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	<title>Schöne neue Welt</title>
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	<description>Leben : digital</description>
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		<title>Auszeit</title>
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		<pubDate>Thu, 27 Jan 2011 00:22:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Lemm</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das größte Problem im digitalen Alltag? 24 Stunden sind nie genug. Deshalb ist dies der letzte Eintrag im „Schönen neue Welt“-Blog. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das größte Problem im digitalen Alltag? 24 Stunden sind nie genug.</strong></p>
<p>Die kostbarsten Güter in der schönen neuen Welt, die wir uns mit Facebook, Google, Twitter, Xing, Amazon, Angry Birds, dem iPhone und dem iPad geschaffen haben, heißen Zeit und Aufmerksamkeit. Wenn es an allen Ecken nur so wimmelt von Informationen und Ablenkungen, dann ist der Tag nie lang genug, um all das zu erledigen, was man sich vorgenommen hat.</p>
<p><a href="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2011/01/Kino.de-Illu.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-223" style="margin-right: 10px" title="Kino.de-Illu" src="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2011/01/Kino.de-Illu-300x154.jpg" alt="" width="300" height="154" /></a>Auch bei diesem Problem kommt uns – zum Glück – die Technik ein bisschen zur Hilfe: Wer in E-Mail ertrinkt, kann sich mit Outlook-Erweiterungen wie <a href="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/retter-der-inbox/" target="_blank">Xobni</a> und <a href="http://www.lookeen.net/" target="_blank">Lookeen</a> etwas Erleichterung verschaffen. Für die Kleinigkeiten des Alltags, die viel Zeit fressen, gibt es inzwischen diverse Mobil-Apps – ob es um die <a href="http://www.apfelnews.eu/2009/01/14/app-store-shopper-der-digitale-einkaufszettel/" target="_blank">Einkaufsliste</a> für den Supermarkt geht,  <a href="http://www.macwelt.de/kanal/iphone-welt/apps/finanzen/ausgaben-tool/182/1472" target="_blank">Quittungen</a> für die nächste Steuererklärung oder auch die Suche nach <a href="http://www.kino.de/app" target="_blank">Kinozeiten</a> für die Verabredung am Abend.</p>
<p><a href="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2011/01/Siri-Illu.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-227" style="margin-right: 10px" title="Siri-Illu" src="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2011/01/Siri-Illu-300x184.jpg" alt="" width="300" height="184" /></a>Der beste Allround-Assistent fürs Mobiltelefon, der mir bisher begegnet ist, heißt <a href="http://siri.com/" target="_blank">Siri</a>: Die iPhone-App, die es leider bisher nur in den USA gibt, kennt sich aus mit Restaurants, Veranstaltungen und Geschäften in der Nähe, weiß Bescheid, wie das Wetter wird, ob der Flug Verspätung hat und was als Nächstes auf dem Aufgabenzettel steht. Das Beste daran: Siri lässt mit sich reden. Die App nutzt Spracherkennung und ist dabei so intelligent, dass man nicht mehr das Gefühl hat, sich auf eine beschränkte Maschine einstellen zu müssen. Ursprünglich entwickelt vom Forschungslabor SRI im Silicon Valley, war Siri kaum in die Freiheit entlassen, <a href="http://www.xconomy.com/san-francisco/2010/06/14/the-story-of-siri-from-birth-at-sri-to-acquisition-by-apple-virtual-personal-assistants-go-mobile/" target="_blank">als Apple bereits zuschlug</a> und die Firma kaufte. Gut möglich also, dass Siri-Technik in eine künftige iPhone-Version gleich mit eingebaut wird.</p>
<p><a href="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2011/01/Jomondo-Illu.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-229" style="margin-right: 10px" title="Jomondo-Illu" src="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2011/01/Jomondo-Illu-300x280.jpg" alt="" width="300" height="280" /></a>Wer Geld hat, aber wenig Zeit, kann in der globalen, vernetzten Welt auch problemlos Menschen finden, die bestimmte Aufgaben übernehmen. Einige Dienstleister, wie etwa <a href="http://strandschicht.de/" target="_blank">Strandschicht</a> und <a href="https://www.getfriday.com/" target="_blank">Getfriday</a> (nur Englisch), vermitteln ihren Kunden eine Art virtuellen Butler: Was ist das beste Hotel in Paris für mich? Wieviel kostet ein Kita-Platz in Berlin? Bitte einen Strauß Blumen als Dankeschön versenden&#8230; E-Mail oder Anruf genügen, schon kümmert sich ein Ausleih-Assistent darum. Der kleine Luxus für Vielbeschäftigte kostet bei Strandschicht 10 Euro pro Stunde, bei GetFriday 15 Dollar, für Dauernutzer wird&#8217;s mit Discount-Paketen billiger.</p>
<p>Ein anderes Modell verfolgen Plattformen wie <a href="http://www.klickwork.com/" target="_blank">Klickwork</a> und <a href="http://www.jomondo.de/de/" target="_blank">Jomondo</a>: Sie bringen Menschen, die Aufgaben zu vergeben haben, mit Jobsuchern zusammen. Die Preise variieren je nach Aufgabe, zum Teil ergeben sie sich dynamisch, indem diejenigen, die einen Job übernehmen wollen, mit einer eigenen Lohnvorstellung darum bieten. Im Grund also ein digitales Arbeitsamt für Teilzeitjobs, nur ohne Schlangen und brüokratischen Wasserkopf. (Eine gute Übersicht zu diversen Internet-Angeboten für digitale Assistenten steht <a href="http://blog.marketingshop.de/top-liste-online-dienstleister-furs-outsourcing-kleinerer-aufgaben/" target="_blank">hier</a>.)</p>
<p><a href="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2011/01/Instapaper-Illu.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-231" style="margin-right: 10px" title="Instapaper-Illu" src="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2011/01/Instapaper-Illu-300x167.jpg" alt="" width="300" height="167" /></a>Für Nachrichtensammler wie mich kenne ich derzeit keine größere Erleichterung als <a href="http://www.instapaper.com/" target="_blank">Instapaper</a>, eine kostenlose Erweiterung für den Browser, die es erlaubt, mit einem schnellen Mausklick Artikel für später zu aufzuheben. Der Vorteil ist klar: Egal, wann und wo man etwas Spannendes sieht, auf dem PC, dem Laptop oder dem Smartphone, am Ende findet sich alles an derselben Stelle wieder: bei Instapaper. Der Internetdienst bereitet die Artikel sogar lesefreundlich auf, indem Werbung und alles andere, was ablenkt, ausgeblendet werden kann. Obendrein gibt es Apps fürs iPhone und das iPad, die das Lesen unterwegs und zu Hause zum Vergnügen machen (Light-Version kostenlos, Vollversion gegen Bezahlung).</p>
<p>Trotz allem sind meine Tage leider weiterhin viel zu kurz, um mich regelmäßig um die „Schöne neue Welt“ zu kümmern. Für ein Blog tut sich hier viel zu selten etwas; das habe ich immer bedauert und mir vielfach Besserung vorgenommen – und es doch nie in den Griff bekommen, weil ständig Deadlines drängeln und anderes dazwischenkommt. Siehe oben. Da stern.de nun dabei ist, die Zahl der Blogs zu reduzieren, ist dies (mit Bedauern) <strong>mein letzter Eintrag</strong>.</p>
<p>Bisherige Beiträge bleiben aber im Archiv bestehen, und die Themen leben ohnehin weiter: im Digital-Ressort bei stern.de. Herzlichen Dank für Ihre und Eure Aufmerksamkeit bis hierhin – was sich bei mir tut, <a href="http://twitter.com/lemmk" target="_blank">steht immer aktuell bei Twitter</a>, teils auf Deutsch, teils auf Englisch: @lemmk</p>
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		<title>Löcher im System</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Dec 2010 07:44:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Lemm</dc:creator>
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		<description><![CDATA[WikiLeaks möchte die Welt offener und ehrlicher machen – doch passieren könnte genau das Gegenteil.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- p.p1 {margin: 0.0px 0.0px 0.0px 0.0px; font: 12.0px Calibri} span.s1 {letter-spacing: 0.0px} --><em>WikiLeaks möchte die Welt offener und ehrlicher machen – doch passieren könnte genau das Gegenteil.</em></p>
<p><!-- p.p1 {margin: 0.0px 0.0px 0.0px 0.0px; font: 12.0px Calibri} p.p2 {margin: 0.0px 0.0px 0.0px 0.0px; font: 12.0px Calibri; min-height: 14.0px} span.s1 {letter-spacing: 0.0px} -->Es ist verlockend, in WikiLeaks-Gründer Julian Assange einen Robin Hood des Digitalzeitalters zu sehen: einen Kämpfer für das Gute, der Schandtaten der Mächtigen aufdeckt, sich stellvertretend für uns alle in die Schlacht mit den Allgewaltigen wirft und keine Scheu hat, für seine hehren Ziele viele Jahre im Gefängnis zu riskieren.</p>
<p><a href="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2010/12/TIME-Cover-WikiLeaks2.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-214" title="TIME-Cover-WikiLeaks" src="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2010/12/TIME-Cover-WikiLeaks2-226x300.jpg" alt="" width="226" height="300" /></a>Wer – außer den Verantwortlichen – könnte auch etwas dagegen haben, wenn WikiLeaks etwa aufdeckt, dass das US-Militär in Bagdad ganz <a href="http://www.stern.de/politik/ausland/wikileaks-video-von-us-einsatz-los-lass-uns-schiessen-1556472.html" target="_blank">bewusst auf Zivilisten schoss</a>, nur um anschließend zu beteuern, es habe sich um eine bedrohliche Kriegssituation gehandelt, der unglücklicherweise zwölf Menschen zum Opfer gefallen seien? Natürlich ist es gut und wichtig, dass solche Dinge ans Licht kommen – je früher desto besser.</p>
<p>Problematischer wird es für mich bei anderen Beispielen: Die jüngsten Enthüllungen, die aus gut 250.000 diplomatischen Dokumenten stammen, enthalten reichlich Material, bei dem man sich fragen muss, ob es nicht verantwortlicher gewesen wäre, es unter Verschluss zu halten. Kann es wirklich gut sein, dass der nordkoreanische Diktator Kim Jong Il, der mit Atomwaffen hantiert, dank Wikileaks erfährt, wie wenig er in Wahrheit auf die Unterstützung seiner vermeintlichen Freunde in Peking zählen kann? Wenn Kim nun zu dem Schluss käme, ihm bleibe nur die Flucht nach vorn – weitere Militäraktionen, die womöglich in einem Krieg enden: Was dann? Ist das ein „Kollateralschaden“, wie Militärs sagen würden; bedauerlich, aber etwas, das man hinnehmen muss, um sein Ziel zu erreichen?</p>
<p>„<strong>Die WikiLeaks-Enthüllungen könnten den Lauf der Geschichte verändern</strong>“, schreibt das Magazin TIME in einer <a href="http://www.time.com/time/world/article/0,8599,2034276,00.html" target="_blank">lesenswerten Analyse</a>. Beispiele wie Nordkorea zeigen, welch enorme Verantwortung Assange und seinen WikiLeaks-Mitstreitern zukommt. Bisher vermisse ich Zeichen, dass der von vielen verehrte Online-Freiheitskämpfer sich dessen tatsächlich bewusst ist. Assange gefällt sich darin, Politiker und Wirtschaftsbosse herauszufordern und pauschal zu verurteilen. Das ist ja auch leichter, als in der Grauzone zwischen Gut und Böse einen verschlungenen Weg zu finden, der sicherstellt, dass die wohlmeinenden Absichten keine ungewollten Konsequenzen haben.</p>
