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Ach, wie schön war es in Bonn

Veröffentlicht in Politik & Panorama von Hans-Martin Tillack am 22.06.2010 um 09:52 Uhr

Alles wird immer schlimmer, früher war alles besser. Das behauptet ein neues Buch über den Berliner Journalismus.

Die beiden Medienwisschaftler Leif Kramp und Stephan Weichert schlagen Alarm: Was wir angeblich erleben, ist „die Verwahrlosung“, ja der „Verfall des Qualitätsjournalismus“ in der Hauptstadt. „Noch nie“, behaupten die Autoren in einem kürzlich erschienenen Buch („Die Meinungsmacher“), habe sich der Hauptstadtjournalismus „so weit von seinen primären Pflichten entfernt“.

Ganz klar, möchte man antworten, zu Zeiten von Kanzler Adenauer in den Fünfzigern, da waren die Bonn-Korrespondenten noch gnadenlose Recherchehunde. Ach damals! Aber wir spotten. Kramp und Weichert meinen das alles ernst.

In Bonn, versichern sie, da wirkten noch die „erfahrenen Politikjournalisten“. Heute in Berlin drücken sich Nachwuchskollegen ohne Fachwissen auf den Fluren rum, denen – so lesen wir – auch noch die nötige “charakterliche Immunität” abgeht. Früher am Rhein, da gingen die Journalisten noch auf die Pressekonferenzen und es gab einen „freundschaftlichen Arbeitskonsens zwischen Journalisten und Politikern“. Heute sei „die journalistische Themensetzung“ dagegen „flatterhafter und strategischer geworden“. Moment, sind das nicht Gegensätze?

Es ist nicht der einzige Widerspruch in der Argumentation der beiden Verfallstheoretiker. Sie selbst stellen fest, dass die Korrespondentenbüros in Berlin größer geworden und der „Leistungs- und Wettbewerbsdruck der Medien untereinander enorm“ gewachsen seien. Beides wäre doch eher ein Fortschritt, oder? Und haben all die vielen Kollegen jetzt wirklich allein deshalb keine Zeit mehr für die Recherche, weil sie ständig twittern müssen? Oder weil sie allzu oft in „prekären Arbeitsverhältnissen“ stecken? Aber stimmt das überhaupt? Und wo sind die Zahlen, die es beweisen?

Die haben Kramp und Weichert natürlich nicht. Die Recherche, die sie zu Recht von uns Journalisten erwarten, haben sie selbst nicht einmal im Ansatz geleistet.  Ihr Buch basiert in erster Linie auf den Interviews mit 34 Berliner Korrespondenten und Pressesprechern, die ihnen ausgerechnet die eigentlich investigativ orientierte Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche finanziert hat (siehe Anmerkung vom 5. Juli 2010 unten). Irgendwelche wissenschaftlich-systematischen Studien, etwa über Themenkarrieren bei der Hauptstadtberichterstattung, haben die Autoren nicht unternommen. Dafür haben sie mit Leuten geredet und geben das jetzt in eigenen Worten wieder.

So kommen sie irgendwie auf die Behauptung, dass eine „Clique der Alphatiere“ den Berliner Journalismus dominiere. Aha, interessant, was tun denn diese Alphatiere? Kramp und Weichert wissen es auch nicht. Leider, leider sei nicht „viel mehr“ über diese Leute bekannt, als dass sie eine Menge Einfluss hätten. Weil sie sich leider „untereinander im Verborgenen“ träfen und dabei – soviel sei doch klar – „mit Politikern, Wirtschaftsbossen, Spin Doctors und Lobbyisten an weiß gedeckten Tischen Austern schlürfen und teure Bordeaux-Jahrgänge verkosten“. Weiße Tischdecken also, wir sind erschüttert.

Keiner der angeblichen Alphajournalisten taucht übrigens in der Liste der Interviewten auf. Die Autoren zitieren stattdessen eine Kollegin, aus deren Sicht sich „in diesem eitlen Treiben der Hauptstadtszene eine selbst verschuldete Deformation der Medienbranche“ zeige, „die aus der starken Selbstbezüglichkeit ihrer Akteure resultiert“. In einfacheren Worten: Selber schuld die Kollegen, dass sie so eitel sind. Aber ist das wirklich eine medienwissenschaftliche Analyse?

