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Du bist vielleicht ‘ne Marke!

Veröffentlicht in Allgemein von Karsten Lemm am 09.05.2009 um 00:10 Uhr

Neue Technik erlaubt es Prominenten, sich selbst zu verkaufen – ganz buchstäblich und sehr lukrativ.

Zannel-ScreenshotDane Cook ist ein Mann mit vielen Freunden – 2,5 Millionen, um genau zu sein. Zugegeben, es sind keine besonders engen Freunde; da sind alle mitgezählt, die dem amerikanischen Comedystar per Twitter folgen oder ihn auf MySpace in die Arme geschlossen haben. Aber für Cook sind es die besten Freunde, die sich jemand wie er nur wünschen kann: solche, die womöglich bares Geld bedeuten.

Cook, ein Brachialkomiker für begeisterte Schenkelklopfer, nutzt das Internet zur Selbstvermarktung so konsequent wie kaum ein anderer. Videoclips, Fotos, Tourdaten, Blog, Twitter – immer ist etwas los, immer lässt Cook die Fans an seinem Leben teilhaben. Und neuerdings hat er, ganz der Digitalpionier, sogar sein eigenes Programm fürs iPhone. Allen, die es kaufen, verspricht er exklusive Einsichten in sein Leben, die er den Knausrigen aus seinem weitläufigen Bekanntenkreis vorenthält – etwa Blicke hinter die Kulissen seiner aktuellen Comedy-Tour.

Man sieht dann zum Beispiel aus seiner eigenen Perspektive, wie es ist, auf die Bühne zu laufen und vom Publikum gefeiert zu werden. Das Video, gefilmt von einem Helfer, hat den Amateurcharme einer YouTube-Produktion, aber das ist gewollt. "Spannend, nicht wahr?", fragte Adam Zbar, der mir das Video beim "Mobile Trends"-Workshop vorführte. "Man hat das Gefühl, mit ihm auf der Bühne zu stehen."

Zbar ist Chef von Zannel, der Firma, die sich die iPhone-Anwendung hat einfallen lassen. Wie viele Fans in den ersten zwei Wochen 2,99 Dollar (oder, bei iTunes in Deutschland, 2,39 Euro) hingeblättert haben, um ihrem Lieblingskomiker digital näher zu kommen, mochte Zbar nicht verraten – aber er beteuert, der Erfolg habe Apple genauso überrascht wie Cook und Zannel selbst.

Zannel-ScreenshotSchon jetzt stehen nach seinen Worten viele andere in Hollywood Schlange, weil sie auch so einen direkten Draht zu ihren Fans haben möchten. "Musiker, Comedians, Hollywood-Stars – wir sind voll ausgebucht", sagt Zbar, der einen Partner-Deal mit CAA ausgehandelt hat, einer der größten Künstleragenturen im Unterhaltungsgeschäft.

Lukrativ könnte das Geschäft für alle Beteiligten werden: Die Prominenten teilen sich mit Zannel die Einnahmen aus den Verkäufen des iPhone-Programms, und sie bekommen zusätzlich die Möglichkeit, ihren Fans alles Mögliche anzudienen – Konzertkarten, Tour-Mitschnitte, die neue CD, T-Shirts, Kaffeebecher, was auch immer. Daran wiederum verdient Zannel mit. Der Star wird zur eigenen Marke und ist auf Mittelsmänner (wie die Agentur und die Medien) immer weniger angewiesen. "Künstler wollen ihre Geschicke selbst in die Hand nehmen und ganz direkt mit ihren Fans in Kontakt sein", sagt Zbar, "sei es über SMS, Fotos oder Video."

Da aber, zum Leidwesen von Steve Jobs, Dane Cook und Apples Telekom-Partnern, immer noch einige Milliarden Menschen kein iPhone besitzen, soll als nächstes ein Service für ganz normale Multimedia-Handys folgen: Dann können die Promis ihre Anhänger über Premium-SMS auf dem Laufenden halten und auch dabei mitkassieren. Ob es dann einen Dollar im Monat kostet, immer ganz nah dranzubleiben, oder auch zwei oder drei, das ist noch nicht so genau raus. Auf jeden Fall lässt sich ein schönes Geschäft daraus machen, wenn sich genügend Fans finden, die bereit sind, ein bisschen Kleingeld für ihre Bildschirmhelden auszugeben – und die Milliarden aus dem Klingeltönebeutel zeigen ja, wie niedrig bei vielen die Hemmschwelle liegt, wenn es um geringe Beträge geht und das Einkaufen verführerisch leicht gemacht wird.

Um den "Fanclub der nächsten Generation" aufzubauen, will Zannel für jeden Künstler, der einen Mobildienst hat, auch noch einen Internetauftritt gestalten. "Dann schließt sich der Kreis", sagt Zbar, "dann decken wir 360 Grad ab." Mag sein, dass viele Künstler genau davon träumen und sicher auch mancher Fan.

Andererseits: Will man wirklich Céline Dion dabei zuhören, wie sie vor dem Auftritt ihre Stimmbänder ölt? Roberto Blanko begleiten, während er im Kleinbus über die Dörfer tingelt? Schon jetzt, im Probestadium, wird es manchem zu viel. "Keiner braucht eine derartige Dosis Dane Cook", nörgelt etwa ein Blogger bei Brandfreak.com und wünscht sich ein Programm fürs iPhone, das es erlaubt, den "nervtötenden Stand-up-Komiker mit einer schnellen Handbewegung verschwinden zu lassen. Dafür würde ich tatsächlich extra zahlen."

Klingt nicht unbedingt nach einem neuen Freund. Aber was soll’s – Cook hat ja genug.