Neue Macintosh-Rechner aber lächeln nicht mehr, wenn man den Einschaltknopf drückt; sie starten mit der kühlen, metallischen Eleganz, die einem Asketen wie Steve Jobs gefällt. Menschlich und freundlich verhält sich auch die Firma Apple nicht unbedingt, wenn sie Fans verklagt, die im Internet Geheimes über neue Produkte ausplaudern - Leute wie den 19-jährigen Betreiber von Thinksecret zum Beispiel, einen Harvard-Studenten, der sich nun vor Gericht gegen die Anwälte einer 8-Milliarden-Dollar-Firma verteidigen soll. "Das ist nicht großherzig, das ist knallharte Geschäftstaktik", kritisiert Andy Hertzfeld, einer der Entwickler des Original-Macintosh. Hertzfeld vermisst den Geist von Steve Wozniak in der Firma, die der andere Steve inzwischen allein leitet: "Ein Grund dafür, dass Leute Apple so sehr lieben, ist dieser Großmut, der immer Teil des Erbguts der Firma war", erklärt der 51-Jährige. "Und Großmut ist etwas, das Woz auszeichnet, Steve Jobs dagegen nicht."
Wozniak selber hat dagegen für seinen ehemaligen Partner nur lobende Worte übrig: "Steve ist immer sehr gut zu mir", sagt er. Gerade erst habe er einen Ipod Shuffle geschenkt bekommen, und außerdem werde er zu jeder Apple-Veranstaltung eingeladen. Natürlich könnte er in der ersten Reihe sitzen, wie es sich für einen Prominenten gehört, aber lieber sucht Wozniak sich einen Gangplatz in der dritten Reihe, so wie neulich, als Jobs in San Jose den U2-Ipod enthüllte. Anschließend war er einer der Ersten, die sich den schwarzroten Taschenspieler kauften. "Das ist mein absoluter Lieblings-Ipod!", schwärmt Wozniak. "Wenn ich ins Restaurant gehe, lege ich ihn immer auf den Tisch, um zu sehen, ob Leute, die Geschmack haben, mich darauf ansprechen."
Er sitzt in seinem Büro im Silicon Valley, als er das sagt, und erzählt begeistert von dem Dutzend anderer Ipods, die er schon gekauft hat, von seiner CD-Sammlung, die mehrere Festplatten füllt, und von seinen zwei Autos vor der Tür, die er beide liebt, obwohl sie gegensätzlicher nicht sein könnten: einerseits der Toyota Prius, ein benzinsparender Kleinwagen mit Elektro-Hilfsmotor, andererseits der Hummer, ein Monstertruck von zwei Tonnen Leergewicht, der über 30 Liter Benzin auf 100 Kilometer verschlingt. Beide sind, auf ihre Art, Meisterwerke der Ingenieurskunst, und das ist für Wozniak das Entscheidende.
Äußerlichkeiten zählen für den passionierten Bastler wenig, Cleverness dagegen sehr - man sieht das auch an seinem schlichten, schmucklosen Büro und am unauffälligen Firmenschild draußen an der Tür, das nur dem Eingeweihten offenbart, wer hier arbeitet: "Wheels of Zeus"
"Steve hat diese Vorstellungen davon, wie Dinge sein sollten", sagt Wozniak bewundernd. "Und auch wenn niemand immerzu zu hundert Prozent Recht haben kann, liegt er doch öfter richtig als irgendein anderer, den ich kenne." Dass Jobs, überzeugt von der Genialität seiner eigenen Ideen, früher gern Mitarbeiter herunterputzte, bis denen die Tränen kamen - Wozniak kennt diese Geschichten, "aber ich habe das nie selbst erlebt, und mit mir hat er sich kein einziges Mal so angelegt. Wir hatten Meinungsverschiedenheiten, aber niemals Streit."
Wozniak hat Jobs sogar den größten Verrat verziehen: Als die beiden einmal vor ihrer Apple-Zeit den Auftrag bekamen, für den legendären Videospiele-Hersteller Atari das Spiel "Breakout" zu entwickeln, erzählte Jobs seinem Freund, der Lohn sei 700 Dollar. In Wahrheit zahlte Atari 7000. Jobs kassierte den Rest, und Wozniak erfuhr davon erst Jahre später. "Da habe ich geweint", sagt er. "Die Tatsache, dass Steve so etwas einem Freund antun konnte, das hat weh getan." Aber es ändere nichts daran, dass das Atari-Projekt zu den schönsten Erinnerungen seines Lebens zähle: "Ich durfte ein Atari-Spiel programmieren", schwärmt Wozniak, "das ist mir viel wichtiger als das Geld. Und wir haben's zusammen getan. Einer von uns allein hätte das nie schaffen können - genau wie bei Apple."