Es ist auf alle Fälle schlechtes Deutsch. Und Kramp und Weichert sind zweifelsfrei ein Fall für die Metaphernpolizei. Da wurde angeblich die „geräuscharme Kulisse“ in Bonn „gegen ein Vakuum an neurotischen Unverbindlichkeiten im lauten exhibitionistischen Berlin eingetauscht“. Was, bitte, soll das sein? Oder was meinen die Autoren mit dem von ihnen diagnostizierten „anschwellenden Gewese der Berliner Meinungsmacher“??

Dieses rhetorische Glutamat soll offenbar verdecken, dass die Zutaten der Kramp-Weichertschen Meinungssauce nicht sehr frisch sind. Die wenigen konkreten Belege für die These, dass in der Berlin-Berichterstattung alles irgendwie ganz doll den Bach runter geht, die taugen nicht viel. So beklagen sie, dass die Berlin-Korrespondenten „Nichtigkeiten wie die Dienstwagenaffäre“ der seinerzeitigen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt „aufblasen bis zum Gehtnichtmehr“. Dabei sei im Fall der SPD-Politikerin doch alles „mit rechten Dingen zugegangen“.

Nun, das ist eine These, der wohl nicht einmal Ulla Schmidt vorbehaltlos zustimmen würde. Immerhin entschied sie sich seinerzeit ganz kurzfristig, die Kosten für die Spanien-Tour ihres Dienstwagens doch lieber selbst zu übernehmen – obwohl sie vorher der Meinung war, das stünde ihr zu. NACH der Kostenübernahme fand auch der Rechnungshof alles Rechtens. Pech für Schmidt, dass sie es damals nicht allein mit Kramp und Weichert zu tun hatte. Die finden es offenbar anstößig, wenn Journalisten Privilegien mächtiger Amtsträger kritisieren.

„Zuerst empörten sich die Medien, dann die Republik“, schreiben sie über Schmidts Spaniensause und suggerieren damit, dass es Journalisten so mir nichts, dir nichts schaffen, die öffentliche Meinung in ihrem Sinn zu prägen.

Journalisten machen Meinung und die Bürger folgen dem willenlos? Ich glaube nicht, dass solche simplen Reiz-Reaktions-Schemata den letzten Stand der Medienforschung wieder spiegeln. Aber vielleicht ist das der Stand an der „Macromedia University“ (ja, die heißt so) in Hamburg, bei der Weichert Professor ist.

Generell scheint Professor Weichert der Meinung zu sein, dass die Journalisten zu oft zu gemein zu den Sozialdemokraten sind. Frank-Walter Steinmeier zum Beispiel habe sich nach der verlorenen Europawahl bei Anne Will in der ARD „Unverschämtheiten“ anhören müssen, man denke.  Und dann der Fall Kurt Beck. Kramp und Weichert lassen uns am „Ende einer großen Berliner Politikerkarriere“ Teil haben und damit meinen sie nichts anderes als den Sturz von (ja, ehrlich) Kurt Beck.

Der sei ja „ein sympathischer Kerl“. Hartnäckig, „aber ohne Verbissenheit“, habe der Pfälzer sich „bis an die Spitze der SPD emporgearbeitet“. Bis etwas Schlimmes passierte.

Denn am 18.Februar 2008 ließ er sich in Hamburg auf ein Hintergrundgespräch mit Journalisten ein, „in aller Vertrautheit“. Bei der Gelegenheit plauderte Beck in der Tat erstmals aus, dass er sich vorstellen könne, seine Parteigenossin Andrea Ypsilanti in Hessen von der Linkspartei mitwählen zu lassen.

Obwohl er das in einer vertraulichen Runde sagte, stand die Nachricht zwei Tage später in der Zeitung. Der verantwortliche Kollege rechtfertigt sich – ich würde sagen zu Recht – damit, dass er die Information anderswo bestätigt bekam. „Das Vertrauen“ schwinde, jammern nun Kramp und Weichert. „Wer trägt die Schuld für den politischen Sündenfall?“, fragen sie raunend.

