<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Palmen, Strand, Bürgerkrieg</title>
	<atom:link href="http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg</link>
	<description>Just another Stern.gujpc Blogs weblog</description>
	<lastBuildDate>Thu, 29 Apr 2010 14:58:14 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.3.2</generator>
		<item>
		<title>Im Workshop</title>
		<link>http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/im_workshop/</link>
		<comments>http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/im_workshop/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 09 Mar 2010 11:10:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tobias Senzig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/2010/03/09/im_workshop/</guid>
		<description><![CDATA[Fortbildung ist wichtig, so sagt man. Eigentlich ist nur eines wichtiger, die Bildung an sich, ohne &#8220;fort&#8221;, die Grundlage quasi f&#252;r das &#8220;Weiter&#8221;. Willkommen also in der phantastischen Welt der Aus- und Weiterbildung, oder, wie wir personal trainer sagen: Dem Coaching, Training, Teaching, Skilling, Staffing in Seminars, Work Shops, Lessons, Exercises und Courses. (OK, eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Fortbildung ist wichtig, so sagt man. Eigentlich ist nur eines wichtiger, die Bildung an sich, ohne &#8220;fort&#8221;, die Grundlage quasi f&#252;r das &#8220;Weiter&#8221;. Willkommen also in der phantastischen Welt der Aus- und Weiterbildung, oder, wie wir personal trainer sagen: Dem Coaching, Training, Teaching, Skilling, Staffing in Seminars, Work Shops, Lessons, Exercises und Courses. (OK, eine Weiterbildung im englischsprachigen Raum zu besuchen und sich dann &#252;ber die vielen Anglizismen zu beschweren, ist zugegeben etwas hypocrite).</p>
<p>Rahmenbedingungen: Ein gro&#223;er internationaler Geldgeber hat wiederholt feststellen m&#252;ssen, da&#223; die Finanzberichte, die er von manchen seinen sierra leonischen Empf&#228;ngerorganisationen erh&#228;lt, h&#246;flich gesagt, unter aller Sau sind. Aus diesem Grund wurden alle Finanzler dieser Looser-NGOs zu einem Seminar gezwungen, bei dem sie die Grundrechenarten, den Dreisatz und das ABC lernen sollten. Ich war auch dabei. Nicht, da&#223; meine Organisation ihre Finanzen nicht im Griff h&#228;tte, sondern, weil ich schon immer einmal wissen wollte, was Finanzbuchhaltung eigentlich ist, und der Seminartitel &#8222;Taking the Fear out of Finance&#8220; mir als Pragmatiker und doch Intellektueller geradezu ins Auge sprang. Um eines vorweg zu nehmen: Das Seminar hielt, was es versprach, die Saloneans haben einmal mehr unter Beweis gestellt, was f&#252;r ein ausnehmend nettes und mitf&#252;hlendes V&#246;lkchen sie sind, es wurden jede Menge Post-Its, Eddings und A2-Pr&#228;sentations-Bl&#228;tter verbraucht, und es ist schier unglaublich, was f&#252;r Broten in diesem Land Finanzen anvertraut werden.</p>
<p>Das Seminar fand in einem von Freetowns Top-Hotels statt, und hier mu&#223; man einige semantische Vorsicht walten lassen, denn &#8222;Top-Hotel&#8220; meint &#8222;top&#8220; im Sinne von &#8222;Preis&#8220; ist, und nicht im Sinne von &#8222;gut&#8220; oder &#8222;ultra-komfortabel&#8220;. Da es in diesem Land 10 hoch 4 bis 5 seminargeile NGO-Mitarbeiter gibt, aber nur zehn Hotels ausgestattet sind mit etwas, das sich als Konferenzraum bezeichnen lassen kann, k&#246;nnen sich diese raren Fazilit&#228;ten preislich wirklich alles herausnehmen. Hinzu kommt mein nicht wirklich unbegr&#252;ndeter Verdacht, da&#223; sowieso alle Hotels in der Hand von a) einem einzigen Regierungsmitglied, b) einem einzigen britischen Investor, c) einer einzigen libanesischen Familie sind. Und dann sind da ja noch so tolle Organisationen wie &#8222;Safe the poor Children WORLDWIDE&#8220;, &#8222;Safe the real poor Children WORLDWIDE&#8220;, &#8220;Safe the real poor cute African Children WORLDWIDE&#8221; und der ganze UNO-Zirkus, die so unglaublich viel Kapital in Ihren Budgetlinien (gerade erst gelernt!) f&#252;r Training haben, da&#223; sie einfach f&#252;r alles, was nach Seminar aussieht, prinzipiell das Doppelte hinlegen, zum Beispiel weil in New York nicht viele wissen, da&#223; ein &#8222;W&#252;rstchen im Schlafrock&#8220; f&#252;r 10,000 Leone tats&#228;chlich blo&#223; 2 Dollar fuffzich kostet, 10.000 Leone tats&#228;chlich aber auch in etwa dem Tageslohn eines Lehrers hier entsprechen, und man mithin mit einer Platte Schnittchen oder dem K&#228;se-Igel mit Salatbl&#228;ttern etwas naiv gerechnet eine mittlere Realschule f&#252;r zwei Monate am unterrichten lassen kann. Die ganze Chose w&#228;re ja moralisch um einiges unbedenklicher, wenn die ganzen Eink&#252;nfte solidarisch unter Belegschaft, Kolchose oder zumindest Vater Staat aufgeteilt werden w&#252;rden, aber das bezweifle ich an dieser Stelle doch stark, und die Angestellten bekommen den selben Hungerlohn wie jeder andere in diesem (nicht nur) arbeitsrechtlich geschundenen Land.</p>
<p>Na, da sind wir wieder beim hypocrit, schlie&#223;lich war unsereins ja auch stolzer Seminarist und hat obigem Igel so manchen Stachel entrissen. Ich will auch nicht das Gef&#252;hl aufkommen lassen, da&#223; mein Seminar nicht gut war, im Gegenteil, das war, am Publikum gemessen, das Sinnvollste, was man sich &#252;berhaupt vorstellen kann, und, und das ist wichtig wichtig wichtig, die Menschen hier brauchen Bildung Bildung Bildung, und in so einem Seminar wird sie optimal vermittelt. Trotzdem verleitet einen der pure Neid zu Hasstiraden gegen die vielen anderen Seminare, die man eben NICHT selber besucht hat; das alleine macht sie ja schon nutzlos.</p>
<p>Es ist ja nun mal so, da&#223; man sich bei manchen NGOs wirklich fragt, WAS sie &#252;berhaupt machen, au&#223;er mit gro&#223;en wei&#223;en Gel&#228;ndewagen durchs St&#228;dtchen zu fahren, oder in den Supermarkt. Gott bewahre, ich will hier keine Namen nennen, aber so lange ich nicht selber einen gro&#223;en wei&#223;en Gel&#228;ndewagen zum an-den-Strand-ein-Bier-zischen-fahren habe, werd ich meckern, jawohl.</p>
<p>Der Seminarbeginn ist afrikatypisch f&#252;r 8 bis 8.30 Uhr angesetzt und findet dann tats&#228;chlich gegen 9 Uhr statt. Stopp. Bevor mir hier jetzt irgendjemand unglaublicherweise einen Stereotyp nachweisen will: Es ist wirklich so. Das liegt nicht daran, da&#223; der Afrikaner an sich ein unp&#252;nktlicher Mensch ist, sondern schlichtweg daran, da&#223; man in dieser Stadt einfach nicht voraussagen kann, wie lange man von Punkt A (Bett) zu Punkt B (Seminar) braucht. Diese Formel h&#228;ngt von so unglaublich vielen Faktoren ab (Bus finden, Taxi Finden, Motorrad finden, Stau, Polizeikontrolle, Stau, Unfall, Stau, Stra&#223;e weg, Stau, Verfahren, Reifenpanne, Hotel nicht gefunden, etc, pp.), da&#223; der Zeitrahmen einer m&#246;glichen Ankunft am Zielort mindestens eine Stunde breit ist, wenn nicht mehr, und das gilt f&#252;r alle Rassen, St&#228;mme, Geschlechter und Steuerklassen (au&#223;er denen mit den wei&#223;en Gel&#228;ndewagen vielleicht).</p>
<p>Wenn jemand in Deutschland zu sp&#228;t kommt, mit der Entschuldigung &#8222;Sorry, stand im Stau wegen des schrecklichen Unfalls da im Westen, und dann ist dem Bus der Reifen geplatzt und dann die Achse gebrochen und dann haben wir uns &#252;berschlagen, die letzten zehn Kilometer bin ich zu Fu&#223; gegangen&#8220;, dann wird er aber mal ganz h&#246;flich zum Herrn Direktor zitiert, oder zum Oberstufenleiter, ob er denn noch alle Sitze im Podapoda hat, um diesen Sarkasmus hier in unserer Sunshine-Company an den Tag zu legen. In Sierra Leone zuckt man mit der Achsel und/oder klopft sich auf die Schulter, da&#223; man diesmal Gl&#252;ck gehabt hat mit dem Transport und wartet auf den n&#228;chsten Zusp&#228;tkommer.</p>
<p>Unsere Referentin Polly war eine d&#252;nne, br&#252;nette Engl&#228;nderin unbestimmbaren Alters, deren Haut verschiedenste Farbnuancen annehmen konnte, die allesamt irgendwie fahl aussahen und niemals wirklich gesund. Ich vermutete, da&#223; dies das Resultat von 30 Jahren Dauerbeschu&#223; afrikanischer Sonne auf Wei&#223;brothaut war und machte mir in meinem Telefon die Notiz, meinen Hautarzt in Deutschland aufzusuchen, wenn ich dort bin. Mein chronischer Hitzeausschlag, den ich seit fast einem Jahr auf allen entbl&#246;&#223;ten Stellen mit mir herumtrage, ist n&#228;mlich inzwischen nicht mehr einfach nur eine Matte roter Punkte sondern hat sich auf irgendeine Weise zu eine Art sanfte H&#252;gellandschaft versteinert, deren Gipfel rot aufleuchten, wenn ich den Arm in die Sonne halte. Da Narben bei M&#228;nnern bekanntlich von Charakter und Weltgewandtheit zeugen, fand ich meinen Ausschlag bis jetzt ganz cool. In Anbetracht von Polly werde ich nun trotzdem Doktor M. aufsuchen, den Pickelzauberer, wie ich ihn nenne.</p>
<p>Bis auf ihre Haut, das mu&#223; ich an dieser Stelle einmal sagen, war Polly phantastisch. Sie sprach allerfeinstes Oxford-Englisch, oder besser: eine Basis-Version davon, die man tats&#228;chlich und Wort-f&#252;r-Wort verstehen konnte, sie war streng und hatte dabei eine Engelsgeduld f&#252;r selbst die allerbl&#246;desten Fragen, die gr&#246;&#223;tenteils von mir gestellt wurden, und die absurden Diskussionen, die jederzeit und mit gro&#223;er Vehemenz und Hartn&#228;ckigkeit im salonischen Lager ausbrechen konnten.</p>
<p>Die16 Seminarteilnehmer konnte man grob in drei verschiedene Gruppen einteilen: Die Fachm&#228;nner, die zu allem und jedem etwas zu sagen hatten, die NIchttssager, die zu allem und jedem nichts zu sagen hatten, und die keep-it-easy-Typen, die alle Diskussion mit einem gewissen wissenden Schmunzeln kommentierten und in den Pausen lieber &#252;ber die Abendplanung als Seminarinhalte plauderten. Ich selber wechselte diese Gruppen mehrmals t&#228;glich, was unter anderem auch gesundheitliche Gr&#252;nde hatte, aber dazu mehr.</p>
