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Experimentalphysik….
Veröffentlicht in Bildgeschichte,Hobbytip von Michael Papendieck am 08.12.2011 um 18:09 Uhr

Manche Dinge gewöhnt man sich anscheinend nie ab. So wie ich früher in der Vorweihnachtszeit zwischen nachmittäglichen Tierdokumentation meiner Helden Sielmann und Grzymek und den frühabendlichen Speil- und Spaßsendungen wie Montagsmaler oder Dalli Dalli die Lego-Kisten ausschüttete, um vorsichtshalber zum 14. Mal die Anzahl aller 1´er, 2´er oder 4´er-Steine zu überprüfen, so veranlasst mich die doch recht zeitig einsetzende Dämmerung um diese Jahreszeit immer mal wieder, durch die binären Katakomben meiner Festplatten zu „stromern“.

Vielleicht liegt es an dem Plakat vom Staatstheater, an dem ich vorhin vorbei fuhr. Vielleicht liegt es an der nach wie vor herumgeisternden Idee, mit Tänzern etwas in der Stadt an ungewöhnlichen Orten zu shooten. Vielleicht liegt´s auch nur daran, dass das Archiv in Sachen Tanzbilder ein eher üppiges, aber irgendwie auch mal neue Sachen her müssten.

Bei der Durchsicht dieses oder jenes Ordners fiel mir etwas auf. Neben der Unzahl an Bildern, die dort schlummern. Im Wesentlichen hab ich da eher den Schock-Froster benutzt. Was das heissen soll?

Selbst den Seh- und Verstandes-Legastheniker sollte es klar sein, dass Bewegungen sich auf zweierlei Arten konservieren lassen. Eben als reine Bewegungen an sich. Mit all ihren optischen „Unzulänglichkeiten“ wie Unschärfe, Geschwindigkeit und unvermittelter Zufälligkeit.

Auf der anderen Seite eben die optische „STOP-Taste“, die den einen – meist den Betrachter – in Verzückung, und den anderen – meist den Ausführenden – erst in Unzufriedenheit und dann in Schweiß versetzt.

Letzteres treibt des Zuschauers Überaugenwülste mit staunender Anerkennung Richtung Fontanelle, je mehr dabei klar wird, dass das Gesehene irgendwie wider die physikalische Vernunft zu sein scheint. Das Wort Dynamik hingegen bringt man damit eher nur in homöopathischer Dosis in Verbindung.

Erst wischende Unschärfen und Schnelligkeit suggerierende Zwischenbilder unterstützen den an sich schon zum Scheitern verdammten Versuch, eine Bewegung im dreidimensionalen Raum auf einen mit dem Zeitraum Null-Komma-Nix ausgestatteten platten zweidimensionalen Bildträger zu zwingen.

Warum versucht man es trotzdem, obwohl man ganz genau weiss, dass es eh nie funktionieren wird? Weil in uns Knips-Süchtigen allen ein kleiner Buddhist verloren gegangen ist, der ständig meint, dass der Weg das Ziel ist.

„Versuch macht kluch!“, sagte schon der olle Newton, als er wieder und wieder gegen den Apfelbaum trat. Genau das kleine Quäntchen Experimentalphysik treibt in den Untiefen der Hirnwindungen sein Unwesen, nur um nochmal und nochmal ein Bild nochmal und nochmal zu versuchen.

Und da man da am meisten herum tüftelt, wo man sich am besten auszukennen scheint und angesprochen fühlt, liegt nichts näher, als dass ich mir das Tanzvolk in die Bude hole und mit Hüpfen, Drehen, Grätschen, Springen, Biegen, Knoten und Tralala genau das versuche. Nämlich eine schnell verderbliche „Ware“ wie Bewegung, die ja normalerweise zu dem Unfotografierbarstem ever – nämlich Musik – stattfindet, zu „konservieren“. Wäre ungefähr so als würde ich auf einen Fluss starren und hoffen, dass ich das gleiche Wasser noch einmal vorbei kommen sehe.

Viel Spass dabei auf jeden Fall. Soll ja ungemein beruhigen, habe ich mir sagen lassen. Und vielleicht kombiniere ich mal Musik, Tanz und Fluss in einem Bild. Als Allegorie der vergänglichen Dinge? Zu „eso“, oder? Naja, wie gesagt. Versuch macht kluch.

In diesem Sinne

Es grüßt der Papendieck

Nochmal!
Veröffentlicht in Allgemein,Bildgeschichte,Hobbytip von Michael Papendieck am 31.01.2011 um 10:03 Uhr

Auf Neu-Deutsch sogenannte „sequels“ verheißen ja bisweilen nicht immer eine Steigerung der Spannung oder Qualität, wenn man da nur mal an Matrix denkt. Häufig ist im ersten Anlauf alles gesagt, was zu sagen ist, der zweite Aufguss hat ein paar Extravaganzen in der Hinterhand, aber ab dann ist die Luft doch einfach raus.

