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Frei Parken dank Polizei Hamburg

Veröffentlicht in Allgemein von Artur Fischer-Meny am 17.08.2008 um 18:38 Uhr

Jetzt reicht’s. Früher konnte ich mein geliebtes Automobil
vor der Haustür abstellen, weil sich keine Sau für das Portugiesenviertel in
Hamburg interessiert hat. Ich hatte zwar einen Anwohnerausweis, aber wirklich
gebraucht habe ich ihn nicht: ein Parkplätzchen fand sich immer. Inzwischen
fallen hier das Umland und die Touristen ein, die Restaurants und Cafés sind
voll, die Anwohnerzone (“Bewohnerzone”) gibt’s immer noch – aber keiner kontrolliert. Kommen Sie
nach Hamburg und parken Sie frei – besonders zu Großveranstaltungen. Danken Sie
nicht mir, danken sie dem unterbesetzten Bezirklichen Ordnungsdienst, dem unterbesetzten Polizeikommissariat 14, danken Sie den Innenbehörden, Bezirks-
und Personalämtern dieser Welt!

Neulich in Köln konnte ich beobachten, wie nach nicht mal
einer halben Stunde der Abschleppwagen kam, in Freiburg streifen ganze
Politessenhorden durch die Stadt auf der Suche nach Falschparkern, in Berlin
geht’s auch recht flott zur Sache. Ja, nur die Hamburger Polizei muss man zum
Jagen tragen.

Der Hamburger Haushalt sieht 33,85 Millionen Euro Einnahmen
aus Verkehrsordnungswidrigkeiten vor (wer es nachlesen will im Einzelplan 8.1
(Behörde für Inneres) im Kapitel 112.01). Das reicht der Verwaltung und den immer klammen Haushaltspolitikern offenbar.
Dabei wäre hier wesentlich mehr rauszuholen.

Zum Beispiel war jetzt am Wochenende dieses Klima-Camp. Ganz
schlimm nicht nur für die Boulevardpresse (“Chaoten-Camp”), sondern auch für
die Polizei. Die hat nämlich nach eigenen Angaben kein Personal mehr für ihre
normalen Aufgaben, zu denen eben nun mal auch das lästige Überwachen des
Parkraums zählt. Als ich also zu dieser Unzeit mal wieder in der für mich
zuständigen Wache 14 anrufe, und frage, ob sich denn gar nichts gegen die
ganzen Autos hier unternehmen lässt, die die Anwohner-Parkplätze besetzen,
kommt von einer lustlos drangehenden Polizistin glatt als Antwort: Geht nicht, man
habe grade kein Personal und der Wache sei gerade sowieso eine Schicht
gestrichen worden, weil so viele im Urlaub seien (nur noch zwei 12-Stunden-Schichten statt der drei normalen). Als ich dann noch sage, dass
das aber kein Zustand sei, empfiehlt mir die Polizistin Frau G.: “dann ziehen
sie doch aus Hamburg weg”.

Das erwäge ich nicht. Ich hatte schon früher mal ein Treffen
mit dem Leiter der Wache 14, der mich bat, meine ständigen Anrufe zu
unterlassen, das bringe doch nichts. Dabei hatte mir sein Vorgänger gesagt, ich
solle eine Beschwerdelage schaffen, sonst würde niemand in der Innenbehörde
reagieren.

Und so langsam macht mich das wütend, dass die aus mir einen
spießigen Park-Nerver machen, der eigentlich nur will, dass hier geltendes Recht auch durchgesetzt wird. Warum klappt das in anderen Städten und nicht in Hamburg,
warum sehen die nicht, dass eine abzettelnde (Polizei-Jargon) Politesse oder einer vom Ordnungsdienst das
Monatssalär in nicht mal einer halben Woche mit Knöllchen erwirtschaftet?

Die Polizei würde ja auch anderweitig verstärkt: durch den
Bezirklichen Ordnungsdienst. Der ist zwar auch für Hundehalter und anderen
Kleinkram zuständig, aber eben auch für den ruhenden Verkehr. Aber zu Zeiten,
in denen wirklich viel los ist, hat der BOD einfach schon Feierabend. Toll!
Dabei könnten die Verstärkung brauchen – und kriegen die auch, aber mal wieder
völlig unnütz.

