Nein, heute geht es nicht um Sterbehilfe, weder passive noch aktive. Und auch nicht um den wohlverdienten Ruhestand oder die Zwangsverrentung. Oder doch? Der Blog zur »Großen Freiheit« geht zu Ende, dies ist der letzte Eintrag zwischen Klapp- und Lehnstuhl. Danke für’s Mitreden, Liken, Posten, Teilen – dafür, gemeinsam über das Älterwerden (und wie es sein könnte oder sollte) nachzudenken.
Wer weiterhin Lust dazu hat: Wir verlagern unsere Arbeit jetzt ein Stück weit von der virtuellen in die physische Realität. Am 20.02.2013 findet in Hamburg eine Demografie-Konferenz statt und Sie können dabei sein. Bewerben Sie sich für die Veranstaltung von Körber-Stiftung und nextpractice hier: demografischen Wandel gestalten und iPad gewinnen!
Abschließend: Renitenten Senioren und solchen, die es werden wollen, sei »Old Ass Bastards« empfohlen. Genauso wie den Jungen, die hier lernen können: »Alter, die Jugend hat voll keinen Plan!«
Und immer dran denken, Jung ist das Alt von morgen…
Deutschland ist das Land der schlechten Nachrichten: Rentenkürzungen, Anhebung des Rentenalters, teure Gesundheitsversorgung, steigende Lebenshaltungskosten, Altersarmut… Das Statistische Bundesamt hat »Europa im Blick«* und stellt fest: “Deutsche Senioren stehen finanziell gut da.” Platz 5 für sie in der EU, was das Einkommen ab 65 Jahren betrifft – und zwar unter Berücksichtigung der Kaufkraft. Ungarische Senioren haben weniger als die Hälfte und stehen auf Platz 20.
10 Seiten weiter offenbart die Statistik Erstaunliches: Die Armutsgefährdungsquote für Menschen ab 65 Jahren ist in Ungarn mit 4,3 Prozent im EU-Ranking sogar noch geringer als in Luxemburg (5,4 Prozent), Deutschland dagegen gewaltige 14,9 Prozent! Ist also eine reale Bedrohung im Anmarsch – oder sogar schon da? Träumen die Menschen am Plattensee, während Alpträume den Schwarzwald heimsuchen?
Doch der Blick auf Haushalte, die mit “großen finanziellen Problemen” zu kämpfen haben, ernüchtert: 2,7 Prozent der Single-Haushalte und 0,9 Prozent der 2-Personenhaushalte (mit mind. einer Person über 65-Jahren) in Deutschland hatten 2011 große finanzielle Probleme. In Ungarn waren es 26,5 Prozent bzw. 16,5 Prozent.
Die Armutsgefährdung ist in Ungarn also deshalb so niedrig, weil alle schon arm sind. Ausgeträumt der Traum vom Plattensee. Und das Bundesamt hat Recht: Deutsche Senioren stehen finanziell verdammt gut da.
- traumhaft. (c) logosss/fotolia.com
*Ältere Menschen in Deutschland und der EU, Destatis, Juni 2011
In 150 Sekunden zeigt dieser Film Menschen von 0 bis 100 – im Zeitraffer durch 100 Jahre Leben. Für alle, die schon immer wissen wollten, wie unterschiedlich Menschen altern, wie früh wir alt oder wie lange wir jung aussehen können!
“Alte Leute sind gefährlich; sie haben keine Angst vor der Zukunft.” George Bernard Shaws Zitat prangt auf einem doppelseitigen Foto über den Köpfen von zwei boxenden Anzugträgern um die 75. In der Verlagsvorschau des Residenz Verlags folgt auf der nächsten Doppelseite der bisher mit Abstand “schönste” Titel auf dem Buchmarkt zum Thema Alter: “Fressen die Alten den Kuchen weg?” – im Untertitel etwas widersprüchlich gekontert mit “Das Alter neu denken”. Ein Kind mit Messer und Gabel in den Fäusten blickt uns über den leeren Teller hinweg traurig an. Der Hintergrund erinnert irgendwie an Designerwohnung, nüchtern, klar, mit Ausblick ins Grüne.
Im Kurztext fragt der Verlag “Tickt die Zeitbombe der Vergreisung, droht das Methusalem-Komplott und sind Pensionisten wirklich Vampire?” Doch die Frage ist rhetorisch, die Antwort hat der Verlag bereits parat: “Mit solchen Bildern soll der Konflikt zwischen den Generationen geschürt werden, während es höchste Zeit ist, der Realität des demografischen Wandels zu begegnen. [...] Damit der demografische Wandel nicht zur Bedrohung, sondern zur Chance wird.
