
Stefan Blanck koordiniert die Arbeit zwischen dem DSA-Verlag und dem Spielehersteller. Und er ist auch "Drakensang"-Autor
Schon nach wenigen Mausklicks fühlen sich Aventurien-Kenner in "Drakensang" zu Hause. Fans stoßen auf viele bekannte Gesichter, Orte und Gepflogenheiten. An Neulingen des Systems geht zwar einiges an Insiderwissen vorüber. Da es sich bei "Drakensang" um eine eigenständige Geschichte handelt, bekommen sie trotzdem keine Nachteile im Spielverlauf. Statt wilder Gefechte gibt es hier taktische Kämpfe nach den Regeln des Würfelspiels. Der Schwerpunkt liegt auf dem Erkunden, Unterhalten mit Spielfiguren und Finden von Hinweisen. Diese Gemächlichkeit wirkt auf DSA-Anfänger manchmal sperrig und träge in einer Zeit, in der sich sonst alles um Action dreht. Wer sich auf das Tempo einlässt, erlebt eine interessante Reise durch eine stimmige Welt, die sehr nah am Original der Würfelspiele liegt.
Während "Pen & Paper"-Spiele in den 80er Jahren Hochkonjunktur hatten, sind sie Mitte der Neunziger unpopulär geworden. Der Reiz neuer Medien war zu groß, um weiter mit Papier, Stift und Würfel zu spielen. Seit ein paar Jahren kommen die Rollenspiele zurück. "Inzwischen sind die Leute übersättigt und wollen den Fernseher oder das Internet auch mal abschalten", sagt "Drakensang"- und langjähriger DSA-Autor Mark Wachholz. "Sie wollen sich wieder richtig treffen". Stefan Blanck sieht ähnliche Gründe für das Comeback: "Während man einen Film nur konsumiert, kann man dieses Hobby aktiv betreiben". Außerdem hat "Das Schwarze Auge" den Reiz der Verlässlichkeit. "Es ist wie bei einer TV-Serie", sagt Autor Wachholz. "Es ist eine kontinuierliche Geschichte. Man hat die Gewissheit, dass es weitergeht. Dass neue Orte entdeckt werden und bekannte Personen wieder auftauchen".
Die Popularität der Fantasyfilme hat ebenso zur Wiederentdeckung der Rollenspiele beigetragen. Da die Computertechnik inzwischen die Darstellung komplexer Welten erlaubt, wurde es für die Entwickler höchste Zeit für ein Spiel über das "Schwarze Auge". Zwar ist die Spielmechanik ebenso traditionell wie das "Pen & Paper"-Spiel, die Grafik der Spielwelt wirkt aber neuartig.
Bis auf Bilder in den Spielebüchern gab es bislang kein Bildmaterial von Ferdok und Umgebung. "Es ist knifflig, aus Texten ein Bild zu machen. Man muss das richtige Gefühl dabei rüberbringen", sagt Beyreuther. Noch eine Kopie der Optik bekannter Fantasy-Filme wie "Der Herr der Ringe" wollte er nicht. Also hat Radon Labs einen Fotografen losgeschickt, der alte Brücken und Fachwerkhäuser als Inspirationsquelle fotografiert hat, während die Grafiker Werke klassischer Maler wie Caspar David Friedrich studiert haben.
Gedämpfte Farben und Pflanzen die aussehen, als wären sie aus Pinselstrichen zusammengesetzt: der Grafikstil des Spiels erinnert tatsächlich an alte Gemälde. Landschaften und Städte sehen für ein Computerspiel überraschend deutsch aus. "Wir wollten uns darauf besinnen, wo unsere Wurzeln liegen", sagt Beyreuther. Nicht nur in Bezug auf die Grafik. Ob Programmierer, Autoren oder Leveldesigner: die Beteiligten sind selber DSA-Spieler. "Drakensang" ist ein Spiel von Fans für Fans.