Wulff und die Wahrheit

Veröffentlicht in Allgemein,Politik & Panorama von Hans-Martin Tillack am 16.12.2012 um 12:52 Uhr

Bundespräsidenten sagen nicht immer die Wahrheit – das wissen wir spätestens seit Christian Wulff.

Die „Bild am Sonntag“ berichtet heute noch einmal im Detail, wie der damalige Bundespräsident Christian Wulff im Februar 2011 versuchte, den stern in die Irre zu führen. Es ging um einen privaten Hauskredit für sein Wohnhaus in Burgwedel bei Hannover. Seit Frühjahr 2009 war der stern Hinweisen auf einen angeblich privaten Geldgeber für das Haus in Burgwedel nachgegangen. Das dortige Grundbuchamt hatte uns die Einsichtnahme jedoch zunächst verwehrt. Dennoch erfuhren wir, dass im Grundbuch zu der Immobilie keine Grundschuld zu Gunsten eines Kreditgebers eingetragen war. Dies stellte nach Auskunft von Finanzexperten eine mögliche Gefälligkeit des Kreditgebers dar, der so eventuell schlechter abgesichert war, als durch einen ordnungsgemäßen Eintrag in das Grundbuch.

Darum richtete ich am 16. Februar 2011 fünf Fragen an das Präsidialamt und fragte auch nach der Identität des Kreditgebers. Im ersten Antwortentwurf des Präsidialamtes hieß es darauf laut „BamS“ noch knapp, Kreditgeber sei die baden-württembergische BW-Bank – was zu dem Zeitpunkt stimmte. Wulff habe dann jedoch, so die Zeitung, handschriftlich mit grüner Tinte den Text korrigiert und geschrieben: „Die BW-Bank war und ist der Kreditgeber.“

Bereits im Februar 2011 wollte ich dies bei der BW-Bank in Stuttgart verifizieren – und scheinbar großzügig entband Wulff die Bank darauf damals in dieser Sache vom Bankgeheimnis.

Tatsächlich war seine Antwort eindeutig irreführend, denn die BW-Bank hatte die Hausfinanzierung erst im März 2010 übernommen. Zuvor gab es eine andere Darlehensgeberin – die in der Schweiz lebende Unternehmergattin Edith Geerkens. Nach erneuten Recherchen im Herbst 2011 erfuhr ich dies auf eine weitere Anfrage an das Präsidialamt am 7. Dezember 2011 – von Wulffs damaligen Sprecher Olaf Glaeseker, der nun den Darlehensvertrag mit Edith Geerkens offenlegte.

Um es ganz klar zu sagen: Ich hatte der ursprünglichen Version des Präsidenten geglaubt. Ich kannte Wulff seit Anfang 1994; dass er zu einem solch plumpen Verschleierungsmanöver greifen würde, hätte ich nicht gedacht. Umso mehr war uns im Dezember 2011 klar, dass dieser Hauskredit weitere Nachfragen erforderte – was sich dann auch rasch bestätigte. Denn auch die Konditionen des Geerkens-Darlehens waren für damalige Verhältnisse ungewöhnlich günstig.

Am 13. Dezember veröffentlichten wir – fast zeitgleich mit der „Bild“-Zeitung – unseren ersten Bericht über den „Kredit des Präsidenten“ auf stern.de. Es war der Beginn einer zweimonatigen Marathonrecherche über Christian Wulff und seine diversen reichen Gönner, von Egon Geerkens bis Manfred Schmidt.

Wulff beschwerte sich damals mehrfach über ein angebliches „Netzwerk“ von ihn verfolgenden Reportern. Tatsächlich gehört genau das zu unserem Job: misstrauisch zu werden, wenn Politiker Fakten verschleiern wollen.

Hier der volle Text der Antwort des Präsidialamtes vom 17. Februar 2011, unterzeichnet von Olaf Glaeseker:

 

„Sehr geehrter Herr Tillack,

gerne beantworte ich Ihre Fragen.

1. Wer war der Kreditgeber für das Wohnhaus in Burgwedel?

Antwort: Die BW-Bank, Kleiner Schlossplatz 11, 70173 Stuttgart, war und ist der Kreditgeber.

