In 150 Sekunden zeigt dieser Film Menschen von 0 bis 100 – im Zeitraffer durch 100 Jahre Leben. Für alle, die schon immer wissen wollten, wie unterschiedlich Menschen altern, wie früh wir alt oder wie lange wir jung aussehen können!
“Alte Leute sind gefährlich; sie haben keine Angst vor der Zukunft.” George Bernard Shaws Zitat prangt auf einem doppelseitigen Foto über den Köpfen von zwei boxenden Anzugträgern um die 75. In der Verlagsvorschau des Residenz Verlags folgt auf der nächsten Doppelseite der bisher mit Abstand “schönste” Titel auf dem Buchmarkt zum Thema Alter: “Fressen die Alten den Kuchen weg?” – im Untertitel etwas widersprüchlich gekontert mit “Das Alter neu denken”. Ein Kind mit Messer und Gabel in den Fäusten blickt uns über den leeren Teller hinweg traurig an. Der Hintergrund erinnert irgendwie an Designerwohnung, nüchtern, klar, mit Ausblick ins Grüne.
Im Kurztext fragt der Verlag “Tickt die Zeitbombe der Vergreisung, droht das Methusalem-Komplott und sind Pensionisten wirklich Vampire?” Doch die Frage ist rhetorisch, die Antwort hat der Verlag bereits parat: “Mit solchen Bildern soll der Konflikt zwischen den Generationen geschürt werden, während es höchste Zeit ist, der Realität des demografischen Wandels zu begegnen. [...] Damit der demografische Wandel nicht zur Bedrohung, sondern zur Chance wird.
Dieser Gefahr entgegen zu treten, ist dem Verlag mit seinen Fotos, dem Zitat, dem Cover, Buchtitel und Kurztext wirklich gut gelungen.
Extremsport für Senioren? Kein Problem. Auch Fallschirmspringen ist keine Frage des Alters. Im Tandemsprung kann sich jeder den (Alp-)Traum vom freien Fall erfüllen. Nur die Haftcremeproduzenten müssen für den 55-plus-Sky-Dive noch nachbessern…dem Spass tuts keinen Abbruch.
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In Quierschied, 15 km nördlich von Saarbrücken, verändert der demografische Wandel die Friedhofslandschaft. Obwohl Spatenstiche auch auf diesem Friedhof nichts ungewöhnliches sind, war neulich die Bürgermeisterin anwesend. Denn anders als sonst ging es hier nicht um eine Grube, sondern um das Fundament für eine Urnenwand, die Zukunft der Bestattung, wenn man der Bürgermeisterin glauben darf. Denn der demografische Wandel habe das Ende der Großfamilie eingeläutet und damit auch das Ende des Familiengrabes. Rasengräber und Urnenplätze seien dagegen im Trend – auch, weil sie deutlich günstiger sind.
30 Urnen werden in der Urnenwand Platz finden. Harald Aschenbrenner als ausführender Bauunternehmer kennt sich aus mit den 45 mal 45 Zentimeter großen Kammern aus wasserundurchlässigem Beton mit Abdeckplatten aus Granit. Er beginnt den Aufbau an Allerheiligen, drei Tage später sei die Wand im Rohbau “bezugsfertig”. Ob es ein Demografie-Richtfest geben wird, lässt sich dem Artikel in der Saarbrücker Zeitung nicht entnehmen.
Urnenwände haben ihren Ursprung im ersten Jahrhundert n. Chr. im altrömischen Reich. Sie wurden wegen ihres Aussehens Columbarium genannt – “Taubenschlag”. Erfunden wurden die Kolumbarien von Vermögenden, die günstig ihre Sklaven beisetzen wollten. Platzmangel war ein weiterer Grund für die Errichtung von Urnenwänden.
Bleibt festzustellen, dass es auf Quierschieds Friedhof wegen des demografischen Wandels demnächst nicht gerade wie in einem Taubenschlag zugehen dürfte.
Ob die Sonne in Meppen ähnlich ausdauernd wie in Arizona scheint, darf bezweifelt werden. Aber das schadet keineswegs dem Erfolg des Seniorenwohnparks Heideweg. Alle Häuser sind mittlerweile verkauft.
Keine Stufe findet sich im ersten deutschen Seniorendorf, nicht eine Bürgersteigkante, keine Keller - alles ist ebenerdig. Dafür gibt es aber jede Menge Gleichgesinnte. Nach Vorbild der amerikanischen Sun Cities darf Eigentum im Heideweg nur erstehen, wer über 60 Jahre alt ist. Die Bewohner schätzen die pflegeleichten kleinen Gärten und das ruhige Wohnen. Eine Kümmerin hilft bei Bedarf und organisiert Pflege, Gärtner oder andere Formen der Unterstützung. Die Freizeit verbringt man gemeinsam in der Siedlung.
Bedenkliche gesellschaftliche Spaltungstendenzen und Rückzug in die private Bequemlichkeit von Menschen, die es sich leisten können? Oder auch nichts anderes als ein Szeneviertel für junge Leute? Eigentlich hat die Geschichte bereits vielfach bewiesen, dass soziale “Monokulturen” und auch freiwillige Ghettoisierungen nur selten funktionieren. Sollte der Heideweg eine Ausnahme sein, weil sich die Bewohner dort dauerhaft wohlfühlen, wird das Dorf in 20 Jahren erst recht alt aussehen.
01.10.2012 62 Prozent der Bundesbürger finden lt. einer aktuellen forsa-Umfrage, die Lebensleistungen der älteren Generation werde von den Jüngeren nicht ausreichend gewürdigt. Und 34 Prozent können sich vorstellen, im Alter aus Deutschland wegzuziehen. Brauchen wir den Ehrentag der Älteren, weil sie sonst der sozialen Kälte wegen emigrieren? Es ist wohl eher die Winterkälte – weit über die Hälfte der Auswanderungswilligen bevorzugt südliche Gefilde, gleich 22 Prozent ist das Land wurscht, Hauptsache warm. Also entweder zeigt der “internationale Tag der älteren Menschen” bald Wirkung in Form eines klimaneutralen innerdeutschen Temperaturanstiegs oder wir brauchen ihn nicht mehr.
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