Dieser Gefahr entgegen zu treten, ist dem Verlag mit seinen Fotos, dem Zitat, dem Cover, Buchtitel und Kurztext wirklich gut gelungen.
Extremsport für Senioren? Kein Problem. Auch Fallschirmspringen ist keine Frage des Alters. Im Tandemsprung kann sich jeder den (Alp-)Traum vom freien Fall erfüllen. Nur die Haftcremeproduzenten müssen für den 55-plus-Sky-Dive noch nachbessern…dem Spass tuts keinen Abbruch.
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In Quierschied, 15 km nördlich von Saarbrücken, verändert der demografische Wandel die Friedhofslandschaft. Obwohl Spatenstiche auch auf diesem Friedhof nichts ungewöhnliches sind, war neulich die Bürgermeisterin anwesend. Denn anders als sonst ging es hier nicht um eine Grube, sondern um das Fundament für eine Urnenwand, die Zukunft der Bestattung, wenn man der Bürgermeisterin glauben darf. Denn der demografische Wandel habe das Ende der Großfamilie eingeläutet und damit auch das Ende des Familiengrabes. Rasengräber und Urnenplätze seien dagegen im Trend – auch, weil sie deutlich günstiger sind.
30 Urnen werden in der Urnenwand Platz finden. Harald Aschenbrenner als ausführender Bauunternehmer kennt sich aus mit den 45 mal 45 Zentimeter großen Kammern aus wasserundurchlässigem Beton mit Abdeckplatten aus Granit. Er beginnt den Aufbau an Allerheiligen, drei Tage später sei die Wand im Rohbau “bezugsfertig”. Ob es ein Demografie-Richtfest geben wird, lässt sich dem Artikel in der Saarbrücker Zeitung nicht entnehmen.
Urnenwände haben ihren Ursprung im ersten Jahrhundert n. Chr. im altrömischen Reich. Sie wurden wegen ihres Aussehens Columbarium genannt – “Taubenschlag”. Erfunden wurden die Kolumbarien von Vermögenden, die günstig ihre Sklaven beisetzen wollten. Platzmangel war ein weiterer Grund für die Errichtung von Urnenwänden.
Bleibt festzustellen, dass es auf Quierschieds Friedhof wegen des demografischen Wandels demnächst nicht gerade wie in einem Taubenschlag zugehen dürfte.
Ob die Sonne in Meppen ähnlich ausdauernd wie in Arizona scheint, darf bezweifelt werden. Aber das schadet keineswegs dem Erfolg des Seniorenwohnparks Heideweg. Alle Häuser sind mittlerweile verkauft.
Keine Stufe findet sich im ersten deutschen Seniorendorf, nicht eine Bürgersteigkante, keine Keller - alles ist ebenerdig. Dafür gibt es aber jede Menge Gleichgesinnte. Nach Vorbild der amerikanischen Sun Cities darf Eigentum im Heideweg nur erstehen, wer über 60 Jahre alt ist. Die Bewohner schätzen die pflegeleichten kleinen Gärten und das ruhige Wohnen. Eine Kümmerin hilft bei Bedarf und organisiert Pflege, Gärtner oder andere Formen der Unterstützung. Die Freizeit verbringt man gemeinsam in der Siedlung.
Bedenkliche gesellschaftliche Spaltungstendenzen und Rückzug in die private Bequemlichkeit von Menschen, die es sich leisten können? Oder auch nichts anderes als ein Szeneviertel für junge Leute? Eigentlich hat die Geschichte bereits vielfach bewiesen, dass soziale “Monokulturen” und auch freiwillige Ghettoisierungen nur selten funktionieren. Sollte der Heideweg eine Ausnahme sein, weil sich die Bewohner dort dauerhaft wohlfühlen, wird das Dorf in 20 Jahren erst recht alt aussehen.
01.10.2012 62 Prozent der Bundesbürger finden lt. einer aktuellen forsa-Umfrage, die Lebensleistungen der älteren Generation werde von den Jüngeren nicht ausreichend gewürdigt. Und 34 Prozent können sich vorstellen, im Alter aus Deutschland wegzuziehen. Brauchen wir den Ehrentag der Älteren, weil sie sonst der sozialen Kälte wegen emigrieren? Es ist wohl eher die Winterkälte – weit über die Hälfte der Auswanderungswilligen bevorzugt südliche Gefilde, gleich 22 Prozent ist das Land wurscht, Hauptsache warm. Also entweder zeigt der “internationale Tag der älteren Menschen” bald Wirkung in Form eines klimaneutralen innerdeutschen Temperaturanstiegs oder wir brauchen ihn nicht mehr.