<p>ALLE diese Spezies hatten gemein, da&#223; sie offenbar nicht wu&#223;ten oder nicht wahrhaben wollten, da&#223; sie an diesem Seminar teilnehmen, weil ihre pers&#246;nliche Qualifikation im Finanzbuchhalten einfach katastrophal war. Sprich: H&#228;tten sie ihre Arbeit gut gemacht, w&#252;rden sie jetzt nicht hier sitzen. Diese Tatsache wurde aber mit einer Selbstverst&#228;ndlichkeit und einem Selbstbewu&#223;tsein ignoriert, das mir fast schon unheimlich war. Ersichtlich war diese Kunst des Ignorierens an den st&#228;ndig aufflammenden Diskussionen &#252;ber nichts und wieder nichts. Es ging bei diesen Diskussionen einfach und allein darum, wer die meisten Fremdw&#246;rter in einen Satz packen konnte, ohne auch nur ansatzweise zu wissen, was diese Fremdw&#246;rter &#252;berhaupt bedeuten. Das meine ich nicht &#8222;anschaulich &#252;bertrieben&#8220;, &#8222;sarkastisch&#8220; oder &#8222;zynisch&#8220;, sondern wortw&#246;rtlich.</p>
<p>Es erinnerte mich entfernt an meine Uni-Zeiten, wo es immer irgendwo einen Dummschw&#228;tzer gab (zugegeben, nicht selten ich selbst), der f&#252;nf Minuten vor der gro&#223;en Pause noch eine Frage/einen Kommentar loswerden wollte, der nicht im Geringsten zum Seminarinhalt beitrug, sondern immer nur den pers&#246;nlichen Eitelkeiten der jeweiligen Person zu schulden war, der Prahlerei, Angeberei und dem sich-&#252;ber-andere-stellen-Wollens, mithin selbst &#252;ber den Dozenten selbst, was wirklich dumm war, aber heutzutage ja Usus, Uzo und Policy in s&#228;mtlichen unserer unterbelichteten deutschen Bildungseinrichtungen ist.</p>
<p>Die Spezies der Fachm&#228;nner im Seminar war ausschlie&#223;lich mit M&#228;nnern aus den F&#252;hrungsetagen besetzt: Senior Accountants, Senior Financial Managers, etc, pp. Ehrlich gesagt: W&#228;re ich ein Senior Financial Manager mit 20 Jahren Berufserfahrung, der gerade im Seminar &#8222;Finanzen f&#252;r Dummies&#8220; beigebracht bekommt, wie man ein Budget aufstellt, oder was eine Kostenstelle ist, oder wie man Prozente ausrechnet &#8211; ich w&#252;rde mich sch&#228;men. Ich w&#252;rde mich fragen: Was hab ich eigentlich die letzten 20 Jahre gemacht? Wieso habe ich meinen Job noch? Nicht so die Herren Fachm&#228;nner. Mit der Ernsthaftigkeit des Generalstabs in der Wolfsschanze, der gerade erf&#228;hrt, da&#223; es in Stalingrad nicht l&#228;uft und der mathematischen Selbstgerechtigkeit von Pythagoras, halb Athen und dem Erfinder des Dezimalsystems diskutierten die Fachm&#228;nner den Dreisatz, oder &#8211; mein pers&#246;nlicher Favorit &#8211;, die wissenschaftliche Frage, ob Minus plus Minus Plus ergibt (ja, richtig gelesen, Minus PLUS Minus).</p>
<p>Eine Unterkategorie der Fachm&#228;nner stellten die Wiederhohler da. Dabei handelte es sich um immer die selben drei Menschen, die auch seltsamerweise immer auf alle Tische verteilt waren. So hatte man an jedem Tisch immer mindestens einen neben sich sitzen. Ein Wiederhohler zeichnete sich durch das verbale zustimmende Wiederholen von allem Gesagten aus. Sagte Polly beispielsweise: &#8222;Ordnung ist f&#252;r die Finanzbuchhaltung essentiell&#8220;, so sagen alle Wiederhohler im Chor: &#8222;Essentiell, genau.&#8220; Wichtig ist dabei, immer das Wort &#8222;genau&#8220; am Ende eines Satzes zu benutzen (im Englischen: &#8222;Yes&#8220;). Das Unterstreicht den Eindruck, als h&#228;tte man das vorher Gesagte sowieso gewu&#223;t und nur darauf gewartet, da&#223; es endlich erw&#228;hnt wird. Irgendwie wie in der m&#252;ndlichen Pr&#252;fung in der Politikwissenschaft: Der Pr&#252;fer fragt zum Beispiel: &#8222;Was definiert die Au&#223;enpolitik Westdeutschlands?&#8220; Der Pr&#252;fling: &#8222;Die Westbindung.&#8220; Pr&#252;fer (etwas abwesend in die Notizen blickend): &#8222;Westbindung, genau..&#8220; Pr&#252;fling: &#8222;Einbindung in Internationale Organisationen&#8220;. Pr&#252;fer: &#8222;Internationale Organisationen, genau..&#8220;</p>
<p>Selbstverst&#228;ndlich wei&#223; der Pr&#252;fer das alles, sonst k&#246;nnte er ja nicht pr&#252;fen! Im Seminar sollte es aber doch umgekehrt sein. Nicht so bei &#8222;Finanzen f&#252;r Dummies&#8220;. Am besten waren deshalb auch immer die rhetorischen Fragen von Polly: &#8222;Denkt ihr, da&#223; man auch mal das Konto eines anderen Geldgeber belasten kann, wenn das Budget nicht ausreicht?&#8220; Wiederhohler-Antwort (nickend) &#8222;Anderes Konto belasten, logisch.&#8220; Polly: &#8222;Selbstverst&#228;ndlich nicht!&#8220; Wiederholer: &#8222;Auf gar keinen Fall, genau..&#8220;</p>
<p>Mitte des zweiten Tages bekam ich Zahnschmerzen. Nicht so ein kleines Ziehen rechts unten, wie &#8222;wenn zu kaltes oder zu hei&#223;es&#8220; auf den Zahn trifft, sondern richtig &#252;ble, b&#246;se Zahnschmerzen auf der kompletten rechten Seite. Ich konnte mich f&#252;r keinen Fatz mehr konzentrieren und war mir zudem bewu&#223;t ein Kilometer Fu&#223;weg vom n&#228;chsten Medikamentendealer entfernt zu sein. Ich verlie&#223; den Seminarraum, weil die Schmerzen fast unertr&#228;glich waren und rauchte auf der Terrasse eine Zigarette, um in Ruhe zu eruieren, was ich denn nun machen w&#252;rde. Gl&#252;cklicherweise sah der Rezeptionist mein Leiden und fragte mich, was denn los sei. Er versprach, einen Burschen loszuschicken, um mir Paracetamol zu besorgen. Eine halbe Stunde sp&#228;ter rief mich der Rezeptionist aus dem Seminarraum und &#252;berreichte mir 20 Paracetamol 500mg. Er gab mir auch noch den Tipp, das Paracetamol zu zerbei&#223;en und auf dem Zahn zu verteilen, was ich aber nicht f&#252;r medizinisch ratsam hielt. Ich weinte trotzdem fast vor Gl&#252;ck. Ich schluckte eine von den Dingern sofort und zerbi&#223; eine zweite und verteilte sie unter den Z&#228;hnen, weil mir vor Schmerzen wirklich alles schei&#223;egal war. Das Paracetamol brachte nicht wirklich was. Paracetamol bringt bei mir eigentlich fast nie wirklich was.</p>
<p>Meine Seminarkollegen kamen in der Pause fast im Kollektiv zu mir, um mich zu bemitleiden. Was f&#252;r nette Leute. Einer sagte sogar: &#8222;Heute abend geht&#8217;s Dir wieder gut, ich verspreche es Dir. Heute Abend wirst Du lachen und am Strand ein Bier trinken.&#8220; Das ist der Grund, warum ich dieses Land so mag. Und in diesem Moment war ich auf eine gesunde, freundschaftliche Weise verliebt in alle meine Kollegen.</p>
<p>Nach dem Seminar ging ich zu meinem Fachapotheker um die Ecke. Mein Fachapotheker war schonmal in Wuppertal und ist mit der Schwebebahn gefahren. Davon abgesehen wei&#223; er wirklich, wovon er redet. Ich vertraue meinem Fachapotheker mehr als jedem anderen praktizierenden oder auch nur lebenden Arzt in diesem Land. Nachdem ich meinem Fachapotheker mein Leid geklagt hatte, verschwand er in einem Kabuff im hinteren Teil seines Ladens, vermutlich dorthin, wo der wirklich harte Stoff aufbewahrt wird. Er kehrte mit einem T&#252;tchen mit zehn Pillchen eines Medikaments namens &#8222;Tramadol&#8220; zur&#252;ck und sagte, ich solle davon bitte bitte nur eine, h&#246;chstens zwei, pro Tag nehmen. Ich nahm noch in seiner Gegenwart eine Tablette und schlief wie die darauffolgende Nacht wie ein Baby.</p>
<p>Am n&#228;chsten Morgen wachte ich wirklich ausgeschlafen auf und machte mich auf den Weg zum Top-Hotel. Dort angekommen schmi&#223; ich meinen n&#228;chsten Tramadol-Trip, immer noch nicht wissend, was ich da eigentlich nahm. Nach etwa 30 Minuten bemerkte ich dann seltsame Ver&#228;nderungen in meiner Konzentrationsf&#228;higkeit und meiner der F&#228;higkeit, die Augen offen zu halten. Mein Bewu&#223;tsein machte seltsame Aussetzer. Einmal fiel ich sogar mit dem Kopf auf den Tisch. Dann ging es wieder f&#252;r f&#252;nf Minuten. Dann wieder Black-Out. Ich beschrieb die Situation der guten Polly, die meinte, das w&#228;re normal wenn man Tramadol, also quasi ein Opiat n&#228;hme. Ein Was?! Da hatte mir mein Wuppertaler Apotheker doch tats&#228;chlich sowas wie Opium gegeben &#8211; f&#252;r 12 Cent die Pille wohlgemerkt.<br />
Die Mittagspause verbrachte ich ratzend auf einem Liegestuhl am Pool. Den Nachmittag war ich als eine Art Nebelhorn im Seminarsaal unterwegs, da&#223; immer laut tutete, wenn es kurz wach wurde. Immerhin waren die Zahnschmerzen weg.</p>
<p>Am Ende bekamen wir noch tolle Zertifikate. Laut denen hatten wir alle dankenswerterweise nicht dem Seminar &#8222;Finanzen f&#252;r Dummies&#8220; sondern &#8222;Finanzbuchaltung f&#252;r Nichtregierungsorganisationen&#8220; beigewohnt. Ich freu mich schon wie Bolle auf die n&#228;chste Weiterbildung.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/im_workshop/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>22</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Stadtverkehr: Hin und Her</title>
		<link>http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/stadtverkehr_hin_und_her/</link>
		<comments>http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/stadtverkehr_hin_und_her/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 26 Jan 2010 11:48:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tobias Senzig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/2010/01/26/stadtverkehr_hin_und_her/</guid>
		<description><![CDATA[Wenn Du von Freetown irgendwohin fliegen m&#246;chtest, dann, mein Lieber, dann kannst du aber mal fr&#252;h aufstehen. S&#228;mtliche Fl&#252;ge gehen sp&#228;t am Abend oder mitten in der Nacht. Der Flughafen ist auf der anderen Seite der Bucht. Um da hinzukommen, mu&#223; man die F&#228;hre benutzen. Und um zur F&#228;hre zu kommen, mu&#223; man in den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><b>Wenn Du von Freetown irgendwohin fliegen m&#246;chtest, dann, mein Lieber, dann kannst du aber mal fr&#252;h aufstehen. S&#228;mtliche Fl&#252;ge gehen sp&#228;t am Abend oder mitten in der Nacht. Der Flughafen ist auf der anderen Seite der Bucht. Um da hinzukommen, mu&#223; man die F&#228;hre benutzen. Und um zur F&#228;hre zu kommen, mu&#223; man in den Ostteil der Stadt. Die letzte F&#228;hre f&#228;hrt um sechs. Der F&#228;hre ist es egal, ob Dein Flug um 20 Uhr geht oder um 4 Uhr morgens. Die letzte F&#228;hre f&#228;hrt um sechs.</b>
<p />
<p /><span id="more-22"></span>Der wohlhabende Gro&#223;stadtbewohner steigt um 15 Uhr in seinen SUV, dreht die Klimaanlage auf, f&#228;hrt aus der Garage und stellt sich gem&#252;tlich hinten an, im Stau nach Osten. Mit etwas Gl&#252;ck ist er um 17.30 Uhr am F&#228;hrterminal und kriegt einen Platz f&#252;r sich und seine Protzkarre. Da bleibt er dann nat&#252;rlich auch drin sitzen, damit keiner einen Kratzer rein macht oder die Koffer klaut oder sonstwie bl&#246;de guckt.
