Mit dem Flugsimulator fliegen üben oder nicht
Einige Kommentatoren haben bereits das Thema Flugsimulator angerissen – von welchem Hersteller auch immer. Gemeint sind die am heimischen Computer, nicht die professionellen Geräte, die Airlines zum Trainieren ihrer Piloten verwenden.
Eine der ersten Amtshandlungen nach der Entscheidung den Schein zu machen, war auch für mich los zu gehen, mir einen Simulator zu besorgen und zu installieren. Und ganz ehrlich? Seit dem installieren und probespielen stehen die beiden DVDs zwischen diversen Büchern. Denn recht schnell habe ich eines festgestellt:
So lange, wie ich nicht die Erfahrung gemacht habe, selber ein Flugzeug durch das Element Luft zu bewegen, die Kräfte, die dabei wirken zu spüren und das berühmte Popometer zum einschätzen der Lage heranzuziehen, bringt mich das Lesen von Büchern sehr viel mehr ans Ziel. Das theoretische Verständnis, ständiges kontrollieren und testen des Wissensstandes und vor allem das Nachfragen bei Fliegern nach ihren Erfahrungen und Herangehensweisen bringt mir da tatsächlich mehr bei, als ein (Computerspiel-)Flugsimulator. Hätte ich selber nicht gedacht, ist aber so.
Ich bin gespannt, ob und wie sich dieser Eindruck mit der Zeit verändern wird, wenn ich erst mal entsprechende Erfahrung habe und das Geschehen auf einem Computerbildschirm anders einschätzen kann. Sicherlich lassen sich bestimmte Dinge wie Instrumentenflug dann ein Stück weit üben.
Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich nur Parallelen zu Geschehnissen auf Asphalt ziehen:
Als begeisteter Spieler von Rennsimulationen – insbesondere liveforspeed.net in vergangenen Tagen – habe ich vermutlich die Erde in virtuellen Rennstreckenkilometern nicht nur einmal umrundet. Auch die diversen Setup-Möglichkeiten eines Autos waren mir damals ein Begriff. Vorspur, Nachlauf, Sturz, Spoileranstellwinkel und so weiter…
Konnte ich fast alles weg schmeissen, als ich dann tatsächlich mal einen Tag mit einem Auto auf einer Rennstrecke verbringen durfte. Zunächst mal ist es illusorisch, irgendwelche Tuning- oder Setup-Arbeiten am Auto durchzuführen, wenn man mit einem Straßenfahrzeug auf der Strecke ist und kein Formel1-Team dabei hat.
Vielmehr musste ich mich mit der Strecke auseinander setzen. Ich bin in meinem Leben durchaus viel Auto und viele unterschiedliche Autos gefahren. Trotzdem war es eine echte Überwindung, das erste mal ordentlich an einem Bremspunkt richtig in die Eisen zu latschen. Oder das Auto an seinen Grenzen durch eine Kurve zu zirkeln, dabei aber auch schon an die nächste zu denken und die genauso sauber und schnell zu erwischen.
Das was ich schon vorher oft in einer Simulation geübt hatte, bekam in der Realität ganz neue Dimensionen::
- Bewegung
- Kraftaufwand
- physiches Erlebnis
- weich werdene Bremsen spüren
- Angst etwas kaputt zu machen
- GROßER Respekt vor der Physik
In diesem Video wird ein deutlich, was das ausmachen kann:In diesem Video hier bin ich erstmal nur Beifahrer gewesen. Auf dem Rücksitz sass mein Vater, der sich beim Filmen nicht ganz klar darüber war, was kommen würde. Auf die Gesetze der Physik hat ihn auch keine Simulation vorbereiten können
Den Rest des Tages durften wir eigene Runden gemeinsam mit Instruktoren aus dem Rennsport fahren. Da hat mir keine Simulation vorm Computer mehr etwas geholfen. Einzig um den Streckenverlauf und die Bremspunkte für einen zweiten Tag zu trainieren hätte ich vielleicht NACH dem Trainingstag eine entsprechende Sim nutzen können. Um mich sprit- und kostensparend auf weitere Runden vorzubereiten.
Und so halte ich es jetzt auch erst einmal mit dem Fliegen. Zum Spaß mal eine Simulator-Runde drehen. Jepp – durchaus. Zum üben vom echten Fliegen nein. Dafür fehlen mir einfach noch die echten Erfahrungen als Orientierungspunkt.
Wenn ich mich recht erinnere, lernen die Profi-Piloten das Fliegen auch erst in echten Flugzeugen und trainieren dann bestimmte Situationen erst hinterher im (sehr aufwendigen und realitätsnahen) Simulator.
Aber dazu kann der Fachmann sicher noch einmal etwas sagen.




