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1. März 2010, 09:25 Uhr

Schröder lernt das SMS-Schreiben

Rosige Zeiten auf der Cebit 2000: Der Optimismus war ungebremst, die Auftragsbücher voll und eine Green Card für Programmier sollte Deutschland zu einer führenden IT-Nation machen. Kanzler Gerhard Schröder bekam erst einmal Nachhilfe im Simsen. Ein Rückblick.

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Ein echtes Highlight war damals der iPad-Vorgänger "Webpanel"© DPA

Mit dem Bildschirm-Computer iPad will der Elektronikkonzern Apple in den kommenden Monaten eine neue Gerätekategorie am Markt durchsetzen. Doch die Idee eines "Tablet Computers" ohne eine Hardware-Tastatur ist nicht wirklich neu: Vor zehn Jahren auf der Computermesse Cebit 2000 präsentierte das Unternehmen Höft & Wessel aus Hannover ein "Webpanel", das dem Konzept des iPad sehr nahe kam. Mit dem "skeye.pad" sollte man über eine Mobilfunkverbindung oder den Funkstandard Dect drahtlos im Internet surfen können.

Das "Webpanel" aus Hannover erhielt zwar damals einen Best-of-Cebit-Preis der Fachzeitschrift "Chip". In Serie für den Massenmarkt wurde das Gerät allerdings nie gebaut. Die Entwickler bei Höft & Wessel bauten aus dem Prototypen später verschiedene robuste mobile Spezialgeräte, die heute etwa bei den "Gelben Engeln" des ADAC im Einsatz sind oder Speditionen bei der logistischen Steuerung ihrer Lastwagen helfen. Auch die Bildschirme der Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn gehen letztlich auf die "Webpanel"-Entwicklung in Hannover zurück.

Optimismus und Zuversicht

Wegen der damals bevorstehenden Weltausstellung Expo 2000 fand die Cebit vor zehn Jahren nicht zum traditionellen März-Termin statt, sondern schon im Februar. Die Branche hatte gerade erfolgreich das Jahr-2000-Problem gemeistert und platzte fast vor Zuversicht. Das befürchtete Chaos zum kritischen Datumswechsel war ausgeblieben. Industrie und Handel blickten voller Optimismus nach vorne. Dies schlug sich dann auch in der Messebilanz nieder: Mehr als 750.000 Besucher kamen trotz des miesen Wetters zur Cebit 2000. Viele der 7800 Aussteller reisten damals mit vollen Auftragsbüchern und besten Umsatzprognosen aus Hannover ab.

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Wie bei James Bond: Gerhard Schörder telefoniert über eine Armbanduhr© DPA

Green Cards für Programmierer

Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) versprach zur Eröffnung der High-Tech-Schau, nach dem Vorbild der USA eine Art "Green Card" einzuführen. Damit sollten Programmierer, Datenbankspezialisten und andere Computer-Experten aus Staaten außerhalb der Europäischen Union eine befristete Arbeitserlaubnis in Deutschland bekommen. Über das "Sofortprogramm zur Deckung des IT-Fachkräftebedarfs" kamen die folgenden Jahre 20.000 IT-Fachleute nach Deutschland. Die Regelung lief Ende 2004 aus und wurde durch ein neues Zuwanderungsgesetz ersetzt, mit dem weiterhin IT-Spezialisten bei dem Aufenthaltsrecht gegenüber anderen Arbeitsmigranten aus dem außereuropäischen Ausland bevorzugt werden.

Schröder hatte damals die wirtschaftliche Bedeutung des Fachkräftemangels erkannt. Im Gegensatz zu seiner Nachfolgerin im Bundeskanzleramt hatte Schröder privat so seine Mühen mit der Kommunikationstechnologie. Auf der Cebit 2000 ließ sich der Kanzler vom damaligen AOL-Europachef Andreas Schmidt zeigen, wie man mit dem Handy eine Kurznachricht verschickt. "Der Kanzler ist hier! Er bekommt gerade SMS erklärt, aber das kennt der doch sowieso nicht", sagte ein Beobachter der Szene damals.

Der Onlinedienst AOL lieferte sich auf der Cebit 2000 mit der Deutschen Telekom ein Wettrennen, die deutschen Schulen ins Internet zu bringen. Zehn Jahre später hat sich AOL nach einer Serie von Misserfolgen vom deutschen Markt zurückgezogen.

Ein Computer zum Anziehen

Damals sah aber auch für AOL die Zukunft noch rosig aus. Ein Jahr vor dem Platzen der großen Internet-Blase wurden auf der Cebit 2000 noch Technologien als visionär angepriesen, die heute eher belächelt werden. So konnte man in den Messehallen einen "Computer zum Anziehen" bestaunen, bei dem Kleinst-Rechner und Batterien kaum sichtbar in den Taschen einer dicken, silbern schimmernden Weste steckten. Dieses Gerät sollte als mobiler Übersetzer für Stadtführungen eingesetzt werden.

Seltsame Fantasien regte auch die Funktechnologie Bluetooth an, die heute vor allem für drahtlose Kopfhörer genutzt wird. Jörg Gleisner vom Telekommunikations-Unternehmen Ericsson pries damals die Vorzüge der Datenfunktechnik so an: "Sie können mit dem Handy aus der Küche die Lautstärke beim Fernseher regulieren oder vom Arbeitszimmer die Waschmaschine einschalten." Das Mobiltelefon als Fernsteuerung für die Feinwäsche hat sich dann aber auf dem Markt nicht wirklich durchgesetzt.

DPA
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
guzziman (03.03.2010, 13:35 Uhr)
Jaja,
der Schröder.... das schlimmste, was Deutschland jemals passiert ist, mit Ausnahme des verrückten Österreichers...
Naja, ich hab ihn jedenfalls nicht gewählt (den Schröder, mein ich...)
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