<p />
<p>Der T Punkt S Punkt hat um 15 Uhr noch nichtmal seine Koffer gepackt. Der T Punkt S Punkt braucht Action, Druck, Fever. Der T Punkt S Punkt rennt viel lieber um 17.15 Uhr hysterisch auf die Stra&#223;e und schreit &quot;Okada! Motorrad! Motorrad! Zwei!&quot;.</p>
<p />
Wenn er zwei arme Seelen gefunden hat, die das Risiko eingehen wollen, ihn, Frau und seine zw&#246;lf Reisekisten auf einem einsfuffzich langem Zweirad zu transportieren, dann erkl&#228;rt er ihnen erstmal, da&#223; er dringen zur F&#228;hre mu&#223;, wegen Flug. Machen wir quick-quick, es gibt auch Extra-Tip, aber, allerdings, kleine Herausforderung, wir m&#252;ssen zur erst zu den Falschgelddealern in der Innenstadt, der T Punkt S Punkt hat n&#228;mlich keinen m&#252;den Leone mehr, da m&#252;ssen wir eben mal kurz exchange, weil sonst gibts ja auch kein Bier am Airport und die F&#228;hre is ja auch nicht f&#252;r Lau, oder wie, das Ganze k&#246;nnte also ein bischen small small in &#252;belstes Gehetze ausarten.</p>
<p />
Alsdann wird hoppla-di-hopp die Frau auf das eine Gef&#228;hrt gesetzt, mit dem Rucksack und dem kleinen Koffer. Der T Punkt S Punkt steigt auf das andere  auf und wuchtet h&#246;chstselbst die 40-Kilo-Kiste mit den Mitbringsels f&#252;r Mama, Papa, Patenkind zwischen Bierbauch und Motorradfahrerr&#252;cken, und dann gehts erstmal ganz decent in die City, wo der T Punkt S Punkt aber gaaanz in Ruhe und eisenhart, wie er nunmal ist, den korrrrrektn Wechselkurs verhandelt, denn, und das ist an dieser Stelle essentiell zu erw&#228;hnen, a) die Geldf&#228;lscher werden dem T Punkt S Punkt nie mehr einen guten Kurs gew&#228;hren, wenn er auch nur einmal kneift und b) Motorradfahren in Freetown macht nur Spa&#223;, wenn man es eilig hat.</p>
<p />
Und dann gehts los, aber durch F-Town-Ostende, rechts ist Gas, und zwar Vollgas und zwischen allen stehenden Stauautos durch, Achtung, Gegenverkehr, Motorrad, den Koffer vooorsichtig balancieren, nochmal Motorrad, Fu&#223;g&#228;nger, zweimal gehupt, dem Kerl was &#252;bles nachgebr&#252;llt, von der Haupstra&#223;e nach rechts abgebogen, durch die zwei Meter breite Fu&#223;g&#228;ngerzone geht&#8216;s n&#228;mlich schneller, mu&#223; man wissen, besonders, wenn Markt ist. Vorsicht, Stra&#223;enk&#246;ter. Ziege von links. Alles klar. Rauchen Sie? St&#246;rt es Sie, wenn ich..? Achja, der Koffer. Da vorne blockiert ein LKW die Gasse. Ach, da an der Seite passen wir durch? Tats&#228;chlich. Handkarren von rechts. Bullenwanne von Vorne. Jo, besser abbiegen, ne? H&#228;h&#228;. Wieder Hund. Wieder Ziege. Vielleicht nicht GANZ so schnell an den Autos vorbei, wenn da einer aussteigt.. Stopp, der Br&#246;tchenverk&#228;ufer. Nein Danke, keine Hiphop-CD. Und auch keine Kaugummiiiiiiissss.</p>
<p />
So schafft man es dann innerhalb von 30 Minuten zur F&#228;hre. Wieder etwas mehr Lebenszeit herausgeholt. Zugegeben, es ist nach sechs, aber die F&#228;hre f&#228;hrt dann irgendwie doch erst um sieben.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/stadtverkehr_hin_und_her/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>9</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Auf Klo in Bo</title>
		<link>http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/auf_klo_in_bo/</link>
		<comments>http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/auf_klo_in_bo/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 12 Nov 2009 01:02:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tobias Senzig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/2009/11/12/auf_klo_in_bo/</guid>
		<description><![CDATA[Im Sierra Leonischen &#8218;Government-Bus&#8216; geht es laut zu, wer h&#228;tte das gedacht. Der Bus braucht vier bis f&#252;nf Stunden von Freetown bis nach Bo, wovon zirka anderthalb f&#252;r diverse Zwischenstopps in Freetown anzurechnen sind. Es werden Leute eingeladen und die obligatorischen H&#252;hner, es wird Brot gekauft und Eier und Maiskolben und Bier, f&#252;r die nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Sierra Leonischen &#8218;Government-Bus&#8216; geht es laut zu, wer h&#228;tte das gedacht. Der Bus braucht vier bis f&#252;nf Stunden von Freetown bis nach Bo, wovon zirka anderthalb f&#252;r diverse Zwischenstopps in Freetown anzurechnen sind. Es werden Leute eingeladen und die obligatorischen H&#252;hner, es wird Brot gekauft und Eier und Maiskolben und Bier, f&#252;r die nicht wirklich anstrengende Reise, aber der Trip alleine ist das Event. Entweder man f&#228;hrt Verwandte besuchen, oder man f&#228;hrt nach Hause, weil man Verwandte besucht hat &#8211; jedenfalls sind die Menschen guter Dinge bei der Abfahrt die p&#252;nktlich um Punkt 6 Uhr bis Punkt 6 Uhr 30 geschieht und dann kann man auf seinem B&#228;nklein an so Manches denken, aber nicht an Schlaf.<span id="more-21"></span>Das h&#246;rt sich recht abenteuerlich an, ist es aber nicht. Denn alles in allem kommt nicht das wirkliche Afrika-Podapoda-Feeling auf. Ja, die H&#252;hner sind zwar da und gackern rum und es wird auf den Boden gesifft, aber man sitzt doch blo&#223; zu zweit auf Zweiersitzen wie in Helmuts Reisebus auf der A1 nach Schalke. (Wobei mir einf&#228;llt, da&#223; die H&#252;hner und das Spucken sehr wahrscheinlich auch dort passieren.)</p>
<p>Der Ausdruck &#8222;verschlafenes Nest&#8220; l&#228;&#223;t sich auf Sierra Leone nicht so einfach anwenden. Es gibt wohl einfach keine verschlafenen Nester in Afrika. Alles Leben, das wei&#223; der geneigte Leser, findet auf der Stra&#223;e statt &#8211;  von der Nahrungsbeschaffung  &#252;ber die K&#252;che bis zum Klo.<br />
Bo, zweitgr&#246;&#223;te Stadt des Landes, aber nur mit einem Bruchteil der Einwohner Freetowns, ist &#8211; nat&#252;rlich &#8211;  etwas ruhiger, entspannter, und irgendwie gediegener als Freetown. Aber ruhiger, entspannter, und gediegener als Freetown, das ist, wie das Millerntor mit dem Volkspark zu vergleichen, oder ein Gewitter in Schottland mit denen in &#196;quatorial-Guinea, oder Nicole Kidman mit der Zeta-Jones. Jedenfalls, f&#252;r jemanden aus Freetown, ist es ein unglaublich entspannender Platz, insbesondere, wenn eine nigerianische Gang f&#252;nf Sunden vorher versucht hatte, ihn auszurauben.</p>
<p>Ich mag diesen Ort, und ich beneide auf eine gewisse Weise die Menschen dort. Bo ist, wie es sein sollte, so der erste Eindruck. Die Leute sind unverbrauchter, n&#228;her, und es beschleicht Dich das Gef&#252;hl, da&#223; Du auf den Stra&#223;en sicher bist, selbst nachts. In Bo, da kannste noch mit Mark bezahlen, und das Bier kommt noch in den sch&#246;nen alten braunen Bomben, und die Renten sind auch noch sicher. Elvis wohnt in Bo und Michael Jackson, Hunter S. Thompson und Jack Kerouac, in einer WG zusammen mit Herbert Wehner und Franz Josef Strau&#223;. In Bo, da ist die Welt noch in Ordnung und der Name ist auch schnell buchstabiert und reimt sich toll.</p>
<p>Und in Bo hatte ich den ersten Cheeseburger meines Lebens ohne Fleisch. Mit der Selbstverst&#228;ndlichkeit eines McDonalds-Angestellten wurde mir mein Burger serviert, ein Brot mit Salat, K&#228;se, Mayo und Ketchup nur ohne Frikadelle. Phantastisch, und irgendwie genau das, was man verdient, wenn man ein Ma&#223; Helles in Hamburg bestellt, oder eine Kiste Sprotten in M&#252;nchen. Mein Freund Ngewoh hatte den Barsch genommen, und der Barsch war selbst ihm zu scharf. Gute afrikanische K&#252;che.<br />
Ein Hoch auf Bo. Alles auf Go in Bo.<br />
Als ich jung war, als kleiner Bub, da habe ich den Toiletten der Restaurants, die ich mit meinen Eltern von Zeit zu Zeit besuchte, Schulnoten gegeben. Ich war davon &#252;berzeugt, da&#223; man an Hand der Qualit&#228;t der Toilette die Qualit&#228;t des Restaurants beweisen konnte. Wenn &#252;ber Deckenlautsprecher Klavier-Jazz gespielt wurde, beim Kacken, war das ein enormer Pluspunkt, war der Kondomautomat in Griffh&#246;he eines Sechsj&#228;hrigen und ein Hakenkreuz quer &#252;ber den Spiegel getaggt, so ergab dies Abz&#252;ge. Die Toilette unseres Restaurants in Bo m&#246;chte ich hier als herausragendes Exemplar beschreiben. Sie reiht sich, entschuldige, Afrika, wirklich perfekt ein, in meine Top Drei der krassesten Toilette, die ich je in meinem Leben gesehen, Schr&#228;gstrich, besucht habe.</p>
<p>Meine Top-Drei der schlimmsten Toiletten der Erde sind, und, nein, davon lasse ich mich jetzt nicht abbringen, also, sind:</p>
<p>Erstens: Die &#214;rtlichkeiten des Elbschlo&#223;keller, Hamburger Berg 2, 20359 St. Pauli, Hamburg, wohlgemerkt VOR der sch&#228;ndlichen Renovierung, die wohl in den letzten zwei bis f&#252;nf Jahren stattgefunden haben mu&#223;. In der Tat gibt es jetzt wohl Pissoirs anstatt einer unbeleuchteten Wand, zudem soll es nun ein funktionierendes Kack-Klo (selbst f&#252;r M&#228;nner) geben.</p>
<p>Zweitens: Das Toitoi-Klo auf dem Summer-Breeze-Festival 2004, verantwortlich f&#252;r die Schei&#223;e von ein- bis zweitausend Festpielg&#228;sten und niemals entleert, mit einer Pyramide festgebackener Exkremente vom Chemiebeh&#228;lterboden bis zirka f&#252;nfzig Zentimeter &#252;ber (!) den Rand der Klosch&#252;ssel hinaus. Dreifacher Respekt demjenigen, dem die Ehre des Klo-Rolling zuteil wurde.</p>
<p>Ich habe hier schon &#252;ber das Klo im Krio Wendis geschrieben, und es ist mir immer noch r&#228;tselhaft, warum Menschen dieses zum urinieren aufsuchen, wo es doch dreimal hygienischer ist, einfach an den n&#228;chsten Baum zu pissen. ABER, so &#8222;urig&#8220; das Krio Wendis auch ist, sein Klo verl&#228;&#223;t hiermit offiziell die Top Drei, denn mein Restaurant in Bo hat einfach den Lokus mit dem gewisseren Etwas.</p>
