Zappelphilipp…
Veröffentlicht in Bildbearbeitung,Hobbytip,Technik etc. von Michael Papendieck am 12.04.2012 um 12:14 Uhr

Nach vorherigem „moralischen“ Anflug, heute – Oh, Wunder – mal was fotografisches. Ja, ja. Der Laie staunt, der Fachmann wundert sich.

Gibt es Software-unterstütze Lösungen zuhauf, ist doch eine handgemachte Version irgendwie noch eine Herausforderung. Kalter Kaffee, alter Hut, langer Bart, sagen jetzt einige. Aber da handhaben wir es mal wie früher in der Schule. Wer sonst nichts zu tun hat, der widmet sich der stillen Selbstbeschäftigung. Und nachher kommen die Hefte raus zur LZK!

Worum geht’s also? Um bewegte Bilder. Nein, jetzt nicht so bewegt, dass man es Film nennen dürfte, aber zumindest so bewegt, dass man ebendiese im Bild auch erkennt. Dem einen oder anderen wird es im Laufe der Zeit vielleicht mal aufgefallen sein, dass ich mich desöfteren mit Leuten beschäftige, die ihre Wirkung eher durch die kontinuierliche Bewegung erzielen, denn durch eingefrorene Statik.

Beisst sich dort das Genre Tanz im Speziellen bzw. Bewegung im Allgemeinen mit der Fixierung auf einer zweidimensionalen Ebene ohne Zeitfaktor, versucht man doch hier und da, die Dynamik im Bild zu bannen. Sicher keine Neuerfindung, aber der eine oder andere murkst vielleicht im stillen Kämmerlein damit herum. Und vielleicht gibt’s ´nen kleinen Aha-Effekt. Wenn man hier zu Ende gelesen hat.

 

Kurz umrissen steckte folgende Vorgehensweise dahinter. Es ist eine Mischung aus Dauerlicht und Blitz. Soweit jetzt keine Kaffeesatzleserei. Begonnen mit der Suche nach der passenden Einstellung für das Dauerlicht, habe ich bei erhöhter Lichtempfindlichkeit von ISO 800 das voll aufgedrehte Einstelllicht des Blitzkopfes als Lichtquelle genommen. Blende 6,3, damit es einigermassen Tiefenschärfe gibt und dann eine halbe Sekunde Belichtungszeit.

„…Jetzt haut er auf die Kacke…“, werden nun einige sagen. Das hält man doch nicht ruhig. Halbe Sekunde? Ja, nee, is klar! Naja, normalerweise würde ich sofort zustimmen. Aber nun kommt ja der Blitz ins Spiel. Abgestimmt auf die lange Belichtungszeit ist der Blitz (Max-Leistung 600 Watt auf 1/64 der Leistung) so gut wie komplett runter geregelt, so dass es eben genau nicht nach „blitzdingsen“ aussieht, sondern genau ausreichend hell wird.

(Anm. d. Verf. : An der Stelle sei mal die Firma Canon angesprochen, warum denn zum Henker eine Kamera, die mehrere Tausend Euro kostet, sich nicht auf den 2.Blitzvorhang stellen lässt, wenn man eine Blitzanlage damit ansteuern will. Es geht nur bei einem firmeneignen Systemblitz. Dafür mal virtuell den Daumen ein bisschen runter. Ach, wenn eventuell jemand ´nen Tipp hat, wie das doch gehen kann. Ich bin ganz Ohr.)

 Der Effekt ist dann ersichtlich. Ein quasi „verwackeltes“ Bild in das der Blitz durch die sehr kurze Anblitzzeit ein stehendes „Zwischenbild“ stanzt. Wirkt fast wie eine Doppelbelichtung. Naja, und ist ja genau genommen auch eine. Durch Veränderung der Variablen „Belichtungszeit“ und/oder Schnelligkeit der Bewegungen kann man nun allerhand Varianten der ganzen Nummer austüfteln. Also wenn man Lust dazu hat.

