um die Wucht des Wassers abzufangen. Danach werden die Dekoelemente (in diesem Fall zwei kleine Kristallkugeln) und die Pflanzen eingesetzt. Das Aquarium nimmt zunehmend Form an und in unserem jungen Studenten macht sich wieder das Gefühl des Stolzes eines ehrbaren Schöpfers breit.
Nun muss nur noch die Technik installiert werden. Licht und Filter…
Und schon ist es fertig. Da er tatsächlich (abgesehen vom zeitraubenden „Kiestauschen“) nur knapp eine Stunde für die Einrichtung gebraucht hat, denkt er auch schon wieder nur an das Eine…
Nachwort: Das frisch eingerichtete Aquarium zeigt noch Luftbläschen an der Scheibeninnenwand. Die haben sich binnen weniger Stunden verzogen. Bereits am nächsten Tag bewunderte ein anderer Kunde von uns den neuen (noch unbewohnten – aber keine Sorge, Fische kommen dort nicht rein) Einrichtungsgegenstand und wird sich auch eins anschaffen.
Nun, wir sind so begeistert, dass wir mittlerweile einen neuen Platz für unsere „faszinierende Unterwasserwelt“ ausgesucht haben. Direkt am Empfang. Da muss jeder vorbei! Und darf beim Staunen auch noch „lächeln“…






