<p>Man fragt die Kellnerin nach den &#214;rtlichkeiten. Diese wird etwas verdutzt die Augenbrauen hochziehen, etwa bis hinter die Ohren. Dennoch wird sie einem h&#246;flich den Weg zum Abort weisen, der im Prinzip leicht erkl&#228;rt ist: Einfach durch die K&#252;che gehen und dann, ja dann das Haus dahinter. So wird man durch die K&#252;che staksen, h&#246;flich dem Personal zunickend, welches sich teigknetend in den Pulli kickelt, und dann das zirka drei mal drei Meter gro&#223;e Toilettenhaus betreten, nur um festzustellen, da&#223; das Toilettenhaus die Toilette ist.<br />
Damit will ich sagen: Das Toilettenhaus ist komplett leer und an dem der T&#252;r gegen&#252;berliegenden Ende ist auf bodenh&#246;he ein Loch in der Wand aus dem die Sonne scheint. Der Boden selbst ist in etwa zwei Zentimeter hoch mit Alt-Urin gef&#252;llt. Wieso ausgerechnet hier urinieren? Kein Ahnung. Weil man es mal gemacht haben mu&#223;.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/auf_klo_in_bo/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>40</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Up Up Country</title>
		<link>http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/up_up_country/</link>
		<comments>http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/up_up_country/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 23 Oct 2009 02:43:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tobias Senzig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/2009/10/23/up_up_country/</guid>
		<description><![CDATA[Nicht mehr so oft wie fr&#252;her, aber doch noch ab und zu, da &#252;berkommt Dich dieses Gef&#252;hl, das Dich, ganz kurz nur, fragt: Was machst Du hier eigentlich? Ich wei&#223; nicht, ob ich damit alleine stehe, in der Fremde bestimmt nicht, aber auch in Deutschland, da ist es da, in gewissen Momenten. Wenn Du um [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nicht mehr so oft wie fr&#252;her, aber doch noch ab und zu, da &#252;berkommt Dich dieses Gef&#252;hl, das Dich, ganz kurz nur, fragt: Was machst Du hier eigentlich? Ich wei&#223; nicht, ob ich damit alleine stehe, in der Fremde bestimmt nicht, aber auch in Deutschland, da ist es da, in gewissen Momenten. Wenn Du um 4 Uhr Morgens am Berliner Ostbahnhof stehst, und Dir jemand sagt: Nee, die Bahn, die f&#228;hrt nicht mehr. Und Du schaust nach oben, auf die verklinkerte Bahnhofsdecke, und denkst Dir: Mir doch schei&#223;egal, ich bin hier und jetzt und das ist doch garnichtmal so schlecht. Oder wenn Du im letzten Bauernkaff in Allg&#228;u hockst, vor einem unglaublich klaren See, und nach sieben Litern Kemptner Weizen Deine Taschenlampe suchst, und Du findest sie nicht, sondern Du h&#246;rst die anderen labern und Du schaust wieder nach oben, in den dunklen Himmel, und Du denkst Dir: Was mache ich hier eigentlich?<span id="more-20"></span>
<p>
Afrika, das ist noch viel weiter weg. Afrika, das ist manchmal sehr dunkel und einsam und fremd und wild. In Afrika, da hat man diese Momente oft, diese Momente des Alleinseins und der Abgeschiedenheit, durchaus nicht negativ gemeint. Man versteht vielleicht viel, aber nie, niemals genug, und dann, wenn die Zeit nur noch in Bierflaschen gestoppt wird, dann kann es passieren, da&#223;, nur f&#252;r einen klitzekleinen Zeitpunkt, die gro&#223;e Frage auftaucht, oder die Tatsache, oder wie-auch-immer, eben das Nach-oben-schauen, und das ist dann eben doch ein bi&#223;chen anders als Berlin oder Bayern.</p>
<p>F&#252;r einige Tage machte ich mich mit drei Kumpanen auf den Weg in die Provinzen, in den Urwald und die D&#246;rfer. Diese wenigen Tage reichten aus f&#252;r allerlei Abenteuer; wir wurden von Dieben bedroht, jagten Krokodile  und kochten Affen. Peu &#224; peu m&#246;chte ich an dieser Stelle ab jetzt davon berichten.</p>
<p>Beginnen wir in Freetown, Anfangs- und Endpunkt allen &#220;bels und Spa&#223;es in Sierra Leone, dort, wo die Haie die Schildkr&#246;ten jagen.</p>
<p>Um vier Uhr Morgens klingelten die Wecker, und das an einem Samstag in der Regenzeit. Der &#220;berlandbus f&#228;hrt um f&#252;nf Uhr, haben sie gesagt, und um einen Platz zu bekommen, da m&#252;sse man sp&#228;testens um halb f&#252;nf am Busbahnhof sein. Das klappte nat&#252;rlich hinten und vorne nicht. Aber wir sind in Sweet Salone: Selbst die staatliche Busgesellschaft wei&#223; davon und wartet bis um sechs auf all die Zusp&#228;tkommer mit deren fadenscheinigen Entschuldigungen. </p>
<p>Wir vier aus dem Soldatenviertel jedoch, wir hatten eine wirklich guten Grund.</p>
<p>Um vier Uhr drei&#223;ig betraten wir die verregnet daliegende Stra&#223;e. Mit Ruck- und M&#252;lls&#228;cken bepackt wie eine jemenitische Weihrauchkarawane wackelten wir in Richtung Innenstadt, wissend, da&#223; wir wohl oder &#252;bel jene Kreuzung passieren m&#252;ssen, wo im Krio Wendis gerade das zweitausendste Dosenbier &#252;ber den Tresen wandert. Wissend, da&#223; es dort vor Dieben und Halsabschneidern nur so wimmelt. </p>
<p>Mein Freund Ngewoh machte sich hervorragend als Gro&#223;stadt-Scout. Es w&#228;re nicht ratsam, den Platz weitl&#228;ufig zu umgehen, sagte er, s&#228;hen uns die Diebe aus der Ferne, wir w&#228;ren ihnen im Dunkeln schutzlos ausgeliefert.</p>
<p>W&#228;hrend es donnerte und blitzte steuerten wir also direkt auf den Moloch zu. Schon vor besagter Kreuzung schlich sich allerlei Gesindel an uns heran, umkreiste uns, stie&#223; uns an, wortlos und still. Wie die Schildkr&#246;ten in einem tiefem, dunklem und unbekannten Meer kamen wir uns vor mit unseren unf&#246;rmigen Gep&#228;ck, umringt von Haifischen, die nach uns schnappten. </p>
<p>Ngewoh lotste uns tiefer hinein in die Massen, ins Licht, in die Richtung der Theke, davon ausgehend, da&#223; die Diebe etwas mehr Respekt zeigen, unter den schummrigen Lampen der Bar, und behielt Recht. Aber auf dem Weg dorthin griffen sie nach uns, rissen nach uns, und schlie&#223;lich stellten wir uns in einer Dreiecksformation auf, wie die R&#246;mer, die Gesichter nach Au&#223;en, um wenigstens die gr&#246;bsten Attacken abzuwehren.</p>
<p>Nach ein paar Minuten hatte Ngewoh vier Motorrad-Taxis (Okadas) organisiert. Wir rannten darauf zu, sprangen auf und lie&#223;en Vollgas geben. Hinter uns h&#246;rten wir Flaschen zerschellen, die die Diebe nach uns warfen. Wir kamen uns vor wie in einem Film. Willkommen in Freetown. Und Auf Wiedersehen. </p>
<p>Von den Attacken der Diebe und der Motorradfahrt in str&#246;mendem Regen einigerma&#223;en ersch&#246;pft, kamen wir zittrig am Busbahnhof an. Die seelischen Wunden, die die Diebe bei mir hinterlassen hatten, gingen tiefer als ich mir zugestehen wollte. Selbst das Treiben am Busbahnhof machte mir Angst, ich sah &#252;berall Bedrohung und Fremde. In solchen Momenten h&#246;rt manch einer eine Stimme im Kopf, die ihm sagt: Ich will nach Hause, ich will zur&#252;ck. Aber ich wollte nicht nach Hause. Ich wollte nicht zur&#252;ck in die Soldatenstadt, meiner mit Dieben bev&#246;lkerten Heimat. Ich wollte einfach nur noch weg aus diesem Hexenkessel, ich wollte B&#228;ume sehen und saubere Fl&#252;sse und nicht mehr das verdammte afrikanische Gro&#223;stadtelend. Die Diebe hatten mir einen hei&#223;en Abschiedsku&#223; gegeben, k&#246;nnte man sagen, aber es war anders; es war leidenschaftslos und kalt und unafrikanisch, und deshalb war mir schlecht.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/up_up_country/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>9</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Rezept-Tipp: H&#252;hnchen wie bei Mama</title>
		<link>http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/rezept-tipp_aktuell_huhnchen_wie_bei_mama/</link>
		<comments>http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/rezept-tipp_aktuell_huhnchen_wie_bei_mama/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 05 Sep 2009 06:02:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tobias Senzig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/2009/09/05/rezept-tipp_aktuell_huhnchen_wie_bei_mama/</guid>
		<description><![CDATA[Zu den Kl&#228;ngen von Leoncavallo und Cannibal Corpse wollen wir heute etwas ganz besonderes zaubern. Afrikanisches Huhn, geschmort in saftigem Kartoffelblatte und mit einem Schusse Pepper, dazu reichen wir feinsten UN-Reis. MAN NEHME 1 ausged&#246;rrtes afrikanisches Hendel mit m&#246;glichst wenig Fleisch, welches mindestens 19 Stunden lang lebendig und kopf&#252;ber in einem Poda Poda gut abgehangen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zu den Kl&#228;ngen von Leoncavallo und Cannibal Corpse wollen wir heute etwas ganz besonderes zaubern. Afrikanisches Huhn, geschmort in saftigem Kartoffelblatte und mit einem Schusse Pepper, dazu reichen wir feinsten UN-Reis.<br />
<br /><span id="more-19"></span><br />
MAN NEHME<br />
1 ausged&#246;rrtes afrikanisches Hendel mit m&#246;glichst wenig Fleisch, welches mindestens 19 Stunden lang lebendig und kopf&#252;ber in einem Poda Poda gut abgehangen wurde</p>
<p>2 Bund ungiftige S&#252;&#223;kartoffelbl&#228;tter</p>
<p>500 ml rotes Palm&#246;l</p>
<p>0-99 Teel&#246;ffel Pepper, ganz nach Geschmack und Gaumenhornhaut</p>
<p>1 kg original UNO-Reis (nur echt, wenn er aus mindestens 6000 Kilometer Entfernung importiert wurde)</p>
<p>Diverse Kochutensilia (Axt, Beil, M&#246;rdermesser)</p>
<p>
MAN SCHNEIDE<br />
Das afrikanische Huhn vom Gel&#228;nder.</p>
<p>MAN SCHLITZE <br />