Als ob die Antwort nicht klar wäre: Die Schuld trägt Kurt Beck. Er persönlich hatte ja – was die Buchautoren lieber weg gelassen  haben – vorher ein solches Linksbündnis ausdrücklich ausgeschlossen. Deshalb war sein Kurswechsel ein Skandal. Und: Das Manöver hätte gar nicht vertraulich bleiben können. Denn, auch wenn Kramp und Weichert das vielleicht beklagen mögen, weder der hessische Landtag noch die SPD-Parteigremien tagen unter Geheimhaltung.

Nun ist es ja nicht so, dass die Berlin-Berichterstattung keine Mängel hätte. Aber Kramp und Weichert schaffen es zielsicher, genau diese Problemfelder weiträumig zu umfahren. Was man sich gewünscht hätte, wäre etwa eine Untersuchung, wie bestimmte Themen auf die Agenda kommen, wie sie vom Mainstream der Berichterstatter aufgenommen werden – oder auch nicht. Wie oft schaffen es Politik und Lobby, Themen zu setzen? Warum bohren vergleichsweise wenige Kollegen beim Thema Parteispenden nach oder beim Sponsoring von Ministerien durch Firmen? Wie unabhängig können Berichterstatter von Parteien oder Ministerien sein, die sie über viele Jahre hinweg kontinuierlich betreuen? Warum finden sich viele Korrespondenten mit der erstaunlich hohen Intransparenz der Berliner Bürokratie ab? Das sind Fragen, bei denen man erwartet hätte, dass sie jemand wie Weichert stellt. Immerhin legt er Wert darauf, dass er beim Netzwerk Recherche sogar Vorstandsmitglied sei.

Aber halt, Kramp und Weichert finden die Bundesministerien gar nicht intransparent – sondern „durchsichtig-überkorrekt“. Jedenfalls schrieben sie das noch 2008 in der Netzwerk-finanzierten Studie, auf der ihr Buch fußt. Ich hatte mich darüber schon damals in einem Beitrag für das „Medium Magazin“ gewundert. Diese Feststellung haben Kramp und Weichert zum Glück nicht wiederholt.

Jetzt haben sie entdeckt, dass Berlin unter „einer umfassenden Abschottung des Verwaltungsapparats“ leidet. Beispiele, wie das in der Praxis geschieht, liefern die Autoren nicht. Kein Wunder, als sie vor über zwei Jahren ihre Interviews führten, sahen sie das Problem ja noch gar nicht.

Liest man das Buch, hört man dafür die Nostalgie einiger älterer SPD-naher Kollegen durch, die den Zeiten nachtrauern, als Journalisten – wie in Bonn oft üblich – klar bestimmten Lagern zugeordnet werden konnten. Nicht zufällig zitieren Kramp und Weichert einen lang gedienten Kollegen der „Zeit“, der Jungjournalisten mangelnde „Haltung“ attestiert. Bei ihm selbst führte die stabile rot-grüne Haltung übrigens dazu, dass er selbst dann noch verständnissinnige Gespräche mit Joschka Fischer veröffentlichte, als es um die Frage ging, warum die rot-grüne Regierung die CIA-Entführungspraxis so still hingenommen hatte. Als ob Haltung Treue zu Parteien wäre, nicht zu Werten.

Nähe zu Parteien ist aber aus der Sicht von Kramp und Weichert offenbar kein Problem. Sie zitieren den ARD-Studioleiter Ulrich Deppendorf, man habe dort die Arbeitsgebiete aufgeteilt nach „Parteien, in denen die einzelnen Korrespondenten Mitglied sind“. Moment, Korrespondenten sind Mitglieder der Parteien, über die sie berichten? Jawohl, das ist im öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht ungewöhnlich. Wollte Deppendorf das nun bestätigen? Kramp und Weichert verraten es uns nicht. Sie fanden die Deppendorf-Aussage offenbar irgendwie normal.

P.S. Weichert versichert, das Buch sei von drei anerkannten Branchenkennern auf Fakten gegengelesen worden. Ihre Namen will er leider nicht nennen. Beziehungsweise er will es nur, wenn man ihn mit irgendwelchen Fehlern konfrontiert. Jetzt warten wir also auf die Namen dieser Experten.

