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15. Juli 2010, 10:22 Uhr

US-Gremium empfiehlt deutlichere Warnhinweise

Das umstrittene Diabetesmittel Avandia wird in den USA weiter auf dem Markt bleiben, hat ein Expertengremium empfohlen. Es forderte, dass stärker vor den möglichen Nebenwirkungen des Medikaments gewarnt wird.

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In Deutschland wird Avandia in Zukunft nicht mehr von den Krankenkassen bezahlt© Joe Raedle/Getty Images

Es ist ein Sieg mit fadem Beigeschmack für den Pharmakonzern GlaxoSmithKline: Ein Beratergremium der US-Gesundheitsbehörde FDA hat am Mittwoch nicht empfohlen, das umstrittene Medikament Avandia (Wirkstoff: Rosiglitazon) zu verbieten. Aber die Experten äußerten starke Bedenken gegen das Mittel für Diabetiker. Es steht im Ruf, Herzprobleme zu begünstigen.

Das Gremium stellte in einer mehrstündigen Sitzung fest, dass Avandia gegenüber einem Konkurrenzprodukt größere Risiken aufweist. In der abschließenden Abstimmung reichte die Zahl der Stimmen für eine Verbotsempfehlung aber nicht aus. Die Experten forderten stattdessen Einschränkungen und deutlichere Warnhinweise. Die FDA folgt üblicherweise dem Urteil.

"Patienten, die Avandia einnehmen, sollten mit ihrem Arzt über Behandlung sprechen und über alle Fragen, die sie zur Sicherheit des Medikaments haben mögen", sagte GlaxoSmithKlines Chefmedizinerin Ellen Strahlman. Sie versprach einen offenen Umgang mit allen internen Forschungsergebnissen.

Erst am Dienstag hatte die "New York Times" den Pharmakonzern in ein schlechtes Licht gerückt. Demnach wusste GlaxoSmithKline seit 1999 durch eine eigene Studie, dass mit dem Medikament Herzinfarktrisiken verbunden waren. Doch das Unternehmen habe geschwiegen, weil die Verkäufe so gut liefen. Die Zeitung berief sich auf vorliegende Unterlagen. Eine Sprecherin von GlaxoSmithKline bestritt die Vorwürfe.

Öffentlich bekannt wurde das erhöhte Risiko erst durch eine Studie, die vor drei Jahren veröffentlicht wurde. Der Umsatz mit dem Mittel brach daraufhin ein. Im vergangenen Jahr lag er mit 771 Millionen britischen Pfund (923 Millionen Euro) nicht einmal mehr bei der Hälfte dessen, was das Medikament vor dem Bekanntwerden der Risiken in die Kassen gespült hatte. Tendenz weiter fallend.

Der Aktienkurs steigt wieder

Noch viel schwerer als der Umsatzverlust wiegt aber die Furcht vor Schadenersatzklagen. An dieser Front hat GSK nach einem Bericht der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg nun etwas Klarheit schaffen können. Der Pharmakonzern kann demnach mit der Zahlung von 460 Millionen Dollar rund 10.000 Klagen auf einen Schlag beilegen. Insgesamt, so schätzen Analysten, sind 13.000 Klagen anhängig.

Die Börse zeigte sich am Mittwoch erst einmal erleichtert. Die Aktie des Unternehmens stieg um zwei Prozent, obwohl die endgültige Entscheidung der FDA noch aussteht.

DPA