Da ist nämlich ein weiterer Punkt: Nachdem die Stadt Hamburg
vor Jahren ihre Kliniken an den Konzern Asklepios verkaufte, hatten die
Klinik-Angestellten ein Rückkehrrecht zur Stadt. Viele nahmen das wahr und weil
eben ohne Kliniken nicht jeder wieder Krankenpfleger werden kann, hat man viele
umgeschult. Diese Rückkehrer werden vom Personalamt verwaltet und zugeteilt und
siehe da: 12 kamen bis jetzt zum Bezirklichen Ordnungsdienst. Aber nicht, dass
Sie jetzt glauben, die würden auf der Straße eingesetzt. Die kommen in die Verwaltung!
Und das, obwohl der Bezirk zwei Jahre lang angeblich nullkommanichts für diese Leute bezahlt
und sie ihm trotzdem Einnahmen verschaffen würden. Verstehen Sie das?

Die Polizeipressestelle jedenfalls tut so, als gebe es das
Problem nicht, Anfragen (auch schriftliche) zu diesem Thema werden abgebügelt, ein Mal hatte ich ein privates Gespräch mit dem Kommissariatsleiter.
Ich habe in den letzten Tagen mit Personalamt (Rückkehrer), Finanzbehörde
(zuständig für Bezirke), Innenbehörde (Polizei), Bezirk Mitte (Ordnungsdienst),
Polizeiwache (für Beschwerden) und mit der Polizeipressestelle (auf deren
Rückruf ich noch heute warte) telefoniert und es führt alles zu einer
Erkenntnis: die wollen nicht.

Neulich Abend habe ich erst ein Polizei-Auto (die heißen
hier Peterwagen) angehalten, warum sie denn nur nach den Leuten im Parkverbot
gucken und seelenruhig an den ganzen Autos vorbeifahren, die hier “nur”
Anwohnern den Platz wegnehmen. Antwort der Polizistin auf dem Beifahrersitz – in einem verächtlichen,
nachäffenden Ton: “Lassen sie mich raten, die haben keinen Anwohnerausweis”. Ja, und plötzlich hatte man einen Einsatz und weg waren sie. Danke!

Da möchte man schon gar nicht mehr anfangen von dem Kellner, der (wie seine vielen Kollegen hier im Viertel) den lieben langen Tag an seinem dunkelblauen Polo die Parkscheibe weiterdreht.

Lieber
Leser, wie ist das in ihrer Stadt? Ich höre immer nur von Knöllchen-Abzocke.
Ich dagegen würde mich freuen, wenn die hier endlich mal durchgreifen würden. Schließlich ist es doch nur recht, wenn das eine Bewohnerzone ist, dass hier auch nur Bewohner ungestraft parken.

Derzeit
darf Sie also nochmals herzlich einladen: Parken Sie am Wochenende und zu Großveranstaltungen
in Hamburg, wo Sie wollen – am besten hier vor der Tür, da können Sie tagelang stehen, ohne ihr Auto in die böse teuere tolle Garage (die lustigerweise der städtischen Sprinkenhof AG gehört) nebenan stellen zu müssen! Oh, und das beste ist: hier parkt sogar immer ein BMW-SUV mit dem Kennzeichen “O-XXX xx” im Parkverbot. Tja, das Ding ist auf den internationalen Seegerichtshof gemeldet, selbst die interessiert das nicht – dafür logiert man hier fett im Hanse Clipper-Haus, wenn dann doch mal eine der wenigen Verhandlungen ist. Auch schon gesehen: Die Bundeswehr parkt hier auch. Oh kommet doch all!

Fakt ist: Die Hamburger Ordnungshüter beißen nicht, sie bellen
nicht einmal.
Willkommen in meiner Anwohnerparkzone!

Die restlichen Fotos sind unter Anwohnerparken zu finden

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