P.P.S. Wir sollten alle froh sein, dass der Medienprofessor kein Berliner Politiker ist, denn er reagiert auf öffentliche Kritik überaus empfindlich. Nachdem Sebastian Esser in V.i.S.d.P. sein Werk kritisiert hatte, wetterte Weichert über „Wichtigtuer“ und eine „Hetzkampagne“. Ich selbst bekam schon am Freitag ein empörtes Schreiben des Professors, bevor ich irgend etwas veröffentlicht hatte. Nur in einer privaten Mail an eine Kollegin hatte ich über das Buch gelästert. Weicherts Freund Thomas Leif (ja, der Chef von Netzwerk Recherche) hatte meine Mail irgendwie bekommen, sie gleich an den Professor weiter geleitet (ja, so geht es zu beim Netzwerk) – und der reagierte auf sie mit einer Protestmail an mich, gespickt mit persönlichen Beleidigungen. Zum Beispiel über meine Bücher, die nach seinen Erkenntnissen „öffentlich nicht wahrgenommen werden“.

Weicherts Recherchen an diesem Punkt waren übrigens genauso profund wie die zu seinem Buch.

Anmerkung vom 5.7.2010: Buchautor Leif Kramp schickte uns am Freitag eine Bitte um Richtigstellung, nach seinen Worten auch im Namen des Netzwerk-Vorsitzenden Thomas Leif. Danach sei ihr Buch „in keiner Weise vom Netzwerk Recherche finanziell oder personell unterstützt“ worden. Das kann ich nicht richtig stellen, weil ich es nicht behauptet habe. Richtig ist, wie die Autoren selbst schreiben, dass die  „diesem Buch vorausgegangene Untersuchung“ im Auftrag des Netzwerks entstand. Das Netzwerk war auch Finanzier der Studie, in deren Rahmen Kramp und Weichert die Interviews führten, auf denen ihr Buch in weiten Teilen fußt. Nach den Angaben von Kramp versichert Leif nun, dass die Netzwerk-Finanzierung „ausschliesslich aus Drittmitteln“ bestand. Demnach flossen also keine Beiträge von Netzwerk-Mitgliedern für die Studie, auch nicht meine.

7 Kommentare für 'Ach, wie schön war es in Bonn'

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  1. Zoroaster meinte am 23.06.2010 um 18:41

    Weichert, Jahrgang 1973, war im Zeitpunkt des Regierungsumzuges 1999 von Bonn nach Berlin gerademal 26 Jahre alt. Er beschreibt also nicht aus eigener Anschauung, sondern ist den Legenden seiner Interviewpartner aufgesessen. Dabei hätte ihn bereits ein Gang ins Spiegel-Archiv ihn eines Besseren belehren können, und selbst der frei zugänglichen Fachliteratur wäre wohl zu entnehmen gewesen, dass z.B. Hans-Dietrich Genscher über lange Jahre die sozialliberale Koalition über sein Vertrauensverhältnis zu Augstein und seinen Mitarbeitern (gegen-) zu steuern imstande war. Oder der damalige Politische Direktor im Auswärtigen Amt, Wolfgang Ischinger, der noch in der Wahlnacht 1998 in Schröders innerem Zirkel zur Gratulationscour aufgelaufen war, und über die “ZEIT” hernach verbreiten ließ, er habe sich am Wahlabend einfach so im Bonner Gasthaus “Pathos” aufgehalten, wo zwei Journalistinnen ihn spontan eingeladen hätten, mit ihnen die niedersächsische Landesvertretung in Bonn aufzusuchen. Und bei allem haben die Bonner Journalisten mitgespielt, wohl wissend, dass ein Berufsdiplomat sehr wohl zum Kalkül imstande ist, auf welchen Wahlpartys er sich blicken lässt, und auf welchen nicht.

  2. LMH meinte am 24.06.2010 um 00:12

    Was Weichert da publiziert, ist eigentlich nur dadurch zu erklären, dass er einen Mangel an Anciennität durch Anbiederung bei den Altvorderen zu kompensieren sucht. Natürlich würden die Granden wie Friedrich Nowottny auf ihren “Haltungsjournalismus” stolz sein, wenn man sie danach befragt. Aber damit ist ja überhaupt kein Urteil über ihre Haltung oder über ihre Unabhängigkeit gefällt. Was Weichert und Kramp mit Unterstützung von Leif hier vorlegen, ist weder unter sozialwissenschaftlichen noch unter journalistischen Gesichtspunkten seriös.

