Als heißester Tipp für den nächsten Apple-Angriff gilt der Tablet-Computer. Ein kleiner, leichter Rechner mit berührungsempfindlichem Bildschirm würde das Produktprogramm optimal ergänzen. Preislich soll der Mini irgendwo zwischen dem teuersten iPod (379 Euro) und dem billigsten MacBook (949 Euro) angesiedelt sein.
Die Apple-Fangemeinde hat schon mal Namen für den vermeintlichen Newcomer kreiert: iPad oder MacPad könnte er heißen. Auszeichnen sollen ihn die Apple-typische Benutzerfreundlichkeit, eine lange Batterielaufzeit und ein schneller Internetzugang zum Herunterladen von Spielen, Filmen oder Musik aus dem Internet. Spätestens Anfang 2010 dürfte es so weit sein, erwarten Analysten.
"Jobs braucht einen weiteren Home-Run", sagt Peter Sealey, Marketingprofessor an der Peter F. Drucker Graduate School of Management in Südkalifornien. Mit einem tragbaren Minirechner würde Apple nicht nur den Markt der Netbooks aufmischen, auf dem sich Hersteller wie Asus, Dell, HP und demnächst Nokia tummeln. Auch Anbieter von digitalen Lesegeräten wie Amazon oder Sony müssen sich Sorgen machen, glaubt Sealey, der lange Jahre Marketingchef bei Coca-Cola war. "Das wäre ein Schlag gegen den Kindle und gegen den Sony Reader."
Obwohl der Perfektionist Jobs das Projekt intern schon zweimal abgebrochen haben soll und Apple 1993 mit einem Minicomputer namens Newton Message Pad bereits spektakulär gescheitert ist, gibt sich Zukunftsforscher Saffo geradezu euphorisch: "Ich garantiere, dass der iPad für Filme, Spiele, Zeitungen und Bücher das sein wird, was der iPod für Musik war. "Neue Impulse könnte der bisher eher schwierige Markt für Tablet-Computer in der Tat gut gebrauchen. Die Rechner, die mit kleinen Plastikstiften bedient werden, unterscheiden sich zu wenig von anderen Rechnern, um die relativ hohen Preise zu rechtfertigen.
Derzeit machen sie weltweit lediglich 1,4 Prozent aller Verkäufe bei tragbaren Computern aus, schätzt das US-Marktforschungsunternehmen IDC. "Die Branche zählt auf Apple, einmal mehr eine Kategorie neu zu definieren", sagt Richard Doherty vom Marktforschungsunternehmen Envisioneering. Dass Jobs entsprechende Pläne brüsk dementiert ("Wir wissen nicht, wie man einen 500-Dollar-Computer baut, der nicht ein Stück Schrott ist"), macht sie in den Augen der Beobachter nicht unwahrscheinlicher: Der 54-Jährige hatte früher auch behauptet, sein Unternehmen interessiere sich nicht für Mobiltelefone.
Nicht nur die Netbook-Hersteller haben Anlass, Jobs' Killerinstinkt zu fürchten. Auf dem Markt für digitale Fotoapparate und Videokameras könnte es bald ebenfalls hoch hergehen. Die jüngste Version von Apples iPhone wartet mit einer integrierten Kamera auf, die technisch Knipskisten in anderen Handys zwar deutlich unterlegen ist, dennoch durch eine einfache Handhabung punktet. Zusätzlich hat das Apple-Telefon eine Videofunktion eingebaut. Sicher keine Konkurrenz für eine hochauflösende Spiegelreflex, doch für gängige Kleinkameras oder Camcorder durchaus eine Gefahr. Denn Fotos und Videos lassen sich direkt auf dem Handy bearbeiten und per Mobilfunk oder W-Lan an Freunde oder interaktive Websites wie Youtube verschicken.