Anwohnerzone als Jugendherberge
Was dieselt denn da auf der Straße unten? Dachte ich mir noch heute Nacht, als ich an einem Advents-Artikel schrieb. Grade stehe ich auf, hole Brötchen – und es dieselt immer noch! Haben zwei junge Männer aus Ansbach glatt den Motor über Nacht angelassen, damit sie drinnen schön warm schlafen können.
Gestern hab ich das Auto auch schon gesehen, da war es leer. Als ich nachts noch kurz eine Speicherkarte aus meinem Wagen holen will (mit Ella Fitzgerald schreibt sich’s einfach besser), dieselt der kleine Fiat mit Ansbacher Kennzeichen. Abgestellt ist er natürlich auf einem Anwohnerparkplatz, AN für Anwohner.
Ich sehe kurz auf, sehe sich von innen beschlagende Scheiben und zwei umgeklappte Sitze. Schön warm haben die es bestimmt jetzt. Noch ziemlich lange höre ich das Nageln des Diesels. Bis ich schlafen gehe.
Eben hole ich Brötchen – und der Motor läuft immer noch. Neu dazugekommen ist jetzt allerdings ein Kotzfleck auf der Fahrerseite. Ich gehe vorsichtig hin, an einem Mann mit Hund vorbei, der guckt und den Kopf schüttelt. Ich klopfe an die Scheibe, die Scheibe geht runter und frage das junge Ding, ob er denn gut geschlafen hat.
"Prima", sagt er. Das seh ich, und deute auf den Fleck. Ach das passiere eben, wenn man zu viel trinkt. "Prima", sage ich. Und bitte ihn, endlich mal den Motor auszumachen. "Wenn es sein muss", meint er und blinzelt und lächelt müde. Sein Kumpel wacht auch grade auf. Mummelt sich im Schlafsack, dreht sich um und döst weiter. Ich gehe – und plötzlich: Stille. Hat sich der kleine Bayer meiner erbarmt.
Ich will grade zur Bürotür gehen, da winkt der Mann mit dem Hund rüber. Ob die jetzt die ganze Zeit da geschlafen hätten? Ich sage, ist doch billiger als ein Hotel. "Das glaub ich nicht", ruft er rüber. "Mal abgesehen davon, was das für eine Umweltsauerei ist", setzt er nach. Ich sage noch, "von irgendwas müssen die ja auch das Autotuning zahlen können, dann reicht es halt nicht mehr für ein Hotel."
Und ich denke: Wenigstens sind sie mit der getunten Kiste nicht auch noch gefahren. Das passiert nämlich auch oft, wenn man zu viel trinkt.
So bleibt nur der Kotzfleck.
Und das Parken in meiner Anwohnerzone.
Und der laufende Motor.
Und.. ach, na ja. Grade schallen die Klänge der Turmbläser vom Michel durch den Nebel herüber. Schön adventlich-evangelisch: Tochter Zion, freue Dich.
Dann tu ich das jetzt.