<p>Doch selbst wenn WikiLeaks klare Richtilinien definieren würde, was veröffentlicht wird und was nicht – es wird Nachahmer geben, die auf solche Grundsätze pfeifen. Wahrscheinlich wird es sogar Nachahmer geben, die das Konzept auf andere Dinge anwenden, womöglich mit einem Geschäftsmodell dahinter: <strong>Geheimes gegen Bares.</strong></p>
<p>Jedes Unternehmen bemüht sich, interne Informationen vor der Öffentlichkeit und dem Blick der Konkurrenz zu schützen. Das ist auch völlig legitim, solange alles mit rechten Dingen zugeht. Und doch will natürlich jeder wissen, was der andere treibt. Das WikiLeaks-Prinzip ließe sich leicht darauf anwenden: ein geheimer Briefkasten, der sammelt, was vergrätzte Mitarbeiter loswerden möchten, um anonym ihrem Boss oder Arbeitgeber eins auszuwischen. Schon sitzt der Sammler auf einem Schatz an Informationen, die ein Vermögen wert sind. (Vielleicht passiert das längst, und ich Naivling habe es bloß nicht mitbekommen.)</p>
<p>Natürlich gibt es auch in der Wirtschaft reichlich Fälle, in denen Indiskretion ausdrücklich erwünscht ist: Wenn ein Unternehmen wie Enron systematisch Anleger betrügt, kann eine anonyme Anlaufstelle für Informanten, die Alarm schlagen wollen, nur gut sein. Diese Funktion erfüllt zwar auch die Presse. Doch vielen dürfte es leichter fallen, mit ein paar Mausklicks Dokumente an eine Website zu schicken, als persönlich mit Reportern Kontakt aufzunehmen – was in der Regel bedeutet, dass man sich zu erkennen geben muss. Tatsächlich <a href="http://blogs.forbes.com/andygreenberg/2010/11/29/an-interview-with-wikileaks-julian-assange/" target="_blank">hat Assange bereits verkündet</a>, dass WikiLeaks einen Haufen brisanter Dokumente über US-Banken und ihr Verhalten in der Wirtschaftskrise hortet. Anfang 2011 soll es die nächsten explosiven Enthüllungen geben.</p>
<p><strong>Schön wär’s, wenn die Beteiligten am Ende ihr Verhalten zum Besseren ändern würden</strong> – bloßgestellt, geläutert, innerlich gereinigt und reformiert. Doch in Wahrheit, fürchte ich, wird etwas anderes passieren: Organisationen, die sich angegriffen fühlen, neigen eher dazu, sich einzuigeln und abzuschotten, statt sich grundlegend zu ändern. Das gilt für Unternehmen genau wie für Regierungsstellen. Sie werden noch stärker als bisher versuchen, Geheimes geheim zu halten, mit allen Mitteln.</p>
<p>In etlichen Firmen werden die Bosse nun auf WikiLeaks schauen und sich fragen: Was können wir tun, damit uns so etwas nicht auch passiert? Das Resultat könnte sein, dass künftig jeder Mausklick im Büro, jeder Mausklick auf dem Firmenlaptop registriert und ausgewertet wird. Möglich ist das schon jetzt, aber in den meisten Fällen stehen Aufwand und gefühlte Gefahr in keinem Verhältnis zueinander. Das muss nicht so bleiben.</p>
<p>Vielleicht täusche ich mich, vielleicht ebbt die Aufregung um WikiLeaks schnell wieder ab, und es finden sich weniger radikale Wege, Vertrauliches von der Öffentlichkeit fernzuhalten. Klar ist für mich, dass die Mächtigen in Politik und Wirtschaft sich nicht so leicht geschlagen geben werden. Sie werden sich wehren, um ihre Interessen zu wahren. Hier in den USA vergleichen viele Konservative Julian Assange und WikiLeaks mit Al Kaida und Terroristen ganz allgemein. Eigentlich ein absurder Gedanke, denn es geht WikiLeaks ja nicht darum, blindwütig Angst und Schrecken zu verbreiten oder gar Menschenleben zu fordern. Und doch besteht die Gefahr, dass die Reaktion auf die Enthüllungen ähnlich ausfallen wird wie bei der Terror-Bekämpfung: neue Eingriffe in unsere Privatsphäre, vorgeblich zum Schutz der Allgemeinheit. Oder auch nur von Geschäftsgeheimnissen.</p>
<p><strong>Mir zumindest reicht es, am Flughafen durchleuchtet zu werden</strong>; ich mag mir nicht vorstellen, in einer Welt zu leben, in der es plötzlich ganz normal ist, auf Schritt und Tritt, auf Klick und Klick durchleuchtet zu werden. Immerzu und überall. Weil angeblich nur so die „nationale Sicherheit“ und die Interessen der Arbeitgeber gewährleistet werden können.</p>
<p><strong>Nachtrag:</strong></p>
<p>Vielen Dank für die zahlreichen Kommentare. Kurz noch mal zur Klarstellung: Es geht mir nicht darum, absolute Geheimhaltung zu predigen oder WikiLeaks generell zu verteufeln. Der entscheidende Punkt ist der verantwortungsvolle Umgang mit den Informationen – und da verhalten sich Julian Assange und seine Mitstreiter aus meiner Sicht bisher nicht übermäßig vertrauenerweckend.</p>
<p>Wenn WikiLeaks etwa d<a href="http://www.newyorker.com/reporting/2010/06/07/100607fa_fact_khatchadourian?currentPage=all" target="_blank">ie Sozialversicherungsnummern von US-Soldaten</a> veröffentlicht, wem ist damit gedient? In den USA ist diese Zahlenfolge oft der Zugangsschlüssel zu hoch sensiblen privaten Informationen, inklusive Bankkonten (nicht allein, aber in Kombination mit relativ leicht zugänglichen weiteren Daten). Ähnlich muss WikiLeaks sich fragen lassen, welchen Sinn es hat, die Bauanleitungen von Geräten ins Netz zu stellen, mit denen US-Soldaten in Afghanistan Bomben entschärfen. Wahrscheinlich dient es vor allem jenen, die diese Sprengsätze bauen: So wissen sie, was sie ändern müssen, damit die Bomben tödlich bleiben – nicht nur für Soldaten, sondern auch für Zivilisten, die das Pech haben, zwischen die Fronten zu geraten.</p>
<p>Ja, wahrscheinlich ist es eh möglich, sich solche Informationen zu beschaffen. Aber WikiLeaks macht es plötzlich kinderleicht. Offenbar, ohne sich groß um die Folgen zu sorgen. Assange selbst hat <a href="http://www.newyorker.com/reporting/2010/06/07/100607fa_fact_khatchadourian?currentPage=all" target="_blank">gegenüber dem New Yorker-Magazin</a> erklärt, es könne passieren, dass WikiLeaks-Mitarbeiter bei Gelegenheit &#8220;Blut an den Händen&#8221; hätten. Das ist für mich die Sprache von Aktivisten, nicht von Journalisten. Es zeugt eben <em>nicht</em> von Besonnenheit und ruhigem Abwägen.</p>
<p>Mir geht es auch nicht darum, Wirtschaftsbosse und Politiker zu verteidigen, die Informationen mit allen Mitteln der Öffentlichkeit vorenthalten wollen. Meine Sorge ist: Die Bemühungen, Geheimnisse zu wahren, werden weit drastischer ausfallen als bisher, und am Ende leiden wir alle darunter.</p>
<p>Für  eine andere Perspektive zum Thema WikiLeaks empfehle ich den<a href="http://www.stern.de/blogs/hans-martin_tillack/wikileaks-und-wir/" target="_blank"> Blogeintrag meines Kollegen Hans-Joachim Tillack</a>, der lesenswert eine Gegenposition zu meinen Argumenten bezieht.</p>
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		<title>Retter der Inbox</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Sep 2010 02:41:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Lemm</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zuviel E-Mail, Tag für Tag? Schlaue Software kann helfen, die Nachrichtenflut zu bewältigen.
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			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Zuviel E-Mail, Tag für Tag? Schlaue Software kann helfen, die Nachrichtenflut zu bewältigen.</em></p>
<p>Früher hatte elektronische Post etwas Aufregendes: Computer anmachen, das E-Mail-Programm starten und gespannt darauf warten, ob im Eingangskörbchen neue Nachrichten lagen. „You Have Mail!“, hieß es dann triumphierend bei AOL. Heute wäre wohl mancher froh, <em>keine</em> neuen Nachrichten in der Inbox zu finden. <a href="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2010/09/Xobni_Matt-Brezina.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-182" title="Xobni_Matt-Brezina" src="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2010/09/Xobni_Matt-Brezina-296x300.jpg" alt="" width="296" height="300" /></a>Allein im Büro sind täglich mehr als 100 E-Mails zu bewältigen, hat der Marktforscher Radicati Group ermittelt, und für viele dürfte das nach Untertreibung klingen. (Wie das so ist bei Durschnittswerten: Andere haben es immer besser.) Outlook-Nutzer, immerhin, bekommen seit einer Weile Hilfe von einem <a href="http://www.xobni.com/de-de/" target="_blank">schlauen Software-Assistenten</a>: Xobni, eine Outlook-Erweiterung, über die ich schon <a href="http://www.stern.de/digital/computer/outlook-zusatzprogramm-xobni-mehr-hirn-fuer-das-postfach-1567969.html" target="_blank">für stern.de geschrieben</a> habe, klinkt sich in das E-Mail-Programm ein, beobachtet und lernt mit. Die kostenlose Version zeigt Facebook-, Xing- und andere Kontakt-Informationen von allen, mit denen man elektronische Post austauscht; und wer bereit ist, 30 Dollar (derzeit knapp 25 Euro) für die Vollversion zu zahlen, bekommt noch einiges mehr geboten – darunter viele Wege, E-Mail-Nachrichten und angehängte Dateien detailliert zu filtern und zu durchsuchen.</p>
<p>Outlook selbst bietet in der neuesten Version <a href="http://office.microsoft.com/de-de/outlook/features-und-vorteile-von-outlook-2010-HA101810016.aspx" target="_blank">ansatzweise Ähnliches</a>, und nun kommt auch Hilfe für alle, die lieber im Browser ihre E-Mail erledigen. Googles „Gmail“-Dienst (der in Deutschland aus Copyright-Gründen „Googlemail“ heißt), zeigt sich neuerdings ebenfalls lernfähig. Mit der <a href="http://googleblog.blogspot.com/2010/08/email-overload-try-priority-inbox.html" target="_blank">„Priority Inbox“</a> sollen wichtige <a href="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2010/09/Google-Priority-Inbox.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-185" title="Google Priority Inbox" src="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2010/09/Google-Priority-Inbox-281x300.jpg" alt="" width="281" height="300" /></a>Nachrichten nie mehr in den Fluten untergehen, sondern bekommen einen Platz an der Sonne garantiert: Sie stehen immer ganz oben. Was wichtig ist, versucht Google zu raten, indem die Kalifornier unterschiedliche Kriterien analysieren und gewichten – etwa, wem man oft schreibt und wie viele E-Mails von dieser Adresse zurückkommen. Reger E-Mail-Austausch signalisiert Googlemail engen Kontakt, und entsprechend hoch wird auch künftige Post eingestuft. Mit kleinen Symbolen zum Anklicken kann jeder Nutzer der Software beim Lernen helfen und Google sagen, welche Nachrichten und Absender wirklich wichtig sind, welche eher nicht so. Wer dann noch die Browser-Erweiterung <a href="http://rapportive.com:80/" target="_blank">„Rapportive“</a> installiert, die Facebook- und andere Nutzer-Profile aus sozialen Netzwerken direkt in Gmail anzeigt, hat schon beinahe so etwas wie Xobni im Browser.</p>
