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Retter der Inbox

Veröffentlicht in Allgemein von Karsten Lemm am 01.09.2010 um 04:41 Uhr

Zuviel E-Mail, Tag für Tag? Schlaue Software kann helfen, die Nachrichtenflut zu bewältigen.

Früher hatte elektronische Post etwas Aufregendes: Computer anmachen, das E-Mail-Programm starten und gespannt darauf warten, ob im Eingangskörbchen neue Nachrichten lagen. „You Have Mail!“, hieß es dann triumphierend bei AOL. Heute wäre wohl mancher froh, keine neuen Nachrichten in der Inbox zu finden. Allein im Büro sind täglich mehr als 100 E-Mails zu bewältigen, hat der Marktforscher Radicati Group ermittelt, und für viele dürfte das nach Untertreibung klingen. (Wie das so ist bei Durschnittswerten: Andere haben es immer besser.) Outlook-Nutzer, immerhin, bekommen seit einer Weile Hilfe von einem schlauen Software-Assistenten: Xobni, eine Outlook-Erweiterung, über die ich schon für stern.de geschrieben habe, klinkt sich in das E-Mail-Programm ein, beobachtet und lernt mit. Die kostenlose Version zeigt Facebook-, Xing- und andere Kontakt-Informationen von allen, mit denen man elektronische Post austauscht; und wer bereit ist, 30 Dollar (derzeit knapp 25 Euro) für die Vollversion zu zahlen, bekommt noch einiges mehr geboten – darunter viele Wege, E-Mail-Nachrichten und angehängte Dateien detailliert zu filtern und zu durchsuchen.

Outlook selbst bietet in der neuesten Version ansatzweise Ähnliches, und nun kommt auch Hilfe für alle, die lieber im Browser ihre E-Mail erledigen. Googles „Gmail“-Dienst (der in Deutschland aus Copyright-Gründen „Googlemail“ heißt), zeigt sich neuerdings ebenfalls lernfähig. Mit der „Priority Inbox“ sollen wichtige Nachrichten nie mehr in den Fluten untergehen, sondern bekommen einen Platz an der Sonne garantiert: Sie stehen immer ganz oben. Was wichtig ist, versucht Google zu raten, indem die Kalifornier unterschiedliche Kriterien analysieren und gewichten – etwa, wem man oft schreibt und wie viele E-Mails von dieser Adresse zurückkommen. Reger E-Mail-Austausch signalisiert Googlemail engen Kontakt, und entsprechend hoch wird auch künftige Post eingestuft. Mit kleinen Symbolen zum Anklicken kann jeder Nutzer der Software beim Lernen helfen und Google sagen, welche Nachrichten und Absender wirklich wichtig sind, welche eher nicht so. Wer dann noch die Browser-Erweiterung „Rapportive“ installiert, die Facebook- und andere Nutzer-Profile aus sozialen Netzwerken direkt in Gmail anzeigt, hat schon beinahe so etwas wie Xobni im Browser.

Schön und gut, aber was ist mit all den anderen Nachrichten, die vielen inzwischen mindestens ebenso viel bedeuten wie E-Mail? Twitter, Facebook, Myspace, Xing… Überall wird gezwitschert und auf Wände gemalt, ständig kommt Neues dazu, und für aktive Netzwerker kann es in Arbeit ausarten, bei alledem noch den Überblick zu behalten. Immerhin gibt es „Flock“, den Browser, der ein großes Herz hat fürs soziale Netz: Wer mit Flock surft (einem engen Verwandten von Firefox), sieht in einer Seitenleiste alle Dienste, bei denen man angemeldet ist, kann schnell hin und her wechseln und nach den wichtigsten Neuigkeiten schauen. Selbst dann kann es freilich schwer sein, bestimmte Dinge wiederzufinden – man weiß genau, man hat’s in einer persönlichen Nachricht gelesen, aber wo…? Das ist dann künftig wohl ein Fall für „Greplin“, einen brandneuen Internetservice, der zur zentralen Anlaufstelle für alle Informationen werden will, die per E-Mail, Facebook und auf vielen anderen Wegen zusammenkommen. „Die Suchleiste für Ihr Leben“ lautet das Motto der Jungfirma, die noch so neu ist, dass sie Nutzer vorerst nur handverlesen aufnimmt, einen nach dem anderen. Die Anmeldung läuft – wie sonst? – per E-Mail. Die Greplin-Mitarbeiter am anderen Ende werden Hilfe brauchen können.