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8. Februar 2008, 10:20 Uhr

Jugendschutz extrascharf

Unterstellte Folgen

Als zweite Änderung des Jugendschutzgesetzes sollen die Indizierungsgründe ausgeweitet werden: Selbstzweckhafte Mord- und Metzelszenen sowie die Glorifizierung von Selbstjustiz gelten fortan als eindeutig jugendgefährdend. Eine Ausweitung, die keine ist, denn die BPjM behandelt beides in ihrem internen Prüfverfahren seit jeher als Indizierungskriterium.

Die dritte geplante Neuerung ist die entscheidende. Künftig sollen auch Spiele, die "von besonders realistischer, grausamer oder reißerisch dargestellter, selbstzweckhafter Gewalt beherrscht werden", als schwer jugendgefährdend gelten und damit wie etwa Kriegsverherrlichung oder Pornographie per Gesetz unmittelbar auf dem Index landen - auch ohne ein vorheriges Verfahren bei der BPjM.

Was einen Film zum Porno macht, davon haben auch juristische Laien eine Vorstellung. Was aber "gewaltbeherrscht" bedeutet, ist bislang ebenso ungeklärt wie der "Killerspiel"-Begriff selbst. Stellt man etwa auf den im Gesetzesentwurf genannten besonderen Realismus ab, könnten grafisch opulente Shooter wie Crysis oder Bioshock auf dem Index landen.

Tritt die Änderung in Kraft, entscheiden fortan die Staatsanwaltschaften, welche Spiele in der Praxis als "gewaltbeherrscht" angesehen werden. Letztlich wird sich also erst nach Inkrafttreten der Neuregelung erweisen, welche Titel von der Verschärfung überhaupt betroffen sind - ein aus rechtsstaatlicher Sicht bedenklicher Zustand. Diese Auffassung teilt auch der BIU. Olaf Wolters: "Anbieter von Computerspielen werden nicht mehr beurteilen können, welche Gewaltdarstellung noch erlaubt ist und welche nicht." Das will sich der BIU nicht bieten lassen: "Sollte die Gesetzesvorlage in dieser Form in Kraft treten, werden wir den Gang zum Bundesverfassungsgericht prüfen müssen. Es kann nicht sein, dass Computerspiele für Erwachsene praktisch wie Pornographie behandelt werden", so Wolters.

Unterstellte Chancen

Die Staatsanwaltschaften sind dazu verpflichtet, angezeigten Straftaten nachzugehen. Wendet sich etwa ein besorgter Familienvater an die Polizei und weist auf ein Spiel hin, das ihm schwer jugendgefährdend erscheint, müssen die Ermittlungsbehörden tätig werden und zu einer Entscheidung kommen - ist das Spiel "gewaltbeherrscht" oder nicht?

Allerdings sieht bereits das derzeit bestehende Jugendschutzgesetz Tatbestände vor, in denen ein Spiel per Gesetz als indiziert gilt. Zum Beispiel, wenn es gegen strafrechtliche Verbote verstößt, den Krieg verherrlicht oder menschenunwürdige Gewalttaten darstellt. Die Vergangenheit hat jedoch gezeigt, dass Spiele in der Regel erst dann als schwer jugendgefährdend eingestuft werden, wenn das Prüfgremium der BPjM zu dieser Überzeugung gelangt ist. Fälle, in denen Staatsanwälte und Gerichte ein Spiel aus eigenem Antrieb heraus auf den Index verbannt hätten, sind der Redaktion nicht bekannt.

Damit von der Leyens Entwurf trotzdem nicht in seiner geplanten Form zum Gesetz wird, will der BIU bei den zuständigen Bundestagsausschüssen vorsprechen. Ganz verhindern lässt sich die Vorlage aber wohl nicht mehr. "Am Ende wird es wahrscheinlich die eine oder andere Modifikation des Jugendschutzgesetzes geben", schätzt Wolters. BPjM-Insider halten die Änderungen ebenfalls für sehr wahrscheinlich. Die Chancen, dass die Verschärfung des Jugendschutzgesetzes in Kraft tritt, stehen also gut. Die Chancen, dass sich damit für die Spieler kaum etwas ändert, aber auch. Von größeren USK-Aufklebern einmal abgesehen.