Dem afrikanischen Huhn einmal quer die Kehle auf &#8211; von rechts nach links oder umgekehrt ist dabei egal. Die Schlitzung sollte allerdings nach M&#246;glichkeit au&#223;erhalb des Wohnbereiches vorgenommen werden, Balkon ist am besten, B&#252;rgersteig ist aber auch OK.<br />
Vorsicht! Huhn zappelt nach dem Schlitzvorgang zirka 3 bis 5 Minuten kopflos umher, daher sind a priori  geeignete Ma&#223;nahmen zu treffen, um einer &#8222;Flucht&#8220; zuvorzukommen.</p>
<p>MAN SCHMEISSE <br />
Das nun hoffentlich tote Huhn f&#252;r einen kurzen Moment in siedendes Wasser, damit sich die Federn danach besser abl&#246;sen lassen.</p>
<p>MAN L&#214;SE <br />
Die Federn ab.</p>
<p>MAN GREIFE <br />
Nach der Axt oder dem M&#246;rdermesser und</p>
<p>MAN HACKE <br />
Damit zirka 5 bis 15 Minuten wild auf dem Kadaver herum. Zu diesem Zeitpunkt empfiehlt es sich, die Stereo-Anlage von Pagliacci nach Cannibal Corpse umzuschalten oder aber zum zweiten Akt vorzuspulen.<br />
Das Huhn ist fertig, wenn alle Knochen zersplittert sind und nichts mehr an irgendeine ornithologische Herkunft erinnert.</p>
<p>MAN H&#196;CHSLE <br />
Die Kartoffelbl&#228;tter so klein, da&#223; sie aussehen wie Spinat oder &#196;rgeres.</p>
<p>MAN VERMANSCHE <br />
H&#252;hnerteile, Kartoffelbl&#228;tter und Palm&#246;l und lasse es bei mittlerer Temperatur (Gasherd Stufe 2) mit einem Schu&#223; Wasser etwa 1 bis 2 Stunden vor sich hink&#246;cheln. Dazwischen kann je nach Geschmack der Pepper hinzugegeben werden. Hierbei gilt die Faustregel: Nehmen Europ&#228;er an der Mahlzeit teil, ist ein Teel&#246;ffel zu viel. Nehmen Afrikaner an der Mahlzeit teil, sind 99 Teel&#246;ffel zu wenig.</p>
<p>MAN SCHREIBE<br />
Einen Dankesbrief an die Vereinten Nationen f&#252;r den tollen Reis, wasche jenen und setze ihn auf das Kohlefeuer um ihn garzukochen.<br />
Hausfrauen und Dachdecker aufgepa&#223;t: Leere Reiss&#228;cke eignen sich vorz&#252;glich als Dachabdichtung! An dieser Stelle kann man die Kassettenrekorder &#252;brigens wieder getrost zu Pagliacci umschalten.</p>
<p>MAN WARTE <br />
Den Rest der Zeit herum und rauche diverse filterlose Zigaretten mit teerschwarzem Tabak. Alternativ k&#246;nnen auch andere Hausarbeiten erledigt werden, wie Putzen, Abstauben, Blutaufwischen, etc, pp.</p>
<p>MAN SERVIERE <br />
Den ganzen Salat in zwei gro&#223;en T&#246;ppen und</p>
<p>MAN SEHE<br />
Die Begeisterung in den Augen der G&#228;ste. Je nach Grad der Begeisterung sollte zu diesem Zeitpunkt wieder Cannibal Corpse eingeschaltet werden.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/rezept-tipp_aktuell_huhnchen_wie_bei_mama/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>147</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Abwesenheitsnotiz: Typhoid Fever</title>
		<link>http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/abwesenheitsnotiz_typhoid_fever/</link>
		<comments>http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/abwesenheitsnotiz_typhoid_fever/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 28 Aug 2009 17:57:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tobias Senzig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/2009/08/28/abwesenheitsnotiz_typhoid_fever/</guid>
		<description><![CDATA[Der Affe war&#8217;s. Welcher wei&#223;b&#228;uchige deutsche Tourist ist denn auch so bekloppt, einen Affen zu essen? Es war ein h&#228;&#223;liches schwarzes &#196;ffchen, mit h&#228;&#223;lichem Gesicht und gro&#223;en, h&#228;&#223;lichen, hellbraunen Augen, durch die er alle doof angeguckt hat. Keine Ahnung, welche Art. Bestimmt unter Naturschutz. Schande &#252;ber mich. Dabei hab ich doch nur ein St&#252;ckchen probiert. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Affe war&#8217;s. Welcher wei&#223;b&#228;uchige deutsche Tourist ist denn auch so bekloppt, einen Affen zu essen? Es war ein h&#228;&#223;liches schwarzes &#196;ffchen, mit h&#228;&#223;lichem Gesicht und gro&#223;en, h&#228;&#223;lichen, hellbraunen Augen, durch die er alle doof angeguckt hat. Keine Ahnung, welche Art. Bestimmt unter Naturschutz. Schande &#252;ber mich. Dabei hab ich doch nur ein St&#252;ckchen probiert.<span id="more-18"></span><br />
Moral hin oder her. Es war ja nicht gerade ein Schimpanse. Und die Leute in Kono, im Norden, essen jeden Tag Affen. Da kommt es auf einen Bissen &#8211; ein &#8222;bi&#223;chen&#8220;, h&#246;h&#246; &#8211; ja nun auch nicht an. Oder habe ich f&#252;r alle Zeiten meine Unschuld verloren? Hab ich die Karte &#252;berreizt? Bin ich nun verdammt? Wird Gott oder Gaja mich bestrafen? Es sieht fast so aus: Meine beiden Kumpels aus Deutschland haben nicht probiert. Und Sie haben auch kein Typhoid Fever.</p>
<p>Es war in Kono, der Diamantenstadt im Nordosten, die letzte Station unseres f&#252;nft&#228;gigen &#8222;Landausflugs&#8220;. Mein Afrika-Kumpel Ngewoh hat uns zu seiner dort ans&#228;ssigen Familie eingeladen. Es gab Fisch mit Reis und Scharf. Am n&#228;chsten Tag sind wir dann Diamantensch&#252;rfen gegangen. Und danach sind wir noch einmal bei den Ngewohs reingeschneit, um tsch&#246;-und-danke zu sagen, und wir wollten ja gerade los, da kommt eine Cousine oder Schwester von Ngewoh an und fragt, ob wir denn nicht den Affen von Tantchen sehen wollen, die wohne ja nur um die Ecke. Klar, Affe, ist lustig, hin da, ist ja nur um die Ecke.</p>
<p>R&#252;ber zum Tantchen-Haus. Durchs Haus durch, auf den Hinterhof. In einer dunklen Ecke ist ein schwarzer Affe angekettet, mit vielleicht drei Metern Auslauf. Tiersch&#252;tzer w&#252;rden heulen, aber, mit Verlaub, was ICH in diesem Land schon alles gesehen hab, hey, immerhin hat das Vieh alle Beine und eitert nicht. Sagen wir es mal so: Die Bev&#246;lkerung von Sierra Leone ist noch nicht ganz auf dem Trichter von wegen Tierschutz und achtenswertes Leben und so (Tacugama und Tiwai ausgeschlossen).</p>
<p>Nun, wir sagen Goodbye zum Affen und latschen etwas bedr&#246;ppelt wieder durchs Haus. Auf der Veranda an der Vorderseite hat Tantchen mittlerweile eine Suppe zubereitet. Was f&#252;r eine Suppe? Affensuppe. &#8222;Von der selben Art, die wir gerade gesehen haben&#8220;, sagt Ngewoh begeistert, &#8222;absolute Kono-Delikatesse.&#8220; Er schnappt sich eine Sch&#252;ssel und l&#246;ffelt braune Affensuppe rein. Dann macht er sich &#252;ber die Fleischbr&#246;ckchen her. Er sucht ein besonders gutes oder zartes oder affiges St&#252;ck aus und reicht es mir. Ich, nat&#252;rlich ganz Indiana Jones und mit allen Wassern gewaschen und sowieso, man mu&#223; ja auch h&#246;flich sein und andere Kulturen akzeptieren und so, au&#223;erdem hat mir mein Kumpel Phat, der in Hong Kong gearbeitet hat, erz&#228;hlt, da&#223; die Europ&#228;er total unoffen f&#252;r neue Geschm&#228;cker w&#228;ren, ich greife also zu und esse das Affenfleisch. F&#252;r Phat, und Harrison Ford. Hat komisch geschmeckt. Nicht mal schlecht. Irgendwie sauer. Und &#252;berhaupt: Jetzt habe ich Affe gegessen. Ein Punkt weniger auf der Liste.</p>
<p>Zweiter Akt. Wir brechen auf. Die 400 Kilometer nach Freetown dauerten im Poda Poda gef&#252;hlte sechs Wochen. Davor noch zwei Stunden Polizeistre&#223; weil wir Wei&#223;e sind und da k&#246;nnte ja was zu holen sein. Irgendwann nach Mitternacht in Freetown angekommen. Ins Bett gefallen. Von schwarzen Affen getr&#228;umt.</p>
<p>Am n&#228;chsten Morgen: Fieber. Diarrh&#246;. Aber vom Feinsten. Ich schleppe mich zum Telefon und mache wenigstens f&#252;r meine beiden deutschen Kumpels eine Aktivit&#228;t klar. Danach gebe ich mich dem bunten Rhythmus des Lebens hin: Schwarz vor Augen. Schlafen. Diarrh&#246;. Schwarz vor Augen. Schlafen. Diarrh&#246;. Das ganze ungef&#228;hr alle 20 Minuten und &#252;ber 24 Stunden. Am Tag darauf f&#228;ngt das Erbrechen an. Eine Freundin bugsiert mich irgendwie ins n&#228;chste Krankenhaus. Diagnose: Top Leberwerte. Aber Typhoid-Fever-Salmonellen schwirren in erheblichen Mengen in diversen anderen Systemen umher. Und zwar beide Arten, worin auch immer diese sich unterscheiden. Ach wie sch&#246;n ist Panama.</p>
<p>Dr. Dingsbums verschreibt mir Antibiotika. Ich bin im Delirium und h&#246;re nur noch &#8222;very very strong&#8220;. Mir doch egal, ich will nach Hause. Meine Freundin besorgt die Pillen, dann ab ins Taxi, ab nach Hause, ab aufs Klo, ab ins Bett. Ich schmei&#223;e den ersten Trip. Drei Pillen, eine sehr gro&#223;e wei&#223;e und zwei nicht ganz so gro&#223;e, auch wei&#223;. Die Verpackung ist auf chinesisch. Der Beipackzettel auf franz&#246;sisch. Alles f&#228;ngt an zu kribbeln und ist hypersensitiv. Ich schlafe ein. Abends die zweite Pille. Klo. Bett. Wo bin ich &#252;berhaupt?</p>
<p>Das ganze dauert drei, vier Tage, dann ist wenigstens das Fieber runter. Ich setze die nicht ganz so gro&#223;en wei&#223;en Pillen ab. Habe im Internet herausgefunden, da&#223; sie ordin&#228;res Paracetamol sind. Wenn das f&#252;rs Kribbeln verantwortlich ist, brauch ich&#8217;s wirklich nicht. Hat nicht geklappt, aber eine Woche sp&#228;ter kann ich mich wieder halbwegs bewegen. Ich verlasse sogar das Haus, f&#252;r zwei Nachmittage. Vergesse dabei nat&#252;rlich prompt meinen Gute-Nacht-Trip mit den Antibiotika. F&#252;hle mich wirklich besser und denke mir, da&#223; das ganze Unwohlsein vielleicht von den dicken wei&#223;en Brummern herr&#252;hrt. Aber wir wissen ja: Niemals Antibiotika absetzen. Das f&#252;hrt zu Mutationen und Dir kann ein dritter Arm wachsen oder eine zweite Nase. Oder die Bakterien &#252;berleben, was noch schlimmer ist.</p>
<p>Von Freitag bis Montag hatte ich kein Strom, kein Internet, kein Gas, kein Wasser. Ein Freudenfest f&#252;r jeden Typhiod-Patienten und seine ganze Bazillenschar. Da wird halt nur jedes vierte mal das Klo gesp&#252;lt, mit der Wasserflasche. Man sollte nur tunlichst aufpassen, da&#223; einem nicht die Taschenlampe dort hineinf&#228;llt. Es war keine sch&#246;ne Zeit, wirklich nicht.</p>
