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Wie fährt der denn?
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Tempo 200 und dabei schlafen

Veröffentlicht in Allgemein von Artur Fischer-Meny am 28.04.2009 um 23:46 Uhr

Bahnfahren als AbwechslungWollen Sie noch einen Kaffee? Wow. Das hat mich noch nie
jemand bei Tempo 200 gefragt. Ich nehme dankend an und rühre noch ein wenig
Milch unter, während draußen die Landschaft vorbeisaust. Blinker setzen ist
nicht, der Vordermann stört nicht und von hinten drängelt keiner. Es war
vielleicht doch eine gute Entscheidung, die Bahn zu nehmen.
:

Ein Termin in Düsseldorf und das erste, was ich denke, ist: oh
Gott, nicht die A1 entlang. Zweispurig, Osnabrücker Schnarchnasen vor einem und
rechts LKW an LKW, muss das denn sein? So wird es die erste Bahnreise seit
langem. Und eine angenehme Überraschung.

Bahnfahren als AbwechslungStern und Spiegel ganz durchgelesen,
die Unterlagen gut aufbereitet, kein Häppchen-Warten wie beim Flieger (der
innerdeutsch sowieso völlig schwachsinnig ist, wie ich finde), fast keine
unfreundlichen Gesichter, eine Steckdose fürs Netbook (obwohl ich sie dank
Zusatzakku nicht gebraucht habe). Bahnfahren als AbwechslungUnd dann die Dame mit dem leckeren Kaffee im
Abteil, später im Bordbistro noch einen O-Saft und eine Besser-als-erwartet-Currywurst.

Aber auch die Bahn hat ihre tristen Momente. Bahnfahren als AbwechslungWer eine
Schwäche für leicht trostlose Aufnahmen hat, der wird nicht enttäuscht (wie
hier am Düsseldorfer Hauptbahnhof). Andererseits: Hier komme ich dazu, mit
einer gewissen Fröhlichkeit zu warten, kein Umsteigen, keine
Sicherheitskontrolle, kein Gate-Gesuche, keine gestresst tuenden
Vielflieger-Wichtigfuzzis.

Und weil ich noch Zeit hatte zwischen dem Ende
meines Termins und der Abfahrt des Zuges, gehe ich einfach noch am angeblich
längsten Tresen der Welt vorbei, setze mich kurz ans Rheinufer, shoppe noch ein
wenig in der Innenstadt und entdecke einen schnuckligen Laden mit handgemachten
Dingen aus Opas Zeiten. Das alles wäre mir am Flughafen nie passiert
(innerdeutsch Fliegen ist sowieso schwachsinnig, schrieb ich das schon?) und
mit dem Auto sicherlich auch nicht.

Wieder am Bahnhof entdecke aber schon wieder eine kleine
Widersprüchlichkeit. Bahnfahren als AbwechslungDa ist also ein extra gelb umrandeter Raucherbereich, der
mit dieser signalfarbenen Markierung auf dem Boden eher aussieht wie eine
No-Go-Area. Und dann stehen dort drin diese Mülleimer. Aufschrift: "Rauchfreier
Bahnhof", ohne Ascher. Und drüber prangt das Schild "Raucherbereich". Ja was
denn nun?

Der Zug kommt, der Platz ist schnell gefunden, sitzen, Kopfhörer
drauf, Schuhe aus, relax. Bahnfahren als AbwechslungNach ein paar Minuten schon kommt der Schaffner,
danach kurz in den sehenswerten Speisewagen (von wegen Bordbisto!), wieder
einen Kaffee besorgt und dann gemütlich dösen. Ich kriege nur noch im Halbschlaf Duisburg, Essen, Bochum mit,
und bin kurz vor dem endgültigen Wegnicken.

Da ruft es durch die Tür am Ende
meines Halbbewußtseins: "Schichtwechsel, die Fahrkarten bitte". Augen auf, und
da steht ein anderer Schaffner vor mir als der, an den ich mich entsinne. Ich
sage: "Aber ihr Kollege hat sie doch schon gesehen". Er: "ja, aber dann sehen
wir mal, ob Sie auf dem richtigen Weg sind." Und fügt, ganz rheinische
Frohnatur und in voller Lautstärke hinzu: "außerdem, mein Arbeitgeber möchte
das so."

Bahnfahren als AbwechslungDafür räumt er gleich die Hinterlassenschaften meines ausgestiegenen
Schräggegenübers weg.

Im Fenster gegenüber, zwischen Platz 75 und 76 geht grade
pittoresk die Sonne unter, als der Zug in Münster einfährt. Bahnfahren als AbwechslungUnd dann wieder
eine Durchsage: "Auch für ihr leibliches Wohl ist gesorgt, das SBB
Bordrestaurant freut sich auf Sie. Das Bordrestaurant ist für Sie bis Diepholz
geöffnet."

Bahnfahren als AbwechslungEin Blick in den kryptisch gefalteten Reiseplan des EC 6 von
Chur nach HH-Altona verrät, übersetzt aus dem Bahnerdeutsch: Bis exakt 21:47
Uhr, dann ist die Küche kalt. Haben ja auch lange geschuftet…

Und am Schluss fällt mein Blick auf ein Symbol, das ich noch
aus meiner Kindheit erinnere: TEE steht da in weiß auf rotgrauem Hintergrund!
Wissen Sie noch, was das damals hieß? Gibts den immer noch?! Sofort ist sie wieder da, die Zeit der rosaroten Elefanten, der 5-Mark-Stücke schluckenden Zugtelefone und meiner
Modellbahn.

Schön, dass ich mal wieder Bahn gefahren bin.

Bahnfahren als Abwechslung