Hach, das war ja mal was. Die Hütte voll, aber man selber ist „nur“ die helfende Instanz im Hintergrund. So wuselten in den vergangenen Tagen ein Filmteam und ein Fotograf mit Assistenz durchs OKERWERK.
Ein fernöstliches Fernseh-Team gab sich die Ehre, um einen der wenigen Nippon-Legionäre, die in der ersten Division der Bundesliga kicken, hoch effektiv und dem – wie ich gelernt habe – typischen japanischen Pathos in Szene zu setzen.
Alleine um die Gepflogenheiten und den zwischenmenschlichen Umgang zu beobachten, war es jede Stunde wert, die man manchmal dabei einfach nur daneben steht. Als ungehobelter Germane rammt man förmlich dem ankommenden Japaner – weil man sich ja für gut erzogen hält – die ausgestreckte Hand zum Gruß entgegen. Ja, klar, weiss man ja. Es wird sich dort nicht die Hand gegeben. Verbeugen, der Position angemessen tief, ist das Mittel der Wahl.
Sicher. Aber die mitteleuropäische Lorenz´sche Prägung tut eben ihr übrigens und so irritiert wie man selber drauf wartet, dass der kleine freundlich lächelnde Samurai-Nachkomme endlich mal „einschlägt“, so verwirrt steht eben dieser auch da und greift nur zögerlich den barbarischen Gruß auf.
Schon lustig, was Schubladen so machen. Man denkt irgendwie automatisch an Shogun und an „Anjin-San“. Daran, dass die Jungs bestimmt alle Karate können, die Mädels in bodenlangen Seidenkitteln mit Kirschblüten im Haar herumlaufen, Hobby-Ninjas sind und ausschließlich Sushi essen. Tun sie vielleicht auch, aber was sie alle machen, ist extrem professionell und sehr höflich mit einander arbeiten. Jeder weiss, was er/sie zu tun hat. Und macht das auch so konzentriert entspannt. Aufmerksam und nie aufdringlich sieht sich jeder als Spezialist, der sich in ein Team einbringt.
Und so war ein zwischenzeitlicher 12-Stunden-Einsatz kein Anlass für persönliche Eitelkeiten oder einsetzenden „Hüttenkoller“, wie man das gerne bei hiesigen Selbstdarstellern aus dem Gerne erlebt.
So wie noch nie, hat bei uns im OKERWERK ein 7-köpfiges Team in Windeseile die Bude in ein Fernsehstudio verwandelt. Lichtaufbauten wurden gecheckt, technische Probleme nach Art eines Daniel Düsentriebs genial gelöst. Und das alles nur, um für den Moment vorbereitet zu sein, wenn der Star des Tages ankommt. Denn der soll ja nicht mit Warten oder gar „Problemen“ belästigt werden. Schlachtrufgleich peitschten sich die Leute förmlich ein, als es dann so weit war, und Makoto Hasebe, der Kapitän der japanischen Nationalmannschaft, im standesgemässen nachtschwarzen Dienstfahrzeug des VFL Wolfsburg vors Studio rollte.
Und nicht nur, dass ein Fernsehen-Team aus dem Reich der Kirschblüten bei uns herumwirbelte, ein eigens eingeflogener Fotograf aus London mit Assistenten drehte das Studio auf Links. Endlich mal was los, dachte ich mir. Ich glaube, wenn ich selber mal nicht so richtig weiss, was ich shooten soll, dann frage ich mal ´nen anderen Shooter, ob er Hilfe braucht. Ist super entspannt. Man selber ist nicht für die Idee verantwortlich, kann aber mal ein wenig herumbasteln und einfach mal über die Schulter schauen, wie jemand das „Problem“ Kundenauftrag angeht. Und gut unterhalten über dieses oder jenes kann man sich nebenbei auch.
Umso schöner, festzustellen, dass man ähnlich denkt und tickt. NATÜRLICH war auch Fussball ein Thema. Ein Brite und keine Affinität zum runden Leder? So unvorstellbar wie ein Japaner, der einen mit Schulterklopfen begrüsst. Der engagierte Kollege aus dem Vereinigten Königreich bestätigte mich in seiner Arbeitsweise auch mal wieder und in der Meinung, dass zuviel Herumtreiben in Foto-Foren schlecht´s fürs „Mo-Jo“ ist.
Spannend dabei war zu beobachten, wie doch der Kollege von der Insel den „Auftrag“ Portrait umsetzte. Bisweilen wird man eben doch betriebsblind, wenn man immer im Studio Mantra ähnlich seinen Strumpf runterspult. So hat David Matches, der auf ziemlich eindrucksvolle Art die Spieler des neuseeländischen Rugby-Teams auf Filmplatte bannte, akribisch am Licht gefeilt, gemessen, geschoben, gedreht, gebaut und verworfen. Ja, ja. Ich höre jetzt schon wieder einige sagen : „Siehste, würdest du das auch mal so detailliert angehen, würden deine Bilder auch was werden!“ Aber es werden auch genau sie sagen, die selbst MIT Vorbereitung ihre Bilder weiterhin nur einem unkritischen Buddy-Clan in der „Bilder-Gemeinschaft“ präsentieren und sich über den grünen Klee loben lassen. Gelle?
Eine Sache habe ich mir daraus gezogen. Ich arbeite demnächst auch nur noch mit Assi. Kameraeinstellungen ansagen und selber nicht mehr fummeln. Kamera aufs Stativ, Kabel dran und den zweiten Assi am Rechner auslösen lassen und selber nur den Bildausschnitt checken und sich nur aufs Modell konzentrieren. Ich glaube, das probiere ich auch mal!
Und wie das bei geplanten Dingen so ist. Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Und so geschah es, dass wir Zeuge eines förmlich historischen Momentes wurden, denn die Aussenaufnahmen mit dem dienstältesten Bundesliga-Japaners wurden kurzerhand ins heimische Eintracht-Stadion verlegt. Ich glaube, an anderer Stelle würde man das irgendwie „Ironie des Schicksals“ nennen. Oder so. Dank der minutiösen Vorbereitung von fotografischer und filmischer Seite wurden in der kurzen Zeit zig Einstellungen von der Liste abgehakt. Dabei das eindrucksvollste und wahrscheinlich bezeichnendste für die Arbeits- (und lebensphilosophischen) Denkweisen, war eine Szene, in der Makoto Hasebe ein Spruch-Banner schreib. Beinahe andächtig kniete er in der weissen Hohlkehle und schrieb mit einem Kalligraphie-Pinsel und japanische Tusche eine Art „Glück- und Segenswunsch“ für das kommenden Vorhaben, für das er als Experte hinzugezogen werden wird. Nämlich die Euro 2012. Es herrschte absolute Stille im Studio. Fast zwei Dutzend Leute verfolgten mit respektvollem Schweigen die Schreibmalerei.
Ich schätze mal, dass bei einem europäischen Team und ähnlicher Szene, die Leute im Hintergrund rum gequasselt hätte, weil sie wussten, dass dabei der Ton eh nicht mit aufgenommen wird.
Andere Länder, andere Sitten eben.
In diesem Sinne
Es grüßt der (diesmal nur assistierende) Papendieck
….Domo arigato