In diesem Sinne

Es grüßt der Papendieck

Experimentalphysik….
Veröffentlicht in Bildgeschichte,Hobbytip von Michael Papendieck am 08.12.2011 um 18:09 Uhr

Manche Dinge gewöhnt man sich anscheinend nie ab. So wie ich früher in der Vorweihnachtszeit zwischen nachmittäglichen Tierdokumentation meiner Helden Sielmann und Grzymek und den frühabendlichen Speil- und Spaßsendungen wie Montagsmaler oder Dalli Dalli die Lego-Kisten ausschüttete, um vorsichtshalber zum 14. Mal die Anzahl aller 1´er, 2´er oder 4´er-Steine zu überprüfen, so veranlasst mich die doch recht zeitig einsetzende Dämmerung um diese Jahreszeit immer mal wieder, durch die binären Katakomben meiner Festplatten zu „stromern“.

Vielleicht liegt es an dem Plakat vom Staatstheater, an dem ich vorhin vorbei fuhr. Vielleicht liegt es an der nach wie vor herumgeisternden Idee, mit Tänzern etwas in der Stadt an ungewöhnlichen Orten zu shooten. Vielleicht liegt´s auch nur daran, dass das Archiv in Sachen Tanzbilder ein eher üppiges, aber irgendwie auch mal neue Sachen her müssten.

Bei der Durchsicht dieses oder jenes Ordners fiel mir etwas auf. Neben der Unzahl an Bildern, die dort schlummern. Im Wesentlichen hab ich da eher den Schock-Froster benutzt. Was das heissen soll?

Selbst den Seh- und Verstandes-Legastheniker sollte es klar sein, dass Bewegungen sich auf zweierlei Arten konservieren lassen. Eben als reine Bewegungen an sich. Mit all ihren optischen „Unzulänglichkeiten“ wie Unschärfe, Geschwindigkeit und unvermittelter Zufälligkeit.

Auf der anderen Seite eben die optische „STOP-Taste“, die den einen – meist den Betrachter – in Verzückung, und den anderen – meist den Ausführenden – erst in Unzufriedenheit und dann in Schweiß versetzt.

Letzteres treibt des Zuschauers Überaugenwülste mit staunender Anerkennung Richtung Fontanelle, je mehr dabei klar wird, dass das Gesehene irgendwie wider die physikalische Vernunft zu sein scheint. Das Wort Dynamik hingegen bringt man damit eher nur in homöopathischer Dosis in Verbindung.

Erst wischende Unschärfen und Schnelligkeit suggerierende Zwischenbilder unterstützen den an sich schon zum Scheitern verdammten Versuch, eine Bewegung im dreidimensionalen Raum auf einen mit dem Zeitraum Null-Komma-Nix ausgestatteten platten zweidimensionalen Bildträger zu zwingen.

Warum versucht man es trotzdem, obwohl man ganz genau weiss, dass es eh nie funktionieren wird? Weil in uns Knips-Süchtigen allen ein kleiner Buddhist verloren gegangen ist, der ständig meint, dass der Weg das Ziel ist.

„Versuch macht kluch!“, sagte schon der olle Newton, als er wieder und wieder gegen den Apfelbaum trat. Genau das kleine Quäntchen Experimentalphysik treibt in den Untiefen der Hirnwindungen sein Unwesen, nur um nochmal und nochmal ein Bild nochmal und nochmal zu versuchen.

Und da man da am meisten herum tüftelt, wo man sich am besten auszukennen scheint und angesprochen fühlt, liegt nichts näher, als dass ich mir das Tanzvolk in die Bude hole und mit Hüpfen, Drehen, Grätschen, Springen, Biegen, Knoten und Tralala genau das versuche. Nämlich eine schnell verderbliche „Ware“ wie Bewegung, die ja normalerweise zu dem Unfotografierbarstem ever – nämlich Musik – stattfindet, zu „konservieren“. Wäre ungefähr so als würde ich auf einen Fluss starren und hoffen, dass ich das gleiche Wasser noch einmal vorbei kommen sehe.

Viel Spass dabei auf jeden Fall. Soll ja ungemein beruhigen, habe ich mir sagen lassen. Und vielleicht kombiniere ich mal Musik, Tanz und Fluss in einem Bild. Als Allegorie der vergänglichen Dinge? Zu „eso“, oder? Naja, wie gesagt. Versuch macht kluch.