<p>Vor drei Tagen hab ich den letzten B&#246;ller geschluckt. Mir geht&#8217;s immer noch hundeelend, aber besser als mit den Dingern. War heute Mittag sogar ausw&#228;rts essen, einen &#8222;Hamburger&#8220;, mmmmhhh. Vor einer Stunde oder so hab ich ihn wieder sch&#246;n ins Klo gesch&#252;ttet, aber r&#252;ckw&#228;rts. Habe sechs Kilogramm abgenommen. Tolle Sache. Wenn ich nur das Wort &#8222;Essen&#8220; h&#246;re, dreh ich am Rad.</p>
<p>Typhoid Fever wird durch F&#228;kalien &#252;bertragen. Das hei&#223;t, irgendein unartiger Schelm hat sich da wohl nicht richtig die H&#228;nde gewaschen beim Affenkochen. Leckerlecker.</p>
<p>Morgen gehe ich noch mal zu Doktor Dingsbums. Mal gespannt was er sagt.</p>
<p>Das jedenfalls ist meine Entschuldigung f&#252;r meine derzeitige Abstinenz im Blog. Ich hoffe sie wird akzeptiert. Wenn nicht, verseuche ich meinen n&#228;chsten Eintrag mit Typhoid-Viren. Ich mu&#223; ja im Prinzip nur die Tastatur anfassen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/abwesenheitsnotiz_typhoid_fever/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>22</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Brief an den Weihnachtsmann</title>
		<link>http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/brief_an_den_weihnachtsmann/</link>
		<comments>http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/brief_an_den_weihnachtsmann/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 29 Jul 2009 13:40:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tobias Senzig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/2009/07/29/brief_an_den_weihnachtsmann/</guid>
		<description><![CDATA[Lieber Weihnachtsmann, ich wei&#223;, da&#223; Du ein vielbesch&#228;ftigter Mann bist, und da&#223; Weihnachten noch eine Ecke hin ist, und auch da&#223; in Sierra Leone um diese Jahreszeit wenig Schnee ist, und da&#223; man Briefe nicht mit &#8222;ich&#8220; beginnen soll, aber k&#246;nntest Du nicht trotzdem den verdammten Hund vor meinem Fenster f&#252;r mich umbringen? Es ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Lieber Weihnachtsmann, </p>
<p>ich wei&#223;, da&#223; Du ein vielbesch&#228;ftigter Mann bist, und da&#223; Weihnachten noch eine Ecke hin ist, und auch da&#223; in Sierra Leone um diese Jahreszeit wenig Schnee ist, und da&#223; man Briefe nicht mit &#8222;ich&#8220; beginnen soll, aber k&#246;nntest Du nicht trotzdem den verdammten Hund vor meinem Fenster f&#252;r mich umbringen? <br /><span id="more-17"></span>
</p>
<p>Es ist ja nicht so, da&#223; ich Tiere nicht mag, das wei&#223;t du ja, lieber Weihnachtsmann, Hunde und Katzen und L&#246;wen und Tiger &#8211; und Giraffen &#8211; ja die sind ja schon putzig, allesamt, und sie haben auch echt alle voll das Recht, auf unserer sch&#246;nen sch&#246;nen Erde zu wohnen, au&#223;er die Spinnen vielleicht, die nicht, aber das sind ja auch keine Tiere, das sind Teufel aus der H&#246;lle; jedenfalls alles supi mit den anderen Viechern, und sie schmecken ja auch gut, ich will ja auch nicht, da&#223; Du jetzt ALLE Hunde auf der sch&#246;nen sch&#246;nen Erde umnietest, oder in Afrika, oder in Sierra Leone, nur den einen, den einen verdammten Kl&#228;ffer, der jede Nacht mein Fenster anbellt, weil ihm mein Fenster nicht gef&#228;llt. </p>
<p>Du mu&#223;t ihn ja nicht mal umbringen, es w&#252;rde ja reichen, wenn Du ihm den Kopf wegzaubern w&#252;rdest, so zackzack, und statt Kopf w&#228;re dann da ein zweiter Schwanz oder so, und bellen kann er damit ja wohl nicht, oder was; aber hey, Umbringen w&#228;re auch OK, ich habe meine Toleranz gegen diesen speziellen Kerl aufgebraucht, wenn Du verstehst, was ich meine; ich meine, ich hab ihm gesagt &#8222;H&#246;r auf&#8220; und er h&#246;rt nicht auf, ich bin sogar in den ersten Stock gegangen und hab ihn b&#246;s angeguckt, da hat er mich angelacht und geschw&#228;nzelt, der Racker, aber er bellt halt die ganze Nacht und ich w&#252;rde ganz gerne mal schlafen, wei&#223;t Du, und das geht halt nicht, wenn die Mistt&#246;le mein Fenster anbellt, ununterbrochen von 12 bis 8; ernsthaft, vergi&#223; das mit dem Kopf, ich finde, Du solltest ihn umbringen. </p>
<p>Weil: Der hat irgendwie seine Seele verspielt, der war kein braver Junge, nee nee, aber &#252;berhaupt nicht, weil der RESCHT DIE LEUTE UFF, das ist kein gutes Karma, sag ich Dir, weil die Leute den Hund n&#228;mlich nicht gerade leiden k&#246;nnen, und der denkt sich doch glatt: mir doch schei&#223;egal, kommst ja eh nicht raus aus deiner Stinkeh&#252;tte, weil der Wachmann eingeschlafen ist, also bell ich dir hier jetzt mal was vor, du Penner, das ist doch, mit Verlaub, nicht gerade nett, oder, Weihnachtsmann? </p>
<p>Lieber Weihnachtsmann, ich glaube fest an Dich, seit ich Cola trinken darf, ich hab immer gesagt: Christkind und so, ihr seit schon OK, aber macht Euer eigenes Business, kommt dem Weihnachtsmann nicht in die Quere, der Weihnachtsmann, das ist der Held vom Nordpol, wo die Cola immer kalt ist, und wenn man brav war, das Jahr &#252;ber, dann macht er den Hund vor dem Fenster genauso kalt, das k&#246;nnt ihr ja wohl nicht, oder was? </p>
<p>Alte Silberzwiebel! Alter Zechenzausel! Mach&#8217;s halt, und ich trink Morgen zwei Kisten Cola, Indianerehrenwort. </p>
<p>Gru&#223; und Ku&#223;, </p>
<p>Tobi</p>
<p>P.S.: Jetzt ist&#8217;s tats&#228;chlich ruhig. </p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/brief_an_den_weihnachtsmann/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>15</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Die Tage der Ameise</title>
		<link>http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/die_tage_der_ameise/</link>
		<comments>http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/die_tage_der_ameise/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 13 Jul 2009 09:50:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tobias Senzig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/2009/07/13/die_tage_der_ameise/</guid>
		<description><![CDATA[Nicht schon wieder Insekten. Doch! Insekten sind doch nicht nur Tiere, sondern eignen sich auch vorz&#252;glich f&#252;r alles Allegorische, wie der geneigte Leser wei&#223;. Schlangen &#8211; und Spinnen selbstverst&#228;ndlich &#8211; stehen f&#252;r alles B&#246;se in der Welt. Die Katze f&#252;r Weiblichkeit. Der B&#228;r f&#252;r Ru&#223;land. Der Hahn f&#252;r Frankreich. Der Gei&#223;bock f&#252;r den FC. Aber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nicht schon wieder Insekten. Doch! Insekten sind doch nicht nur Tiere,<br />
sondern eignen sich auch vorz&#252;glich f&#252;r alles Allegorische, wie der<br />
geneigte Leser wei&#223;. Schlangen &#8211; und Spinnen selbstverst&#228;ndlich &#8211;<br />
stehen f&#252;r alles B&#246;se in der Welt. Die Katze f&#252;r Weiblichkeit. Der B&#228;r<br />
f&#252;r Ru&#223;land. Der Hahn f&#252;r Frankreich. Der Gei&#223;bock f&#252;r den FC. <br />
Aber wof&#252;r steht die Ameise?</p>
</p>
<p><span id="more-16"></span>
<p>Sind die Ameisen eine Armee seelenloser Krieger, Tag ein Tag aus einzig damit besch&#228;ftigt, den Bau, das Volk, die Spezies am &#252;berleben zu halten, koste es was es wolle? Stehen sie f&#252;r faschistoide Organisation, Kontrollwahn, Gleichmacherei ohne Beispiel? Oder f&#252;r das totale Kollektiv, eine &#252;berragende multiple Intelligenz? Ich fand Ameisen von jeher faszinierend. Aber besonders faszinierend finde ich sie, wenn sie &#252;ber mein Bett krabbeln. </p>
<p>Prolog </p>
<p>Hatte mit Frosties gekauft, im Supermarkt. Waren abgelaufen, und die<br />
Packung war kaputt. Und sie haben f&#252;nf Euro oder so gekostet. Aber es<br />
waren Frosties, meine Frosties. Ich habe sie geh&#252;tet wie ein Schatz,<br />
nur ab und zu ein Tellerchern oder Sch&#252;sselchen. Das konnte ja nicht<br />
gut gehen.</p>
<p>Gestern Abend die Frosties mit auf mein Zimmer mitgenommen, zum<br />
Nachsch&#252;tten. Das Milch-Frosties-Verh&#228;ltnis ist niemals optimal, beim<br />
ersten Einsch&#252;tten. Frosties-Orgie gefeiert; im Rausch eingeschlafen,<br />
die Sch&#252;ssel auf den Knien, die Frosties-Schachtel umgekippt auf dem<br />
Boden, dekadent wie ein &#228;thers&#252;chtiger Expressionist. Mir tr&#228;umte, da&#223;<br />
Tony der Tiger in meinem Raum stand und mich vorwurfsvoll ansah. </p>
<p>Tag 1</p>
<p>Fr&#252;h Morgens. Aufgewacht, weil mich etwas am Ohr gekitzelt hat.<br />
Suche nach meiner Brille. Finde sie in der Frosties-Sch&#252;ssel auf meinem<br />
Bett. Brille auf. Wieso bewegt sich der Boden? Und die Wand? Bin ich<br />
immer noch bet&#228;ubt? Kleine schwarze Punkte &#252;berall. Will Frosties, habe<br />
keine Milch. Manchmal ist Kurzsichtigkeit von Vorteil, denke ich mir,<br />
und versuche weiterzuschlafen.</p>
<p><img vspace="214" hspace="150" border="0" align="baseline" src="http://www.lovefilm.de/lovefilm-de/images/products/0/212670-medium.jpg" /><br />
Mittags. Der Frosties-Turkey kommt hart. Ich wache auf, es ist so kalt, obwohl die Sonne wohl scheint, hinter den L&#228;den. Ich mache Licht. &#220;berall Ameisen. Eine Ameisenstra&#223;e, vom Fenster bis zu meiner Frosties-Schachtel in der Mitte des Raumes. Eine Ameisenautobahn, die meine Frosties wegtr&#228;gt. Ich mag keine Ameisen in meinem Zimmer haben. Wie bekomme ich nun eine Million Ameisen vor die T&#252;r? </p>