Christian Schmidt/Gamestar
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KOMMENTARE (10 von 31)
 
minihami86 (08.02.2008, 21:42 Uhr)
@SirDismus
Was die Frau in ihrer E-Mail tut, ist, die Formulierung "Menschenwürde verletzende Gewalttätigkeit" und das Spiel "Counterstrike" in einem Atemzug zu erwähnen. Gerade in DIESEM Spiel kann davon aber keinerlei Rede sein. Des Weiteren verweisen Sie auf ein Spiel, bei dem man für die "Bearbeitung" eines Opfers Punkte erhält... erwähnen zeitgleich aber die BpjM. Ist Ihnen schon mal der Gedanke gekommen, dass dieses Spiel längst auf dem Index ist? Diese Diskussion hier hat keinerlei fundierte Basis. Es wird immer und immer wieder darauf hingewiesen, dass Deutschland schon lange den weltweit schärfsten Jugendschutz hat. Aber nie wird gefragt, warum es in anderen Ländern auch funktioniert. Es wird wieder und wieder nach populistischen Themen gesucht, auf die viele Wähler anspringen, insbesondere besorgte Eltern und die "älteren" Generationen, die sich mit der Materie kaum auskennen. Dass aber die Erziehung der Eltern im Vordergrund der Debatte stehen sollte, darüber aber kein Wort verloren wird, wundert mich doch sehr. Aber eigentlich wundert es mich auch wieder überhaupt nicht, denn damit würden die Parteien ja Wähler und Befürworter verlieren. Wie schon mehrfach erwähnt wurde: Es ist absolut richtig und konsequent, Spiele, die Menschenrecht verletzende und ähnliche Inhalte vorweisen, nicht so zu veröffentlichen. Aber das wird in Deutschland schon seit langem genau so gehandhabt. Eine weitere Verschärfung des Jugendschutzes ist weder nützlich noch sinnvoll. Außerdem ist nach wie vor NICHT nachgewiesen, dass "Killerspiele" Mit-Ursache für kriminelle Handlungen sind. Die Spiele-Community ist riesengroß, umfasst unzählige Spieler. Ein winziger Bruchteil davon begeht einen Amoklauf und hat ebenfalls solche Spiele gespielt - natürlich sind dann die Spiele Schuld, die den riesengroßen Rest der Computerspiele NICHT zu solchen Taten verleiten. Wo liegt in dieser Argumentationsweise die Logik? Da fällt mir immer dieser wunderschöne Spruch ein: "90% aller Attentäter essen vor ihrem Anschlag Brot - VERBIETET BROT!". Das ist die Logik, mit der die deutsche Politik ihr Handeln rechtfertigt.
kralli19 (08.02.2008, 20:33 Uhr)
@ Sirdidimus
Tut mir leid, ich kann ihre Kritik an malt absolut nicht nachvollziehen. Seine Einwände sowie auch die der anderen Mitdiskutanten sind absolut nachvollziehbar. Da ihnen ja argumentativ nichts brauchbares einfällt und sie auf die persönliche diffamierende Ebene wechseln, sagt eigentlich schon alles über sie aus, braucht man auch nicht weiter zu diskutieren.
Hier zu behaupten, Beckstein habe sich klar ausgedrückt ist ja hanebüchen. Ich habe eher den Eindruck, das SIE es sind, der nicht in der Lage ist, einfachsten logischen Gedankengängen zu folgen.
Aber macht nix, mit ihren Aussagen befinden sie sich auf einem ähnlichen Niveau wie der Intendant des ZDF, der auf Anfrage wörtlich gesagt hat, die (geschätzt) mehreren Millionen Zocker in Deutschland, die im Gegensatz zu den 2-3 Amokläufern NICHT Amok gelaufen sind, seien eben die statistischen Ausreisser.