In diesem Sinne

Es grüßt der Papendieck

Von A bis Z…..Heute : T
Veröffentlicht in Foto-Alphabet,Hobbytip,Workshops von Michael Papendieck am 06.06.2011 um 17:27 Uhr

Ich mag es ja eigentlich nicht, wenn ich Menschen enttäuschen muss, aber jeder, der glaubte, dass heute zum Buchstaben T was über Titten zu lesen (und zu glotzen) wäre, wird leider seine Erwartungen nicht erfüllt sehen. Mässig erfreut wird der Voyeurist unter den Pseudo-Anspruchs-Aktfotografen abwinken, wenn der Papendieck „mal wieder“ Hupfdohlen zum Thema macht. Aber ich kann ja auch nichts dafür, wenn Tanz eben nun mal mit „TEH“ anfängt.

Warum ich das mal wieder herauskrame? Och, da gäbe es wohl allerhand, denke ich.

Ah-tens, weil der Blog schon im Wortsinn nun mal damit verknotet ist.

Beh-tens, weil man in dem Bereich immer Modelle fiindet, die sonst den ganzen Tag nichts anderes machen, als ihren Körper quasi „zu Markte“ zu tragen und das mit meistens mehr Anspruch im kleinen Zeh haben als so manches überschätzte und abknipste Modell, dass in Aushilfs-Tanzmanier den Eindruck eines sich elegant bewegenden nicht angezogenen Menschen durch mangelnde wahre Klasse nur noch weiter in die Richtung verschiebt, wo das Klischee des unzureichenden Portrait-Gesichtes die Ausziehwilligkeit exponentiell nach oben treibt. War zu kompliziert? Dann noch mal simpler. Titten raus ersetzt nicht die fehlende Gesamtqualität. So besser?

Und zeh-tens, weil mir neulich (mal wieder ) auffiel, dass Fotografieren wie Tanzen ist. Nur eben so ohne Anfassen und so. Gerade auch vor dem Hintergrund der Workshops, von denen einer jetzt erst am letzten Samstag war. Technik lässt sich ja bekanntlich recht klar strukturieren. Die Technik des „Mit-dem-Modell-Umgehens“ gestaltet sich aber dann gleich mal wesentlich komplizierter.

Wenn mantra-ähnliches Herunterbeten von Vorgehensweise und „Techniken“ nicht fruchtet, was macht der gute Didakt dann? Richtich! Er erklärt es noch mal. Anhand eines anderen Bildes. Also…

Man stelle sich vor, dass man eine gänzlich (persönlich) unbekannte Person trifft. Bei einer Tanzveranstaltung. Naserümpfende Männer seien mal an dieser Stelle erinnert, dass ihr echt punkten könnt, wenn ihr die Puppe mal zu ner Parkett-Schiebe-Veranstaltung ausführt. Egal, ob ihr ein Fred Astaire seid oder so eine Schranke wie Mario Gomez. Der Symbolcharakter ist dabei nicht zu unterschätzen. Der Versuch zählt! Und genau so ist bei einem Shooting. Versucht wenigstens mit der Dame vor der Kamera in einen gemeinsamen Rhythmus zu kommen. Und wenn´s nur quasi fotografischer Klammerblues mit dem Wanken von einem Bein aufs andere bedeutet. Aber wenigstens macht ihr es zusammen.

Von so Sachen wie „Führung“ will ich ja noch gar nicht sprechen. Erster Gedanke dabei wird wohl bei den meisten sein, das Mädel zu schicken, um sie von da nach dort über hier von da bis hierhin zu bewegen. Das sieht dann aber auch genau so aus. Man erinnere sich nur an diverse Dorfschützenfest-Tanzböden, wo schwer mit sich beschäftigte Hirschkönige mit der Miss Vize-Blaubeer-Prinzessin herumschlingern wie die angeschossene Bismarck und man eh den Eindruck gewinnt, die lassen sich von der Musik nicht aus dem Takt bringen und tanzen eher gegen- als miteinander. Lass euch das mal sagen. DAS ist nicht schön.