2. Wie hoch war der Kredit, den der Kreditgeber gewährte?

Antwort: 500.000 €

3. Warum war der Kreditgeber bereit, auf den Eintrag ins Grundbuch und die damit verbundenen Vorteile zu verzichten?

Antwort: Der Grundschuldbrief nebst der notariell beurkundeten Abtretungserklärung mit der Ermächtigung, jederzeit eine Eintragung zu vollziehen, kommt einer Eintragung gleich. Die Stellung der Bank als Gläubigerin ist nicht besser oder schlechter als mit der Eintragung.

4. Wie bewertet Herr Wulff den Vorteil, den er aus diesem Nichteintrag des Kreditgebers im Grundbuch zog?

Antwort: Die Schuldner haben keinen Vorteil.

5. Wie steht Herr Wulff zu dem möglichen Vorwurf, er habe die Identität des Kreditgebers verschleiern wollen?

Antwort: Es besteht keine Veröffentlichungspflicht für Privatkredite. Auf Anfragen wurde der Kreditgeber genannt.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

Olaf Glaeseker“

 

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15 Kommentare für 'Wulff und die Wahrheit'

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  1. Yogi Lauke meinte am 16.12.2012 um 19:40

    WULFF ist&war für mich immer nur das “ABZIEH-BILDchen” eines Bundespräsidenten! Heute nurnoch ein HORNBRILLEN-FATZKE, den ich NICHT mehr in der Öffentlichkeit sehen möchte! Sammt seiner bescheuerten FRAU!

  2. Harald Huesch meinte am 16.12.2012 um 20:09

    Privat ist privat und geht die Öffentlichkeit nichts an. Rechtlich war mit dem Geerkens-Kredit alles in Ordnung, wie Staatsanwaltschaft Hannover und Generalstaatsanwaltschaft Celle bestätigt haben (worüber Sie natürlich nichts geschrieben haben, Herr Tillack, Sie können ja nur mit Dreck schmeißen).

    Ich habe Sie einmal bei Maybrit Illner gesehen, Sie wirkten auf mich wie ein kleiner Junge, der ganz aufgeregt darüber war, dass er ein einziges Mal etwas sagen durfte.
    Mir ist sogar noch ihr Wortwechsel mit Hartmut Möllring in Erinnerung: Sie betonten die Weisungsabhängigkeit der Staatsanwaltschaft, um zu insinuieren, dass es eine Weisung gegeben hätte, die es tatsächlich nie gegeben hat.

    Wie bemerkte Horst Köhler: Journalismus lebt von der entehrenden Unterstellung.

  3. Ein anderer meinte am 18.12.2012 um 10:06

    @Harald Huesch
    Nur weil u.a. die Recherchen eines Journalisten zur Demontage Ihres Idols führten, müssen Sie den Journalisten nicht beleidigen. Ihr Idol selbst hat bewußt mehrfach gelogen und betrogen. Ich verstehe nicht, warum ständig behauptet wird, er habe “die Unwahrheit gesagt”. Klar und deutlich: Er hat GELOGEN!

  4. Zoroaster meinte am 21.12.2012 um 22:03

    @Harald Huesch

    Dass mit dem Kredit alles in Ordnung sei, lässt sich nun wirklich nicht sagen. Die StA beanstandet nur strafbare Vorgänge; der Geerkens-Kredit war “nur” rechtswidrig aufgenommen:

    http://www.welt.de/politik/deutschland/article13771748/Staatsrechtler-werfen-Wulff-Verstoss-gegen-Gesetz-vor.html

  5. Neuland meinte am 28.12.2012 um 09:58

    Die Vorgänge um Hr. Wulff zeigen dem Wähler wiederum sehr deutlich, wie in der Politik zum eingenen Wohl gelogen und vertuscht wird, dies hier wird nicht der einzige Fall bleiben. Nicht umsonst ist das Ansehen der Politiker mittlerweile auf den Nullpunkt gesunken, zudem habe ich das Gefühl, dass sich nichts verbessern wird. Letztendlich geht es immer um Macht und Geld.

  6. jorgs meinte am 31.12.2012 um 16:32

    HaHü

    Ich möchte diesen Menschen samt Anhang nicht mehr sehen noch hören .
    Diese unrühmlichen Dauerentgleisungen sind einfach nicht tragbar , wo leben wir eigentlich,
    Deutschland oder Bananarepublik ?