<p>Schön und gut, aber was ist mit all den <em>anderen</em> Nachrichten, die vielen inzwischen mindestens ebenso viel bedeuten wie E-Mail? Twitter, Facebook, Myspace, Xing&#8230; Überall wird gezwitschert und auf Wände gemalt, ständig kommt Neues dazu, und für aktive Netzwerker kann es in Arbeit ausarten, bei alledem noch den Überblick zu behalten. <a href="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2010/09/Flock.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-187" title="Flock" src="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2010/09/Flock-300x230.jpg" alt="" width="300" height="230" /></a>Immerhin gibt es <a href="http://www.flock.com/" target="_blank">„Flock“</a>, den Browser, der ein großes Herz hat fürs soziale Netz: Wer mit Flock surft (einem engen Verwandten von Firefox), sieht in einer Seitenleiste alle Dienste, bei denen man angemeldet ist, kann schnell hin und her wechseln und nach den wichtigsten Neuigkeiten schauen. Selbst dann kann es freilich schwer sein, bestimmte Dinge wiederzufinden – man weiß genau, man hat’s in einer persönlichen Nachricht gelesen, aber wo&#8230;? Das ist dann künftig wohl ein Fall für <a href="https://www.greplin.com/" target="_blank">„Greplin“</a>, einen brandneuen Internetservice, der zur zentralen Anlaufstelle für alle Informationen werden will, die per E-Mail, Facebook und auf vielen anderen Wegen zusammenkommen. „Die Suchleiste für Ihr Leben“ lautet das Motto der Jungfirma, die noch so neu ist, dass sie Nutzer vorerst nur handverlesen aufnimmt, einen nach dem anderen. Die Anmeldung läuft – wie sonst? – per E-Mail. Die Greplin-Mitarbeiter am anderen Ende werden Hilfe brauchen können.</p>
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		<title>Freunde und Spione</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Aug 2010 04:15:16 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Die Aufregung um Google Street View geht am Thema vorbei: Nicht die Suchmaschine ist der neue Big Brother – sondern jeder von uns.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Die Aufregung um Google Street View geht am Thema vorbei: Nicht die Suchmaschine ist der neue Big Brother – sondern jeder von uns.</em></p>
<p>Der Papst mag nicht, wenn man unangemeldet zu Besuch kommt. Als Google durch Rom kurvte, um die ewige Stadt für Street View zu erfassen, waren die Kamerawagen im Vatikanstaat offenbar nicht erwünscht. Ganz Rom kann man aus der Fußgängerperspektive bewundern, bis auf die 44 Hektar rund <a href="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2010/08/Vatikan-Panoramio.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-147" title="Vatikan-Panoramio" src="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2010/08/Vatikan-Panoramio-300x236.jpg" alt="" width="300" height="236" /></a>um den Petersdom. Das ist aber nicht schlimm. Wer sich ein Bild davon machen möchte, wie schön bei Benedict XVI die Gärten blühen oder wie die Sixtinische Kapelle aussieht, sogar von innen, kommt trotzdem mit Google Maps zum Ziel. Man zieht einfach das kleine Street View-Männchen auf einen der blauen Punkte auf der Karte, und schon gibt es viele, viele Bilder zu sehen, die eifrige Vatikanstadt-Besucher aufgenommen und selbst ins Netz gestellt haben. Das funktioniert auch zwischen Kiel und Koblenz, Bochum und Berlin. Schon vor dem Deutschland-Start von Street View kann ich zum Beispiel die Reihenhaus-Idylle in der <a href="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2010/08/Bochum-Nutzerfoto-Panoramio.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-149" title="Bochum-Nutzerfoto-Panoramio" src="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2010/08/Bochum-Nutzerfoto-Panoramio-300x236.jpg" alt="" width="300" height="236" /></a>Kolmarerstraße in Bochum bewundern – dank Nutzer „alex5609“, der den Blick auf die dreistöckigen Gebäude gern der ganzen Welt zeigen möchte. Also hat er den Schnappschuss bei <a href="http://www.panoramio.com/" target="_blank">Panoramio</a> ins Netz gestellt, einem Foto-Service à la Flickr, der seine Nutzer immer schon gefragt hat: „Wo habt ihr das denn aufgenommen?“ Über die Jahre ist durch das Verknüpfen mit Längengrad und Breitengrad (so genanntes „Geotagging“) ein detailliertes Bild der Welt entstanden, die perfekte Ergänzung zu Googles Kartendiensten. Zunächst tauchten Panoramio-Fotos nur bei Panoramio selbst auf, dann bei Google Earth und seit kurzem auch in Google Maps.</p>
<p><a href="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2010/08/Panoramio-Strand-Ibiza.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-145" title="Panoramio-Strand-Ibiza" src="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2010/08/Panoramio-Strand-Ibiza-300x236.jpg" alt="" width="300" height="236" /></a><strong>Da sind sie nun endgültig nicht mehr zu übersehen</strong> – und manch einer mag erstaunt entdecken,sehr prominent im Netz plaziert zu sein, wenn jemand nach dem Brandenburger Tor sucht, dem Louvre oder einem Platz an der Sonne auf Ibiza. Wo auch immer man mal war. Irgendwer drückt ab, klick!, stellt das Bild ins Netz, und schon kann es jeder bewundern. Verpixelt ist gar nichts, anders als bei Street View, und oft genug geben die Nutzerfotos weit tiefere Einblicke in unseren Alltag als Googles Kamerawagen, die einmal alle paar Jahre durch die Straße vor der eigenen Haustür fahren.</p>
<p>Gewiss, Google hat nicht gefragt, und das mag man frech finden. Aber viele, die ihre Schnappschüsse aus den Ferien oder von der letzten Party an Flickr, Facebook oder Panoramio weiterreichen, fragen genausowenig – und oft sind andere Leute mit im Bild, die nicht unbedingt glücklich darüber sein müssen, gleich mit im Netz zu landen.</p>
<p>Doch Fotos sind ja nur ein kleiner Teil des Puzzles: Wie viele von denen, die sich über Street View als vermeintlichen Street Voyeur empören, sind zugleich eifrige Facebook-, StudiVZ- oder Xing-Nutzer? Mit erstaunlicher Unbekümmertheit vertrauen mittlerweile viele Millionen Menschen ihr halbes Leben sozialen Netzwerken an – plaudern über Lieder und Filme, die sie mögen, Autos, Bücher und andere Dinge, die sie nicht mögen; den Chef, der ihnen auf die Nerven geht; die neue Kollegin, die so süß aussieht, wenn sie lacht; die große Liebe und kleine Geheimnisse, etliche zum Teil sehr intime Details aus ihrem Alltag. Ganz so, als säße man im kleinen Kreis beisammen, wirklich nur unter Freunden, und niemand würde mithören.</p>
<p><a href="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2010/08/Stern-Heft_34_2010_300.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-155" title="Stern Heft_34_2010_300" src="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2010/08/Stern-Heft_34_2010_300-222x300.jpg" alt="" width="222" height="300" /></a>Dabei ist das Gegenteil der Fall: <strong>Wohl nirgendwo im Internet geben wir uns so sehr die Blöße wie in sozialen Netzwerken</strong> und bei vielen anderen Diensten, die uns immerzu ermuntern, etwas aus unserem Leben preiszugeben. Im Gegenzug lockt das Versprechen, Aufmerksamkeit zu gewinnen, neue Freunde zu finden oder maßgeschneiderte Digital-Dienste zu bekommen, die unseren Alltag schöner und bequemer machen sollen – man muss nur Einblick geben in seine Vorlieben und Gewohnheiten. Das geht alles so einfach und scheint so verheißungsvoll, dass viele das Motiv der Firmen vergessen: Natürlich wollen sie Geld verdienen, und die meisten Angebote finanzieren sich über Werbung. Also sammeln Facebook &amp; Co. fleißig jedes Info-Schnipselchen über ihre Nutzer, das sie finden können, um zielgenaue Anzeigen zu verkaufen. Je geringer die Streuverluste, um so höher der Werbepreis. (Mehr dazu im <a href="http://www.stern.de/magazin/heft/stern-nr-34-19-08-2010-big-brother-google-is-watching-you-1594053.html" target="_blank">aktuellen Stern</a> sowie diesem lesenswerten Kommentar meines FAZ-Kollegen Carsten Knop: <a href="http://www.faz.net/s/Rub4D8A76D29ABA43699D9E59C0413A582C/Doc~E2EC1DABEBD9C4E7F90B7A2B796C050E7~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">„Street View ist nicht das Problem.“</a>)</p>
<p>„Wenn jemand vor Ihrer Haustür entlang fährt, der Sie fotografiert, fühlt es sich sehr direkt wie eine Verletzung der Privatsphäre an“, sagt <a href="http://www.cylab.cmu.edu/education/faculty/acquisti.html" target="_blank">Alessandro Acquisti</a>, ein Internet-Sicherheitsexperte an der Carnegie Mellon-Universität in Pittsburgh, mit dem ich mich ausführlich für den Stern-Titel unterhalten habe. Doch im Gegensatz zu Street View passiert das Datensammeln in der Online-Welt unauffällig im Hintergrund. „Es bleibt unsichtbar“, sagt Acquisti, „deshalb reagieren die meisten Menschen weit weniger aufgebracht.“</p>
<p><a href="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2010/08/Alpha-Dummy.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-178" title="Alpha-Dummy" src="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2010/08/Alpha-Dummy-232x300.jpg" alt="" width="232" height="300" /></a>Während die Firmen uns über die Schulter schauen, weil sie sich ein Milliardengeschäft davon erhoffen, sehen wir Nutzer darin ein Gesellschaftsspiel. Im Grunde machen soziale Netzwerke die ganze Welt zum Dorf: Jeder kennt jeden, und alle wissen immer über die anderen Bescheid. Man kann sich heraushalten, klar, aber wer das tut, stellt sich ins Abseits. Also teilen wir fleißig mit, was uns beschäftigt, wohin die nächste Reise geht, was wir von der Schwiegermutter halten, vom Vermieter, von den Nachbarn – und begeben uns freiwillig unter ständige Beobachtung. <strong>„Früher dachten wir bei Big Brother an die Regierung – heute sind wir selbst zu Big Brother geworden“</strong>, sagt Acquisti. Das heißt nicht, dass dahinter böse Absichten stecken, im Gegenteil. Wir beobachten und verfolgen einander „auf eine sehr nette, freundlich gemeinte Art“, wie Acquisti betont. Aber es bleibt eben doch Beobachtung.</p>
<p>Technikpropheten versuchen, uns einzureden, dass Datenschutz und Privatsphäre im Internetzeitalter eh passé sind. Ich halte das für gefährlichen Unsinn. Zum einen drohen jedem, der zu viel von sich öffentlich macht, sehr konkrete Nachteile: Das reicht vom Job, den man nicht bekommt, weil die Personalstelle bei Facebook zuviel Unbequemes entdeckt, bis zum schlechteren Kreditzins, weil die Bank im Netz stöbert und zu dem Schluss kommt, dass der Kunde ein Wackelkandidat ist. Das muss nicht mal stimmen, der Eindruck genügt. Die andere Gefahr ist schleichend – ein Verlust der Freiheit im Kopf: massenkonformes Verhalten und Selbstzensur aus Furcht davor, negativ aufzufallen. <strong>„Die Freiheit des Einzelnen hängt direkt davon ab, dass wir nicht bei Schritt und Tritt überwacht werden“</strong>, sagt der <a href="http://www.nicholasgcarr.com/info.shtml" target="_blank">Autor und Internetexperte Nicholas Carr</a>. „Es geht um mehr als die Unterwanderung des Datenschutzes – es geht um unseren freien Willen.“</p>