Spocks_Kommentar (08.02.2008, 19:08 Uhr)
Viel Wind am falschen Ende...
Gewalt muß nicht sein, schon gar nicht als Spiel, das ist klar. Aber Gewalt kann abstumpfen oder abstoßen. Es ist nicht klar, ob jemand zum nachahmenden Täter wird oder abgeschreckt. Aber diese Diskussion ist unwichtig. Unsere Politiker machen nämlich wieder einmal Wind an dem Ende, an dem die eigentliche Gefahr gar nicht ist.
Für jeden frei zugänglich stehen Leni Riefenstahls Machwerke "Sieg des Glaubens" und "Triumpf des Willens" über die NSDAP-Reichsparteitage in voller Länge und auf deutsch im Netz, letzterer sogar in der ungeschnittenen 11-Stunden-Fassung und nicht nur die und jeder kann sie sich ansehen.
Solange Material solcher Art für jeden 10-jährigen Pimpf zur Verfügung steht, braucht man sich über ein paar Spiele nicht aufzuregen. Deshalb:
Liebe Frau Minister und Vorzeigemutter: Kämpfen Sie erst einmal, wo die wirkliche Gefahr ist - Nebenkriegsschauplätze zur Verdeckung interessieren nicht!
Aber wie das so ist in Deutschland: Vorzeigemütter waren noch nie ein Erfolgsmodell.
SirDidimus (08.02.2008, 19:03 Uhr)
Malt
es tut mir leid, dass sie bestimmte texte nicht verstehen. aber daran werde ich nichts ändern können. der beckstein hat sich klar und deutlich ausgedrück ich verstehe es. wenn sie es als erwachsener nicht verstehen, ist es peinlich für sie. ich gehe aber mal davon aus, dass sie auch in zukunft weiterhin ihre spiele "ab 18" bekommen werden und bestimmte spiele nicht zu kriegen sind, und sich somit brauchen sie sich auch weiterhin keine gedanken darüber mehr zu machen müssen. ist eh nur ein sturm im wasserglas
strangeland (08.02.2008, 18:15 Uhr)
Wie immer wird übersehen, das...
...die entsprechenden Spiele bereits verboten sind!!! Es ist doch viel schlimmer, das durch diesen vonderLayenBecksteinmistdreck Erwachsene Spieler diskriminiert werden.
Und das ist SCHON HEUTE so!
Ein Beispiel: Pc-Game "Dark Messiah of Might and Magic"!
Deutsche AB 18-VERSION geschnitten. Warum? Man kann mit dem Schwert Körperteile abtrennen...! Das wurde für den Deutschen Markt entfernt.
Hallo??? Ab 18, sagt doch alles aus!
Wieso muß ich mir als 41-jähriger Spieler vorschreiben lassen was ich kaufe oder spiele? Seit anbeginn des Pc-Zeitalters bin ich am metzeln, und es macht einfach Spaß. Es ist VIRTUELL, und nichts anderes.
Hier geht es um Zensur und bevormundung von Erwachsenen, und natürlich vor allem um die Profilierung von Politikern die zum einen keine Ahnung von der Sache haben, und zum anderen wohl nicht mal wissen was ein Patch oder Add-on ist!!!
Langsam hat man echt die Schnauze voll!
le_roi (08.02.2008, 17:59 Uhr)
und täglich grüßt das murmeltier ...
ich kanns nicht mehr hören. und wieder wird mal wieder was "verregelt".
jeder der nur ein bischen ahnung von technik hat, weiß dass ALLE spiele
und sonstiges "schlimmes" im netz mit zwei klicks verfügbar ist und zwar ohne jegliche altersnachfrage.
zum zweiten machen verbote dinge interessant (besonders für jugendliche).