Fragt man sich nur, warum das einige Leute beim Fotografieren genauso machen? Er schuckelt den virtuellen Führungsarm in einem Rhythmus , den nur er hört. Sie schaut immer verdutzter aus der Wäsche – wenn sie noch welche anhat. Er bekommt das nicht mit und schuckelt immer stärker, mit dem Auftrag sie endlich dazu zu bewegen, das zu tun, was er eigentlich hinschuckeln wollte. Ich bin mir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sicher, dass das einfach in die Hose gehen MUSS!

Warum nicht einfach Kontakt aufnehmen, in dem man sich bewusst macht, dass die Frau vor einem, überhaupt nichts davon weiss, was in Kopf des Kamerahalters vorgeht. Aber bevor man jetzt flutwellenartige Redeschwälle zur Erläuterung über sie ergiesst. Stellt euch doch einfach mal entspannt hin. Steht der Knipser entspannt, ist das Modell entspannt. O.k., nicht zu entspannt, sonst schlackert die Lady durchs Bild, aber ihr wisst, was ich meine, denke ich. Wenn nicht, dann schaut euch ein Video von Monty Roberts an. Was bei so komplizierten Viechern wie Pferden funktioniert kann bei Frauen also auch nicht verkehrt sein. Körpersprache ist auch hier der Schlüssel zum Erfolg.

Ich weiss, dass das eigentlich noch komplizierter für den einen oder anderen als zu Sprechen, aber auf diesem Wege kann ich mein Modell bewegen, ohne ein Wort sagen zu müssen. Warum das geht. Weil das Modell nämlich aufmerksam sein muss, was ich tue. Auf was konzentriert sich die Dame also? Richtig! Auf mich. Und schon entsteht ein Austausch. Eine Verbindung. Also eben wie beim Tanzen. Ich machen einen Schritt. Passt die Dame nicht auf, trete ich ihr auf den Fuss. Passt sie auf und ich trete sie trotzdem, habe ich vergessen, ihr mitzuteilen, wo ich hin will.

Probiert´s mal. Ist ganz einfach. Und wem das zu komplex ist, der kaufe sich mal ein Pferd und übe solange damit, bis der Gaul ihm hinterher kommt. Ohne dass man ihm akustische Signale gegeben hat. Es klappt! Glaubt mir.

In diesem Sinne

Es grüßt der Papendieck

Nochmal!
Veröffentlicht in Allgemein,Bildgeschichte,Hobbytip von Michael Papendieck am 31.01.2011 um 10:03 Uhr

Auf Neu-Deutsch sogenannte „sequels“ verheißen ja bisweilen nicht immer eine Steigerung der Spannung oder Qualität, wenn man da nur mal an Matrix denkt. Häufig ist im ersten Anlauf alles gesagt, was zu sagen ist, der zweite Aufguss hat ein paar Extravaganzen in der Hinterhand, aber ab dann ist die Luft doch einfach raus.

Beim Fotografieren hat man es irgendwie einfacher. Vielleicht. Hier tritt keine (so schnelle) Ermüdung durch das Gesetz der Serie ein, sondern erfordert durch sich selbst schon eine stete Ansammlung weiterer Teile. Allerdings bedarf es aber auch eines guten Konzeptes, damit es auch tatsächlich eine Aussage hat. Man denke nur an das großartige Projekt „The Red Couch“ von Horst Wackerbarth, der mittlerweile über 6000 Menschen auf der ganzen Welt auf seinem Sofa hat Platz nehmen lassen. Wobei ja bei genauerem Hinsehen auch das stumpfe Aneinanderreihen völlig zusammenhangloser Bilder an sich schon das Konzept sein kann.

Man muss nur am Ende wen finden, der es versteht. So können ja auch eine Unzahl Fotos von plattgefahrenen Kröten einen Anlass für allerlei Interpretationen bieten, auch wenn man vielleicht aus einer reinen Bierlaune heraus mal damit angefangen hatte.

Denn oft genug ist der Beginn einer „Reihe“ eher ein Produkt der unsäglichen Geschwisterliebe von Zufall und Gelegenheit. So wollte der Zufall es, dass genau an dem Tag, wo diese Bilder hier gemacht wurden, sich das Modell endgültig dazu entschieden hatte, den Maßgaben ihrer Agenturen nicht mehr weiter nachzukommen und drauf geschi…….. hat, dass Aktfotos nicht „erwünscht“ sind.