<p>Vorige Woche hat Facebook den nächsten Schritt getan: Mit „Places“ können wir unseren Freunden nicht nur durch den Tag folgen, sondern auch von einem Ort zum anderen. Mit Places sagen Nutzer, wo sie gerade sind – und mehr noch, sie können auch sagen, welche Facebook-Freunde sonst noch da sind. Ohne, dass die anderen es unbedingt mitbekommen. Die möglichen Folgen hat das Online-Magazin <a title="http://www.slate.com/id/2264492/" href="http://" target="_blank">„Slate“ sehr gut beschrieben</a>: Die vielen kleinen, meist harmlosen Lügen, die wir uns gegenseitig täglich erzählen, fliegen plötzlich ganz leicht auf. „Wie wär’s mit Kino?“ – „Ach nee, ich kann heute nicht, muss noch arbeiten&#8230;“ Dumm, wenn man dann bei einer Party erwischt wird, weil jemand mit Places gespielt hat. Es gibt etliche solche Situationen, die unangenehm werden können, wenn plötzlich alle Online-Freunde jederzeit wissen, wo man wann gewesen ist. „Mit diesem System wird Facebook zur Aufrichtigkeits-Polizei“, schreibt Slate.</p>
<p>Places lässt sich abstellen, zum Glück. Dann erfasst Facebook nur diejenigen, die aus eigenem Antrieb der Welt mitteilen, wo sie gerade herumschwirren. Eine Garantie, nicht trotzdem online bloßgestellt zu werden, ist das freilich nicht – es reicht ja schon, wenn irgendwo in der Nähe jemand auf den Auslöser drückt und das Bild publik macht. Im Augenblick mag das noch in der Masse untergehen, doch im Internet verkommt nichts, und Bilderkennungssysteme werden ständig besser. Irgendwann, in wahrscheinlich gar nicht ferner Zukunft, werden Google und andere so weit sein, dass sie ein <strong>„Face View“</strong> einführen können: die Suche mit Gesichtserkennung. Das ist dann ein bisschen unheimlicher als Street View – und  die Datenschützer haben wirklich Grund zum Protestieren.</p>
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		<title>Nachrichten aus der Zukunft</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Aug 2010 05:38:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Lemm</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Lesen als Erlebnis: Mit dem iPad und seinen Geschwistern kann die Presse sich neu erfinden. Merken das auch die Verlage?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Lesen als Erlebnis: Mit dem iPad und seinen Geschwistern kann die Presse sich neu erfinden. Merken das auch die Verlage?</strong></p>
<p><strong><br />
</strong></p>
<p><a href="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2010/08/WSJ-App.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-108" style="margin-left: 5px;margin-right: 5px" title="WSJ-App" src="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2010/08/WSJ-App-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Seit ich das iPad habe, liegt die Morgenzeitung wieder neben mir auf dem Frühstückstisch. Um das Neueste vom Tage zu erfahren, muss ich nicht am Schreibtisch hocken und auf den Bildschirm starren, vornübergebeugt wie bei der Arbeit, sondern kann mich gemütlich zurücklehnen, mit einem Fingertippen von einer Schlagzeile zur nächsten springen und zwischendurch gelegentlich nach der Tasse Kaffee greifen. (Mehr dazu in meinem stern.de-Artikel über das <a href="http://www.stern.de/digital/computer/praxistest-so-lebt-es-sich-mit-dem-ipad-1559666.html" target="_blank">Leben mit dem iPad</a>.)</p>
<p><strong>Doch im Browser zu lesen ist nur das halbe Vergnügen.</strong> Der Browser ist ein Allzweckprogramm, das im einen Moment den Börsenkurs anzeigen soll und im nächsten den günstigsten Flug von München nach Rio. Weil das immer Kompromisse bedeutet, floriert die Entwicklung von „Apps“, speziellen Anwendungen für iPad und iPod, aber auch Smartphones mit dem rivalisierenden „Android“-Betriebssystem. Apps sind optimiert darauf, eine ganz bestimmte Aufgabe zu erfüllen – Internetradio abzuspielen, die Nachrichten der 50.000 engsten Facebook-Freunde anzuzeigen oder eben den billigsten Flug in die Ferien zu finden.</p>
<p>Hastig stürzen sich auch immer mehr Verlage ins Digital-Abenteuer, und so gibt es inzwischen eigene Apps für Zeitungen wie die <a href="http://www.welt.de/marktplatz/welt-digital/article7908878/iKiosk-App.html" target="_blank">Welt</a>, <a href="http://itunes.apple.com/at/app/le-monde-fr/id294047850?mt=8" target="_blank">Le Monde</a> oder das <a href="http://online.wsj.com/public/page/ipad.html" target="_blank">Wall Street Journal</a>, aber auch eine Vielzahl von Magazinen, darunter deutsche wie <a href="http://www.brandeins.de/kiosk/ipad.html" target="_blank">Brand Eins</a> und <a href="http://www.spiegel.de/dienste/0,1518,695631,00.html" target="_blank">Spiegel</a> ebenso wie internationale. (Der <a href="http://www.horizont.net/aktuell/medien/pages/protected/Stern-Chef-Lindner-enthuellt-das-Geschaeftsmodell-seines-E-Magazins_91217.html" target="_blank">Stern</a> arbeitet ebenfalls an einem „eMagazine“.) Man kann mit solchen Programmen prima die Presse aus aller Welt genießen, und oft macht das Lesen auf diese Weise mehr Spaß als im Browser, weil die Artikel wieder präsentiert werden können wie auf Papier: in einem Layout, das die Gestalter kontrollieren, statt mehr oder weniger beliebig wie im Browser.</p>
<p><a href="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2010/08/Natl-Geo-Zinio.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-103" title="Natl-Geo-Zinio" src="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2010/08/Natl-Geo-Zinio-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><strong>Aber es gibt enorme Unterschiede</strong> bei der Qualität der Apps und auch bei der Höhe der Preise. Die Verlage, das ist kein Geheimnis, leiden unter dem Umstieg von Papier auf Digitalwelt. Im Browser sind Informationen meistens kostenlos zu haben – aus gutem Grund, denn es wimmelt nur so von Nachrichten im Internet, an allen Ecken lässt sich problemlos finden, was man wissen möchte. Wer trotzdem die Hand aufhalten will, muss etwas Besonderes bieten. Meine Überzeugung ist: Da die Inhalte durch Inflation an Wert verlieren, <a href="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/zukunft_ohne_presse/" target="_blank">muss die Verpackung das Besondere sein</a>. Es muss angenehmer und bequemer, spannender und mitreißender sein, die Informationen in einer App zu betrachten als im Browser – und zusätzlich muss der Preis stimmen. Leider scheinen viele Verlage bisher darauf aus zu sein, für ein Minimum an Aufwand das Maximum an Geld zu verlangen. Verständlich vielleicht, aber nicht besonders klug. Statt Kunden zu locken, die man erst noch überzeugen muss, für etwas Kostenloses überhaupt wieder zu zahlen, verprellt man sie.</p>
<p><a href="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2010/08/Welt-Illu.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-104" title="Welt-Illu" src="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2010/08/Welt-Illu-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Die besten Beispiele, die mir einfallen, sind <a href="http://www.app.time.com/ipad.php" target="_blank">das US-Magazin Time</a> und der <a href="http://www.welt.de/marktplatz/welt-digital/article7908878/iKiosk-App.html" target="_blank">„iKiosk“ </a>des Axel Springer Verlags. Time kostet im Apple-Store 4,99 Dollar (derzeit knapp 4 Euro) pro Ausgabe – während das gedruckte Heft als Abo für das<em> gesamte Jahr</em> schon für 20 Dollar zu haben ist. So ist das in Amerika üblich. Ähnlich gierig zeigt sich der Springer-Verlag, der in seinem „iKiosk“ eine Reihe von Tageszeitungen als iPad-Version anbietet. Für einen Monat digitale „Welt“ verlangen die Berliner 29,99 Euro, das „Hamburger Abendblatt“ gibt’s für 19,99, und BILD kostet 12,99 im Monat. All das ist mir zu teuer – nicht nur, weil der Verlag Druck- und Vertriebskosten spart, sondern auch, weil der iKiosk nichts anderes bietet, als dass man die Zeitungen lesen kann wie auf Papier. Es gibt keine zusätzlichen Fotostrecken, keine interaktiven Grafiken, keine Videos, ja nicht mal die Möglichkeit, einzelne Artikel auszuwählen, um sie leichter zu lesen und vielleicht an Freunde weiterzuschicken.</p>
<p>Das ist ohnehin etwas, mit dem viele Verlage kämpfen: Offenbar aus Angst, die teuer eingekauften Nachrichten könnten übereifrig weitergereicht werden, sperren sie ihre Leser ein. Wenn überhaupt, erlauben die meisten nur, Links zu verschicken – sei es per E-Mail, Twitter oder Facebook. Die Empfänger werden auf Webseiten geleitet, wo sie die Artikel wieder im Browser sehen. Nicht gerade die beste Art, Menschen an eine neue Form des Lesens heranzuführen. Obendrein bekomme ich als zahlender Kunde meist keine Möglichkeit, Artikel, die ich spannend finde, aufzuheben, zu drucken oder auf den PC zu übertragen.</p>
<p><a href="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2010/08/Spiegel-App-Illu.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-107" style="margin-left: 10px;margin-right: 10px" title="Spiegel-App-Illu" src="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2010/08/Spiegel-App-Illu-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><strong>Am besten gefallen mir</strong> im Augenblick die Apps des Spiegel und von <a href="http://www.zinio.com/ipad/" target="_blank">Zinio</a>. Der Spiegel geht einen Mittelweg zwischen textlastig (wie in seiner iPhone-App) und einer Präsentation ähnlich wie auf Papier. Das Layout ist nicht identisch mit dem gedruckten Heft, aber was soll’s? Wer den Spiegel digital abonniert, bekommt auch am PC Zugang zu den Heftinhalten und kann einzelne Artikel oder die gesamte Ausgabe als PDF-Datei laden – ideal zum Drucken oder Archivieren. Die iPad-App konzentriert sich darauf, Artikel aus dem Heft optimal für das iPad aufzubereiten. Dazu gehört auch, dass viele Artikel mit Video-Material ergänzt werden, meist von Spiegel TV. Weiterführende Informationen von Spiegel.de sowie Diskussionsforen sind per Browser in die App integriert. Was fehlt, ist die Möglichkeit, Artikel an Freunde zu schicken (siehe oben). Dennoch finde ich 16 Euro im Monat (189,90 Euro im Jahr) für all das einen fairen Preis.</p>
<p><a href="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2010/08/Zinio-Shop.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-105" title="Zinio-Shop" src="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2010/08/Zinio-Shop-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Zinio wiederum gefällt mir, weil ich damit Zeitschriften aus aller Welt lesen kann, ohne für jede von ihnen eine eigene App zu installieren. Zinio ist ein digitaler Kiosk mit mehr als 2000 Titeln im Angebot, darunter der <a href="http://www.zinio.com/browse/publications/index.jsp?productId=369336404&amp;sch=true" target="_blank">Economist</a>, <a href="http://www.zinio.com/browse/publications/index.jsp?productId=307418160&amp;sch=true" target="_blank">Le Point</a>, <a href="http://www.zinio.com/browse/publications/index.jsp?productId=1429640&amp;sch=true" target="_blank">Business Week</a>, <a href="http://www.zinio.com/browse/publications/index.jsp?productId=500466501&amp;sch=true" target="_blank">GEO International</a>, <a href="http://www.zinio.com/browse/publications/index.jsp?productId=118171302&amp;sch=true" target="_blank">Muy Interesante</a>, <a href="http://www.zinio.com/browse/publications/index.jsp?productId=500251832&amp;sch=true" target="_blank">Focus Italien</a>, <a href="http://www.zinio.com/browse/publications/index.jsp?productId=1629324&amp;sch=true" target="_blank">Harvard Business Review</a> und viele mehr. Manche Verlage belassen es dabei, ihre Heftinhalte als PDF an Zinio weiterzureichen – das ist einfallslos, aber immerhin: Wenn der Preis stimmt, bin ich bereit, selbst dafür zu zahlen, um ein Magazin vom anderen Ende der Welt zu lesen, so wie es gedruckt wird.</p>
