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19. Mai 2006, 17:41 Uhr

"Lieber klare Niederlage als schwammiger Sieg"

Haben Sie den Erfolg von Google vorausgesehen?

Ich habe es als letzter erkannt, ganz bestimmt nicht als erster. Ich bin zu Google gekommen, weil ich die Leute mochte. Ich fand die Technologie interessant … und war total beeindruckt. Ich habe eine Million Dollar investiert. Bei High-Tech-Unternehmen hängt der Erfolg in erster Linie von den Menschen ab, denn diese Unternehmen haben keine lange Geschichte. Wenn man die Leute mag, dann läuft das. Wenn man sie nicht mag, sollte man sich dagegen entscheiden. Ich mochte Larry und Sergey. Wie sich herausstellte, haben wir mehr gemeinsam, als es scheint. Wir hatten sogar denselben Professor. Sie sind zwar 18 Jahre jünger als ich, aber wir haben auch kulturell viele Gemeinsamkeiten. Ich hatte bereits erreicht, was ich erreichen wollte, und deshalb war ich bereit, ihnen zu helfen. Ich kam, um zu helfen.

Haben Page und Brin geahnt, wie groß Google werden würde?

Ich denke, das haben sie sehr früh gesehen. Sie hatten ein großes Unternehmen vor Augen, vielleicht nicht ganz so groß, wie es jetzt ist, aber auf jeden Fall einen großen Konzern, mit dem die Informationsmission der Welt erfüllt werden kann. Ich habe die Stärke der Marke und die Größe des Werbemarktes systematisch unterschätzt. Erst in meinem zweiten Jahr bei Google wurde mir klar, dass das alles viel größer ist, als ich dachte.

In der Öffentlichkeit stehen Sie etwas im Schatten der beiden Gründer.

Es ist völlig in Ordnung, wenn meine Rolle unterschätzt wird. Ich fühle mich wohl. Ich arbeite in einem Team. Larry und Sergey haben das Unternehmen gegründet. Sie sind wirklich brillant. Ich kam, um zu helfen. Das ist eine wunderbare Erfahrung. Viele Menschen, die beim Aufbau des Unternehmens geholfen haben, haben dafür überhaupt keine Anerkennung bekommen. Ich kann jeden Tag mit einigen der intelligentesten Informatiker die spannendsten Probleme lösen. Was will man mehr?

Ist Google denn ein Medien- oder ein Technologie-Unternehmen?

Wir sind ein Unternehmen für Produktinnovationen. In der Werbe- und Medienbranche sind wir zwar auch aktiv, aber das ist nicht die Hauptsache. Das Unternehmen wird von drei Informatikern geleitet. Alles ist analytisch, alles ist logisch usw. Wenn Sie uns eine nette Marketingfrage stellen, schauen wir Sie vielleicht nur etwas verständnislos an. Es gibt eine Menge Dinge, die wir drei nicht besonders gut können.

Google finanziert sich über Werbung, also müssen Sie doch etwas davon verstehen

Der Verkauf von Werbeanzeigen ist eine analytische Entscheidung. Das Wichtigste dabei ist, die richtige Zielgruppe zu finden. Das ist das Hauptproblem in der Werbung: Sie ist nicht zielgerichtet. Ich sehe im Fernsehen Werbung für Damenbekleidung, obwohl ich dafür keine Verwendung habe. Warum? Das ist ein Fehler. Da sollte Werbung für Herrenbekleidung gezeigt werden. Klarer kann doch ein Argument gar nicht sein. Der Tag wird kommen, an dem ich den Fernseher anstelle und Werbung für Männerkleidung sehe. Hundebesitzer werden Reklame für Hundefutter bekommen, Katzenfreunde welche für Katzenfutter. Klingt doch logisch, oder?

Bedeutet Googles Erfolg das das Ende der klassischen Werbung?

Das heißt nicht, dass es künftig keine Markenwerbung oder keine Fernsehwerbung mehr geben wird, aber in jeder Kategorie sollte es möglich sein, die Werbung besser auf die Zielgruppe auszurichten. Genau das ist unser Geschäft.

Wie groß kann Google noch werden?

Es gibt zwar eine Grenze des Wachstums, aber ich sehe sie noch nicht. Die UMTS-Entwicklung in Europa wird unglaublich sein. Das ist das Beste, das Google seit Jahren passiert ist. Was werden die Nutzer als erstes tun? Sie werden etwas in Google suchen.

Interview, Teil 2... Im zweiten Teil des Interviews spricht Google-Chef Schmidt über die Firmenphilosophie, Weltverbesserungspläne - und den Kampf gegen Microsoft.

Interview: Michael Streck & Dirk Liedtke
Seite 1: "Lieber klare Niederlage als schwammiger Sieg"
Seite 2: Haben Sie den Erfolg von Google vorausgesehen?
 
 
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