Beim Fotografieren hat man es irgendwie einfacher. Vielleicht. Hier tritt keine (so schnelle) Ermüdung durch das Gesetz der Serie ein, sondern erfordert durch sich selbst schon eine stete Ansammlung weiterer Teile. Allerdings bedarf es aber auch eines guten Konzeptes, damit es auch tatsächlich eine Aussage hat. Man denke nur an das großartige Projekt „The Red Couch“ von Horst Wackerbarth, der mittlerweile über 6000 Menschen auf der ganzen Welt auf seinem Sofa hat Platz nehmen lassen. Wobei ja bei genauerem Hinsehen auch das stumpfe Aneinanderreihen völlig zusammenhangloser Bilder an sich schon das Konzept sein kann.

Man muss nur am Ende wen finden, der es versteht. So können ja auch eine Unzahl Fotos von plattgefahrenen Kröten einen Anlass für allerlei Interpretationen bieten, auch wenn man vielleicht aus einer reinen Bierlaune heraus mal damit angefangen hatte.

Denn oft genug ist der Beginn einer „Reihe“ eher ein Produkt der unsäglichen Geschwisterliebe von Zufall und Gelegenheit. So wollte der Zufall es, dass genau an dem Tag, wo diese Bilder hier gemacht wurden, sich das Modell endgültig dazu entschieden hatte, den Maßgaben ihrer Agenturen nicht mehr weiter nachzukommen und drauf geschi…….. hat, dass Aktfotos nicht „erwünscht“ sind.

Ebenso war die Gelegenheit gegeben, ein bestimmtes Möbelstück mit ins Bild einzubeziehen. Der unwägbare Faktor der Improvisation machte es notwendig, das besagte Möbelstück nicht in seiner eignen Funktion als Stuhl zu verwenden, sodass kurzerhand ein abstraktes „Stuhl-Bondage“ daraus wurde.

Für mich sind Accessoires in Bildern immer dann brauchbare, wenn sie eigentlich durch Strukturen, Materialien oder Formen an sich schon „einladen“ das Objekt nur für sich alleine fotografieren zu wollen. Dann „verkommt“ ein Modell schon mal zur Deko. Um so besser, wenn man eines wie die Dame hier grad zufällig in der Nähe hat. Seiner Funktion als Sitzmöbel quasi enthoben kann man so nun zur Tat schreiten und Körper, Objekt und Licht munter nach Gutdünken herum arrangieren.

Was das ganze nun mit einer Serie zu tun? Naja, ganz einfach. Neben der klassischen Definition, dass z.B. ein und dasselbe Accessoire – man denke auch hier z.B. an den Pümpel und das Spiegelei bei Tetsche – trotz unterschiedlichster Personen, Anlässe und Umfelder immer wieder irgendwo im Bild auftaucht, können sich Serien über eine Art Aufeinanderfolge von bestimmten Phasen ergeben. Quasi als ob man in Zeitraffung den Werdegang von etwas dokumentiert.

Der Eindruck stellt sich dann eh schon immer ein, wenn man hinterher eine gewisse Anzahl scheinbar ähnlicher Bilder beim Sichten der Ergebnisse durch die Vorschau flitzen sieht. Welche Bilder dann ausgewählt werden unterliegt manchmal tatsächlichen technischen Belangen. Oft genug aber auch momentaner Stimmung und individueller Sehgewohnheit.

In diesem Sinne

Es grüßt der Papendieck

Wer lang hat…
Veröffentlicht in Bildbearbeitung,Hobbytip,Technik etc. von Michael Papendieck am 11.10.2010 um 09:32 Uhr

….der kann auch mal lang hängen lassen.

Auf der Suche nach ungewöhnlichen Dingen trifft man hier und da auf Leute, die einen mit etwas überraschen, was man so zwar irgendwie „schon mal gehört hat“ oder „aus dem Fernsehen“ kennt.

 

Sicherlich keine Weltneuheit und keine Neuerfindung des Rades, aber eine nicht ganz unaufwendige Nummer, die bis dato vor meiner Kamera so noch nicht stattgefunden hatte. Und man muss ja auch immer erst mal einen „Aufhänger“ finden, damit man gepflegt „abhängen“ kann. Denn gut „abgehangen“ ist ja bekanntlich am besten und man vermeidet ´nen „Hänger“. Und mit der richtigen „Hanglage“ ist ja schnell herausgefunden, zu was man so einen „Hang“ hat….aber lassen wir das.

 Gut, nun ist es nicht schwierig, ein langes Tuch irgendwo hin zu bammeln, aber findet erst mal eine Dame, die darin so rumturnt. Und vor allem eine, die das ganze OHNE Klamotten macht.