<p><strong>Spannend wird es, wenn die Verlage ihre Ideen spielen lassen </strong>und die Möglichkeiten nutzen, die die Software bietet: <a href="http://www.zinio.com/browse/publications/index.jsp?productId=117385323&amp;sch=true" target="_blank">National Geographic</a> etwa reichert jede Ausgabe mit Filmen und interaktiven Grafiken an, und oft bekomme ich als Leser einen Blick hinter die Kulissen geboten, wenn Fotografen im „Making of“-Video berichten, welche Abenteuer sie bei der Recherche erlebt haben. Das Musikmagazin <a href="http://www.zinio.com/browse/publications/index.jsp?productId=500267737&amp;sch=true" target="_blank">Rolling Stone</a> wiederum hat sich gerade mit Zinio zusammengetan, um in einer <a href="http://www.zinio.com/top500songs" target="_blank">Sonderausgabe</a> seine Liste der „500 besten Songs aller Zeiten“ zum Leben zu erwecken: Jedes Lied lässt sich direkt in der App anhören, während man den Text dazu liest, und bei Gefallen kann man es gleich kaufen – ein Fingertippen genügt, schon landet man im iTunes-Musikladen auf dem iPad.</p>
<p><a href="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2010/08/Zinio-Illu-RollingStone.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-101" title="Zinio-Illu-RollingStone" src="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2010/08/Zinio-Illu-RollingStone-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Leider finden sich bisher keine deutschen Inhalte bei Zinio, weil Verlage zwischen Berlin und München noch zögern mitzumachen. Doch für alle, die eine Fremdsprache sprechen und sich gern in der Welt umschauen, kann ich Zinio nur empfehlen. (Mehr zu der App demnächst an dieser Stelle – ich hatte vor kurzem Gelegenheit, mich mit dem Chef der Firma, die hier in San Francisco beheimatet ist, ausführlich zu unterhalten.) Die Preise sind meist recht günstig – der Rolling Stone etwa kostet im Jahres-Abo 20 Dollar, also gerade mal 15 Euro. Wer kein iPad besitzt, kann Zinio auch auf Mac- und Windows-Rechnern nutzen; dann allerdings wieder vornübergebeugt mit starrem Blick auf den Bildschirm.</p>
<p><strong>Die Zukunft schaut bei alledem freilich nur ansatzweise um die Ecke.</strong> Das iPad und seine Geschwister, die noch folgen werden, erlauben es uns Journalisten, Themen auf ganz neue Weise aufzubereiten. Bisher stehen Videos und interaktive Grafiken häufig noch etwas unbeholfen neben dem Text; künftig, wenn alles gemeinsam produziert wird, können daraus ganz neue Erzählformen entstehen. Der Springer-Verlag, der sich bei seinem iKiosk so einfallslos zeigt, probiert das bereits mit dem digitalen <a href="http://itunes.apple.com/at/app/the-iconist/id367013196?mt=8" target="_blank">Lifestyle-Magazin „Iconist“</a>, einer App, die eigens für das iPad entwickelt wurde. Man kann dort fleißig durch Fotoseiten blättern, Videos anschauen und Texte über teure Weine lesen.</p>
<p><a href="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2010/08/Iconist-Illu.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-102" style="margin-left: 0px;margin-right: 15px" title="Iconist-Illu" src="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2010/08/Iconist-Illu-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Alles fein. Freut mich, dass überhaupt jemand bereit ist, etwas auszuprobieren. Noch besser fände ich es aber, die <a href="http://www.test.de/" target="_blank">„test“</a> oder <a href="http://www.heise.de/ct/" target="_blank">„c’t“</a> auf meinem iPad zu lesen, und bei jeder Produktbesprechung könnte ich selber sagen, welche Eigenschaften mir wichtig sind – <em>mir</em>, nicht der Redaktion, die vielleicht glaubt, dass zu viel Zucker in der Erdbeermarmelade zur Abwertung führen muss oder die Größe der Festplatte wichtiger ist als die Frage, ob der Laptop-Bildschirm spiegelt. Plötzlich wären die Tabellen nicht mehr statisch, die Bewertungen nicht mehr vorgegeben, sondern ich als Leser könnte mitbestimmen und die Testresultate an meine Bedürfnisse anpassen.</p>
<p>Ähnlich hätten Zeitschriften wie <a href="http://www.spotlight-verlag.de/" target="_blank">„Spotlight“ und „Écoute“</a> <strong>die Chance, das Sprachenlernen neu zu erfinden</strong> – mit Videos und interaktiven Übungen, Aussprachetraining und Artikeln, bei denen das Wörterbuch in den Text gleich mit eingebaut ist. Hmm, „gâterie“ – nie gehört. Ein Fingertippen – ach, da steht’s: „Süßigkeiten“. <a href="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2010/08/NatlGeo-Video.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-106" style="margin-left: 0px;margin-right: 5px" title="NatlGeo-Video" src="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2010/08/NatlGeo-Video-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Sweet, so einfach könnte es gehen. Selbst Video-Chat mit anderen, die dieselbe Sprache lernen wollen, wäre technisch kein Problem. Und wo ist das <a href="http://www.merian.de/" target="_blank">„Merian“</a> oder <a href="http://www.geo.de/GEO/heftreihen/geo_saison/magazinuebersicht.html" target="_blank">„GEO Saison“</a>, bei dem ich mit dem Finger auf der Weltkugel herumfahren kann? Überall gibt es etwas zu entdecken: Reisereportagen, Videos, Fotos und Erlebnisberichte anderer Nutzer, Tipps von Leuten, die schon mal dort waren, wohin ich im nächsten Urlaub selbst gern reisen möchte. Als Fan von Knobeleien hätte ich auch nichts gegen einen interaktiven <a href="http://www.pm-magazin.de/de/aktuellehefte/pm_logiktrainer.htm" target="_blank">„P.M. Logik-Trainer“</a>, bei dem die Rätsel auf dem iPad eine ganz neue Dimension erlangen.</p>
<p><strong>Wahrscheinlich fällt Ihnen zu Ihrem Lieblingsmagazin auch sofort etwas Spannendes ein.</strong> Die Möglichkeiten, die sich durch Tablet-Rechner wie Apples Wunderflunder autun, sind schier unerschöpflich – hoffen wir, dass die Verlage schnell aufwachen, um sie zu ergreifen. Unterdessen freue ich mich – man will ja nicht undankbar sein –, dass ich beim Frühstück zumindest wieder so Zeitung lesen kann, wie es sein sollte: zurückgelehnt und ganz entspannt. Schließlich sollte die morgendliche Nachrichtenschau nicht in Arbeit ausarten; nicht mal, wenn man Reporter ist.</p>
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		<title>Die Masse macht&#8217;s</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Jul 2010 01:39:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Lemm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Deals]]></category>
		<category><![CDATA[E-Commerce]]></category>
		<category><![CDATA[Handel]]></category>
		<category><![CDATA[Innovation]]></category>
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		<category><![CDATA[Social Media]]></category>

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		<description><![CDATA[Neue Digitaldienste verkuppeln Käufer direkt mit Fabriken und nutzen das Internet, um Mengenrabatte auszuhandeln.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Im Vielfach-Dutzend billiger: Neue Digitaldienste verkuppeln Käufer direkt mit Fabriken und nutzen das Internet, um Mengenrabatte auszuhandeln.</em></p>
<p>Wenn ich ausgehe, zahle ich immer seltener den vollen Preis. Neulich zum Beispiel war ich hervorragend Italienisch essen und musste für ein Dinner, das eigentlich mehr als 50 Dollar kosten sollte, gerade mal die Hälfte auf den Tisch legen. So bleibt Essengehen in San Francisco (keine billige Stadt) auch beim schwindsüchtigen Euro gerade noch erschwinglich. Das verdanke ich <a href="http://www.groupon.com" target="_blank">„Groupon“</a>, einem Internetservice, der die Macht der Masse dazu einsetzt, bei örtlichen Geschäften Mengenrabatte auszuhandeln. (Der Name setzt sich zusammen aus „group“ für Gruppe und „Coupon“.)</p>
<p><a href="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2010/07/Groupon.de_.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-80" title="Groupon.de" src="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2010/07/Groupon.de_-300x228.jpg" alt="" width="300" height="228" /></a>Tag für Tag macht Groupon seinen Nutzern ein Sonderangebot: Das kann ein Segelkurs zum halben Preis sein; ein Haarschnitt beim Frisör mit 30 Prozent Nachlass; ein Besuch im Museum für die ganze Familie zum Preis von einem; oder auch ein Essen im Restaurant im Wert von 50 Dollar, das aber nur 25 Dollar kostet. Finden sich genügend Interessenten &#8211; was praktisch immer der Fall ist -, kommt der Deal zustande. Die Groupon-Nutzer zahlen, die Händler bekommen ihr Geld, und der Coupon, den man auf diese Weise erstanden hat, kann jederzeit genutzt werden; meist gilt er zwölf Monate lang.</p>
<p>Groupon kassiert natürlich mit, und das Geschäft läuft so gut, dass sich in Windeseile reichlich Nachahmer gefunden haben &#8211; <a href="http://www.groupon.de" target="_blank">auch in Deutschland.</a> Da hieß Groupon bis vor kurzem „Citydeal“, <a href="http://www.ftd.de/it-medien/medien-internet/:citydeal-verkauf-web-investoren-samwer-versilbern-naechsten-klon/50115429.html" target="_blank">ehe die Amerikaner das Imitat einfach kauften</a>, um schneller nach Europa zu expandieren.</p>
<p>Groupon ist ein Musterbeispiel für eine neue Form von E-Commerce, bei der das Internet dazu dient, bessere Preise auszuhandeln, indem sich viele Gleichgesinnte via WWW zusammenfinden. Wenn ich als Einzelner zum Restaurant ginge, um vorzuschlagen, dass ich mir zum halben Preis den Bauch vollschlagen darf, würde der Besitzer kräftig lachen &#8211; aber die Aussicht, mit 50 Prozent Rabatt nicht nur einen einzigen neuen Kunden zu gewinnen, sondern womöglich gleich Hunderte, ändert alles. Und für mich als Kunden macht es der hohe Nachlass leicht, zum Angebot „ja“ zu sagen &#8211; die Hemmschwelle sinkt, die Breitschaft, Neues auszuprobieren, steigt, und wenn ich zufrieden bin, komme ich gern wieder und zahle beim nächsten Mal den vollen Preis.</p>
<p><a href="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2010/07/MyFab.de_.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-79" title="MyFab" src="http://www.stern.de/blogs/schoene_neue_welt/files/8//2010/07/MyFab.de_-300x227.jpg" alt="" width="300" height="227" /></a>Einen anderen Weg, die Macht der Masse zu nutzen, geht „<a href="http://de.myfab.com/?___store=main_de_store" target="_blank">MyFab“</a>: Die Firma aus Paris, die seit ein paar Monaten auch eine deutsche Niederlassung hat, sammelt Bestellungen für Designermöbel, und erst wenn sich genügend Interessenten gefunden haben, werden die Möbel beim Hersteller in Auftrag gegeben und anschließend direkt an die Besteller ausgeliefert. Da MyFab weder Kosten für die Lagerhaltung hat, noch Ladenmieten zahlen muss, kann die Firma deutlich billiger sein als die Konkurrenz.</p>