  3. JW meinte am 28.06.2010 um 09:34

    Sehr guter Text. Der war mal nötig, vielen Dank. Diese Zauberer publizieren an anderen Stellen ja große Serien über Qualitätsjournalismus und die Zukunft des Journalismus, da darf schon verlangt werden, wenigstens in einem vom NR finanzierten Buch Qualität und so etwas wie Journalismus anzubieten. Insofern relativieren sich derlei Serien.

    Es sind auch meine Mitgliedsbeiträge, die da verschleudert werden. Kritikfähigkeit, das weisen Sie überzeugend nach, ist nicht jedermanns Sache.

  4. Siepert77 meinte am 28.06.2010 um 15:40

    Herzlichen Dank. Seit der Vorstellung des Buches im Deutschlandfunk frage ich mich, wo diese Gegenposition eigentlich bleibt. Selbst – wie in der Sendung geschehen – wenn die Autoren selbst ihr Projekt vorstellen, wird sofort das Ausmaß der betriebenen Scharlatanerie augenfällig.

    Sind vergangenheitsverklärende Positionen tatsächlich aktuell im Journalismus so populär, dass man selbst im eigenen Tätigkeitsfeld bereit ist, an riesigen Offensichtlichkeiten vorbeizusehen?

    Danke, dass Sie das nicht tun, Herr Tillack.

  5. Markus meinte am 28.06.2010 um 18:07

    Schön geschrieben,

    wahrscheinlich auch in der Sache richtig.

    Aber bitte, Herr Tillack, wo Sie gerade dabei sind Mythen auseinanderzunehmen.

    Bitte entzaubern Sie auch mal den Mythos, von der angeblichen ach so investigativen Vereinigung Netzwerk Recherche. Geleitet von einem Mann, der selbstverliebte, übelst recherchierte Beiträge macht, und Artikel über Event-Gastronomie schreibt, die zumindest grenzwertig zu PR-Artikeln laufen – während er gleichzeitig kleine freie Journalisten in die Hölle wünscht, die dies tun.

    Aber, wer nicht für den Spiegel oder den NDR schreibt, ist ja ohnehin irgendwie kein richtiger Journalist. Das weiß man ja nicht nur beim Netzwerk Recherche sondern auch beim eng verbandelten Magazin “Zapp” – wo man gern mal Themen-die-nicht-zusammen-gehören-Mixes macht, mit einseitigen Statements und klar festgelegten Schuldigen – um dann in den Beiträgen all diese Methoden bei den (bösen) Journalisten (s.o.) anzuprangern.

    Hach, wär das schön

  6. Onur Oldenburg meinte am 14.07.2010 um 14:52

    Ich habe das Buch nicht gelesen, aber ich denke schon, dass ein Journalist zu Bonner Zeiten (zu Recht) eine geordnete Anstellung genossen hat, es dadurch leichter hatte, sich an journalistische Standards zu halten – es kam nur auf die Standfestigkeit des Chefredakteurs und den Rückhalt beim Verleger an. Aber damals waren rückläufige Auflagen und Anzeigenerlöse weit weg, es gab fest abgegrenzte Vertriebsgebiete und es wurden selbst in der Branche vielfach Gehälter laut Liste bezahlt. Dann kam der Umzug nach Berlin und parallel kamen – das darf man nicht vergessen – die Online-Medien. Zugleich kaufte sich die Regierung mit eigenen Kampagnen bei den Medien ein.

    Welchen Stand hat ein Chefredakteur heute mit rückläufigen Anzeigenerlösen, BWLern und dem Verleger im Nacken sowie prekären beschäftigten Journalisten noch? Einen schweren. Eine weltweit vorbildliche deutsche Institution befindet sich in der Auflösung.

    Berliner Kollegen, deren Nahrungsaufnahme nicht selten von den Büffets bestimmt wird, die ihnen jemand auftischt, bei denen verschwindet die redaktionelle Balance, aber auch das rechte Maß zwischen Recht und Unrecht. Dazu brauche ich kein Buch.

  7. Onur Oldenburg meinte am 14.07.2010 um 14:55

    PS: Ob die aktuellen Gegenstrategien der Verleger die Lösung sind, sei an dieser Stelle dennoch mit einem großen Fragezeichen versehen.

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