Träumen am Plattensee

Veröffentlicht in Mirko Zapp - der Blog zur Großen Freiheit von Mirko Zapp am 03.11.2012 um 10:50 Uhr

Deutschland ist das Land der schlechten Nachrichten: Rentenkürzungen, Anhebung des Rentenalters, teure Gesundheitsversorgung, steigende Lebenshaltungskosten, Altersarmut… Das Statistische Bundesamt hat »Europa im Blick«* und stellt fest: “Deutsche Senioren stehen finanziell gut da.” Platz 5 für sie in der EU, was das Einkommen ab 65 Jahren betrifft – und zwar unter Berücksichtigung der Kaufkraft. Ungarische Senioren haben weniger als die Hälfte und stehen auf Platz 20.

10 Seiten weiter offenbart die Statistik Erstaunliches: Die Armutsgefährdungsquote für Menschen ab 65 Jahren ist in Ungarn mit 4,3 Prozent im EU-Ranking sogar noch geringer als in Luxemburg (5,4 Prozent), Deutschland dagegen gewaltige 14,9 Prozent! Ist also eine reale Bedrohung im Anmarsch – oder sogar schon da? Träumen die Menschen am Plattensee, während Alpträume den Schwarzwald heimsuchen?
Doch der Blick auf Haushalte, die mit “großen finanziellen Problemen” zu kämpfen haben, ernüchtert: 2,7 Prozent der Single-Haushalte und 0,9 Prozent der 2-Personenhaushalte (mit mind. einer Person über 65-Jahren) in Deutschland hatten 2011 große finanzielle Probleme. In Ungarn waren es 26,5 Prozent bzw. 16,5 Prozent.

Die Armutsgefährdung ist in Ungarn also deshalb so niedrig, weil alle schon arm sind. Ausgeträumt der Traum vom Plattensee. Und das Bundesamt hat Recht: Deutsche Senioren stehen finanziell verdammt gut da.

traumhaft. (c) logosss/fotolia.com

*Ältere Menschen in Deutschland und der EU, Destatis, Juni 2011

 

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1 Kommentar für 'Träumen am Plattensee'

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  1. 50minus meinte am 04.11.2012 um 15:14

    Ich bleib dabei: das Problem ist die deutsche Mentalität in der Art, dass die Deutschen besonders nach dem zweiten Weltkrieg bereit waren zu darben, zurückzustecken und das vor allem, weil sie sich extremste Schuld aufgeladen hatten und verpflichtet waren “nichts mehr zu wollen”. Es scheint als hätte dieser Gefühlszustand dazu geführt, dass die Alten nun meinen für dieses “Kleinlautseinmüssen” eine Belohnung verdient zu haben. Sie haben also keine Angst vor Altersarmut, sondern sind enttäuscht, dass sie jetzt auch noch finanziell zurückstecken müssen – allerdings weit von Armut entfernt.

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