<p>„MyFab steht für Transparenz bei den Preisen“, erklärt Firmengründer Stéphane Setbon. „Ein Stuhl besteht aus ein paar Stücken Holz, das uns die Natur zur Verfügung stellt, plus Herstellungskosten. Es gibt keinen Grund, dass der Preis am Ende 50 Mal so hoch sein sollte wie die Materialkosten.“</p>
<p>Setbon ist ein 35-jähriger ehemaliger Investmentbanker, der zum Unternehmer wurde, weil er selbst nicht einsehen mochte, dass er für eine Couch, die ihm gefiel, 500 Euro zahlen sollte. Er telefonierte herum, suchte im Internet und stellte fest, dass er dieselbe Couch, die er im Möbelladen sah, direkt beim Hersteller in China für nur 50 Euro bekommen konnte &#8211; wenn er gleich 500 Stück abnahm. „Ich musste mich als Großhändler ausgeben“, um auch nur die Informationen zu bekommen, berichtet Setbon. Doch statt entnervt aufzugeben, fragte er sich, wie er er tatsächlich zum Großhändler werden könnte. „Mir war klar, dass der Schlüssel dazu beim Internet lag“, erklärt er, „weil das Internet sehr gut darin ist, in kurzer Zeit Nachfrage zu erzeugen.“</p>
<p>Heute, nur zwei Jahre später, ist MyFab ein Unternehmen mit über hundert Mitarbeitern und mehr als 120.000 Kunden. Auch 20.000 Deutsche, erzählt Setbon, waren schon bereit, sich auf sein ungewöhnliches Angebot einzulassen: Im Gegenzug für einen guten Preis kauften sie Tische, die sie nie angefasst hatten, Betten, in denen sie nie Probe gelegen hatten, und warteten nach der Bestellung zwei bis drei Monate, bis ihre Möbel hergestellt und geliefert wurden. Praktisch alles, was MyFab anbietet, stammt aus China, wie in der Branche überwiegend üblich. Seine Zulieferer seien die gleichen, die auch für Markenhersteller arbeiten, versichert Setbon, der sogar von Paris nach Shanghai übergesiedelt ist, um näher bei seinen Partnern zu sein (womit zumindest er einen hohen Preis zahlt).</p>
<p>Für alles, was MyFab anbietet, gibt es immer nur ein kurzes Bestellfenster &#8211; ähnlich wie bei Auktionen auf eBay. Entwickelt sich ein Produkt zum Bestseller, wie etwa der <a href="http://de.myfab.com/categories/home/furniture/beanbags.html?link=1" target="_blank">Sitzsack</a>, der inzwischen eine ganze Produktfamilie um sich geschart hat, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es das entsprechende Möbelstück regelmäßig gibt. Anderes, das sich eher schleppend verkauft, wird womöglich nur so lange angeboten, bis sich genügend Käufer finden, um es ein einziges Mal herzustellen und dann nie wieder.</p>
<p>Auf jeden Fall ist alles vergleichsweise billig. „Man muss 50 bis 80 Prozent Ersparnis bieten können, das ist die Schwelle, damit Leute bereit sind, so lange auf ihre Möbel zu warten“, erklärte Setbon &#8211; von Termin zu Termin hetzend &#8211; mir kürzlich bei einem Morgenkaffee hier in San Francisco, wo er gerade dabei ist, die US-Filiale von MyFab aufzubauen. Und als hätte er mit dem Aufbruch nach Amerika noch nicht genug zu tun, will der Jungunternehmer gleich noch in andere Produktkategorien expandieren. „Mode, Sonnenbrillen, Reisetaschen, Schmuck“, zählt er auf &#8211; überall wird nach Setbons Ansicht über Gebühr hingelangt, und das will er ändern.</p>
<p>„Die Menschen durchschauen die Heuchelei bei Markenrodukten“, sagt der Franzose. „Sie wissen ja, dass das meiste aus China und anderen Ländern kommt, in denen man billig produzieren kann.“ Testweise hat MyFab im vorigen Jahr Herren-Anzüge angeboten und auf Anhieb Tausende Käufer gefunden, erzählt Setbon. „Anzüge, die in Paris 2000 Euro kosten, können Sie in China für 100 Euro einkaufen.“ Rechnet man Mehrwertsteuer und andere Kosten ein, kann MyFab sie für 150 oder 200 Euro ins Sortiment nehmen &#8211; weit unter dem, was Boutiquen verlangen. Was nicht gefällt, kann innerhalb von 14 Tagen zurückgegeben werden, genau wie bei jedem anderen Versandhändler.</p>
<p>Und doch gibt es Grenzen für das Geschäftsmodell &#8211; auch wenn es den MyFab-Gründer schmerzt: „Kosmetik wird niemand von uns kaufen, und das ist eine Schande“, seufzt Setbon. Nur zu gern würde er Millionen von Lippenstiften und Puderdöschen unters Volk bringen, die in der Herstellung so gut wie nichts kosten und doch für ein Vielfaches ihres Materialwerts verkauft werden. „Die Gewinnspanne liegt bei 95 Prozent und mehr“, rechnet Setbon vor, aber er weiß natürlich, dass der wahre Wert solcher Produkte im Auge der Betrachterin liegt, nicht darin, wieviel Chanel &amp; Co. für die Herstellung zahlen. „Wenn es um Status geht, um Produkte, an denen man seine Identität festmacht“, sei MyFab chancenlos, räumt Setbon ein, denn die Identität hängt am Markennamen, „und niemand will eine Identität ohne Namen.“</p>
<p>Aber wenn es um T-Shirts geht, Socken oder Oberhemden? Warum nicht? Ich zumindest hätte nichts dagegen, auch solche Kleidungsstücke im Dutzend billiger zu bekommen &#8211; selbst wenn ich ein paar Wochen warten müsste, weil ja alles erst nach der Bestellung aus der Fabrik kommt. In der Zwischenzeit kann ich mit dem Geld, das ich spare, ein paarmal Essen gehen. Zum halben Preis, versteht sich.</p>
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		<title>Apples stille Revolution</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Jan 2010 19:54:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Lemm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Im iPad-Rummel beinahe untergegangen: Das Tablet k&#246;nnte die Medienwelt neu erfinden. Steve Jobs ist ein Mann der gro&#223;en Worte, und so sparte er auch am Mittwoch nicht an Theatralik. Nichts weniger als eine Revolution versprach er bei der Vorstellung des &#34;iPad&#34; hier in San Francisco &#8211; und dann blieb sie, auf den ersten Blick zumindest, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><b>Im iPad-Rummel beinahe untergegangen: Das Tablet k&#246;nnte die Medienwelt neu erfinden.</b><span id="more-41"></span>
</p>
<p>Steve Jobs ist ein Mann der gro&#223;en Worte, und so sparte er auch am Mittwoch nicht an Theatralik. Nichts weniger als eine Revolution versprach er bei der Vorstellung des &quot;iPad&quot; hier in San Francisco &#8211; und dann blieb sie, auf den ersten Blick zumindest, v&#246;llig aus. Das schicke kleine Rechenbrett, das Jobs der staunenden &#214;ffentlichkeit pr&#228;sentierte, ist f&#252;r mich nichts wirklich Neues; es ist eine Weiterentwicklung dessen, was wir l&#228;ngst kennen: ein gro&#223;er Bruder von iPhone und iPod Touch &#8211; und wer Apple glaubt, dass das Ger&#228;t als Ersatz f&#252;r ein Laptop taugt, sollte sich klar machen, wie beschr&#228;nkt die M&#246;glichkeiten sind.</p>
<p>Das iPad hat weder USB-Anschl&#252;sse noch Steckpl&#228;tze f&#252;r Speicherkarten &#8211; es gibt also keinen direkten Weg, etwa Dokumente zu drucken oder Fotos und Videos von der Kamera &#252;bertragen. Das ist wohl der Preis der Sch&#246;nheit: Jobs, so h&#246;rt man, findet, dass externe Anschl&#252;sse die makellose H&#252;lle des schimmernden T&#228;felchens verunziert h&#228;tten, und deshalb werden alle, die mehr wollen, auf Adapter ausweichen m&#252;ssen &#8211; den Stecker f&#252;rs Dock, an den auch das Stromkabel angeschlossen wird, gibt es ja immerhin.</p>
<p>Das wahre Talent des iPad liegt aus meiner Sicht ganz woanders: Es ist der perfekte Freizeitbegleiter daheim, ideal zum Spielen und Lesen, weit bequemer zum Internetsurfen auf der Couch, im Bett oder am K&#252;chentisch als jedes andere Ger&#228;t.</p>
<p>Dann gibt es nur eine Einschr&#228;nkung, die mich st&#246;rt: dass Apple sich weiterhin weigert, Flash-Animationen zu unterst&#252;tzen. Nervt&#246;tend und absurd, aber wenn ich mich im Netz tummele, brauche ich keine Terabyte-Festplatte; und f&#252;r Musik und Videos, die ich von meinem Hauptrechner aufs iPad kopiere, reichen selbst 16 Gigabyte v&#246;llig aus.</p>
<p>Und Apples Multimedia-Tablett hat tats&#228;chlich das Zeug zum Revoluzzer: Es k&#246;nnte den Markt f&#252;r digitale Medien aufmischen und den gebeutelten Verlagen die Chance geben, mit Nachrichten endlich wieder Geld zu verdienen.</p>
<p>Das kam bei der gro&#223;en Enth&#252;llungsshow erstaunlicherweise viel zu kurz. Jobs pr&#228;sentierte zwar mit viel Tamtam seinen &quot;iBook&quot;-Laden, der das Apple-Tablet zum elektronischen Leseger&#228;t &#224; la Amazon Kindle machen soll. Doch stundenlanges Schm&#246;kern ist auf Farbdisplays meistens anstrengend; die Schwarzwei&#223;-Anzeige aus elektronischem Papier, die Kindle &amp; Co. nutzen, hat f&#252;rs reine Lesen viele Vorteile.</p>
<p>Aber f&#252;r Zeitschriften wie Stern, Brigitte, GEO, die von Farbe, Fotos und packendem Layout leben, ergeben sich durch ein Ger&#228;t wie den iPad ganz neue M&#246;glichkeiten: Pl&#246;tzlich wird es attraktiv, digitale Versionen solcher Magazine zu entwickeln, die das Beste aus gedrucktem Heft und Internet vereinen &#8211; perfekte Pr&#228;sentation von Texten und Bildern, kombiniert mit interaktiven Grafiken, Diaschauen, Videos und (jawohl) Werbung, die interessant werden kann, weil sich auf einen Klick hin eine herk&#246;mmliche Anzeige in einen Videoclip verwandelt.
</p>
<p>
All das und mehr ist m&#246;glich &#8211; und wenn die Verlage es richtig angehen, sind Leser vielleicht auch wieder bereit, daf&#252;r zu zahlen. Nicht f&#252;r Inhalte im Web-Browser selbstverst&#228;ndlich, sondern f&#252;r eine Art iTunes der Nachrichten &#8211; etwas, das Lesen wieder zum Erlebnis macht und zugleich so bequem, dass die Inhalte zu den Nutzern kommen, automatisch, ohne dass sie etwas tun m&#252;ssen.</p>
<p>Journalisten m&#246;gen das nicht gern wahr haben, aber das, was wir produzieren, ist nahezu wertlos geworden &#8211; austauschbar in Zeiten, in denen sich Leser &#252;berall im Netz bedienen k&#246;nnen, meistens kostenlos. Deshalb liegt der eigentliche Wert digitaler Angebote im Erlebnis. Ansatzweise bem&#252;hen sich die Verlage, solche Ideen umzusetzen. Der Stern etwa hat mit seiner iPhone-App Pionierarbeit geleistet, und andere sind nachgezogen, manche verlangen erfolgreich Geld f&#252;r ihre Angebote.</p>
<p>Doch wer hat Lust, f&#252;r Stern, Spiegel, Zeit jeweils eine eigene App zu kaufen und wom&#246;glich f&#252;r jede einzeln Monatsgeb&#252;hren zu zahlen? Ein digitaler Kiosk muss her, in dem Hefte aller Verlage zu haben sind, einzeln oder als Abo und idealerweise im B&#252;ndel billiger: Wer Neon, Cinema und die Bunte lesen will, zahlt f&#252;r alle drei nur die H&#228;lfte und bekommt trotzdem mehr als auf Papier &#8211; die neuesten Nachrichten aus dem Internet, das Heft wie gedruckt, Videos, Hintergr&#252;nde, die Chance zum Mitreden und dabeisein. Eintauchen in die F&#252;lle der Inhalte, ohne dabei arm zu werden.</p>
