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Die virtuelle Suche nach Vollkommenheit

Angriff auf die Genre-Spitze: Das vom polnischen Entwickler Reality Pump programmierte "Two Worlds" ist ein gutes Rollenspiel mit teils wunderschöner Grafik.

"Two Worlds" - das ist nicht nur der Gegensatz zwischen Gut und Böse, sondern auch der zwischen hervorragenden Ideen und mittelprächtiger Umsetzung. Das beginnt schon in den ersten Spielminuten und setzt sich bis zur Endsequenz fort.

Ein stimmungsvolles Intro in leider recht verwaschener Optik liefert den Story-Hintergrund: Kyra, die Schwester des Helden, wurde von einer finsteren Bruderschaft entführt und muss wiedergefunden werden. Fast schon unnötig zu erwähnen, dass das profane Kidnapping natürlich nur kleiner Bestandteil einer wesentlich größeren Sache ist, in deren Verlauf ein verbannter Ork-Gott befreit werden soll und man nach Gutdünken eine Revolution im Lande unterstützen oder niederschlagen kann.

Die Odyssee eines namenlosen Recken

Die Odyssee führt den namenlosen Recken durch die riesige, stimmungsvolle Landschaft von Antaloor. Wunderschön, wie sich das Grün der Bäume im Wind wiegt, steinige Feldwege sich beschaulich über Hügel schlängeln oder Hasen und Enten durchs hohe Gras huschen. Unterwegs ist man den Launen des Wetters ausgesetzt: Mal erlaubt strahlender Sonnenschein faszinierende Ausblicke zu fernen Burgen und Städten am Horizont, dann wieder erschweren heftige Gewitter oder Nebelbänke das Fortkommen. Was tagsüber idyllisch wirkt, bekommt nachts bedrohliche Dimensionen - zumal dann auch noch die Geister der besiegten Kreaturen auf Erden wandeln.

Nachdem der Spieler das Erscheinungsbild seiner Figur den eigenen Wünschen angepasst hat, geht es sofort in medias res - ohne Vorgeplänkel mit Klassen und Fertigkeiten. Der Held bekommt seine ersten Charakterzüge nicht zu Anfang nach dem Baukastensystem, sondern entwickelt sich erst richtig während seiner Abenteuerreise durch Antaloor. Ein ungeheuer differenzierter Fertigkeitenbaum ermöglicht im Lauf des Spiels die Ausprägung ganz individueller Heroen. Je nach Gusto legt man das Schwergewicht auf Nah- und Fernkampf oder Magie, mischt als Alchimist seine eigenen Kräutersüppchen zusammen, legt fiese Fallen oder räubert mit dem Dietrich in fremden Schränken und Truhen.

Two Worlds

Hersteller/Vertrieb


Reality Pump/Zuxxez Entertainment

Genre

Rollenspiel

Plattform

PC

Preis

ca. 50 Euro

Altersfreigabe

ab 16 Jahren

Aller Anfang ist schwer

Das klingt alles nett und schön - und trotzdem wird der Held auf Schwesternsuche nicht so recht glücklich. Zunächst tappt er ziemlich planlos durch die riesige Welt, denn in den ersten Spielstunden scheint ihm die Story als roter Faden komplett abhandengekommen zu sein. Er besucht Städte, plappert mit den zahlreichen Bewohnern und langweilt sich dabei, mit jeder neuen Bekanntschaft immer wieder denselben Fragenkatalog abhaken zu müssen. Die Quests, die er annimmt, strotzen auch nicht gerade vor innovativen Ideen und scheuchen ihn beispielsweise von einem Ort zum anderen, um den Orks Katapultbauteile vor der Nase wegzuschnappen oder einem schöngeistigen Maler Safran zur Farbgewinnung zu beschaffen. Wer möchte, kann hierbei die Gegend auch hoch zu Ross durchstreifen und sich dabei über die miese Steuerung der störrischen Gäule ärgern.

Natürlich drohen überall Gefahren: Wölfe, Ghouls, Riesenspinnen, Orks, Wyverns, Zombies und viele weitere unangenehme Gesellen wollen dem Helden ans Leder. Er wehrt sich mit stupiden Klicks auf die linke Maustaste und belegt Zifferntasten mit Zaubersprüchen und Heiltränken. Ein Glück, dass die Besiegten jede Menge Items bei sich tragen, mit denen er seine Ausrüstung schnell aufwerten kann. Eine tolle Idee ist hier die Möglichkeit, passende Gegenstände miteinander zu kombinieren, um ihre Leistungsfähigkeit zu steigern.

Programmmängel trotz Nachbesserung

Bereits einen Tag nach dem Release von "Two Worlds" standen zwei dicke Patches zum Download bereit. Die waren auch dringend nötig, merzen bei Weitem aber noch nicht alle Fehler aus. Immer wieder traten störende Bugs auf: Mal fror das Bild ein, dann wiederum schwebten die Leichname besiegter Gegner zweieinhalb Meter über dem Boden. Auch die unterentwickelte Künstliche Intelligenz könnte dringend eine Überarbeitung gebrauchen. Gleich, ob Drache oder Braunbär: Die Viecher bleiben an kleinsten Hinternissen kleben oder machen am Ufer eines Sees halt, um sich dann vom Spieler, der bis zu den Knien im Wasser steht, wehrlos erlegen zu lassen. Andererseits: Zum Glück gibt es diese Komplettaussetzer und andere kleine miese Tricks (dem Gegner Sand in die Augen werfen), reichen doch bereits schrecklich wenige Treffer, um den Helden aus den Latschen zu hauen.

Allerdings ist der Bildschirmtod in "Two Worlds" nur halb so schlimm. Wer stirbt, erwacht an einem nahegelegenen Schrein wieder, ohne Abzüge oder andere Strafen fürchten zu müssen. Die Folge: Genügend Ausdauer vorausgesetzt, lassen sich auch große Feindansammlungen durch Kamikaze-Einsätze irgendwann auf ein erträgliches Maß dezimieren.

Fazit: "Two Worlds" ist ein sympathisches Rollenspiel mit teils toller Grafik und vielen guten Ansätzen. Gleichzeitig bedarf der Titel aber dringend vieler weiterer Nachbesserungen, weshalb die Xbox-360-Version wohl kurz vor dem Release noch einmal verschoben wurde. "Oblivion" kann das Programm nicht vom Thron stoßen. Die Suche nach dem perfekten Rollenspiel geht also weiter.

Herbert Aichinger/Teleschau/TELESCHAU
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