Fast scheint es, dass nicht nur die Entwickler, sondern auch die Nutzer gegängelt werden wollen. Die totale Freiheit ist nicht erwünscht, die IT-Diktatur herzlich willkommen. Wird die Entscheidungsfreiheit über die Wahl des Betriebssystems, der Software und der Hardware genommen, gibt es keine Qual der Wahl. Im Gegensatz zu anderen Herstellern hat Apple Erfolg mit der Reduktion. Weniger ist mehr - und teurer. Die Produktpalette in den einzelnen Bereichen, ob Musik, Computer oder Handys, ist sehr überschaubar. Es gibt nur ein iPhone, vier iPod-Modelle und eine Handvoll unterschiedlicher Computer.
Der Kunde hat nicht die Qual der Wahl. Man entscheidet sich nicht für eine Ausstattung, sondern nur für oder gegen Apple. Wer auf der Nokia-Website nach einem Handy sucht, kann aus derzeit 113 Modellen auswählen. Vom günstigen Einsteigermodell bis zum hochpreisigen Alleskönner ist alles dabei. Nokia macht den Gewinn durch Masse, erfolgreiche Billigmodelle finanzieren die Entwicklung teurer Prestige-Handys mit. Apple hält nichts von großer Auswahl, sondern von künstlicher Verknappung.
Tatsächlich beißen immer mehr Kunden bei Apple an. Das Argument, dass auf einem Mac ja keine Windowsprogramme laufen, zählt längst nicht mehr. Denn für fast jeden Zweck gibt es inzwischen eine App. Die Kunden interessiert es nicht, dass Apple die Inhalte sehr stark reglementiert, die einfache Benutzung macht den Charme aus. Ein Grund ist die Vielzahl an Anwendungen, den sogenannten Apps, die es inzwischen für das iPhone gibt. Softwareentwickler produzieren so viele Programme, wie einst für den PC. Und was damals für einen Windowsrechner sprach, spricht jetzt für das Apple-Handy: die Vielzahl der Möglichkeiten. Nur im Gegensatz zu Microsoft, dass die Installation von jeder Windowssoftware auf Computern, lässt Apple fürs iPhone nicht alle Anwendungen zu.
Apple ist ein Phänomen. Obwohl es das Unternehmen geschafft hat, vom digitalen Elfenbeinturm auf die Schreibtische und in die Hosentaschen der Jedermänner zu gelangen, fühlen sich die Besitzer häufig immer noch als Trendsetter. Dabei unterhalten sich inzwischen selbst Technik-Laien über iPhone und Co. und wollen wissen, mit welcher App man die nächste Reise plant. Man hat eine Meinung zu einem Produkt, selbst, wenn man es nicht nutzt oder besitzt. Die wochenlangen Spekulationen um Größe, Form, Farbe, Ausstattung und Preis des iSlates waren nur ein weiterer Schritt für Apple als Trendmarke. Man bedenke: Apple bestätigte bisher nicht einmal die Existenz eines solchen Geräts. Einen vergleichbaren Hype gibt es, wenn überhaupt, nur in Religionen. Und spätestens heute Abend werden die Apple-Jünger der Ankunft ihres Gurus begeistert lauschen, wenn es da heißt: "Cupertino, geheiligt sei Dein Mac OS, Dein Islate komme."