<p>So k&#246;nnte die Revolution aussehen, und derzeit w&#228;re kein Ger&#228;t ein besserer Kandidat, um sie zum Erfolg zu f&#252;hren, als Apples j&#252;ngster Spross. Viva la iPad!</p>
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		<title>Schneidig ins 21. Jahrhundert</title>
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		<pubDate>Sun, 24 Jan 2010 23:58:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Lemm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Neu f&#252;r digitale Pfadfinder: das Schweizer Taschenmesser mit USB-Stick und Fingerabdruck-Scanner Es gibt sie mit Dosen&#246;ffner, Pinzette, Schere, Nagelfeile, Kugelschreiber, Schraubenzieher, Brief&#246;ffner, Orangensch&#228;ler, Kompass, Kapselheber, Korkenzieher, Wasserwaage, Holzs&#228;ge, Drahtabisolierer, Zigarrenschneider und sogar Stech-Reib-Ahle (was auch immer das sein mag): Schweizer Taschenmesser, Multitalente f&#252;r alle Lebenslagen, vor fast 120 Jahren f&#252;r die Schweizer Armee erfunden und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><b>Neu f&#252;r digitale Pfadfinder: das Schweizer Taschenmesser mit USB-Stick und Fingerabdruck-Scanner</b><span id="more-40"></span>
</p>
<p><a href="http://www.stern.de/plog_resserver.php?blogId=53&amp;resource=Victorinox-IMG_1522.jpg" id="res_3912"><img border="0" src="http://www.stern.de/plog_resserver.php?blogId=53&amp;resource=Victorinox-IMG_1522.jpg&amp;mode=medium" alt="Victorinox" style="5px" /></a>Es gibt sie mit Dosen&#246;ffner, Pinzette, Schere, Nagelfeile, Kugelschreiber, Schraubenzieher, Brief&#246;ffner, Orangensch&#228;ler, Kompass, Kapselheber, Korkenzieher, Wasserwaage, Holzs&#228;ge, Drahtabisolierer, Zigarrenschneider und sogar Stech-Reib-Ahle (was auch immer das sein mag): Schweizer Taschenmesser, Multitalente f&#252;r alle Lebenslagen, vor fast 120 Jahren f&#252;r die Schweizer Armee erfunden und heute weltweit in mehr als einhundert Varianten erh&#228;ltlich. Sechs Millionen St&#252;ck produziert der Hersteller Victorinox davon Jahr f&#252;r Jahr, das sind 28.000 St&#252;ck pro Tag. Trotz der Vielfalt an Modellen war ich verbl&#252;fft, neulich auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas das rot-wei&#223;e Firmenlogo der Schweizer zu sehen: umgeben von Kopfh&#246;rern, Netbooks, Stereoanlagen, ein gro&#223;er Stand f&#252;r Taschenmesser. Wie das?</p>
<p>&quot;Wir wollen, dass das Schweizer Taschenmesser mit der Zeit geht&quot;, erkl&#228;rte mir Veronika Elsener, Mitbesitzerin der traditionsreichen Familienfirma. Als Kind, erinnert sie sich, sei sie viel durch den Wald gelaufen, und da war es praktisch, ein traditionelles Messer dabei zu haben, mit den Klingen, Feilen, S&#228;gen und was man in der Natur noch so alles braucht. Aber heute? &quot;Meine Kinder verbringen mehr Zeit vor dem Computer als im Wald, wir mussten das irgendwie aktualisieren.&quot;</p>
<p><a href="http://www.stern.de/plog_resserver.php?blogId=53&amp;resource=vm_5301PMG8_sol_a03.jpg" id="res_3913"><img border="0" src="http://www.stern.de/plog_resserver.php?blogId=53&amp;resource=vm_5301PMG8_sol_a03.jpg&amp;mode=medium" alt="Presentation Master" style="5px" /></a>Und so gibt es nun Schweizer Taschenmesser mit Anschluss ans Digitalzeitalter: Schon auf der vorigen CES stellte Victorinox  ein Modell mit wasserfestem USB-Stick vor, und diesmal feierte der &quot;Presentation Master&quot; Premiere &#8211; eine weiterentwickelte Variante mit Laser-Pointer, Bluetooth-Fernbedienung f&#252;r Laptops und Fingerabdruck-Scanner, damit die Daten auf dem USB-Stick sicher sind. Erst wenn sich der Besitzer per Fingerabdruck identifiziert, kann auf die Informationen zugegriffen werden. 100.000 Dollar versprach Victorinox demjenigen, der es schafft, das System, mit dem die Daten verschl&#252;sselt werden, zu knacken. Am Ende der CES hatten sich 45 Hacker daran versucht &#8211; erfolglos; die Schweizer durften ihr Geld behalten.</p>
<p>Im April soll der Presentation Master auf den Markt kommen. Bis zu 32 Gigabyte Speicherplatz bietet der USB-Stick, mehrere Varianten sind geplant, darunter auch solche ohne Messer, Schere und Nagelfeile: Wer viel fliegt, ist mit den Modellen ohne scharfe Klingen besser bedient. Bedingung ist allerdings ein Windows-Rechner, weil sich die Verschl&#252;sselungssoftware nicht mit Macintosh- oder Linux-PCs vertr&#228;gt.</p>
<p>Schade eigentlich. Aber wer nicht auf Windows steht, kann sich vielleicht mit dem &quot;Swiss Army Remote&quot; tr&#246;sten: Es soll ab Herbst erh&#228;ltlich sein und vermag per Knopfdruck drahtlos das Garagentor zu &#246;ffnen. Die Reaktion auf die ersten Taschenmesser des Digitalzeitalters sei &quot;&#252;berw&#228;ltigend&quot;, erz&#228;hlt Veronika Elsener, und deshalb soll es bald noch mehr davon geben: &quot;Wir sind offen f&#252;r neue Ideen, und dieser Markt ist unbegrenzt.&quot;</p>
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		<title>T&#252;ckische Technik</title>
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		<pubDate>Tue, 05 Jan 2010 00:52:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Lemm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Von der Stereoanlage bis zum Fahrkartenautomaten: Viel zu viele Ger&#228;te sind von Ingenieuren f&#252;r Ingenieure gemacht. Im Wohnzimmer meiner Eltern lebt die moderne Welt: Eine Satellitensch&#252;ssel holt zahllose Fernsehsender von Berlin bis Barcelona ins Haus, die Stereoanlage sucht sich ihr Programm wahlweise im &#196;ther oder im Internet, und ein digitaler TV-Rekorder sorgt daf&#252;r, dass sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><b>Von der Stereoanlage bis zum Fahrkartenautomaten: Viel zu viele Ger&#228;te sind von Ingenieuren f&#252;r Ingenieure gemacht.</b><br /><span id="more-39"></span>
<p>Im Wohnzimmer meiner Eltern lebt die moderne Welt: Eine Satellitensch&#252;ssel holt zahllose Fernsehsender von Berlin bis Barcelona ins Haus, die Stereoanlage sucht sich ihr Programm wahlweise im &#196;ther oder im Internet, und ein digitaler TV-Rekorder sorgt daf&#252;r, dass sich jede Sendung automatisch aufnehmen l&#228;sst. Man kann sie auch anhalten, w&#228;hrend sie ausgestrahlt wird, zum Beispiel, wenn das Telefon klingelt oder die Pizza im Backofen fertig ist, und nat&#252;rlich Werbebl&#246;cke &#252;berspringen, die Aufnahmen archivieren und vieles mehr. </p>
<p>Technisch alles kein Problem. Nur bedienen l&#228;sst sich nichts davon ohne Informatikstudium und R&#228;tsel-Lesen der verklausulierten Bedienungsanleitungen. Also sitze ich im Wohnzimmer und frage mich, wie ich an den Radiosender Nr. 16 herankomme. Einfach die Fernbedienung nehmen und &quot;16&quot; eintippen? Klappt nicht, die Anlage springt immer gleich zum Sender 1. Stattdessen, so erkl&#228;rt mir mein Vater, muss ich die Taste &quot;10+&quot; bet&#228;tigen und dann die 6 hinterher. 10+6=16: ganz logisch, oder? Ebenso logisch ist dann, dass man die 55 nicht per &quot;10+&quot; und 55 eingibt, sondern durch f&#252;nfmaliges Dr&#252;cken der &quot;10+&quot;-Taste gefolgt von der 5.</p>
<p>&quot;Alles ganz einfach&quot;, sagt mein Vater. &quot;Man muss sich nur informieren und daran gew&#246;hnen.&quot; Mein Vater ist Ingenieur. Und ich will mich nicht daran gew&#246;hnen m&#252;ssen, wie verquer seine Kollegen sich die Bedienung ihrer wundersamen Ger&#228;te ausgedacht haben. &quot;Machen Sie, dass das funktioniert!&quot;, pflegte unser Journalistenschul-Lehrer Wolf Schneider zu knurren, wenn der Videorekorder im Klassenzimmer mal wieder streikte &#8211; und er hatte Recht: Technik sollte funktionieren, einfach so. Das Verwirrende, das Komplexe sollte sich hinter den Kulissen abspielen, nicht vor meinen Augen.</p>
<p>Nat&#252;rlich &quot;verwalte&quot; ich &#8211; technisch betrachtet &#8211; die Festplatte, wenn ich eine Sendung anschauen m&#246;chte, die der digitale TV-Rekorder aufgezeichnet hat. Aber warum muss ich das wissen? Warum gibt es auf der Fernbedienung nicht einfach einen Knopf, der mich direkt zu den Aufnahmen bringt? Warum muss ich mich durch ein halbes Dutzend Men&#252;s hangeln, um im Programmf&#252;hrer nach einer Sendung zu suchen?</p>
<p>Genauso verdattert stehe ich vor den Fahrkartenautomaten der DB. Eine F&#252;lle von Men&#252;punkten, die jeweils einzeln best&#228;tigt oder abgelehnt werden wollen, l&#228;sst mich jedes Mal wieder z&#246;gern und doppelt oder dreifach hinschauen. Stimmt das? Will ich das wirklich? Kaufe ich jetzt ein Niedersachsen-Ticket oder wom&#246;glich eine Gruppenfahrkarte 1. Klasse mit Bahncard 25 f&#252;r mein nicht vorhandenes Fahrrad? Da ist es beinahe eine Erleichterung, wenn der Automat mal wieder nicht funktioniert.</p>
<p>Ja, werden jetzt wahrscheinlich die Entwickler einwenden, so ist das nunmal: Wenn Ger&#228;te immer mehr k&#246;nnen, was wir ja alle wollen, dann werden sie notwendigerweise auch komplizierter (und vielleicht auch anf&#228;lliger f&#252;r Defekte). Darauf kann ich nur antworten: Mag sein, aber es geht auch anders. Apple zeigt es unter anderem mit iPod und iPhone, Amazon mit seinem Kindle, und die Firma TiVo, einer der Erfinder digitaler TV-Rekorder, hat es ebenfalls vorgemacht: Technik muss nicht Frust und Arbeit bedeuten, sie kann intuitiv und kinderleicht zu bedienen sein &#8211; vorausgesetzt, die Hersteller machen sich die M&#252;he, bei der Entwicklung vorzugsweise an Nicht-Ingenieure zu denken.</p>
<p>Das ist nat&#252;rlich &#252;berhaupt keine neue Erkenntnis: Hartmut Esslinger, der wohl bekannteste deutsche Produkt-Designer, erz&#228;hlte mir vor kurzem im stern.de-Interview von seinem Kampf in den 1970er Jahren, als er bei Sony daranging, die Ger&#228;te menschlicher zu machen: &quot;Die Ingenieure denken oft: Wenn&#8217;s funktioniert, versteht es jeder. Dass man um die Ecke gucken muss, dass es zu kompliziert ist, das begreifen sie nicht, denn sie haben es ja erfunden. Wer es nicht versteht, ist halt dumm.&quot;</p>
<p>Meine Hoffnung ist, dass sich langsam etwas &#228;ndert, weil wir immer &#246;fter nicht einfach Produkte kaufen, sondern ein Erlebnis. Apple hat nicht deshalb riesigen Erfolg mit seinem iPod, weil er sch&#246;ner aussieht als andere MP3-Player, sondern weil er sich einfacher benutzen l&#228;sst und das Suchen, Finden, Einkaufen im iTunes-Laden bequemer ist als bei der Konkurrenz. Genauso ist Amazon mit seinem Kindle am Sony E-Reader vorbeigezogen, weil das Erlebnis, elektronische B&#252;cher zu kaufen, &#252;berlegen ist: gr&#246;&#223;ere Auswahl, immer und &#252;berall Nachschub holen k&#246;nnen dank Mobilnetz-Verbindung, sofortige Lieferung in Sekunden und Abrechnung ganz simpel &#252;ber das Amazon-Kundenkonto &#8211; verf&#252;hrerisch simpel geradezu: Ein Tastendruck gen&#252;gt.</p>
