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Diabetes-Medikament kann das Herz stoppen

Manche Medikamente schaden mehr als sie nützen. Ob das auch bei bestimmten Diabetes-Tabletten der Fall ist, wird weltweit diskutiert. Eine deutsche Analyse kommt zu dem Schluss, dass die Tabletten das Herzinfarkt-Risiko erhöhen und nur verordnet werden sollten, wenn nichts anderes mehr hilft.

therapie, diabetes, Glitazone

Viele Tabletten haben enorme Nebenwirkungen© Colourbox

Immer wieder entpuppen sich Arzneien als gefährlich: Sie zeigen so starke Nebenwirkungen, dass der Nutzen fraglich wird. Zu dieser Reihe unrühmlicher Medikamente gehören zum Beispiel Contergan oder das Rheumamittel Vioxx. Seit einiger Zeit diskutieren Fachleute über das Für und Wider von so genannten Glitazonen, Mitteln, die bei Diabetes verschrieben werden. Dazu zählt vor allem der Wirkstoff Rosiglitazon. Er steht schon länger im Verdacht, das Risiko für einen Herzinfarkt zu erhöhen.

Glitazone machen die Körperzellen wieder empfänglicher für Insulin. Dieses Stoffwechsel-Hormon spielt bei der Zuckerkrankheit eine große Rolle. Bei Menschen mit Diabetes vom Typ 2 sind die Körperzellen gegen Insulin abgestumpft, das Hormon kann den Zucker nicht mehr in die Zellen einschleusen. Das kann zu den gefürchteten Folgekrankheiten wie Nervensterben, Blindheit und Nierenversagen führen. Glitazone sollen das verhindern.

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) hat die Diabetes-Medikamente näher untersucht. Das Fazit der Experten: Glitazone sind mit Vorsicht zu genießen. In einigen Fällen können die Tabletten zwar helfen, unter Umständen führen sie aber auch zu Herzversagen.

Glitazone sind nicht besser als herkömmliche Tabletten

Die Wissenschaftler des IQWIG prüften 7 Studien zu Pioglitazon und 16 Studien zu Rosiglitazon. Sie fanden keine Belege dafür, dass Glitazone besser sind als andere Wirkstoffe, die zur Verfügung stehen. So senken sie die Sterblichkeitsrate nicht weiter als andere Substanzen. Und bei Komplikationen, die durch Schäden an den Blutgefäßen verursacht werden, wirken sie nicht besser als vergleichbare Arzneien.

Gleichzeitig verursachen Glitazone häufiger Herzversagen. Mindere Nebenwirkungen sind Wassereinlagerungen im Gewebe, Frauen brechen sich zudem schneller die Knochen. Aussagekräftige Studien zur Langzeitwirkung fehlen komplett. Das ist bedenklich, schließlich nehmen Zuckerkranke ein Diabetes-Medikament nicht nur ein Jahr lang, sondern oft über Jahrzehnte hinweg.

Doch das IQWIG sammelte auch Pluspunkte für die Substanzklasse: Das Medikament Pioglitazon ist unter Umständen für Zuckerkranke geeignet, die schon einen Schlaganfall hatten. Bei Betroffenen, die den Wirkstoff nahmen, kam es seltener zu einem zweiten Schlaganfall. Glitazone verursachen zudem keine Unterzuckerungen: Menschen mit Typ-2-Diabetes, die zusätzlich zu dem oft verordneten Medikament Metformin auch noch Glitazone einnahmen, unterzuckerten nicht so häufig wie Kranke, die mit einer Wirkstoff-Kombination ohne Glitazone behandelt wurden.

Ärzte sollten daher in jedem Fall die Vor- und Nachteile sorgfältig abwägen, bevor sie Glitazone verschreiben, mahnt das IQWIG. „Glitazone sind Medikamente der letzten Wahl“, sagt Peter Sawicki, Leiter des Instituts: Die Wirkstoffe sollten lediglich dann verordnet werden, wenn alternative Therapien oder andere, besser untersuchte Medikamente nicht verwendet werden können. „Die beste Behandlung eines Typ-2-Diabetikers bleibt immer noch Gewichtsabnahme und Bewegung. Viele Ärzte greifen zu schnell zum Rezeptblock.“

Nicole Simon

 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
onkel.erwin (16.07.2009, 23:10 Uhr)
Jaja, die Ärzte sind alle ganz doof. Sagt uns wieder mal das IQWIG.
Es ist schon ein kleiner Unterschied, vom Institutsschreibtisch aus klugzuscheißen, anstatt in täglicher mühseliger Arbeit auf bockige Patienten einzuwirken, die ums Verrecken nicht abnehmen wollen. Schon in den 80ern hat Prof. Michael Berger sämtliche oralen Antidiabetika als untauglich und überflüssig abqualifiziert - weil Gewichtsabnahme und Bewegung ausreicht, und wenn nicht, Insulin das Mittel der Wahl darstellt. Natürlich könnten die Menschen abnehmen - sie können sich auch ne Frikadelle ans Knie nageln und solange dran drehen, bis Radio Luxemburg kommt. Wer macht es denn ? Im Alltag sind alle froh, wenn der Zucker mit ein paar Pillen ausreichend eingestellt ist, und fertig. Ideal ist das nicht, soviel wissen alle Beteiligten.