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Die zweite Meinung

Der dänische Entwickler Serious Games schickt den Spieler in "Global Conflicts: Palestine" als Reporter in den Nahen Osten, um über den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern zu berichten.

Als junger, unerfahrener Reporter mitten im Krisengebiet: Das sind die besten Voraussetzungen, die Sichtweisen aller beteiligten Parteien von Grund auf kennen und verstehen zu lernen. Der Spieler wird sogleich ins kalte Wasser geworfen und beobachtet eine Razzia in einem mutmaßlichen Waffenlager. Später werden die Situationen noch wesentlich brenzliger: Selbstmordattentate und Anschläge führen die allgegenwärtige Bedrohung für Leib und Leben der Bürger im Nahen Osten deutlich vor Augen.

Der Reporter befragt Sachverständige und Zeugen, sammelt Statements und strickt daraus anschließend einen Zeitungsartikel für ein israelisches, ein palästinensisches oder eine neutrales europäisches Blatt. Je nach Art der Berichterstattung wird der Spieler von den konkurrierenden Gruppierungen bereitwilliger oder eher spärlich mit Informationen versorgt. Diplomatisches Lavieren spielt hier eine wichtige Rolle. Welche Aussagen der Wahrheit entsprechen und welche reine Propaganda sind, muss der Spieler anschließend für sich selbst entscheiden und das Material entsprechend einordnen.

"Global Conflicts: Palestine" bezieht weder für die eine noch für die andere Seite Stellung und liefert nur den kompetent recherchierten Hintergrund für die eigene Meinungsbildung. Durch die erforderliche Pressearbeit befasst sich der Spieler automatisch intensiv mit dem Nahost-Konflikt, fühlt sich plötzlich selbst davon betroffen und revidiert so allzu eindimensionale Vorurteile.

Global Conflicts: Palestine

Hersteller/Vertrieb

Serious Games/dtp entertainment

Genre

Strategie

Plattform

PC

Preis

ca. 20 Euro

Altersfreigabe

ab 16 Jahren

Technisch kann sich "Global Conflicts: Palestine" nicht mit aktuellen Spieleproduktionen messen: Klotzige 3-D-Grafik, bei den zahllosen Dialogen keine Sprachausgabe und eine unzureichende Mausunterstützung mögen Zocker zunächst vor den Kopf stoßen. Doch Serious Games möchte ja auch keine Hochglanz-Unterhaltung anbieten, sondern eine intensive Auseinandersetzung mit der Realität provozieren. Und das gelingt Serious Games auch in vergleichsweise spartanischer Präsentation. "Global Conflicts: Palestine" ist ein Titel, der durchaus auch für notorische Spiele-Verweigerer interessant ist und viel Stoff zum Nachdenken liefert. Weitere Ausgaben des Games, das auch als Lehrmittel eingesetzt werden soll, sind bereits geplant.

Herbert Aichinger/Teleschau/TELESCHAU
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