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Gesund beginnt im Mund, mehr Genuss mit 65 Plus!
Ein schöner Reim, den sich der Aktionskreis zum “Tag der Zahngesundheit” am 25.09. ausgedacht hat. Fast so schön liest sich auch die Pressemitteilung der zentralen Auftaktpressekonferenz am Mittwoch, den 12. September 2012 in Berlin. Hier ein Auszug:
»Es zeige sich, dass der Wunsch der Menschen im Alter von „65 plus“ nach hoher Lebensqualität und aktiver Beteiligung am sozialen Alltag einen starken Einfluss auf die Entwicklung entsprechender zahnmedizinischer Verfahren und Produkte ausgeübt habe – eine Entwicklung, die sich als stete Herausforderung an das Fach zeige, allerdings auf bereits eindrucksvollem Niveau. „Zielsetzung unserer Bemühungen“ sagte Professor Oesterreich, „ist die sogenannte Kompression der Morbidität, d.h. die Verschiebung der Krankheitslast für den einzelnen Patienten in einen möglichst kurzen endständigen Lebensabschnitt.“« … »Die Bundeszahnärztekammer habe als Zielsetzung für das Jahr 2020 festgelegt, dass „die Häufigkeit der vollständigen Zahnlosigkeit in der Altersgruppe 65 bis 74 Jahre auf möglichst 15 Prozent reduziert werde. Die 4. Deutsche Mundgesundheitsstudie (2005) weist noch rund 23 Prozent aus. Da mehr natürliche Zähne aber auch mehr Erkrankungen wie Wurzelkaries und Parodontitis mit sich bringen, müsse von einer deutlichen fachlichen, aber auch ökonomischen Herausforderung ausgegangen werden.«
Wer nun noch keine Zahnschmerzen sondern Lust auf den vollständigen Wortlaut der Pressemitteilung bekommen hat, bitte schön.
In Kürze folgt Nr. 3 der Trilogie von Gedenk- und Ehrentagen für Senioren.
21.09.2012, Welt-Alzheimertag: Forscher rechnen mit einem dramatischen Anstieg bei der Demenzkrankheit Alzheimer. Im Jahr 2050 werden rund 106 Millionen von der Krankheit betroffen sein. Derzeit sind es rund 30 Millionen. Im Durchschnitt kommt in 2050 auf 85 Menschen ein Alzheimer-Patient. In Deutschland gibt es 1,3 Millionen Demenzkranke, bis 2050 wird sich diese Zahl nach Schätzungen verdoppeln. Geht man jeweils nur von einem nahen Angehörigen aus, wären dann bereits 5,2 Millionen Menschen von der Krankheit betroffen. Die Gesamtbevölkerung liegt in Deutschland im Jahr 2050 bei ca. 68 bis 74 Millionen. Kein Zufall, dass Gesundheitsminister Bahr und Familienministerin Schröder in dieser Woche die “Allianz für Menschen mit Demenz” ins Leben gerufen haben.
Das Risiko, an Demenz zu erkranken, steigt mit zunehmenden Alter. Erkranken bei den 65 bis 69-Jährigen ca. 1,2 Prozent an Demenz, sind es bei den über 90-Jährigen 34,6 Prozent. Häufigste Ursache der Demenz ist mit ca. 60 Prozent die Alzheimer-Krankheit. Die Basisannahme zur Lebenserwartung geht von einer durchschnittlichen Lebenserwartung neugeborener Jungen im Jahr 2050 von 83,5 Jahren aus, der neugeborener Mädchen von 88,0 Jahren. Die Zahl der Erwerbstätigen liegt dann bei 36 bis 39 Millionen Personen.
Alzheimer ist eine neurodegenerative Erkrankung, charakteristisch ist eine zunehmende Verschlechterung der kognitiven Leistungsfähigkeit, die in der Regel mit Verhaltensauffälligkeiten und neuropsychologischen Symptomen einhergeht. Die Krankheit findet immer mehr Platz in der öffentlichen Wahrnehmung. In den Filmen “An ihrer Seite”, “Die eiserne Lady” oder “Iris” wird Demenz thematisiert. Tilman Jens sorgte mit seinem Buch “Demenz” über seinen Vater Walter Jens für Empörungsstürme und auch die bildende Kunst widmet sich dem Thema zum Beispiel in der Ausstellung Kunst trotz(t) Demenz. Sie ist vom 16. September bis 28. Oktober 2012 in der Kunsthalle Recklinghausen zu sehen. Lachen hilft bei der Alzheimertherapie behauptet die SMILE-Studie, hier also noch der Link zum Senioren-Alzheimer-Witz.