Ebenso war die Gelegenheit gegeben, ein bestimmtes Möbelstück mit ins Bild einzubeziehen. Der unwägbare Faktor der Improvisation machte es notwendig, das besagte Möbelstück nicht in seiner eignen Funktion als Stuhl zu verwenden, sodass kurzerhand ein abstraktes „Stuhl-Bondage“ daraus wurde.

Für mich sind Accessoires in Bildern immer dann brauchbare, wenn sie eigentlich durch Strukturen, Materialien oder Formen an sich schon „einladen“ das Objekt nur für sich alleine fotografieren zu wollen. Dann „verkommt“ ein Modell schon mal zur Deko. Um so besser, wenn man eines wie die Dame hier grad zufällig in der Nähe hat. Seiner Funktion als Sitzmöbel quasi enthoben kann man so nun zur Tat schreiten und Körper, Objekt und Licht munter nach Gutdünken herum arrangieren.

Was das ganze nun mit einer Serie zu tun? Naja, ganz einfach. Neben der klassischen Definition, dass z.B. ein und dasselbe Accessoire – man denke auch hier z.B. an den Pümpel und das Spiegelei bei Tetsche – trotz unterschiedlichster Personen, Anlässe und Umfelder immer wieder irgendwo im Bild auftaucht, können sich Serien über eine Art Aufeinanderfolge von bestimmten Phasen ergeben. Quasi als ob man in Zeitraffung den Werdegang von etwas dokumentiert.

Der Eindruck stellt sich dann eh schon immer ein, wenn man hinterher eine gewisse Anzahl scheinbar ähnlicher Bilder beim Sichten der Ergebnisse durch die Vorschau flitzen sieht. Welche Bilder dann ausgewählt werden unterliegt manchmal tatsächlichen technischen Belangen. Oft genug aber auch momentaner Stimmung und individueller Sehgewohnheit.

In diesem Sinne

Es grüßt der Papendieck

Wer lang hat…
Veröffentlicht in Bildbearbeitung,Hobbytip,Technik etc. von Michael Papendieck am 11.10.2010 um 09:32 Uhr

….der kann auch mal lang hängen lassen.

Auf der Suche nach ungewöhnlichen Dingen trifft man hier und da auf Leute, die einen mit etwas überraschen, was man so zwar irgendwie „schon mal gehört hat“ oder „aus dem Fernsehen“ kennt.

 

Sicherlich keine Weltneuheit und keine Neuerfindung des Rades, aber eine nicht ganz unaufwendige Nummer, die bis dato vor meiner Kamera so noch nicht stattgefunden hatte. Und man muss ja auch immer erst mal einen „Aufhänger“ finden, damit man gepflegt „abhängen“ kann. Denn gut „abgehangen“ ist ja bekanntlich am besten und man vermeidet ´nen „Hänger“. Und mit der richtigen „Hanglage“ ist ja schnell herausgefunden, zu was man so einen „Hang“ hat….aber lassen wir das.

 Gut, nun ist es nicht schwierig, ein langes Tuch irgendwo hin zu bammeln, aber findet erst mal eine Dame, die darin so rumturnt. Und vor allem eine, die das ganze OHNE Klamotten macht.

Dank der ausreichenden Raumhöhe im neuen Studio konnten wir das Turntuch prima platzieren und munter drauf los machen. Ich habe ja nur mal ansatzweise versucht darin probehalber rum zu hampeln und muss sagen, dass mein Respekt der „performance“ gegenüber stetig gewachsen ist, denn es erfordert echt eine Menge Kraft und Leidensfähigkeit, sich in das Tuch zu hängen, zu wickeln und dann das Ganze auch noch mit Konzept zu tun, damit es cool aussieht. Vor allem, weil es eigentlich eine „Darbietung“ ist, die normalerweise wenig statische Elemente enthält und ihre Faszination neben der physischen Leistung aus der Dynamik und individuellen Bewegung des Tuches im dreidimensionalen Raum bezieht.

 

Ich will da auch gar nicht viel zu sagen, denn die Bilder sprechen mal wieder für sich, denke ich. Nur so viel – um den Technikgierigen gerecht zu werden. Wer so was vor hat, einfach ausprobieren. Euch fällt schon was ein.*grins*

Bilder lesen und mit den Augen klauen ist immer ein probates Mittel. Und wenn ihr zufällig ´ne große Softbox dabei habt, dann geht das schon massiv in die richtige Richtung.