ich bin mittlerweile stinksauer, wie unsere politik mit den themen jugendgefährdung, gewalt, menschenverachtung ect. umgeht - nämlich primär durch strafverfolgung und gesetze.
ich möchte hier nochmals die erzieherische verantwortung der gesamtgesellschaft hervorheben, welche der staat nicht leisten kann - aber eltern, lehrer, erzieher zu leisten haben.
es geht doch darum starke, eigenverantwortliche persönlichkeiten
zu bekommen, welche den gfahren des lebens (u.a. auch drogen) zu trotzen verstehen und z.b. mit gewalt konstruktiv umzugehen wissen.
dfür braucht man aber dann geld. und zwar für mehr lehrestunden, kindergaten-personalschlüssel, sozialarbeiter und konstruktive konzepte.
ach wie einfach erscheinen da mal wieder patentlösungen in form von verboten. mit den jungen leuten muss
gearbeitet werden!!!
p.s. ich bin auch killerspiel spiler! buhhhhhhhh!!!
Cienne (08.02.2008, 16:34 Uhr)
Oh man
Langsam wird es nervig...
In einem jahr haben die Medien und somit die Politik wieder etwas neues zum streiten.
Vor allem immer dieses Halbwissen der Leute... Ich bin 17 und zocke seitdem ich 14 bin. Meinen Eltern war es schon immer egal was für Spiele (gilt auch für Filme) ich spiele oder schaue.
In meinem ganzen Leben bin ich noch nie Amok gelaufen und bin ein ganz normales Mitglied der Gesellschaft. GLeiches gilt für zich Millionen Spieler auch.
Wie wäre es mal mit Berichten über "normale" Spieler und nicht die 0,1% die Amok laufen oder ihre Mutter schlagen.
Ach ne, wäre ja zu langweilig....
lg!
The_Fiddler (08.02.2008, 16:08 Uhr)
Wenn ich bedenke:
Das also eine Klage eingereicht werden kann über ein spiel, dass von experten als nicht indizierungswürdig angesehen wird, stellt sich mir die Frage: was bringt das? Antwort: Unsere Frau von der Leyen hat sich profiliert. Wenn dafür nicht die Zeit unserer Volksvertreter da ist... oh man
wanderer60 (08.02.2008, 15:11 Uhr)
@SirDidimus
also irgendwie muß ich Malt schon recht geben!
Wenn ich an einen Politiker, der doch ziermlich große Töne spuckt, eine konkrete Frage stelle - z.B. welches Spiel wäre das denn - dann kann man doch eine Antwort erwarten. Und wenn es keine andere Antwort gibt als "das betrifft keines der Spiele, die offiziell im Umlauf sind" dann kann man doch antworten, oder? Sinnlose Worthülsen waren für Politiker aber immer schon besser. Danach kann man immer sagen: "DAS habe ich so nie gemeint"...
.
Lächerlich dieses Politikergetue in Deutschland.
schmutz (08.02.2008, 15:07 Uhr)
@sirdidimus
Manhunt wird von den Gegnern der Computerspiele gerne angeführt. Allerdings gab es dieses Spiel nie offiziell in Deutschland, es ist hier verboten und das ist auch gut so (ich als Spieler befürworte auch nicht jedes Spiel). Es ist nur ein gutes Beispiel, wie die Argumentation der Befürworter für ein schärfers Jugendschutrecht aufgebaut ist: Sie werben für eine Verbot von bestimmten Spielen, mit einem Spiel das in Deutschland schon verboten ist. Diese bewusste Verdrehung von Tatsachen empfinde ich als äußerst bedenklich, wenn es um die Restriktierung meines Freizeitverhaltens durch den Staat geht. Dies hinterläßt bei mir ein ungutes Gefühl.
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