Laut einem Medienbericht wusste das Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline bereits 1999, dass das Diabetes-Medikament Avandia häufiger zu Herzproblemen führt. Das Mittel, mit dem jedes Jahr Milliarden umgesetzt werden, gerät jetzt immer mehr in die Kritik.

1,2 Milliarden Dollar wurden vergangenes Jahr mit Avandia umgesetzt© Colourbox
Der Pharmakonzern GlaxoSmithKline soll jahrelang negative Untersuchungsergebnisse zu einem auch in Deutschland verkauften Medikament gegen Diabetes Typ 2 verheimlicht haben. Laut einem Bericht der "New York Times" wusste das britische Unternehmen seit 1999 durch eine eigene Studie, dass mit dem Mittel Avandia ein größeres Risiko für Herzprobleme verbunden war. Die Ergebnisse seien aber weder veröffentlicht noch den Gesundheitsbehörden zugeleitet worden. Dies gehe aus Dokumenten hervor, die der "New York Times" vorlägen.
Avandia ist ein wichtiges Produkt für GlaxoSmithKline: Allein im vergangenen Jahr setzte der britische Pharmakonzern mit dem Medikament rund 1,2 Milliarden Dollar (945 Millionen Euro) um.
Eine Sprecherin von GlaxoSmithKline bestritt die Vorwürfe. "Alle Ergebnisse, die uns zum jeweiligen Zeitpunkt vorlagen, wurden den Behörden zugeleitet und auch veröffentlicht. Wenn Sie sich das über die Jahre anschauen, werden Sie sehen, dass wir immer und immer wieder Informationen dazu veröffentlicht haben."
Bekannt wurden die mit Avandia verbundenen Herzrisiken im Jahr 2007. Allein in den USA brach der Umsatz mit dem Medikament um fast ein Drittel ein. Die Jahresbilanz des größten europäischen Pharmakonzerns wurde dadurch spürbar belastet. Die US-Arzneimittel-Zulassungsbehörde FDA verfügte für das Medikament eine schwarz umrandete Warnung vor Herzinfarkt-Risiken. In dieser Woche beraten Gutachter der FDA darüber, ob Avandia verboten werden sollte. Die Experten sind gespalten: Manche meinen, dass der Nutzen die Risiken überwiegt.
US-Politiker äußerten Kritik am Vorgehen von GlaxoSmithKline. "Wenn Pharmakonzerne Informationen über Sicherheitsbedenken zu ihren Medikamenten zurückhalten, setzen sie Patienten einem Risiko aus", sagte Senator Max Baucus, der sich seit langem mit Avandia beschäftigt, der "New York Times".
Auch die europäische Arzneimittelbehörde will sich in der kommende Woche mit der Sicherheit des Diabetesmedikaments beschäftigen. In Deutschland hat der zuständige Gemeinsame Bundesausschuss vor knapp einem Monat beschlossen, Avandia aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen zu streichen.
In den USA sind bereits eine Reihe von Klagen im Zusammenhang mit dem Mittel anhängig. Einem Agenturbericht zufolge willigte der Pharmakonzern in den USA nun ein, 460 Millionen Dollar zu zahlen. Mit der Summe würden etwa 10.000 Klagen in den USA beigelegt, berichtet die Agentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Einigung vertraute Personen.