Dank der ausreichenden Raumhöhe im neuen Studio konnten wir das Turntuch prima platzieren und munter drauf los machen. Ich habe ja nur mal ansatzweise versucht darin probehalber rum zu hampeln und muss sagen, dass mein Respekt der „performance“ gegenüber stetig gewachsen ist, denn es erfordert echt eine Menge Kraft und Leidensfähigkeit, sich in das Tuch zu hängen, zu wickeln und dann das Ganze auch noch mit Konzept zu tun, damit es cool aussieht. Vor allem, weil es eigentlich eine „Darbietung“ ist, die normalerweise wenig statische Elemente enthält und ihre Faszination neben der physischen Leistung aus der Dynamik und individuellen Bewegung des Tuches im dreidimensionalen Raum bezieht.

 

Ich will da auch gar nicht viel zu sagen, denn die Bilder sprechen mal wieder für sich, denke ich. Nur so viel – um den Technikgierigen gerecht zu werden. Wer so was vor hat, einfach ausprobieren. Euch fällt schon was ein.*grins*

Bilder lesen und mit den Augen klauen ist immer ein probates Mittel. Und wenn ihr zufällig ´ne große Softbox dabei habt, dann geht das schon massiv in die richtige Richtung.

In diesem Sinne…

Es grüßt der Papendieck.

Statische Dynamik, dynamische Statik – oder – Was denn nu?
Veröffentlicht in Sonderthemen,Technik etc. von Michael Papendieck am 03.06.2010 um 09:59 Uhr

Nicht selten bewegt sich das Motiv, welches man sich ausgesucht hat. Und noch häufiger ist es dann unscharf, verwischt, verwackelt. Bei spontanen Schnappschüssen gerne mal, aber auch bei halbwegs kontrollierten Bedingungen im Studio.

Für den Pixel-Chirurgen entsteht eine Datenleiche, die ruckzuck entsorgt werden will. Für den anderen ein schönes Beispiel für den „fixierten Moment“. Nichts ist ja eigentlich dabei paradoxer, als Bewegungen und dynamische Prozesse in einem statischen Bild festhalten zu wollen. Aber wie auch in anderen Bereichen, ist gerade der Perspektivenwechsel das für unser Auge spannende. Dinge, die sich unserer handelsüblichen Wahrnehmung entziehen.

Weil sie zu schnell, zu langsam, zu klein oder zu groß sind. Jeder schaut fasziniert hin, wenn die Kollegen von der großen Nordseeinsel mal wieder atemberaubende Zeitrafferaufnahmen vom Wachsen eines ganzen Frühlingswaldes präsentieren oder das Galileo-Team mit Eifer eine MG-Salve nach der anderen durch eine Wassermelone jagen und die Hochgeschwindigkeitskamera mitlaufen läßt. Aber! Es sind bewegte Bilder. Auf Fotos so also unmöglich, muss man dann den repräsentativsten Moment der ganzen Sache erwischen. Welcher das genau ist. Tja. Das muss man meist in einer Vielzahl an Wiederholungen „herauskristallisieren“.

Auch hier galt – wie immer – erlaubt ist, was gefällt. Allerdings gibt es zwei Fragen, an die man doch mal einen Gedanken verschwenden kann. Will man eine Bewegung einfrieren oder will man sie durch unterstützende Bewegungsunschärfe verdeutlichen? Jede Wahl zieht dann gewisse technische Einstellungen nach sich, die es dann noch zu beachten galt. Im Wesentlichen geht es um Belichtungszeiten und dabei ist es auch jedem klar, dass schnelle Bewegungen und lange Belichtungszeiten Unschärfen produzieren. Wie in dem Beispiel hier mit dem fließenden Wasser.

Und ohne technische Hilfsmittel wie z. B. ein Blitz wird es ab einer gewissen Verschlusszeit in Kombination mit zu wenig Licht selbst nicht allzu flottem Vorgehen einfach unmöglich, ein komplett scharfes Bild zu bekommen. Falls es doch geht, möge mir bitte jemand verraten wie.

Einfacher hingegen ist das Einfrieren von Bewegungen. Hier hilft die technische Unterstützung durch den Blitz und die kurzen Belichtungszeiten. Dabei kommt es weiter im Wesentlichen darauf an, einen aussagekräftigen „Moment“ zu erwischen. Man stelle sich mal ein schwingendes Pendel vor. Bei maximaler Auslenkung stoppt ein Pendel am jeweiligen Scheitelpunkt der Bewegung, um dann in genau die andere Richtung zurückzuschwingen. Das ist genau der Punkt, wo es „klick“ machen sollte.

Ähnliches gilt auch für dynamische Prozesse wie z.B. das Tanzen. Quasi am Ende der ausgeführten Bewegungen einfach ein Foto machen. Ist tatsächlich ganz einfach. Man muss sich vorher einfach mal etwas Zeit nehmen und Bewegungsabläufe beobachten. Dann fällt es einem leichter, bestimmte Dinge quasi „vorherzusehen“. Und der Rest ist mal wieder Ausprobieren, Experimentieren, Verwerfen und Wiederholen.

In diesem Sinne. Viel Spaß beim Tüfteln!

Es grüßt der Papendieck.