In diesem Sinne…

Es grüßt der Papendieck.

Statische Dynamik, dynamische Statik – oder – Was denn nu?
Veröffentlicht in Sonderthemen,Technik etc. von Michael Papendieck am 03.06.2010 um 09:59 Uhr

Nicht selten bewegt sich das Motiv, welches man sich ausgesucht hat. Und noch häufiger ist es dann unscharf, verwischt, verwackelt. Bei spontanen Schnappschüssen gerne mal, aber auch bei halbwegs kontrollierten Bedingungen im Studio.

Für den Pixel-Chirurgen entsteht eine Datenleiche, die ruckzuck entsorgt werden will. Für den anderen ein schönes Beispiel für den „fixierten Moment“. Nichts ist ja eigentlich dabei paradoxer, als Bewegungen und dynamische Prozesse in einem statischen Bild festhalten zu wollen. Aber wie auch in anderen Bereichen, ist gerade der Perspektivenwechsel das für unser Auge spannende. Dinge, die sich unserer handelsüblichen Wahrnehmung entziehen.

Weil sie zu schnell, zu langsam, zu klein oder zu groß sind. Jeder schaut fasziniert hin, wenn die Kollegen von der großen Nordseeinsel mal wieder atemberaubende Zeitrafferaufnahmen vom Wachsen eines ganzen Frühlingswaldes präsentieren oder das Galileo-Team mit Eifer eine MG-Salve nach der anderen durch eine Wassermelone jagen und die Hochgeschwindigkeitskamera mitlaufen läßt. Aber! Es sind bewegte Bilder. Auf Fotos so also unmöglich, muss man dann den repräsentativsten Moment der ganzen Sache erwischen. Welcher das genau ist. Tja. Das muss man meist in einer Vielzahl an Wiederholungen „herauskristallisieren“.

Auch hier galt – wie immer – erlaubt ist, was gefällt. Allerdings gibt es zwei Fragen, an die man doch mal einen Gedanken verschwenden kann. Will man eine Bewegung einfrieren oder will man sie durch unterstützende Bewegungsunschärfe verdeutlichen? Jede Wahl zieht dann gewisse technische Einstellungen nach sich, die es dann noch zu beachten galt. Im Wesentlichen geht es um Belichtungszeiten und dabei ist es auch jedem klar, dass schnelle Bewegungen und lange Belichtungszeiten Unschärfen produzieren. Wie in dem Beispiel hier mit dem fließenden Wasser.

Und ohne technische Hilfsmittel wie z. B. ein Blitz wird es ab einer gewissen Verschlusszeit in Kombination mit zu wenig Licht selbst nicht allzu flottem Vorgehen einfach unmöglich, ein komplett scharfes Bild zu bekommen. Falls es doch geht, möge mir bitte jemand verraten wie.

Einfacher hingegen ist das Einfrieren von Bewegungen. Hier hilft die technische Unterstützung durch den Blitz und die kurzen Belichtungszeiten. Dabei kommt es weiter im Wesentlichen darauf an, einen aussagekräftigen „Moment“ zu erwischen. Man stelle sich mal ein schwingendes Pendel vor. Bei maximaler Auslenkung stoppt ein Pendel am jeweiligen Scheitelpunkt der Bewegung, um dann in genau die andere Richtung zurückzuschwingen. Das ist genau der Punkt, wo es „klick“ machen sollte.

Ähnliches gilt auch für dynamische Prozesse wie z.B. das Tanzen. Quasi am Ende der ausgeführten Bewegungen einfach ein Foto machen. Ist tatsächlich ganz einfach. Man muss sich vorher einfach mal etwas Zeit nehmen und Bewegungsabläufe beobachten. Dann fällt es einem leichter, bestimmte Dinge quasi „vorherzusehen“. Und der Rest ist mal wieder Ausprobieren, Experimentieren, Verwerfen und Wiederholen.

In diesem Sinne. Viel Spaß beim Tüfteln!

Es grüßt der Papendieck.