Schwangere entwickeln in Deutschland immer häufiger eine Zuckerkrankheit, berichten Diabetes-Experten. Wird diese nicht erkannt und behandelt, drohen Schäden für Mutter und Kind.

In der Schwangerschaft kann sich ein Gestationsdiabetes entwickeln© Colourbox
Insgesamt 4,4 Prozent aller Frauen, die 2008 ein Kind zur Welt brachten, waren zuckerkrank, berichtet die Deutsche Diabetes-Gesellschaft. Die meisten davon, 3,4 Prozent, erkrankten während der Schwangerschaft an einem sogenannten Gestationsdiabetes. Experten vermuten, dass die Dunkelziffer hoch ist. "In Deutschland werden mehr als 50 Prozent dieser Erkrankungen übersehen", sagt Helmut Kleinwechter, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Schwangerschaft der DDG.
Ein hoher Blutzuckerspiegel macht die Schwangerschaft zu einem Risiko für Mutter und Kind. Mögliche Folgen sind nach Expertenangaben ein zu hohes Geburtsgewicht des Babys und häufige Geburtskomplikationen. Bleibe der Diabetes unbehandelt, so treten sie fünfmal häufiger als bei gesunden Müttern auf.
Die Experten fordern, die Früherkennung zu verbessern. So sollte der bislang übliche Urinzucker-Streifentest durch einen Blutzucker-Suchtest ersetzt und dieser in die Mutterschaftsrichtlinien aufgenommen werden. Wichtig sei auch, betroffene Frauen nach der Geburt weiter zu betreuen, auch wenn sich der Blutzucker zunächst normalisiert. Jede zweite der betroffenen Frauen erkranke in den zehn Jahren nach der Geburt an einem Diabetes mellitus, betonte Kleinwechter.