<p>Es wird leider noch eine Weile dauern, bis es uns alle Ger&#228;te, mit denen wir im Alltag umgehen, so leicht machen. Vorerst k&#228;mpfe ich weiter mit der Technik in der guten Stube meiner Eltern. Eben habe ich die Pausen-Taste beim TV-Rekorder gedr&#252;ckt, und obwohl es jetzt weitergeht, l&#228;sst sich das Programm pl&#246;tzlich nicht mehr umschalten. Das Bild sieht auch ganz seltsam aus, seit ich auf der Fernbedienung versehentlich &quot;PIP/HDMI&quot; gedr&#252;ckt habe. Ich w&#252;rde ja gern auf Musik ausweichen, aber die Stereoanlage l&#228;sst sich nur dann komplett bedienen, wenn sie am Fernseher angeschlossen ist und ihre Men&#252;s anzeigen kann. Die nat&#252;rlich alle h&#252;bsch verschachtelt sind und Beschriftungen tragen wie &quot;Setup Dig.-Aus.&quot;, &quot;Press Modus&quot; und &quot;1.B.st.su.&quot;</p>
<p>Hilfe!!!</p>
<p>PS: Dieser Blog-Eintrag sollte eigentlich schon vorige Woche hier zu lesen sein, hat sich aber &#8211; wie ironisch &#8211; verz&#246;gert, weil es Probleme mit der Technik gab. Andererseits kommt&#8217;s nun passend zur Elektronikmesse CES in Las Vegas, von der stern.de ab Donnerstag, 7. Januar, ausf&#252;hrlich berichten wird. Dranbleiben bitte und nicht umschalten &#8211; selbst wenn Sie wissen, wie es geht&#8230;</p>
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		<title>Autos ohne Lenker</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Sep 2009 03:08:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Lemm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Vollgestopft mit Technik, zeigen sich einige Modelle schon jetzt verbl&#252;ffend selbstst&#228;ndig &#8211; und schlauer, als manchem lieb sein mag. Schon seltsam, am Steuer zu sitzen, wenn der Wagen sich selber parkt. &#34;H&#228;nde weg und R&#252;ckw&#228;rtsgang einlegen&#34;, fordert das Display auf. Dann noch den Fu&#223; von der Bremse nehmen, schon ruckt der Ford an, und wie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><b>Vollgestopft mit Technik, zeigen sich einige Modelle schon jetzt verbl&#252;ffend selbstst&#228;ndig &#8211; und schlauer, als manchem lieb sein mag.</b><span id="more-38"></span>
<p>Schon seltsam, am Steuer zu sitzen, wenn der Wagen sich selber parkt. &quot;H&#228;nde weg und R&#252;ckw&#228;rtsgang einlegen&quot;, fordert das Display auf. Dann noch den Fu&#223; von der Bremse nehmen, schon ruckt der Ford an, und wie von Geisterhand bewegt, schl&#228;gt das Lenkrad ein. Pr&#228;zise, ohne mein Zutun, entscheidet das Auto selbst, wohin es will. Ein St&#252;ck nach rechts, ein St&#252;ck nach links, das Lenkrad dreht sich behende, obwohl meine H&#228;nde im Scho&#223; liegen. Nur eines muss ich noch machen &#8211; wieder die Bremse antippen, sobald der Ford vom Typ Lincoln MKS in die Parkl&#252;cke navigiert hat und auf seinen Hintermann zurollt. Dann piept ein Sensor-Warnsystem aufgeregt und signalisiert: Bis hierhin und nicht weiter!</p>
<p><a id="res_3202" href="http://www.stern.de/plog_resserver.php?blogId=53&amp;resource=Ford-Park-Assist.jpg"><img border="0" alt="Park-Assist" src="http://www.stern.de/plog_resserver.php?blogId=53&amp;resource=Ford-Park-Assist.jpg&amp;mode=medium" /></a>Gewiss, das <a target="_blank" href="http://media.ford.com/article_display.cfm?article_id=29625">&quot;Active Park Assist&quot;-System</a>, das Ford entwickelt hat, ist nicht das Erste seiner Art. Wenn ich das als Nicht-Autoexperte richtig verstehe, <a target="_blank" href="http://news.bbc.co.uk/2/hi/technology/3198619.stm">war Toyota schneller</a> &#8211; zun&#228;chst mit einer Version im Prius, dann in seinen Luxusmodellen der Lexus-Reihe. Aber wie das so ist bei Technik: Wenn der Fortschritt in Siebenmeilen-Stiefeln voran eilt, kann man als Erster schnell &#252;berholt werden. Ford behauptet jedenfalls, das deutlich bessere System zu haben, weil es sich auf Ultraschall verl&#228;sst, um die Parkl&#252;cke auszuloten und Hindernisse zu erkennen &#8211; nicht auf Kameras, die anf&#228;llig sind f&#252;r optische T&#228;uschungen. Obendrein muss der Fahrer nicht mehr mithelfen, die L&#252;cke einzusch&#228;tzen; der Wagen parkt wirklich automatisch.</p>
<p><a id="res_3203" href="http://www.stern.de/plog_resserver.php?blogId=53&amp;resource=Ford-Parkdisplay.jpg"><img border="0" alt="Parkdisplay" src="http://www.stern.de/plog_resserver.php?blogId=53&amp;resource=Ford-Parkdisplay.jpg&amp;mode=medium" /></a>Ich will mir kein Urteil anma&#223;en, aber <a target="_blank" href="http://www.youtube.com/watch?v=0jXcZXdaG9s">Videos</a> auf <a target="_blank" href="http://www.youtube.com/watch?v=EtOwVSrY-Q8">YouTube</a> zeigen zumindest, dass Lexus-Fahrer mit ihrem Park-Assistenten unterhaltsame Dinge erleben. Manchmal mehr, als ihnen lieb sein mag. Der Ford wiederum, den ich kurz testen durfte, zeigte sich nicht besonders begabt darin, Park-Gelegenheiten eigenst&#228;ndig zu ersp&#228;hen &#8211; angeblich eine seiner Begabungen. Als ich in m&#228;&#223;iger Geschwindigkeit (nicht schneller als 15 kmh) an der Parkl&#252;cke vorbeifuhr, die Ford f&#252;r eine Technik-Demonstration hier in San Francisco arrangiert hatte, &#252;bersah das Auto sie prompt. Ich war zu schnell.</p>
<p>Doch trotz mancher Kinderkrankheit zeigen solche Systeme, was auf uns zukommt: Fahrzeuge, die den Namen Automobil tats&#228;chlich verdienen, weil sie sich weitgehend selbstst&#228;ndig fortbewegen k&#246;nnen &#8211; ohne allzu viel Hilfe vom Menschen am Steuer. Klar, wir sind noch nicht soweit, dass Roboter-Mobile wie Volkswagens <a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Stanley_%28Fahrzeug%29">&quot;Stanley&quot;</a>, der genug Grips hat, um ganz allein seinen Weg zu finden, zu unserem Alltag geh&#246;ren. Das wird (wie <a target="_blank" href="http://www.stern.de/wissen/technik/roboter-messe-britney-auf-raedern-647541-video.html">Stanley-Chefentwickler Sebastian Thrun</a> im stern.de-Interview erkl&#228;rte) wohl auch noch eine Weile dauern, nicht zuletzt aufgrund von Rechtsfragen: Wer haftet, wenn Autos aufgrund von Softwarefehlern einen Crash bauen?</p>
<p>Aber daf&#252;r reichern die Hersteller ihre Blechkarossen schon jetzt mit immer mehr Technik an, die uns dabei unterst&#252;tzen soll, bequem und vor allem sicher ans Ziel zu kommen: W&#228;hrend fr&#252;her der Schwerpunkt darauf lag, Menschenleben zu sch&#252;tzen, wenn es kracht, etwa durch Airbags, <a target="_blank" href="http://www.auto-motor-und-sport.de/testbericht/technik-spurhalte-assistent-spurvertrag-technik-spurhalte-assistent-spurvertrag-1257226.html">geht es nun immer st&#228;rker um Vorbeugung</a>. &quot;Unsere Aufmerksamkeit gilt Dingen, die vermeiden helfen, dass es &#252;berhaupt zu Unf&#228;llen kommt&quot;, erz&#228;hlte mir Jim Buczkowski, Ford-Entwicklungschef f&#252;r elektrische Systeme.</p>
<p><a id="res_3205" href="http://www.stern.de/plog_resserver.php?blogId=53&amp;resource=Ford-Radar.jpg"><img border="0" alt="Ford-Radar" src="http://www.stern.de/plog_resserver.php?blogId=53&amp;resource=Ford-Radar.jpg&amp;mode=medium" /></a>Nehmen wir den toten Winkel beim Blick in den R&#252;ckspiegel: Wie oft entkommt man nur knapp einer Karambolage beim Spurenwechsel, ob in der Innenstadt oder auf der Autobahn, weil es leicht f&#228;llt, selbst kolossale Kraftwagen zu &#252;bersehen, wenn sie im falschen Moment am eigenen Auto vorbeirauschen? Ford hat dazu &#8211; wie eine Reihe von Konkurrenten auch &#8211; einen System entwickelt, das mit Hilfe zweier Radarsensoren im Heck st&#228;ndig die Augen offenh&#228;lt und bei Kollisionsgefahr Alarm schl&#228;gt. Dieselben Sensoren dienen auch dazu, Hindernisse zu erkennen, wenn das Auto r&#252;ckw&#228;rts ausparkt. 20 Meter weit tasten die Radarwellen einen Halbkreis rund ums Heck ab; entdeckt die Elektronik andere Objekte, die sich bewegen &#8211; etwa Radfahrer oder entgegenkommende Autos -, wird der Fahrer gewarnt.</p>
<p>Radar dient immer mehr Autos auch unterwegs dazu, selbst die Augen offen zu halten: St&#228;ndig beobachten sie die Umgebung, analysieren die Umwelt, schlagen Alarm, wenn der Vordermann unvermittelt bremst. &quot;Wenn wir erkennen, dass ein anderes Auto zu nahe kommt, leuchtet ein rotes Warnlicht in der Windschutzscheibe auf&quot;, sagt Buczkowski, &quot;und die Bremskraftverst&#228;rker werden in Alarmbereitschaft versetzt, damit sie wirkungsvoller reagieren.&quot;</p>
<p><a id="res_3204" href="http://www.stern.de/plog_resserver.php?blogId=53&amp;resource=Ford-Ingenieur.jpg"><img border="0" alt="Ford-Ingenieur" src="http://www.stern.de/plog_resserver.php?blogId=53&amp;resource=Ford-Ingenieur.jpg&amp;mode=medium" /></a>Als der Ingenieur, der hier auf dem Foto das Radarmodul in der Hand h&#228;lt, vor 30 Jahren bei Ford anfing, waren solche Systeme reine Science-Fiction. &quot;Es ging gerade damit los, dass die Einspritzpumpen elektronisch geregelt wurden&quot;, erinnert sich der 51-J&#228;hrige. Heute gleichen Oberklasse-Limousinen eher rollenden Rechenmaschinen als traditionellen Motorkutschen. Im neuesten Ford Taurus etwa werten gleich mehrere CPUs die Flut an Daten aus, die Sensoren aus allen Richtungen liefern, &#252;ber das Befinden der Systeme unter der Haube ebenso wie die Au&#223;enwelt. Und so sinnvoll es sein mag, dass man den Routenplaner &#252;ber Sprachkommandos kontrollieren kann, damit die H&#228;nde am Lenkrad bleiben &#8211; bei anderen Errungenschaften der modernen Technik habe ich so meine Zweifel, dass sie wirklich Fortschritt bedeuten.</p>
<p>Da ist zum Beispiel die Wisch-Wasch-Anlage, die mit Hilfe von Sensoren die Windschutzscheibe beobachtet und bei Regen eigenst&#228;ndig kontrolliert, wie eifrig die Wischer zu Werke gehen. Brillante Erfindung, keine Frage &#8211; zumindest wenn man auf den Tag hinfiebert, an dem mitdenkende Maschinen den eigenen Denkapparat vollkommen &#252;berfl&#252;ssig machen. Und Teenager werden es sicher begr&#252;&#223;en, dass Ford es ihren Eltern k&#252;nftig erlaubt, die Familienkarosse speziell f&#252;r sie zu programmieren: Dank <a target="_blank" href="http://media.ford.com/article_display.cfm?article_id=29172">&quot;My Key&quot;-Funktion</a> k&#246;nnen Mama und Papa unter anderem festlegen, wie laut das Radio maximal spielt und wie schnell &#8211; oder langsam &#8211; der Taurus &#252;ber den Highway sausen kann. Wenn gew&#252;nscht, f&#228;ngt das Auto dann schon bei gut 70 Stundenkilometern an, Alarmt&#246;ne auszusto&#223;en. Fehlt eigentlich nur noch eine Webcam, die st&#228;ndig nach Hause funkt, ob es auf dem R&#252;cksitz auch brav keusch zugeht. </p>
<p>Bei Eltern in Kansas und Salt Lake City, die ihre 16-j&#228;hrigen Spr&#246;sslinge nerv&#246;s allein auf den Weg schicken, kommt all so etwas vielleicht gut an. Aber wie steht&#8217;s um die n&#228;chste Generation von Kunden? Ob Teenager, die einen &quot;My Key&quot; in die Hand gedr&#252;ckt bekommen, auch so begeistert sein werden, wenn sie sp&#228;ter an den Ford Taurus, Modelljahr 2010, zur&#252;ckdenken?</p>
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