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4. September 2008, 16:35 Uhr

Ein bisschen Gott spielen

Die letzte Phase von "Spore" spielt im Weltall© Electronic Arts

Beim Aufbruch ins All stößt der Spieler auf das integrierte Seti-Programm, das nach dem gleichnamigen Uni-Projekt benannt wurde. Während das reale Vorbild immer noch Signale aus dem All nach Anzeichen außerirdischen Lebens durchsucht, findet die Version im Spiel regelmäßig neue, intelligente Lebensformen. Um Seti ins Spiel zu integrieren, hat Wright viel mit den Leitern des realen Projekts kommuniziert. Er selbst glaubt fest an die Existenz von Außerirdischen. Wenn er auch meint, dass intelligente Lebensformen im All nicht so weit verbreitet sind wie in seinem Game.

Wem dort das Seti-Programm eine neue Spezies ankündigt, der kann mit ihr Handel treiben, Aufträge für sie erledigen oder zum Radikalschlag mit Laser- und Entführungsstrahl greifen. Die Methoden bleiben dem Spieler überlassen. Das gesamte Spore-Universum wird mit Kreationen von Spielern bevölkert, die per Internetverbindung in die eigene virtuelle Welt geladen werden. Die Nutzer des Designprogramms "Spore Labor" entwerfen schon seit mehren Monaten Kreaturen und stellen sie ins Netz, damit diese möglichst viele Computer besiedeln können. "Es handelt sich um ein Grundbedürfnis des Menschen", sagt Wright. "Wenn man etwas selbst erschaffen hat, will man es anderen zeigen". Auch wenn Spore von diesem Mitteilungsbedürfnis lebt, ist es kein Onlinespiel wie "World of Warcraft". Jeder bleibt Herr seines Universums und seiner Schöpfung.

"Jeder kann kreativ"

"Es war mir wichtig, zu beweisen, dass jeder kreativ sein kann", sagt der Designer. "Wenn man die Leute danach fragt, sagen die meisten, sie seien nicht kreativ. Aber das stimmt nicht." Wright freut sich darüber, wie überrascht die Menschen in Spore auf ihre eigene Kreativität reagieren. Meist sind sie so stolz auf die Entwürfe, dass sie unbedingt ihr Werk anderen präsentieren wollen. "Das ist das Besondere an Spielen", sagt Wright. "Im Gegensatz zu Büchern und Filmen können sie Menschen zu Gestaltern machen."

Ob Fabriken, Boote oder Bewohner einer Stadt - alles entwirft der Spieler in "Spore" eigenhändig. Die Bedienung des Kreativwerkzeugs ist trotz der vielen Bauteile und Möglichkeiten so einfach wie die eines Malbuchs. Vorausgesetzt, man kann sich zwischen all den Optionen entscheiden. Mit dem Ziehen per Maus setzt der Spieler einfach Augen auf, platziert Klauen und dreht die Wirbelsäule in die gewünschte Richtung. Noch der passende Anstrich und innerhalb von nur einer Minute ist eine neue Spezies geboren.

Ein sechsarmiges Monster mit Mündern an den Beinen entsteht ebenso flott wie ein rosafarbenes Kampfflugzeug mit Blumenschmuck und Kanonen. Die intuitive Bedienung für den Spieler war harte Arbeit für die Designer. "Das war der schwierigste Teil der Entwicklung", sagt Wright. Pastellfarbene, verschnörkelte Häuser müssen im Extremfall zu monsterartigen Kreaturen mit Hörnern und Klauen passen, ohne einen optischen Widerspruch zu ergeben. Das funktioniert dank der comicartigen Optik gut. "Außerdem mussten wir sichergehen, dass alle Bewegungsabläufe funktionieren, ohne dass wir wissen können, was der Spieler alles kreiert", sagt Wright.

Er will Menschen nicht nur für die eigene Kreativität, sondern auch für die Wissenschaft begeistern: "Ich möchte ihnen zeigen, warum Biologie oder Astronomie so spannend sind. Denn Wissensvermittlung ist nicht das Problem." Schließlich kann sich jeder im Internet alle gewünschten Informationen besorgen. "Es scheitert oft an der Motivation. Die will ich wecken", sagt der Spieleentwickler.

Will Wright ist der Schöpfer von "Sims" und "Spore"© Ryan Anson/AFP

"Es geht um den Spieler, nicht den Spieldesigner"

Diese Motivation sei leichter zu wachzurufen, wenn die Leute etwas Eigenes erleben können. Etwas, das sie selbst erschaffen haben und für das sie sich verantwortlich fühlen. Deshalb gebe "Spore" dem Spieler keine Handlung vor. "Es sollte doch um die Geschichte des Spielers gehen, nicht um die des Spieldesigners", sagt Wright. So war es schon bei seiner Alltagssimulation "Die Sims". Wenn die Spieler den Müll raustragen, sich in Affären mit dem Nachbarn stürzen und Geschirr spülen, gibt es ebenfalls keine vorgefertigte Geschichte und kein Ende. Trotz des ungewöhnlichen Spielprinzips sind "Die Sims" die erfolgreichste PC-Spielereihe aller Zeiten geworden. Ursprünglich sollte Spore "SimsEverything" heißen, weil es die Idee der Seifenoper zum Nachspielen konsequent weiterführt.

Wright ist schon gespannt, welche Geschichten die Spieler in Spore erleben werden: "Es ist noch nicht vorbei. Das Spiel ist fertig. Der nächste Schritt der Entwicklung ist, zu sehen, was die Spieler tun werden".

Von Nina Ernst
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KOMMENTARE (5 von 5)
 
Eisenbaer (07.09.2008, 12:31 Uhr)
Und fällt jemandem nichts Neues mehr ein...
...dann nimmt er alles Altbekannte worauf er Zugriff nehmen kann und bastelt daraus ein Spiel. Ich fürchte nur, die Spieler sind mittlerweile bereits so spezialisiert, dass sie einen Allrounder wie "Spore" ablehnen werden. Denn im Grunde genommen ist sind es mehrere verschiedene Spiele die lediglich durch einen "Roten Faden" miteinander verbunden sind. Und man muss alle Spiele von vorne bis nach hinten durchspielen, ob man will oder nicht...

Also für mich steht jetzt schon fest: Danke, nein. Nichts für mich.
zaxxon (05.09.2008, 17:45 Uhr)
langweilig...
aber über geschmack lässt sich ja streiten! ist in keinem gängigen pc magazin über 80% bewertung gekommen...
ElPrimo (05.09.2008, 11:10 Uhr)
Klasse...
Einfach nur genial, auf sowas hab ich schon immer gewartet. Sims war nicht so mein Fall, aber "Spore" ist einfach nur faszinierend :-)
Riesenlob an die Entwickler...
bR4iNST0RM (05.09.2008, 10:01 Uhr)
Seit...
... der ersten Preview warte ich gespannt. Endlich ist es soweit! *froi*
nichtvergessen (05.09.2008, 08:40 Uhr)
Danke Will Wright
Mit Spore ist die naechste Dimension der Spieleentwicklung erreicht.
Ein Quantensprung! Aehnlich wie bei Elektrizitaet,Telefon,Internet, Auto,Wasserversorgung,Flugzeug etc. wird man sich fragen muessen ob es ein Dasein ohne Spore ueberhaupt geben kann. Einzig der permanente Schlafmangel seit es zu 'sporen' gilt, stoert ein wenig, aber das ist man seinen Spezies einfach schuldig.
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