Die heutige Rentner-Generation kann sich auf die »große Freiheit« freuen – fast 15 gewonnene Jahre im Vergleich zur Mitte des letzten Jahrhunderts, und das mit Wohlstandsbäuchlein und sonnengebräunt. Doch nur die große Freiheit zu leben kommt nicht mehr in Frage, die sozialen Schieflagen und der demografische Wandel stellen neue Anforderungen. Und zwar an alle. Denn so ist das nicht gerecht.
Um mit den Alten ins Gespräch zu kommen, müssen wir verstehen, was diese Alten eigentlich wollen. Kein leichtes Unterfangen, aber ihnen wird es mit uns nicht anders gehen. Diese Alt-68er demonstrieren aus purer Gewohnheit: für höhere Renten, seniorenfreundliche Städte, politische Beteiligung. Sie sind Freunde der Bäume und Feinde der Bahn, sie tragen Funktionsjacken, sind mehr im Urlaub als zuhause und wollen partout nicht Platz machen für die Jugend, wie es alle Generationen vor ihnen taten.
Diese Alten, so kampflustig, eigensinnig, lautstark und unbequem, kaufen wirklich jedem den Schneid ab. Sie nutzen Facebook, Twitter, YouTube und speichern in der Cloud ihre Protestfotos anstatt zuhause die Kochrezepte der Brigitte zu tauschen. Diese Alten brauchen die politische Unterstützung nicht, sie haben ihre Beteiligung längst eingefordert. Sie mischen sich ein, sie reden mit.
Was die Alten fordern ist Gerechtigkeit – das ist gut. Gerechtigkeit ist per definitionem ein idealer Zustand; ein unparteilicher, einforderbarer und angemessener Ausgleich der Interessen, Güter und Chancen. Im Klartext: Jeder, der mehr von etwas hat als andere, gibt etwas im angemessenen Rahmen ab. Wo er weniger hat als andere, bekommt er, ebenfalls angemessen. Real muss all dies ausgehandelt werden, immer und immer wieder neu, im Großen wie im Kleinen.
Dafür müssen gerade die jüngeren Generationen ihre Hintern vom Designerstuhl bekommen und lernen, ihre Interessen zu vertreten. Nicht nur stillsitzen und an sich denken, sondern auch reden und handeln.
Also, lasst uns verhandeln!