  7. carlo de sicco meinte am 01.01.2013 um 23:11

    Ihre Sorgen um Bundespraesident a.D. Wulff moechte ich haben. Ich kenne Herrn Wulff nicht. Gelegentlich werde ich aber von Freunden in dessen Ferienvillen eingeladen und es ist mir noch nie in den Sinn gekommen, dafuer einen Zimmerpreis zu entrichten. Auch andere Gefaelligkeiten unter Freunden sind selbstverstaendlich. Solange nicht nachgewiesen ist, dass dafuer unrechtmaessige Gegenleistungen erfolgten, waren die Reaktionen bei Herrn Wullf unverhaeltnismaessig. Gerechtigkeitsfanatische Journalisten sollten eher die Luegen der Bush-Administration zitieren, wo der US- Praesident, der Aussen- und Verteidigungsminister mit massiven Luegen der Welt einen Krieg aufoktruiert haben, welcher hunderttausende Menschenleben gekostet hat.

  8. Rhoener meinte am 02.01.2013 um 18:46

    Die Bild und der Stern haben zur damaligen Zeit guenstigere Kredite aufgenommen als sie Herr Wulff bekommen hat. Wurde also bei der Presse jemand bestochen ??
    Herr Steinmeier bekommt fuer einen Vortrag einen Stundenlohn von 12.000 Euro. Das scheint der Presse normal. Eine von Freunden uebernommene Hoteluebernachtung ist nach Bild und Stern aber schon Erpressung !!!!
    Hier macht die Presse Politik und nichts anderes.

  9. K.H. Weber meinte am 05.01.2013 um 16:02

    Ich sage es mal so.
    In die Politik gehen normal nicht die charakterlich Besten.
    Wulff & McCo haben dies bewiesen.
    Sie tuen selbst so, als sie, diese Politiker die Weltenretter schlechthin.Dabei wollen sie nur
    Macht. Wulffige Damen und Herren – Danke es reicht – Wählen NEIN -
    Es wachsen zuviele dieser Wulffis nach.

  10. nikoch meinte am 05.01.2013 um 22:08

    herr wulff und konsorten haben es erfolgreicht versucht und geschafft die politik und ihre protagonisten in den bereich von banenanen politern zu bringen. weiter so! im nächsten leben werden wir alle so, oder alle unpolitisch. aber achtung!!! es hat schon einmal jemand gesagt kümmerst du dich nicht um die politik, so kümmert sie sich um dich. hatten wir das nicht alles schon mal?!!!!!!

  11. d. wolf meinte am 09.01.2013 um 10:20

    haben wir in Deutschland keine anderen Probleme.
    Wie viele Leute lügen, um sich Vorteile zu verschaffen, vom Bürger bis zum Abgeordneten.
    Lügen gehört zum Leben.

  12. Chris meinte am 09.01.2013 um 16:06

    Entlastende Fakten und widerlegte Vorwürfe finden kaum Platz bei Ihnen. Statt dessen trieft es vor Suggestionen und es wird zwanghaft versucht, etwas zu konstruieren.

    “Die Causa Christian Wulff – eine Chronologie | NDR.de – Regional …
    http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/hannover/wulff709.html12. Dez. 2012 – Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Hannover gibt es “keinen strafprozessualen Anfangsverdacht” gegen Wulff.”

    Nachdem zwei dutzend Beamte fast ein Jahr lang Wulff Leben auseinander genommen haben..: NICHTS!
    Wo ist die Rehabilitierung auf den Titelzeiten?!

    Sie haben sich zum doppelmoralisierenden Büttel der Bildzeitung gemacht und merken es noch nicht mal.

  13. Zauberkünstler meinte am 09.01.2013 um 21:10

    Und in fünf Jahren erinnert sich keiner mehr. Die Zeit ist schnelllebig und der Ruhm vergänglich.

  14. Schaefer meinte am 12.01.2013 um 10:06

    Qui bono (Wem nützt es)? Solche Schlagzeilen lassen sich immer gut verkaufen!

  15. Zauberer + Ballonkünstler MAGIC TH meinte am 19.02.2013 um 22:12

    Ja, es ist schon schade das wir an charakterfesten Persönlichkeiten einen Mangel haben.

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