<p>Erstmal den Eingang verschlie&#223;en und dann alle einzeln kalt machen, denke ich mir. Wo ist der Eingang? Am Fenster irgendwo, wenn ich mir den Routenverlauf anschaue. Ich hab doch ein Fliegengitter. Wo kommen die Biester her? Ah, unter dem Fensterrahmen ist ein Loch, da krabbelt alles rein und raus. Aber wie kriege ich jetzt das Loch zu? Ich brauche irgend etwas Weiches, Dichtes, Klebriges. Kerzenwachs! Ich finde mich ungemein clever. </p>
<p>Fummele an einer Kerze rum und tr&#246;pfele etwas Wachs auf die Fensterbank. Das funktioniert ja mal &#252;berhaupt nicht. Will die Gardinen nicht in Brand setzten, und auch nicht den Fensterrahmen, aber das Loch ist zu dicht dran da. L&#246;ffel! Schiebe mit dem L&#246;ffel das Wachs ins Ameisenloch. Und Tsch&#252;&#223;, Ferdy! <br />
Jetzt noch die Soldaten am Boden und an der Wand. Da hilft der gute, alte Deo-Flammenwerfer, wenigstens f&#252;r die Fl&#228;chen. Den Rest erledigt die Patschehand. Krieg kann grausam sein, aber ich habe ihn nicht angefangen. </p>
<p>Setze mich enthusiastisch an meinen Schreibtisch und mache mich an die Arbeit. Es stinkt nach verbranntem Deo. Ab und zu werfe ich einen Blick nach hinten, zum Fenster, um zu checken, ob die Plage auch wirklich ein Ende hat. Hat sie nicht. Irgendwann ist wieder alles voll von den Viechern, wieder am Bett vorbei, wieder in Richtung Frosties. Checke die Fensterbank. Da sind ja noch andere L&#246;cher! Wachse alles ordentlich zu und vergehe mich dann abermals am Fu&#223;volk. Au&#223;erdem bringe ich die Frosties runter zum M&#252;ll, und alles was sonst noch Ameisen anziehen k&#246;nnte. In diesem Krieg geht es offenbar um Rohstoffe. Mal gespannt, was jetzt passiert. </p>
<p>Ich sitze auf meinem Bett und beobachte die Fensterbank. Nichts r&#252;hrt sich. Ich werde m&#252;de. Zu viele Frosties letzte Nacht. Langsam sinke ich in einen traumlosen Schlaf. Als ich aufwache, sehe ich links neben meinem Kopf eine Ameisenstra&#223;e. Anscheinend war den Jungs der Weg &#252;ber den Boden zu hei&#223; geworden. Aber wohin wollen sie denn jetzt noch? Das Zimmer ist doch Frostie-frei. Ich verfolge abermals den Stra&#223;enverlauf, diesmal in umgekehrter Richtung. Alles versammelt sich an meiner Teetasse. Ich hatte vorgestern einen Tee getrunken, mit Zucker drin. Himmelherrgott. </p>
<p>Nachdem die Tasse entsorgt ist, kehrt Frieden ein. </p>
<p>Tag 2</p>
<p>Gewohntes Bild. Ameisen wandern von rechts nach links &#252;ber den Fu&#223;boden. Ich Idiot hatte gestern Abend noch ein Nutella-Brot im Zimmer genascht und mir danach mit einem Taschentuch den Mund abgewischt. Das Taschenbuch liegt auf dem Boden, mit vielleicht einem Gramm Nutella dran und 300 Ameisen. </p>
<p>Tag 3 </p>
<p>Ich wache auf, es ist dunkel und Wind weht mit um die Nase. Ich taste nach der Taschenlampe und finde nichts. Wo bin ich?! Langsam wird es hell. Ich erkenne die Umrisse von H&#228;usern um mich herum. Ich liege auf der Stra&#223;e vor meinem Fenster. Die Ameisen haben mich aus meinem Zimmer getragen, w&#228;hrend ich schlief. Von oben h&#246;re ich Lachen und Gl&#228;serklirren. Die Ameisen feiern ihren Sieg. Ich glaube Tony der Tiger ist auch da. </p>
<p>Epilog </p>
<p>Eine Freundin kl&#228;rt mich auf, da&#223; schwarze Ameisen gro&#223;es Gl&#252;ck bedeuten, in Sierra Leone. Manche Leute verstreuen sogar Zucker, um sie anzulocken. Bei&#223;en tun sie auch nicht. Das l&#228;&#223;t die Sache nat&#252;rlich vollkommen anders aussehen. Ich werde meine neuen Mitbewohner akzeptieren. Ich werde ihnen Zucker, Frosties und Nutella als Opfer darreichen. So ist das im Krieg der Kulturen. Viel zu viele Mi&#223;verst&#228;ndnisse. Ich bin jetzt Ameise. </p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/die_tage_der_ameise/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>7</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Johnny Rottens Affenstall</title>
		<link>http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/johnny_rottens_affenstall/</link>
		<comments>http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/johnny_rottens_affenstall/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 01 Jul 2009 21:30:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tobias Senzig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/2009/07/01/johnny_rottens_affenstall/</guid>
		<description><![CDATA[Was haben die Schimpansen im Urwald kurz hinter Freetown in Sierra Leone mit den Sex Pistols gemein? Sie sind alle Anarchisten? Sie wurden alle wahllos von einer Plattenfirma zusammengecastet? Sie lieben alle unkontrolliertes Gebr&#252;ll vor Publikum? Sie werfen alle mit Steinen nach Touristen? Alles richtig. Aber der wahre Grund ist: Sie wurden alle von der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was haben die Schimpansen im Urwald kurz hinter Freetown in Sierra<br />
Leone mit den Sex Pistols gemein? Sie sind alle Anarchisten? Sie wurden<br />
alle wahllos von einer Plattenfirma zusammengecastet? Sie lieben alle<br />
unkontrolliertes Gebr&#252;ll vor Publikum? Sie werfen alle mit Steinen nach<br />
Touristen? Alles richtig. Aber der wahre Grund ist: Sie wurden alle von<br />
der Gesellschaft mi&#223;handelt. Und Johnny Rotten ist ihr Sponsor. </p>
<p><span id="more-15"></span>
<p><img src="http://www.melomaniarecords.de/blog/aff/aff_1.jpg" /></p>
<p>Ich wei&#223; nicht, ob die beiderseitige gesellschaftliche Traumatisierung der Grund daf&#252;r ist, weshalb John Lyndon alias Johnny Rotten, bis vor 30 Jahren S&#228;nger der Sex Pistols, den &#8222;Tacugama Chimpanzee Sanctuary&#8220; sponsort. Es gab meinem Besuch dort aber doch ein gewisses anarchistisches Flair (Nicht, da&#223; ich davon in Freetown nicht schon genug h&#228;tte). <br />
Dankbarerweise nahm mich mein israelischer Kumpel mit seinem fetten SUV (Renault Kangoo) mit auf die Reise. Und Dank eines vorz&#252;glichen Fahrers sind wir auch fast bis zum Park gekommen. Nur die letzten Meter hat die Sch&#252;ssel nicht gepackt. Was soll&#8217;s. Johnny Rotten ist seinerzeit bestimmt direkt und geradeaus durch den Urwald gegangen, nur seine rechte Hand als Machete benutzend. </p>
<p><img src="http://www.melomaniarecords.de/blog/aff/aff_2.jpg" /></p>
<p>Die Tour sollte um 16 Uhr beginnen. Allerlei Touristen-Gesindel trieb sich schon im Warte-Pavillon herum. Rauchen darf man im Park &#252;brigens nicht. Ein paar der Schimpansen sind Ex-Raucher mit hohem R&#252;ckfallrisiko und man sollte sie nicht in Versuchung bringen. </p>
<p>Also dann, Kippen ausgedr&#252;ckt, Mr. Willie, unser Schimpansenf&#252;hrer mit Schneid, bl&#228;st zum Rundgang. </p>
<p>Der Tacugama-Park ist eine Auffangstation f&#252;r von Menschen mi&#223;handelten Schimpansen. Die &#228;lteren Tiere gelten als kulinarische Delikatesse und Rohstoff f&#252;r jede Menge Busch-Zauberei, die Jungtiere sind als Haustiere begehrt. Das Problem Letzterer ist, da&#223; sie irgendwann ziemlich gro&#223; und erwachsen sind. Dann eignen sie sich nicht mehr als Haustier, dann fressen sie ihre Besitzer auf. Der Tacugama-Park nimmt all diese gest&#246;rten und mi&#223;handelten Kreaturen auf und gibt Ihnen ein Zuhause, mit dem Ziel, sie irgendwann einmal auswildern zu k&#246;nnen. Eine gute Sache also, aber wer h&#228;tte daran gezweifelt, wenn sich Johnny Rotten hier engagiert? </p>
<p>Station 1: Die Babys. &#8222;Ach sind die s&#252;&#252;&#252;&#252;&#252;&#223;!&#8220;. </p>
<p>Station 2: Die Kastrations-Abteilung. Nicht mehr ganz so s&#252;&#223;. </p>
<p><img src="http://www.melomaniarecords.de/blog/aff/aff_3.jpg" /></p>
<p>Station 3: Das Gehege mit den noch nicht v&#246;llig ausgewilderten Schimpansen. Mr. Willie warnt die Anwesenden vor fliegenden Steinen und w&#252;tenden Affen: &#8222;An angry chimp is as strong as five men&#8220;. Mir schie&#223;t durch den Kopf: &#8222;A drunk German is as strong as five Chimps,&#8220;. Ich lache mich innerlich kaputt &#252;ber diesen formidablen Witz, behalte ihn aber f&#252;r mich. Aus Respekt vor den Affen. Und Johnny Rotten, nat&#252;rlich. Ein Helferlein kommt herbei und wirft Fressen &#252;ber den Zaun. &#8222;Alles nicht so einfach, mit den Schimpansen. Sehr sensible Tiere,&#8220; sagt Mr. Willie, &#8222;Wenn das Alpha-M&#228;nnchen das Essen akzeptiert, bleiben wir unbeschadet. Wenn nicht, m&#252;ssen wir rennen.&#8220; Ich bin fasziniert von dieser Parallele zwischen Mensch und Affe, gleichzeitig aber auch dankbar, da&#223; ein Elektrozaun die Tiere von mir trennt. Schimpansen k&#246;nnen Malaria kriegen. Und Schnupfen. Und sie haben uns ja angeblich auch AIDS gebracht. 98,6 % gleiches genetisches Material. Faszinierend, faszinierend. Faszinierend, was f&#252;r ein Unterschied 1,4 % ausmachen. Ich kann n&#228;mlich mit Messer und Gabel essen, das Alpha-M&#228;nnchen offensichtlich nicht. Trotzdem hat das Alpha-M&#228;nnchen mehr Frauen als ich. </p>
<p><img src="http://www.melomaniarecords.de/blog/aff/aff_4.jpg" /></p>
<p>Irgendwie stolz auf meine 1,4 % geht&#8217;s weiter durch den Dschungel, zum n&#228;chsten Gehege. Auf dem Weg dorthin passieren wir eine Schutzh&#252;tte. Vor drei Jahren sind f&#252;nf oder sechs Schimpansen aus Tucugama ausgebrochen. Echter Punk Rock. Auf ihrer Terror-Tour durch den Busch haben sie sogar einen Menschen get&#246;tet. Irgendwann kamen sie alle wieder in den Park zur&#252;ckgekrochen. Ist wohl doch bequemer jeden Tag seine drei Mahlzeiten serviert zu bekommen. Nur einer der Burschen blieb verschollen. Der M&#246;rder-Affe, &#8222;Bruno&#8220; wurde er gerufen. Bruno treibt vielleicht immer noch sein Unwesen, im Busch, in den Vorst&#228;dten, im Haus nebenan. I&#223;t kleine Kinder und erschreckt Omis. Vielleicht war Johnny Rotten der Pate von Bruno. </p>
