Messe für die neuen Alten
Die SenNova auf dem 10. Deutschen Seniorentag bietet einfach alles rund ums Thema Alter und Gesundheit. Man kann vom Hörtest zum Blutzuckertest schlendern, Entspannungssessel testen, aus 100 und einem Rollatorenmodell und genauso vielen Hausnotrufen auswählen oder sein Testament zu Gunsten gemeinnütziger Vereine aufsetzen. Alter ist facettenreich…
Am Stand für Outdoor Fitnessgeräte steht Birgit Singh. Irgendwo jenseits der 50, betrachtet sie etwas skeptisch die Schultertrainer. Ob sie sich davon angesprochen fühle? Ein gedehntes “naja”. Schon ganz interessant, ein Spielplatz für Senioren eben. Aber benutzen? „Nicht in der Öffentlichkeit“, sag sie lachend. Und dann lässt sie sich in 2 Sekunden zu einem Foto überreden. Spontan, neugierig, kontaktfreudig, selbstbewusst.
Am nächsten Stand wippen zwei ältere Damen bei einem Live-Fitnessworkout zu lärmender orientalischer Popmusik mit. „Na klar ist das was für mich“, sagt die jüngere, 67-jährige Christine Borrmann, „hab mir grade letzte Woche 4 Workout-CD’s gekauft. Jeden Morgen eine Viertelstunde.“ Weil sie sich alt vorkomme? „Nein, ich wäre ja nie hier auf den Seniorentag gekommen! Meine 87-jährige Nachbarin hat mich mitgeschleift. Aber ich finds toll!“ Die 20 Jahre ältere Nachbarin ist schon weiter und verwickelt den nächsten Standbetreuer in eine Diskussion.
Alt scheint hier niemand zu sein. Oder doch? Denn Angebote, die sich klar an Senioren richten, wie z.B. ein Seniorenumzugsservice werden mit Skepsis betrachtet. Die Angst, als alt und damit hilfbedürftig gesehen zu werden, führt zu aufmüpfigen Fragen und herausfordernden Blicken an den Chef Ralf Schmidt. Dabei ist seine Idee wirklich toll. Ein Umzugsservice mit speziell ausgebildeten MitarbeiterInnen, die z.B. im Umgang mit Demenzkranken geschult werden und auch beim Einpackservice respektvoll die Privatsphäre achten. Zeit für den Abschied von der alten Wohnung wird genauso geboten wie die Möglichkeit der Einlagerung von Hab und Gut bis zu einem halben Jahr, falls die Umzugsentscheidung doch nicht die richtige war. Ich würde so ein Angebot dankbar annehmen. Die Skepsis kann ich trotzdem gut verstehen.
Beim Rausgehen spricht eine ältere Dame links vor mir einen entgegenkommenden Senioren an: „Brauchen Sie noch ein Ticket?“ „Ja, wieviel soll es denn kosten?“ „Ich hab 7,50 bezahlt, machen wir halbe halbe?“ „Klar.“ Selbst den Ticketschwarzmarkt haben sie im Griff.
