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11. Januar 2010, 12:09 Uhr

Das iPhone aus Taiwan

Wie Foxconn die Welt erobert

Hon Hai, aber auch die Konkurrenten Quanta, Compal, Acer , Asustek und HTC sowie die singapurische Flextronics setzen zum Höhenflug an. Den Durchbruch verdanken die Kapitalisten aus Taiwan ausgerechnet den Kommunisten in Peking. Die Volksrepublik öffnet in den 80er-Jahren die Sonderwirtschaftszone Shenzhen, wo ein Millionenheer extrem billiger Arbeitskräfte auf Jobs wartet. "Da Kultur und Sprache weitgehend dieselbe sind, die Produktionskosten aber deutlich geringer, können Taiwans Unternehmer die Volksrepublik China als Produktionsstandort geschickt nutzen", sagt Alan Tsao von der IT-Beratung IDC in Taipeh.

Keiner hat diesen Standortvorteil so ausgenutzt wie Terry Gou. Foxconn hat in Shenzhen die wohl größte Fabrik der Welt errichtet: Rund eine viertel Million Menschen arbeiten auf dem Campus. Die meisten Arbeiter verlassen das Werksgelände nie: Sie schrauben Handys und Computer zusammen, sechs Tage die Woche, oft zehn Stunden täglich. Und erhalten dafür selten mehr als 200 Euro Monatslohn. "Es gibt ein richtiges kleines Stadtzentrum mit Lebensmittelgeschäften, einer Post, sogar ein japanisches Restaurant und einen Coffee-Shop", erzählt ein Techniker, der aus Angst vor Repressionen seinen Namen nicht in der Zeitung sehen möchte. Sportplatz, Swimmingpool und Kantine komplettieren das Angebot.

Etagenbetten für die Arbeiter

Direkt neben den unzähligen Produktionsgebäuden stehen die Wohnheime der Arbeiter. Augenzeugen berichten von Schlafsälen, in denen 30, 100 oder noch mehr Menschen in Etagenbetten schlafen. Was wie moderne Sklaverei klingt, empfinden die Betroffenen oft als Glück: Die Wanderarbeiter wollen schnell Geld für ihre Familien im armen Zentral- und Westchina verdienen - und es nicht in Shenzhen ausgeben.

Die Größe, die kurzen Zulieferketten und die Konzentration an Produktions-Know-how haben aus dem Foxconn-Werk das Herz des weltgrößten Industriestandorts Shenzhen gemacht - und aus Terry Gou so etwas wie einen Alfred Krupp der Neuzeit. Der öffentlichkeitsscheue Hon-Hai-Chef steuert längst neue Ziele an: In Shenzhen sollen bald nur noch 100.000 Hochschulabsolventen Hard- und Software entwickeln. Die Produktion will Hon Hai hingegen an Standorte mit noch niedrigeren Arbeitskosten in Vietnam sowie in Zentralchina verlagern.

Anders als viele Konkurrenten hat Gou der Versuchung widerstanden, Produkte unter eigener Marke herauszubringen. "Hon Hai sollte sich auf Basistechnologien fixieren", sagte er im Mai in einem seiner seltenen Interviews. Es gehe darum, "Weizen anzubauen und Mehl zu produzieren" und nicht wie die Konkurrenz "heute Brötchen und morgen Hefeklöße zu machen".

Dieser Haltung verdankt Gou Kunden wie Palm. Die Amerikaner staunten nicht schlecht, als ihr Auftragsfertiger HTC ein Handy herausbrachte, das dem eigenen Smartphone auffallend ähnlich war - Palms neues Gerät Pre wird nun von Hon Hai produziert.

Glänzende Zeiten

Marktbeobachter sagen Gou glänzende Zeiten voraus: Die Elektronikhersteller stünden unter wachsendem Druck, ihre Kosten zu senken, erklären CK Lu und Jamie Wang vom Beraterhaus Gartner in Taipeh. "Outsourcing zu Auftragsfertigern wird weiter wachsen." Überall auf der Welt: In Russland baut Hon Hai mit HP eine Computerfabrik, in Polen haben die Taiwaner ein Werk Dells übernommen, in Mexiko eines von Motorola; in Tschechien sind sie nach der VW-Tochter Skoda das zweitgrößte Exportunternehmen des Landes.

Mit der Metro-Tochter Media-Saturn hat Gou zudem den Aufbau einer Elektronikmarktkette in China verabredet: Der erste mit deutschem Know-how geführte Elektrosupermarkt soll in Schanghai zur Weltausstellung im April eröffnen.

Gou investiert zudem im Energiesektor. So nutzt Hon Hai eines seiner Computerchipwerke, um die Produktion von Solarzellen hochzufahren. In Indonesien wiederum will Hon Hai Kohle fördern, um daraus Benzin zu destillieren.

Einen prestigeträchtigen Auftrag hat Gou jedoch verloren: Die vierte Generation des iPhones soll angeblich von der Asustek-Tochter Pegatron hergestellt werden. Der Tod Sun Dayongs war aber, glaubt man Berichten in Fachdiensten, dafür nicht ausschlaggebend. Vielmehr wolle Apple verhindern, "abhängig von einem einzigen Auftragsfertiger" zu sein, heißt es. Ein größeres Kompliment kann Terry Gou kaum gemacht werden.

Von Thomas Wendel, Hamburg und Claudia Wanner, Hongkong
Seite 1: Das iPhone aus Taiwan
Seite 2: Wie Foxconn die Welt erobert
 
 
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