<p>Station 4: Die fast total ausgewilderten Schimpansen. Man sieht: Urwald. Mr. Willie probt den Begr&#252;&#223;ungsschrei. Im Urwald r&#252;hrt sich nichts, daf&#252;r aber lautes Gejaule von der Kastrationsabteilung. Man schmunzelt. Das ist ja echt Natur pur, wenn man nichts sieht. Nach ein paar Minuten schleppt sich ein fauler Affe in vierzig Metern Entfernung einen Baum hoch. &quot;Ohhh..! Ahhh..!&#8220; Der helle Wahnsinn. Man h&#228;tte meinen k&#246;nnen, wir h&#228;tten nicht vor f&#252;nf Minuten einen Affen zwei Meter vor uns gehabt. Ich frage mich, was Bruno dar&#252;ber denken w&#252;rde, und alle Punk Rocker der ersten Stunde. Anarchie ist das auf jeden Fall nicht.</p>
<p>Station 5: Wir klettern zur&#252;ck durch das feucht-fr&#246;hliche Urwald-Laub. Schon unheimlich, irgendwie. Nicht so wirklich Schwarzwald oder Hunsr&#252;ck. Alles zirpt herum und macht Ger&#228;usche. Dazu das Affen-Tamtam in der Ferne. F&#252;hle mich ein wenig wie Livingstone in Erwartung der Victoria-F&#228;lle. Statt dessen kommen wir wieder an einem Affen-Gehege vorbei. Ein Schimpanse imitiert Flatulenzger&#228;usche und guckt mich dabei an. &#8222;1,4 %, mein Freund,&#8220; sage ich zu ihm, &#8222;und deshalb bl&#228;he ich auch nicht in der Gegend herum&#8220;. Der Affe nimmt einen Stein und wirft ihn nach mir. Er trifft mich am Fu&#223;. Sein Kollege schleppt einen 30-cm-Brocken an. Zeit sich zu verd&#252;nnisieren. </p>
<p>Station 6: Spielplatz, abermals, knapp vor dem Ausgang. Ich stelle Mr. Willie fachbiologische Fragen: &#8222;Das letzte mal, im Zoo, da haben die Affen die ganze Zeit Sex gemacht. War das wegen dem K&#228;fig und der nicht artgerechten Haltung?&#8220; Mr. Willie ist selbstverst&#228;ndlich kein Freund der K&#228;fighaltung, aber er weist mich darauf hin, da&#223; es eklatante Unterschiede zwischen Schimpansen und Bonobos g&#228;be, und die Bonobos, die ich offensichtlich im Zoo gesehen h&#228;tte, die neigten zu &#8218;sexuellen Spielchen&#8216;, das sei der normale Zeitvertreib. Ich wollte Mr Willie nicht weiter mit meinen Kindheitstraumata behelligen und bedankte mich f&#252;r die Disziplin seiner Schimpansen. Gleichzeitig sinnierte ich &#252;ber die 1,4%.  </p>
<p>W&#228;hrend ich den Spielplatz verlie&#223; kam ich nah an einem jungen Schimpansen vorbei. Wir schnitten Grimassen und machten Furzger&#228;usche, es war ein Heidenspa&#223;. 1,4 %, dachte ich, vielleicht doch nicht so viel. Als ich ging, h&#246;rte ich was durch die Bl&#228;tter rauschen, wieder hatte ein Affe einen Stein geschmissen. </p>
<p>Im August werden mich zwei Freunde besuchen kommen. Sie werden mit &#8222;Bellview Air&#8220; fliegen. Einer der Piloten von &#8222;Bellview Air&#8220; ist Bruce Dickinson. Ich befinde mich im Zentrum der Rockmusik. Und die Affen scheinen das zu wissen. </p>
<p />
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/johnny_rottens_affenstall/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>3</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Mein Tod, der hat acht Beine</title>
		<link>http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/mein_tod_der_hat_acht_beine/</link>
		<comments>http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/mein_tod_der_hat_acht_beine/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 17 Jun 2009 01:26:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tobias Senzig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/2009/06/17/mein_tod_der_hat_acht_beine/</guid>
		<description><![CDATA[Als ich seinerzeit den Republiken Sambia und Namibia einen Besuch abstattete und mich dem Luxus-Lodgetourismus hingab und meine leicht verdienten Baf&#246;g-Euros champagnertrinkend in den W&#252;sten dem Kapital hinwarf um durch die resultierenden T&#228;nzlein zumindest ein wenig Abwechslung von der eint&#246;nigen Elefantenjagd zu haben, da f&#252;hlte ich mich sicher und besch&#252;tzt, denn ich hatte halbhohe Schuhe [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich seinerzeit den Republiken Sambia und Namibia einen Besuch abstattete und mich dem Luxus-Lodgetourismus hingab und meine leicht verdienten Baf&#246;g-Euros champagnertrinkend in den W&#252;sten dem Kapital hinwarf um durch die resultierenden T&#228;nzlein zumindest ein wenig Abwechslung von der eint&#246;nigen Elefantenjagd zu haben, da f&#252;hlte ich mich sicher und besch&#252;tzt, denn ich hatte halbhohe Schuhe an.<span id="more-14"></span>
<p>
<img src="http://www.melomaniarecords.de/blog/stiefel.jpg" /></p>
<p>Ganze zwei Wochen lang, bevor ich zu jener Reise aufbrach, verfolgten mich &#252;ble Geister in meinen Tr&#228;umen, von Spinnen, Skorpionen und allerlei garstigen Ungeheuern, die dort, am Wendekreis des Steinbocks, auf mich warteten. In meiner arachnophoben Paranoia sah ich sie in meinen Schlafsack krabbeln, in meine Schuhe kriechen, auf meinen Kopf springen, nur um mich zu bei&#223;en, zu fressen und zu t&#246;ten, denn das ist neben schierer Angsteinfl&#246;&#223;ung der einzige Sinn und Lebenszweck jeglichen Getiers mit mehr als sechs Beinen. </p>
<p>Umfassende Internet-Recherchen ergaben damals, da&#223; einzig und alleine das Tragen von halbhohen Schuhen eine minimale Protektion vor dem qualvollen Exitus gew&#228;hrleiste, da sich die Elenden angeblich zu 90 Prozent am Fu&#223;kn&#246;chel des Unvorsichtigen vergehen. So wurden denn meine ersten Wege in Windhoek dem lokalen Schuhhandel gewidmet, und ich erstand braune Stiefelchen, halbhoch, kn&#246;chelbesch&#252;tzend, chinaimportiert und bereit, mein Leben zu retten. </p>
<p>W&#228;hrend ich alsdann wohlbesch&#252;tzt durch die phantastische s&#252;dafrikanische &#214;dnis stapfte und stiefelte, mu&#223;te ich feststellen, da&#223; ich nichts feststellen konnte. Wer jemals in der W&#252;ste war, der wei&#223;, da&#223; sie lebt, und da&#223; dort st&#228;ndig allerlei kleine Gesellen irgendwie irgendwo &#252;ber den Sand flutschen. K&#228;ferchen, Fliegen, und was-wei&#223;-ich f&#252;r Krabbeltiere, die hier, im schr&#228;gen Nichts, &#228;u&#223;erst eilige Gesch&#228;fte zu erledigen haben, und zwar husch-husch. Nur Spinnen, und Skorpione, die hab ich nicht gesehen. </p>
<p>Nach einer Weile machte ich mich sogar auf aktive die Suche nach meinen Erzfeinden, drehte die Steine um, unter denen sie doch angeblich stets lauern, am Ende sogar auf die falsche Weise, mit der ge&#246;ffneten Seite zu mir, so &#252;berschwenglich wurde ich. Aber gefunden, gefunden hab ich nicht einen. </p>
<p>Sierra Leone ist nicht W&#252;ste, Sierra Leone ist tropisch. Wenn in der W&#252;ste zehn b&#246;se Tiere auf einem Quadratmeter wohnen, dann sind es in den Tropen zehntausend. Aber ich wurde schon wieder bitterlich entt&#228;uscht. Just vor einer Minute habe ich einen Arachnoiden erlegt, in meinem K&#228;mmerchen hier. Er war ein armer Weberknecht (oder er sah zumindest so aus), der sich langweilig und vollkommen harmlos quer &#252;ber die Wand hangelte. Eine Kakerlake hatte ich hier, eine einzige, die war eigentlich ganz witzig, die hat mir immer zugeguckt, wenn ich am Computer sa&#223; und mit den F&#252;hlern gewunken. Vor einer Woche bin ich versehentlich draufgetreten, beim Aufstehen vom Bett. Sorry. Jetzt bin ich wieder ganz allein. </p>
<p>Ich bin kein Sadist, ich bin Missionar, mein Kreuz ist die Fliegenpatsche und meine Mission ist die Vernichtung aller achtbeinigen Satansbrut, mit der wir armen S&#252;nder gestraft werden. Aber die Biologie, die bl&#246;de, kommt mit quer. <br /> Was ist denn da los, in den Tropen, den W&#252;sten, den gef&#228;hrlichen Gegenden dieser Welt, von denen uns das Fernsehen erz&#228;hlt? In den d&#252;steren H&#246;hlen, in denen sich die W&#228;nde bewegen, weil sie dichtbehangen sind mit tellergro&#223;en Spinnen. In den halbfeuchten Erdl&#246;chern, in denen sie auf Dich lauern, um Dich anzuspringen und Dir die finale Injektion zu setzen? In den gr&#252;nbewucherten Baumritzen mit den warnwestentragenden Giftfr&#246;schen, die Dich nur angucken und Du bist tot? </p>
<p>Ich bin wohl in den anderen Tropen gelandet, nicht denen aus dem Fernsehen. Wenn ich meine Leute hier frage, was sie denn von Spinnen halten, dann erz&#228;hlen sie mir doch glatt, da&#223; die Spinnen in Europa eklig seien, weil so gro&#223;. Hier aber, hier schlumpfen nur fingernagelgro&#223;e Armseligkeiten herum, und die, die sind ja auch noch gut f&#252;rs Haus und bringen Gl&#252;ck, guten Tag. </p>
<p>Ja, nat&#252;rlich, in der Stadt, da trifft man selbstverst&#228;ndlich weniger animalisches Ungetier an als in den W&#228;ldern. Aber &#8211; und das will ich hier als Stadtmensch betonen &#8211; ich hatte bis jetzt noch in jeder westlichen Gro&#223;stadt, die ich bewohnte, mindestens eine Begegnung der dritten Art, der ekligen felligen, achtbeinigen Heimsuchung, die mich dann, nach dem Kampf, nicht schlafen lie&#223;, die ganze Nacht. Schande &#252;ber dich Deutschland, Du bist der wahre Dschungel, gespickt mit Holz-, Wolfs,-, Kreuz- und sonstigen Spinnen, die friedliche, unbescholtene Menschen in Panik versetzen. In Angst vor Afrika, dem Urwald, der W&#252;ste und der Sch&#246;nheit der Erde. </p>
<p>Uh, ich glaube in der Ecke hat sich gerade was bewegt. </p>
<p>Ein Post Scriptum f&#252;r alle arachnophoben Meeresfr&#252;chteliebhaber: Wie viele Beine hat ein Hummer? Guten Appetit. </p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stern.de/blogs/palmen_strand_buergerkrieg/mein_tod_der_hat_acht_beine/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>26</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

